Psychologie

Hallo,

Ich würde gerne Psychologie studieren, aber nichts sehr Naturwissenschaftenlastiges. Ich weiß, dass es immer mitinbegriffen ist, aber:

kann man an der Zuordnung zu den Fakultäten auf den Internetseiten der Unis erkennen, ob es naturwissenschaftlich oder philosophisch-geisteswissenschaftlich orientiert ist?

Heißt das, wenn Psychologie der philosophischen Fakultät angehört, dass da weniger Naturwissenschaften sind, als wenn es zur naturwissenschaftlichen Fakultät gehört? Oder ist das Quatsch?

Kann mir jemand Unis nennen, an denen die Naturwissenschaften nicht so ganz stark ausgeprägt sind?
Danke.

oftmals findet man das vorlesungsverzeichnis im internet. da kann man sehen, was angeboten wird bzw. pflicht ist.

eine weitere möglichkeit ist der studienführer, der von der studienberatung/ fachschaft/ … herausgegeben wird. dort wird aufgelistet, welche scheine man erwerben muß. sicher kann man sich den auch schicken lassen.

welcher fakultät psychologie zugeordnet ist, spielt meiner meinung nach keine rolle: in giessen heißt der fachbereich „psychologie & sportwissenschaft“…

Hallo,

kann man an der Zuordnung zu den Fakultäten auf den
Internetseiten der Unis erkennen, ob es naturwissenschaftlich
oder philosophisch-geisteswissenschaftlich orientiert ist?

Also an der Zuordnung vielleicht nicht unbedingt, aber vielleicht an dem Text, der einen Klick weiter steht.
Z.B. hier in Marburg:
„In Marburg wird die Psychologie als Naturwissenschaft verstanden. Sowohl in den Grundlagenfächern (Allgemeine Psychologie I und II, Differentielle Psychologie, Entwicklungspsychologie, Methodenlehre, Physiologische Psychologie, Sozialpsychologie) als auch im Bereich der Anwendungen (Arbeits- und Organisationspsychologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Pädagogische Psychologie) werden Verhalten und Erleben empirisch bzw. experimentell untersucht. Soweit wie möglich geschieht dies in engem Bezug zu biologischen, medizinischen und sozialwissenschaftlichen Nachbardisziplinen.“

Was ich mich nur frage: Wenn du Psychologie nicht naturwissenschaftlich studieren willst, wieso dann überhaupt? Um eine akademische Legitimierung zum Dummschwätzen in der Hand zu haben?
Wenn man über geisteskrankheiten u.ä. nur fabuliert, anstatt ihre wirklichen Ursachen zu erforschen, dann ist das ganze doch nur Humbug.

Gruß
L.

Hallo,

Ich möchte schon Naturwissenschaften haben, man braucht sie ja wie gesagt, um was festzustellen oder zu beweisen, aber ich möchte nicht nur das.
Oder ist Psychologie eine reine Naturwissenschaft?
Besteht das Fach nur aus Mathe und Bio? Man muss doch auch irgendwas anderes lernen…

Hallo Maia,

das Fach Psychologie enthält nicht nur Naturwissenschaftliches. Wichtige Bereiche sind auch sozialwissenschaftlich (Sozialpsychologie) oder erziehungswissenschaftlich (Pädagogische Psychologie) beeinflußt. Die naturwissenschaftliche Seite der Psychologie ist auch nicht allein dadurch gekennzeichnet, daß biologische oder physikalische Inhalte gelehrt werden, sondern v.a. dadurch, daß genuin psychologische Themen naturwissenschaftlich betrachtet werden, wobei Einflüsse aus anderen naturwissenschaftlichen Fächern vorhanden sein können, aber nicht müssen.

Mit biologischen - oder genauer noch - physiologischen / neurowissenschaftlichen Aspekten wird man speziell in der Biologischen Psychologie konfrontiert, aber auch bei Themen der Allgemeinen Psychologie, der Differentiellen Psychologie und auch der Sozialpsychologie. So einfach trennen lassen sich die Fächer in ihre naturwissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Anteile nicht. Physikalische Aspekte kommen v.a. in der Allgemeinen Psychologie z.B. auf dem Gebiet der Wahrnehmungspsychologie zum Vorschein, aber auch über die Physiologie in der Biologischen Psychologie.

