Psychologe vs. Psychiater

Hallo,

ganz so trivial, wie im Titel geschrieben ist meine Frage (hoffentlich) nicht.

Wann entscheidet man sich bei einem Psychiater eine Therapie zu machen und wann beim Psychologen? Ist der Psychiater „besser“ (ausgebildet)?

Es geht mir hier nicht um die Verschreibung von Medikamenten, sondern um die Qualität der Diagnostik und der Therapie.

Überschneidet sich hier ein Tätigkeitsfeld?

Wenn jemand eine Angststörung hat, sucht er in der Regel einen Psychologen auf. Wie ist es bei Persönlichkeitsstörungen, wie Bipolare, Depressive oder ADHSler? Gehen die zum Psychologen oder zum Psychiater?

„Versteht“ ein Arzt mehr als ein Psychologe?

Ich freue mich auf die Antworten (als Grundlage für eine bevorstehende Diskussion mit einem Arzt).

Vielen Dank und viele Grüße

Moin

Wann entscheidet man sich bei einem Psychiater eine Therapie
zu machen und wann beim Psychologen? Ist der Psychiater
„besser“ (ausgebildet)?

Seit Anfang dr 90er Jahre gibt es en Facharzt für Psychiatrie u n d Psychotherapie - dieser dürfte die beste Anlaufstlle für dich sein.
Gruß,
B

Hallo Branden,
danke für die schnelle Antwort - leider nur nicht auf meine Frage bezogen.
Ich wollte den fundamentalen Unterschied zwischen der Therapie bei einem Psychiater und die bei einem Psychologen wissen. Und es geht hier nicht um mich, sondern ich brauche Infos für ein bevorstehendes Gespräch.

Was therapieren Psychologen und was Psychiater?

Viele Grüße
Chili

Moin Chili,
ich befürchte, die Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Es kommt auf die Symptome des Patienten und auf die ‚Qualität‘ des Psychologen bzw. Psychiaters an.

Ein Psychologe kann keine Medikamente verschreiben. Das ist bei einigen Krankheitsbildern aber vielleicht nötig, um überhaupt die Voraussetzungen für eine andere Therapieform zu schaffen.
Ein Psychiater alleine, heißt auch noch nicht sehr viel. Es kommt darauf an welche Spezialisierung und Zusatzausbildung er hat.

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass ein Psychiater vielleicht etwas mehr Augenmerk auf die körperlichen Ursachen der Krankheit legt. Das ‚verwahrlosen‘ imo Psychologen leider noch oft. Meiner Ansicht nach haben alle psychischen Erkrankungen eine körperliche Ursache - sonst müsste man ja z.B. von einer ‚Besessenheit‘ ausgehen.
Allerdings wissen wir (Menschen) leider noch zu wenig von der Funktion des Gehirns und welche genauen Mechanismen hinter welchen Krankheiten stecken. Daher sind auch viele Behandlungen von Psychiatern ein ‚Try and error‘. Z.B. sind von vielen Antidepressiva die genauen Wirkmechanismen nur im Ansatz bekannt. Bei manchen wird inzwischen die Wirkung sogar angezweifelt. Und an der Vielzahl der unterschiedlichen Produkte ist zu sehen, wie schwierig die Wahl für das ‚richtige‘ Medikament sein kann.
Wie genau Medikamente oder Psychotherapien wirken - wo sie ansetzen, welchen Einfluss sie auf Neuronale Vorgänge haben… da ist sehr vieles noch unbekannt.

Ich denke - egal ob Psychiater oder Psychologe - wichtig ist, dass Therapeut und Klient ein Vertrauensverhältnis haben und sich zusammen an eine Behandlung ‚herantasten‘

Wenn jemand eine Angststörung hat, sucht er in der Regel einen
Psychologen auf. Wie ist es bei Persönlichkeitsstörungen, wie
Bipolare, Depressive oder ADHSler? Gehen die zum Psychologen
oder zum Psychiater?

Das kann man so nicht sagen. Wenn die Angststörung sehr massiv ist braucht es evt. Medis um die überhaupt angehen zu können.

„Versteht“ ein Arzt mehr als ein Psychologe?

Kann man auch nicht so sagen. Ein Arzt wird idR mehr über die körperlichen Aspekte wissen und vielleicht eher bereit sein, Ergebnisse der Hirnforschung in seine Arbeit einfließen zu lassen. Aber es gibt sicher auch Psychologen die dafür offen sind und sich weiterbilden.

