Psychologe? Psychotherapie? - wo soll ich hin?

Hallo,

ich habe folgendes Problem:

Seit ca. 9 Jahren meide ich es, woanders zu schlafen.
Mir wird übel, ich habe ein ungutes Gefühl, esse nichts und möchte am liebsten wieder nach Hause.

Es klappte gerade mal, wenn ich bei meinem Freund schlafe oder seitdem ich zuhause ausgezogen bin, bei meinen Eltern. Selbst bei Freunden oder Geschwistern, wo ich mich eigentlich heimisch und nicht fremd fühle, klappt es nicht.

Damit verbunden natürlich auch Urlaubsreisen, die ich nicht antrete und mich auch nicht traue. Da mein Freund aber natürlich mit mir wegmöchte und ich ihn bei seinem bevorstehenden Trip ins Ausland besuchen soll, sehe ich mich nach all den Jahren gezwungen, nun endlich etwas gegen diesen Stress zu tun.

Ich habe die gelben Seiten durchblättert und frage mich nun, ob ich zu einer Psychtherapie muss? Oder mir ein Psychologe in einer Beratung auch weiterhelfen kann?
Wie funktioniert es dann mit der Krankenkasse? Muss ich es denen vorher melden oder gebe ich dem Berater einfach meine Krankenkassenkarte? Wohl kaum, oder?
Ich habe null Ahnung und würe mich freuen, wenn mir jemand sagen kann, welchen Schritt ich als nächstes machen kann!

Vielen Dank im voraus!

Hallo,

falls Du einen Hausarzt hast, zu dem du halbwegs Vertrauen hast, solltest Du mit deinem Problem erst mal zu ihm gehen. Ein halbwegs kompetenter Hausarzt wird dein Problem erfassen können und Dir Ratschläge für Dein weiteres Vorgehen geben können, z. B. in Bezug auf einen Facharzt, sowie ggfs eine Überweisung ausstellen.

&Tschüß

Wolfgang

Hallo!
Wolfgang hat ganz recht. Dein erster Weg sollte zum Hausart führen. Nicht nur um eventuell ein körperliches Leiden auszuschließen, sondern vorallem um dir einen Überweisungsschein zu geben. Mit dem ist ein Erstgespräch bei einem Psychologen oder Psychotherapeuten kostenlos und alles weitere wird dir dann erklärt. Zumindest teilweise muss die Kranknekasse die Kosten übernehmen, sofern ein Leidenszustand vorliegt. Und der liegt vor. Also ab zum Hausarzt!

lg infi

Hallo,

Nicht nur um eventuell ein körperliches Leiden
auszuschließen, sondern vorallem um dir einen
Überweisungsschein zu geben. Mit dem ist ein Erstgespräch bei
einem Psychologen oder Psychotherapeuten kostenlos

in Deutschland braucht man in der Regel keinen Überweisungsschein. Die ersten Termine beim Psychotherapeuten sind in der Regel über die Krankenkassekarte drin, siehe z.B.

http://www.bdp-verband.de/psychologie/psytherapie.sh…

Grüße,

Oliver Walter

1 „Gefällt mir“

Wartezeit
Versuche dich vorher zu erkundigen, welche Art von Therapie für dich sinnvoll ist, nicht alle Therapeuten bieten alle Arten an.

Wie man sich einen guten Therapeuten aussucht, weiß ich auch nicht, es wäre aber nötig. Da das Ganze ja ein ziemlich totgeschwiegenes Thema ist, kann man kaum jemanden nach seinen Erfahrungen fragen. Bleibe nicht beim Erstbesten, wenn Du mit ihm nicht klar kommst.

Mach dich auf Wartezeiten gefaßt, hier sind das 6 bis 9 Monate auf eine Verhaltenstherapie. Das ist für mich so unendlich lang, dass ich mich nicht mal auf eine Warteliste habe setzen lassen. Aber davon wird`s natürlich auch nicht besser.

kernig

Ich bin seit einigen Tagen dabei, mich über Therapeuten in meiner Stadt schlau zu machen. Leider findet man im Internet nicht wirklich viel über die einzelnen Praxen und deren Bereiche.
Ich kann ja schlecht überall anrufen, denen mein Problem schildern und mich dann entscheiden. Schließlich fällt es mir nicht gerade leicht, darüber zu reden.

Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich zu einer Frau oder einem Mann gehen soll. Die vorigen Ideen mit dem Hausarzt gefallen mir übrigens nicht wirklich gut, denn er kennt mich seit einigen Jahren und hat ein derartig ungwöhnliches Verhalten an den Tag gelegt, als ich ihm einmal fast heulend mein Essproblem darstellte. Seitdem gehe ich nur wenn nötig zu ihm.

