Hallo,
Da muss ich auch mal die Journallie in Schutz nehmen.
Journalisten schreiben nur, was die Menschen lesen wollen,
nein, sondern sie schreiben, was bestimmte Menschen lesen wollen, nämlich ihre Kunden. Und bestimmte Menschen sind wegen Nataschas Schicksal „geschockt“ und fragen sich: „Herrgott, wird sie es je vergessen können?“
So fragt denn der Journalist in Antizipation dieser menschlichen Frage seiner Leserschaft den Psychologen. Was soll der dann antworten, wenn er doch weiß, daß diese Frage auf der einen Seite menschlich verständlich, aber nicht wirklich zu beantworten ist? Die Antwort wird dann von Journalisten eingedampft zur Banalität: „Vermutlich nicht“.
„Vermutlich“ deshalb, weil freilich Eventualitäten im Leben sich ereignen können, die keiner mit Sicherheit vorhersagen kann wie z.B. eine Gehirnverletzung bei Frau Kampusch, die dazu führt, daß sie eine retrograde Amnesie „erleidet“ und sich an nichts mehr aus ihrem Leben bei Herrn P. erinnern kann. Würden „wir“ in einem solchen Fall nicht „alle“ sagen: „Ach, die Gute, ihr Schicksal ist schrecklich, aber jetzt ist sie von ihrem Leiden erlöst. Sie muß sich nicht mehr an diese schreckliche Zeit erinnern.“?
Wenn ein (studierter) Psychologe weiss, dass die Journalisten
in der Regel mit Dingen wie „neurofunktional“ nix anfangen
können, dann muss man, wenn man wirklich daran interessiert
ist, Wissen durch das Nadelöhr Journalist zu verbreiten, eben
eine andere Sprache wählen.
Als wenn (studierte) Psychologen (gibt´s auch unstudierte?
) das nicht wüßten … Allerdings wenn man sich immer darauf einließe, würden „platte“ Fragen immer mit „platten“ Aussagen beantwortet werden, so daß dann in einem Forum meistens zu lesen wäre: „Wie doof sind die denn …“
Meine ursprüngliche Frage wollte keinem, weder Journalisten
noch Psychologen einen Schwarzen Peter zuschieben. Nur das
Ergebnis des Aufeinandertreffens von so verschiedenen Menschen
fand ich lustig.
Ich würd eher sagen: Wenn man es so viel besser weiß, sollte man sich nicht lustig machen, sondern die Sache besser.
Beste Grüße,
Oliver Walter