Ich würde auf zwei Dinge achten, wenn ich selbst zu wählen hätte. Ich müsste Vertrauen zum Psychiater oder Psychologen haben. Ich würde mich nicht ausschließlich auf Medikamente verlassen. Auch wenn ein Psychiater die Anlaufstelle ist sollte eine Gesprächs-, Verhaltens-, … Therapie die medikamentöse Behandlung begleiten. Ich würde - je nach Problem - Medis nicht kategorisch ablehnen.
Bei Erst-Gespräch würde ich Fragen nach der Art der Therapie stellen und mir erklären lassen was das jeweils ist. Wie lange die normal dauert. In welchem Turnus sie stattfindet.
Viel Erfolg. …lux

Hallo!

Ich fühle mich genötigt eine kurze Begriffsdefinition ein zu werfen:

Psychologe := Person mit abgeschlossenem Diplom/Bachelor/Master-Studium im Fach Psychologie

Klinischer Psychologe := Psychologe, der im Studium eine Prüfung im Fach „Klinische Psychologie“ abgelegt hat, und deshalb das Recht besitzt sich zum Therapeuten weiterbilden zu lassen.

Klinisch tätiger Psychologe := In der Regel ein klinischer Psychologe, der in einem Krankenhaus arbeitet. Er darf Behandlungen im Krankenhaus durchführen!

Psychotherapeut in Ausbildung (PiA) := Klinisch tätiger Psychologe, der sich zur Zeit in einer Weiterbildung zum Psychotherapeuten befindet. Manchmal mit anderem Titel, wenn Zwischenprüfung bestanden.

Psychologischer Psychotherapeut := Psychologe mit abgeschlossener Approbation, „höchster Rang“.

Assistenzarzt in einer Psychiatrie := Absolvent eines Medizinstudiengangs mit dem Schwerpunkt Psychiatrie, ohne Facharztweiterbildung, in etwa mit dem PiA vergleichbar. Darf Medikamente verschreiben, das darf ein Psychologe, egal welchen „Ranges“ nicht und nie.

Facharzt für Psychiatrie := Psychiater mit Facharztausbildung.

Zu deiner konkreten Frage:

Nur der Psychiater darf überhaupt Medikamente verabreichen und er wird das in der Regel auch tun. Es ist also mit einer entsprechenden Anwendung zu rechnen. Der Psychologe hat die Möglichkeit nicht, kann aber natürlich einen Arzt/Psychiater zwecks Medikierung hinzuziehen.

Zielt die Frage auf die „Therapeutische Schule“, also Psychoanalyse nach Freud, Kognitive Therapie nach Beck/Ellis, Hypnose, Schematherapie, Tiefenpsychologie etc… dann muss ich dich mit dem Satz „Unbeantwortbar“ enttäuschen. Das kann sich nämlich der individuelle Therapeut selbst heraussuchen und das ist abhängig davon bei welchem Institut er seine Weiterbildung macht. Bad Dürkheimer beispielsweise haben von allen Richtungen ein bisschen intus, Angestellte der Felsenlandklinik bei Dahn verwenden erahrungsgemäß Hypnoseverfahren, und so weiter…

Es gibt einen gewissen Konsenz: Manche Krankheiten sind ohne Medikamente unbehandelbar: Schizophrenie zum Beispiel. Andere sollten mit Medikamenten behandelt werden, etwa Bipolare Störungen, und wieder andere sollten nicht mit Medikamenten behandelt werden, wie zum Beispiel spezifische Ängste.

Womit man ganz kurz zusammenfassen kann:

Ich wollte den fundamentalen Unterschied zwischen der Therapie bei einem Psychiater und die bei einem Psychologen wissen

Der eine (Psychiater) darf Medikamente verschreiben, der andere (Psychologe) nicht.

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Hallo,
danke für Deine Antwort - das weiss ich alles schon.

Meine Frage war ja nach den Unterschieden der Therapiequalität (das mit den Medikamenten außer Acht, denn man kann sich ja auch von einem Arzt die Medikamente verschreiben lassen und bei einem Psychologen zur Therapie gehen).

Mal ganz provokativ ausgedrückt: ist die Therapie beim Psychiater „härter“ und effektiver und die beim Psychologen (ich wähle jetzt mal die Kurzform der Berufsbezeichnung), die dort eher ein mehr oder weniger entspanntes Teekränzchen ist?

Dieser Satz stammt nun nicht von mir - aber das ist es worum es mir in meiner Frage geht.

Viele Grüße

Hallo,
Danke für Deine Antwort - Du hast mich verstanden!