Mit Mathematik wirst Du in allen Teilgebieten der Psychologie konfrontiert werden, v.a. mit Statistik. Statistik gehört zum A & O der psychologischen Forschung insgesamt. Es gibt aber auch mathematische Modellbildung in der Psychologie. Sie ist zwar relativ selten, aber vorhanden, z.B. in der Psychophysik (Wahrnehmungspsychologie). Schließlich ist auch noch die psychologische Testtheorie zu berücksichtigen.

Deine Hoffnung auf eine vor allem geisteswissenschaftliche Psychologie muß ich leider enttäuschen. So etwas gibt es - Gott sei Dank - im allgemeinen nicht mehr. Wenn Du jedoch vor allem so etwas studieren möchtest und Dir etwas anderes nicht vorstellen kannst, dann rate ich Dir von einem Psychologie-Studium ab. Wird ein ganz schöner Kulturschock für Dich werden, falls Du doch ein solches Studium auf Dich nimmst. :smile:

Gruß,

O.W.

Hallo,

Psychologie gehört eigentlich zu den Geisteswissenschaften. Was die naturwissenschaftliche Seite angeht, die ist historisch bedingt: Psychologie, wie auch beispielsweise Pädagogik, wurde erst sehr spät als Wissenschaft anerkannt. Bis dato gab es nur Naturwissenschaften. Einer meiner Profs meinte mal, dass man der Psychologie nachsagte, sie habe keine Mathematik und sei deswegen keine Wissenschaft - darauf wurde Mathematik in Psychologie integriert und schon gabs ein Argument weniger :smile:. Und daher hat nun Psychologie auch viel mit Mathe zu tun.

Was das Naturwissenschaftliche („empirische“) in den Humanwissenschaften angeht, so kamen auch verschiedene andere Ansätze auf, unter anderem der geisteswissenschaftliche („hermeneutische“) Ansatz, die Kritische Theorie und die Systemtheorie, um ein paar Hauptstömungen zu nennen.

Psychologie ist ein eigenes Fach, eine eigene Disziplin. Wie eigentlich alle Disziplinen, insbesondere die Humandisziplinen, „leiht“ sie sich Bereiche von anderen, wie Soziologie und Pädagogik, aus. In anderen Worten: Ein Gebiet kann von mehreren Disziplinen betrachtet werden, wobei auch wiederum andere Ergebnisse zustande kommen (inhaltlich zum Beispiel, anderer Blickwinkel bzw. andere Schwerpunktsetzung). Wenn man sich das Thema „Wahrnehmung“ ansieht, ist es sicherlich auch vorteilhaft, sich von biologischer Seite den physiologischen Aufbau der Organe anzusehen. Aber deswegen studiert man nicht Biologie als werdender Psychologe.

Wenn du wenig naturwissenschaftliches studieren willst, dann such dir einfach eine Richtung, die dem entspricht. Beispielsweise Arbeitspsychologie.

Ach ja, nur weil eine Uni auch naturwissenschaftliche Studiengänge anbietet, ist deswegen nicht auch automatisch der Studiengang Psychologie naturwissenschaftlich angelegt. Da muss man schon genauer hinsehen, nämlich ins Vorlesungsverzeichnis der betroffenen Fakultät.

Sei mir nicht böse, aber ich glaube nicht, dass du eine Studienwahl aus Interesse getroffen hast, viel mehr aus „klingt interessant“. Hast du dir schon einmal angesehen, wo Psychologen arbeiten (Therapeuten ausgenommen; die benötigen nach ihrem Studium der Psychologie berufliche Praxis, um dann noch eine Zusatzausbildung machen zu dürfen)? Und hast du dir dann schon einmal überlegt, was dafür notwendig ist? Und hast du verschiedene Studienschwerpunkte der Universitäten angesehen, mit ihrem Tätigkeitsbild? Vergleiche mal deine Vorstellungen von Psychologie mit dem Studienangebot und dem Tätigkeitsprofilen der verschiedenen Schwerpunkte, leihe dir vielleicht mal ein Einführungswerk von einer Bibliothek aus und / oder befrage Leute, die das studieren oder studiert haben. Besuche vielleicht mal auch Veranstaltungen, damit du siehst, ob dir das auch wirklich liegt - und nicht nur in deiner Vorstellung.

