Hallo,
ich habe eine Frage, die aus einer Diskussion heraus entstand.
Ein Anwalt wird sicher nicht so schnell auf einen Vertrag hereinfallen, der zu seinem Ungunsten ist. Wie ist das hingegen bei Psychologen und ihre Privatangelegenheiten? Kann ein z.B. ein Psychologe ein guter Therapeut sein, obwohl sein eigenes Beziehungsleben chaotisch ist, er ein zerrüttetes Verhältnis zu seinen Eltern hat oder Probleme mit der Erziehung der eigenen Kinder? Warum ist es nicht möglich das eigene Wissen im eigenen Leben praktisch anzuwenden, oder geht es doch?
Ein Anwalt wird sicher nicht so schnell auf einen Vertrag
hereinfallen, der zu seinem Ungunsten ist. Wie ist das
hingegen bei Psychologen und ihre Privatangelegenheiten?
Du berührst mit deiner Fragestellung das interessante Gebiet der L a t e n z e n.
Bei manchen Berufen ist die Latenz häufiger und schneller sichtbar als bei andderen. Der Jurist ist in seiner Latenz ein Krimineller (deshalb sieht man so viele Juristen als Politiker Karriere machen), der Psychologe ist in seiner Latenz ein Neurotiker oder persönlichkeitsgestört, der Psychiater latent psychogefähredt usw. usf. Das sind natürlich keine Bedingungen, es geht nur um Tendenzen.
Kann
ein z.B. ein Psychologe ein guter Therapeut sein, obwohl sein
eigenes Beziehungsleben chaotisch ist, er ein zerrüttetes
Verhältnis zu seinen Eltern hat oder Probleme mit der
Erziehung der eigenen Kinder?
Nun, aus dem, was ich oben geschrieben habe, kannst du weiterhin ableiten, dass ein „pumperlgesunder“ Mensch selten Psychologie studiert etc.
Du kannst also von vornherein erstmal eine schwierige Kindheit o.ä. beim Psychologen voraussetzen. Allerdings setzt er sich dann systematisch mit sich selbst auseinander, insbesondere, wenn er einen analytisch getönten Ausbuildungsweg einschlägt und eine Lehranalyse macht.
Warum ist es nicht möglich das
eigene Wissen im eigenen Leben praktisch anzuwenden, oder geht
es doch?
Das geht durchaus und wird hundertfach so gemacht, aber -wiegesagt- du solltest keine perfekten Persönlichkeiten erwarten. Das wäre eine kindliche Projektion, wie wir sie früher auf unsere Eltern losließen.
Gruß,
Branden
Ein Anwalt wird sicher nicht so schnell auf einen Vertrag
hereinfallen, der zu seinem Ungunsten ist. Wie ist das
hingegen bei Psychologen und ihre Privatangelegenheiten? Kann
ein z.B. ein Psychologe ein guter Therapeut sein, obwohl sein
eigenes Beziehungsleben chaotisch ist, er ein zerrüttetes
Verhältnis zu seinen Eltern hat oder Probleme mit der
Erziehung der eigenen Kinder? Warum ist es nicht möglich das
eigene Wissen im eigenen Leben praktisch anzuwenden, oder geht
es doch?
Natürlich geht das.
Psychologen sind auch nur Menschen. Und wie alle Menschen haben sie ihre Erfahrungen gemacht und haben Probleme. Das kann sogar ziemlich nützlich sein. Wer mal selber durch diverse Höllen gegangen ist, hat bessere Chancen, die Hölle seiner Klienten nachvollziehen zu können.
Damit sie nicht ihre „blinden Flecken“ übersehen, gibt es z.B. die Lehranalyse bei den tiefenpsychologisch orientierten Therapeuten.
Oder - Plan B - sie werden eben keine Therapeuten, sondern gehen z.B. in die Forschung.
Ein Anwalt wird sicher nicht so schnell auf einen Vertrag
hereinfallen, der zu seinem Ungunsten ist.
Wie eine gelehrte Freundin von mir einmmal erzählte, gibt es unter Juristen die Redensart „Ein Anwalt, der sich selbst vertritt, hat einen Esel zum Mandanten.“ Der Grund: Auch einem Juristen gelingt es nicht unbedingt, eine Angelegenheit, von der er selbst betroffen ist, objektiv und emotionslos zu beurteilen. So stürzen sich paradoxerweise auch Anwälte in Rechtsstreite, von denen sie ihren Mandanten zehnmal abgeraten hätten.