Ist es denn möglich (und üblich), dass jemand sowohl zum Psychiater (Diagnostik, Medikamentenverschreibung als auch zum Psychologen (Therapie) geht? Wie funktioniert da die Zusammenarbeit?

Vielen Dank und viele Grüße

Hallo nochemal Chili

Mal ganz provokativ ausgedrückt: ist die Therapie beim
Psychiater „härter“ und effektiver und die beim Psychologen
(ich wähle jetzt mal die Kurzform der Berufsbezeichnung), die
dort eher ein mehr oder weniger entspanntes Teekränzchen ist?

Sorry, aber die Frage ist ein bißchen falsch gestellt. Ein Psychiater o h n e Psychotherapie-Ausbildung (gibts ja genug) kann gar keine antragspflichtigen Therapiestunden anbieten.
Es stellt sich also allenfalls die Frage, ob der ä r z t l i c h e Psychotherapeut (der Psychiater sein kann, aber nicht sein muss) anders behandelt als der p s y c h o l o g i s c h e Psychotherapeut.
Diese Frage kann man heutzutage eher mit „nein“ beantworten, weil die versch. Psychotherapie-Weiterbildungs-Institute als Kandidaten sowohl Ärzte als auch Diplom-Psychologen aufnehmen. Das guilt sowohl für analytisch-tiefenpsychol. Institute als auch für Verhaltenstherapie-Institute.
Gruß,
B.

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Guten Tag!

Ist es denn möglich (und üblich), dass jemand sowohl zum
Psychiater (Diagnostik, Medikamentenverschreibung als auch zum
Psychologen (Therapie) geht?

Natürlich.
Der „psychologische Psychotherapeut“ (ein „Psychologe“ ist eigentlich etwas anderes) hat zumindest so viel organmedizinisches und psychopharmakologisches Grundwissen in seiner Ausbildung erworben, dass er weiß, bei welchen Patientengruppen eine körperliche Ausschlussdiagnostik notwendig ist, und bei welchen pharmakotherapeutische Maßnahmen notwendig sind. Beides kann nur der Arzt leisten.

Entweder der „psychologische Psychotherapeut“ arbeitet sowieso institutionell verzahnt mit Ärzten zusammen (in Ambulatorien, Praxisgemeinschaften, etc.) oder er schickt den Patienten zum Arzt seiner Wahl.

In Österreich ist es übrigens sogar verpflichtend, dass der Patient spätestens vor Beginn der zweiten Therapiestunde einen Arzt seiner Wahl (das muss kein Psychiater sein, ein Allgemeinmediziner reicht) konsultiert hat.
Allerdings natürlich nicht, damit dieser dem Psychotherapeuten die Diagnose vorgäbe, sondern … weiß keiner so genau warum :wink:

E.T.

Hallo Branden,

ok - danke. Das war auch ungefähr das was ich vermutet habe.

Viele Grüße
Chili

Hallo,

In Österreich ist es übrigens sogar verpflichtend, dass der
Patient spätestens vor Beginn der zweiten Therapiestunde einen
Arzt seiner Wahl (das muss kein Psychiater sein, ein
Allgemeinmediziner reicht) konsultiert hat.
Allerdings natürlich nicht, damit dieser dem Psychotherapeuten
die Diagnose vorgäbe, sondern … weiß keiner so genau warum
:wink:

Na wahrscheinlich um die Überweisung zu bekommen?

Viele Grüße
Chili

Guten Tag!

In Österreich ist es übrigens sogar verpflichtend, dass der
Patient spätestens vor Beginn der zweiten Therapiestunde einen
Arzt seiner Wahl (das muss kein Psychiater sein, ein
Allgemeinmediziner reicht) konsultiert hat.
Allerdings natürlich nicht, damit dieser dem Psychotherapeuten
die Diagnose vorgäbe, sondern … weiß keiner so genau warum
:wink:

Na wahrscheinlich um die Überweisung zu bekommen?

Nein, es braucht für die Psychotherapie auch in Österreich keine Überweisung.

E.T.

Ein Psychiater o h n e Psychotherapie-Ausbildung (gibts ja genug) kann gar keine antragspflichtigen Therapiestunden anbieten.

Da muss ich leicht widersprechen. Ist der nicht-approbierte Therapeut Angestellter einer anerkannten klinischen Einrichtung darf er innerhalb dieser Einrichtung einen Patienten eigenverantwortlich therapieren. Er dürfte außerhalb der Klinik jedoch nicht über die Krankenkasse abrechnen, das stimmt.

Sprich: Wenn man in eine Klinik kommt, ist es nicht zwingend gegeben das man auch von einem approbierten Therapeuten behandelt wird.