Über lange Wartezeiten habe ich echt nicht nachgedacht, das ärgert mich ein wenig. Mein Freund fährt schließlich schon im Februar… hmpf.
Naja… vielen Dank erstmal für die Antwort!

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

in Deutschland braucht man in der Regel keinen
Überweisungsschein. Die ersten Termine beim Psychotherapeuten
sind in der Regel über die Krankenkassekarte drin, siehe z.B.

Das ist bei uns ähnlich, bzw. datieren die meisten Psychologen das Erstgespräch um, sodass der nachgebrachte Überweisungsschein gültig ist.
Wenn man aber gar nicht weiß wo man hinsoll, ist der Hausarzt sicher eine gute Alternative, weil er normalerweise Fachkräfte in der Umgebung kennt.

lg infi

hi

Ich habe null Ahnung und würe mich freuen, wenn mir jemand
sagen kann, welchen Schritt ich als nächstes machen kann!

Ich würde direkt meine Krankenkasse anrufen und mir von Ihnen eine Liste mit Adressen von Therapeuten geben lassen, die in Frage kämen :o)

Dann würde ich mich einen nachmittag hinsetzen und alle mal durchtelefonieren - wenn mir einer schon am Telefon nicht sympatisch ist muss ich da garnicht erst persönlich hingehen - also reduziert sich die Liste von ganz allein ;o)

Gruß H.

Krankenkasse fragen
Hallo nochmal,

das kann ich verstehen mit dem Hausarzt. Meiner will mir dauernd Antidepressiva verschreiben und glaubt mir einfach nicht meine Erfahrungen, die ich damit gemacht habe (Wir sind erst umgezogen). Da ist das Vertrauen natürlich erstmal flöten.

Ruf doch mal Deine Krankenkasse an und frage, wie das abläuft. Soweit ich weiß gibt es bei Gesprächstherapien so eine Art „Probestunden“ innerhalb derer Du Dich noch umentscheiden kannst. Wenn Du die Energie hast, schau dir auf jeden Fall 2 Theralpeuten an.

Ich hatte damals eine Liste von Psychotherapiepraxen in meiner Stadt bekommen, allerdings vom Hausarzt. Die Caritas hat manchmal psychologische Beratungsstellen, vielleicht haben die da solche Listen und können (vielleicht nur inoffiziell) einen Therapeuten empfehlen.

Oder Du gehst in eine Ambulanz einer Klinik, vielleicht hilft man Dir da weiter.

kernig

Dann würde ich mich einen nachmittag hinsetzen und alle mal
durchtelefonieren - wenn mir einer schon am Telefon nicht
sympatisch ist muss ich da garnicht erst persönlich hingehen -
also reduziert sich die Liste von ganz allein ;o)

Nur um dir dabei Enttäuschung zu ersparen: Die meisten Therapeuten haben keine Sprechstundenhilfe, d.h. sie müssen selbst ans Telefon gehen. Da sie aber ihr Geld mit intensiven und ungestörten Gesprächen verdienen, sind sie nur schwer zu erreichen, manchmal nur 15minutenweise pro Tag oder nur eine Stunde pro Woche. Da ist Geduld gefragt.

kernig

1 „Gefällt mir“

Hallo Kaddi,

wo Du hin sollst kann ich Dir nicht sagen aber ich will Dich warnen vor der Tragweite einer Psychotherapie oder Psychologischen Behandlung. Solltest Du Dich jemals privat krankenversichern wollen so solltest Du Dich zuvor dringend mit einem kompetenten Finanzmakler Deines Vertrauens darüber unterhalten - falls Du immer gesetzlich versichert bleiben wirst ist mein Posting für Dich hinfällig.

Udo

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Wenn man aber gar nicht weiß wo man hinsoll, ist der Hausarzt
sicher eine gute Alternative,

das denke ich nicht. Eindeutige psychische Störungen erkennen Allgemeinärzte in ca. 60% der Fälle, grenzwertige Fälle erkennen sie in weniger als 50% und vereinzelte psychische Symptome in weniger als 40% der Fälle.

Beste Grüße,

Oliver Walter

1 „Gefällt mir“

Hallo Oliver,

darf ich nach der Quelle dieser Zahlen fragen? Habe eben auf die Schnelle bei Google nichts gefunden.

Danke & Gruß,
Farou

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo, Farou,

darf ich nach der Quelle dieser Zahlen fragen?

klar. Die Zahlen stammen aus meiner Mitschrift der Psychiatrievorlesung gehalten von Prof. Dr. med. Aldenhoff, Direktor der Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Kiel.

Beste Grüße,

Oliver Walter

Als Ergänzung:

Im Lehrbuch Klinische Psychologie und Psychotherapie von Perrez & Baumann (1998, S. 127) findest Du weitere Zahlen zu diesem Thema.

Beste Grüße,

Oliver Walter

1 „Gefällt mir“

Danke. (owt)
=)