Kann
ein z.B. ein Psychologe ein guter Therapeut sein, obwohl sein
eigenes Beziehungsleben chaotisch ist, er ein zerrüttetes
Verhältnis zu seinen Eltern hat oder Probleme mit der
Erziehung der eigenen Kinder?
Ja, kann er. Vielleicht aufgrund der eigenen Erfahrungen sogar besser. Ich stelle auch bei mir fest (ich habe ein bißchen Psychologie studiert), daß ich andere Leute wunderbar zutreffende Empfehlungen geben kann, die ich selbst immer wieder ignoriere.
Warum ist es nicht möglich das
eigene Wissen im eigenen Leben praktisch anzuwenden, oder geht
es doch?
Tjah … gute Frage. Ich denke, es liegt an der emotionalen Betroffenheit. Selbst verletzt zu sein oder eine Situation zu analysieren, in der jemand anderes verletzt wurde, sind halt zwei verschiedene paar stiefel - ganz zu schweigen davon, daß man sich selbst dann Dinge sagen müsste, die man vielleicht gar nicht hören will.
Lehrers Kinder, Pfarrers Vieh, gedeihen selten oder nie
Der Spruch ist aber eigentlich bekannt unter:
„Pfarrers Kinder, Müllers Vieh
gedeihen selten oder nie.“
Hast du ihn absichtlich abgeändert?
Gruß,
Branden
Danke!
Hallo,
danke an alle für die Antworten. Es muss wohl tatsählich so etwas wie emotionale Befangenheit sein, wenn sich das Wissen (egal ob Jurist, Arzt oder Psychologe) nicht das Wissen auf das eigene Leben anwenden kann.
Gibt es Studien darüber?
Das mit den „Latenzen“ klingt interessant. Fällt der Psychopath als Manager auch darunter?
die Volksweisheit habe ich nicht absichtlich geändert, aber Deine Frage hat mich verunsichert: es könnte ja sein, dass sich durch meine Vergangenheit als Lehrer und die dadurch bedingte Lebensumwelt eine spezielle Variante bei mir eingeprägt hat.
Nun, da musste ich doch nachguckeln - dem ist nicht so:
Ergebnisse 1 - 10 von ungefähr 2.620 für „Pfarrers Kinder, Müllers Vieh“
Ergebnisse 1 - 10 von ungefähr 7.100 für „Lehrers Kinder, Pfarrers Vieh“
Bist Du vielleicht in Deinem Redewendungsbewusstsein durch Dein soziales Umfeld falsch geprägt, oder entstammst Du gar einer Pfarrersfamilie???
hierzu hätte ich die Frage, wo kann man dies (LATENZEN) ggf auch für andere Berufe nachlesen.
Gilt das nur für Berufe, an die auch von der Gesellschaft eine bestimmte hohe Erwartungshaltung gerichtet wird, ich denke da unter anderem an
Mediziner,Politiker,Leherer,Polizisten,Juristen (Statsanwälte, Richter),Wirtschaftsprüfer,Kirchliche „Würdenträger“
oder auch für Frisöre, Bäcker, Metzger - was wäre hier die Latenz?
Und gibt es Berufe die ohne das Verborgene (also die Latenz auskommen)
und gilt dann nicht auch umgekehrt, dass der Kriminelle in seiner Latenz ein Jurist ist?
Das passte zwar nicht zur ursprünglichen Frage ist mir aber beim Lesen dieser Antwort eingefallen.
Ergebnisse 1 - 10 von ungefähr 2.620 für „Pfarrers Kinder,
Müllers Vieh“
Ergebnisse 1 - 10 von ungefähr 7.100 für „Lehrers Kinder,
Pfarrers Vieh“
Danke dir für die Recherche! So ein Ergebnis hätte ich nicht vermutet.
Bist Du vielleicht in Deinem Redewendungsbewusstsein
durch Dein soziales Umfeld falsch geprägt, oder entstammst Du
gar einer Pfarrersfamilie???
Einer Pfarrersfamilie entstamme ich nicht; ich habe den Spruch halt nur in der Pfarrer-Mülkler-Variante gehört. Ich finde ihn auch etwas pointierter in „meiner“ Variante, weil der Pfarrer ja ohnehin selten Vieh hat und der Beruf des Müllers eben auch ein ernährender Beruf vom Lande ist, ähnlich wie der ders Viehzüchters.
Gruß,
Branden
hierzu hätte ich die Frage, wo kann man dies (LATENZEN) ggf
auch für andere Berufe nachlesen.
Ich wüsste nicht, wo man das nachlesen könnte… Unter uns psychoanalytisch Ausgebildeten ist es irgendwie halt bekannt. Wir arbeiten ja viel mit Latenzen und Ambivalenzen.
Gilt das nur für Berufe, an die auch von der Gesellschaft eine
bestimmte hohe Erwartungshaltung gerichtet wird, ich denke da
unter anderem an
Mediziner,Politiker,Leherer,Polizisten,Juristen (Statsanwälte,
Richter),Wirtschaftsprüfer,Kirchliche „Würdenträger“
oder auch für Frisöre, Bäcker, Metzger - was wäre hier die
Latenz?
Nun, wir wollen den lieben Metzgern ja nichts unterstellen, aber du kennst ja vielleicht den Ausdruck „brutal wie ein Metzgerhund“…
Und gibt es Berufe die ohne das Verborgene (also die Latenz
auskommen)
Sicherlich. Es ist ja nur ein Aspekt untzer vielen bei der Berufswahl.
und gilt dann nicht auch umgekehrt, dass der Kriminelle in
seiner Latenz ein Jurist ist?
In der Latenz ist ja eher der „Schatten“ der Persönlichkeit zu finden. Mr. Hide ist der Schatten, das Dunkle im Hintergrund, die Latenz, von Dr.Jekyll.
Gruß,
Branden
aber du kennst ja vielleicht den Ausdruck „brutal wie ein
Metzgerhund“…
ähem…Ganz sicher?
da, wo meine Wiege stand, bedeutete die Metapher „Metzgerhund“ genau das Gegenteil.
Das geflügelte Wort lautete „Der hat ein Gemüt wie ein Fleischerhund“ und man bezeichnete damit einen phlegmatischen, sehr gemütlichen Charakter, jemanden, der sich aber von gar nix aus der Ruhe bringen lässt.
Nur mal so keck dazwischengeworfen.
So. Weiter im Text.
Einen wunderschönen Valentinstag (ist ja bombiges Wetterchen) wünsch ich dir.
Schon Blümchen gekauft für die holde Frau Gemahlin?
Das geflügelte Wort lautete „Der hat ein Gemüt wie ein
Fleischerhund“
Ja, genau auf diesen Spruch wollte ich mich beziehen!
und man bezeichnete damit einen phlegmatischen,
sehr gemütlichen Charakter, jemanden, der sich aber von gar
nix aus der Ruhe bringen lässt.
Nee, das haben wir irgendwie anders verstanden damals. Ja, schon, dass jemand sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt, aber insbesondere eben ohne jegliches Gefühl einer Metzeklei beiwohnen kann.
Einen wunderschönen Valentinstag (ist ja bombiges Wetterchen)
wünsch ich dir.
Danke Dir!
Schon Blümchen gekauft für die holde Frau Gemahlin?
Nee, diese verordneten Blumentage mag ich nicht.
Gruß,
Branden
Du berührst mit deiner Fragestellung das interessante Gebiet
der L a t e n z e n.
Bei manchen Berufen ist die Latenz häufiger und schneller
sichtbar als bei andderen. Der Jurist ist in seiner Latenz ein
Krimineller (deshalb sieht man so viele Juristen als Politiker
Karriere machen), der Psychologe ist in seiner Latenz ein
Neurotiker oder persönlichkeitsgestört, der Psychiater latent
psychogefähredt usw. usf. Das sind natürlich keine
Bedingungen, es geht nur um Tendenzen.
na ja, umgedreht wird auch einen Schuh daraus. In der Soziologie nennt man das soweit ich weiß ‚Déformation professionnelle‘
Eine Korrelation sagt noch nichts über die Ursache.
gruss…lux
eine untersuchung, deren quelle ich nicht mehr habe, zeigte, dass angehörige psychosozialer berufe genauso probleme mit ihrem familien haben, wie alle anderen menschen auch. nicht mehr und nicht weniger, aber man konnte das vorurteil wiederlegen.
das hat mich so beruhigt, dass ich sofort psychotherapie studiert habe.
Des Schusters Kinder …
… haben die schlechtesten Schuhe.
„Wer selbst schafft verliert die Übersicht“
Und deshalb kann man sich selbst of am schlechtesten helfen, es fehlt die Distanz zu uns selbst. Es hat was damit zu tun, wie der emotionale und rationale Teil unseres Hirns eben auch mal nicht zusammenarbeiten. Manchmal denkt der emotionale Teil sich eine Meinung aus und der rationale begründet sie nur, denkt aber nicht darüber nach und zieht sie in Zweifel.