Grüße
Manor

Ich nehme an, dass zumindest einige von euch Psychologie studiert haben, deshalb frage ich jetzt einfach mal, ob meine Vorstellung und meine Beweggründe das zu studieren so richtig sind:

Ich weiß, dass vor allem im Grundstudium viel Mathe gelernt wird, im Hauptstudium kann man dann aus mehreren Schwerpunkten wählen, Klinische Psychologie ( was ich mir so vorstelle, dass Therapeuten nachher brauchen könnten), pädagogische Psychologie ( da stelle ich mir sowas wie später Sozialarbeit drunter vor) und ABO Psychologie, was sich nach Bwl anhört und auf Marktforschung und Personalarbeit abzielt. Das ist meine abgespeckte Vorstellung davon. Ich denke, dass man, und das ist das was ich möchte, was über die Menschen lernt, was sich halt so seit einem Jahrhundert zusammengetragen hat: Krankheiten, Erscheinungen, Entwicklung des Menschen und warum manche Dinge so auftreten, wie sie es tun. Das alles wird dann durch die Statistik unterstützt und untersucht und durch die Biopsychologie so erklärt, dass man sieht, dass zum Beispiel psychische Krankheiten kein im Gehirn rumlaufender Geist sind, sondern dass zum Beispiel Depressionen durch Neurotransmittermangel etc. verursacht werden können und dass es zum Beispiel endogene Depressionen gibt. So stelle ich mir die Naturwissenschaft vor, dass man sie braucht, um bestimmte Vorkommen zu überprüfen.

Ich habe nicht das Ziel, irgendwelchen Menschen nachher zu helfen, wie andere, mich interessieren einfach die Menschen und das schon längere Zeit. Ich hatte Pädagogik LK und dachte mir nun, dass das eine Art Fortsetzung davon ist, nur dass der naturwissenschaftliche Anteil dazu kommt. Ich habe mir an einer Uni eine Vorlesung Entwicklungspsychologie im Kindes und Jugendalter angeguckt und fand das ganz spannend. So stelle ich mir das vor. Ich möchte Abo Psychologie wählen, das mit Bwl und Fremdsprachen kombinieren und dann irgendwas in Unternehmen machen.

Ist meine Vorstellung jetzt so komplett falsch? Haben Psychologen (Therapeuten ausgenommen), Nichts mit Menschen zu tun und rechnen den ganzen Tag nur rum, stellen Statistiken auf und entwickeln Theorien?
Es würde mir helfen, wenn ihr mein BIld zurechtrücken würdet.
Vielen Dank

Hallo,

Ich nehme an, dass zumindest einige von euch Psychologie
studiert haben,

ich bin Diplom-Psychologe und arbeite für die PISA-Studie 2003.

Ich weiß, dass vor allem im Grundstudium viel Mathe gelernt
wird,

Statistik gehört durchgehend zum Studiumsstoff. Im Grundstudium werden die Grundlagen der Statistik gelehrt. Daran scheitern schon viele.

im Hauptstudium kann man dann aus mehreren Schwerpunkten
wählen,

Ja. Trotzdem muß man alle anderen Fächer belegen, z.B. Diagnostik, Forschungsmethodik und Evaluation.

Klinische Psychologie ( was ich mir so vorstelle, dass
Therapeuten nachher brauchen könnten),

Stimmt, obwohl es keine Therapieausbildung ist. Es werden jedoch die psychischen Störungen, ihre vermuteten Ursachen sowie Behandlungsmöglichkeiten gelehrt. Im Schwerpunkt kann man an manchen Unis auch praktische, therapeutische Techniken kennenlernen.

pädagogische Psychologie ( da stelle ich mir sowas wie später
Sozialarbeit drunter vor)

Nein, eher nicht. Die Pädagogische Psychologie hat sich früher v.a. auf das Lehren und Lernen in der Schule konzentriert. Seit einiger Zeit gibt es die Entwicklung, Aus- und Weiterbildung über die gesamte Lebensspanne hinweg zu betrachten.

und ABO Psychologie, was sich nach Bwl anhört und
auf Marktforschung und Personalarbeit abzielt.

Kein BWL, sondern die psychologische Betrachtung von Fragen zu Arbeit, Organisation und auch den Marktprozessen, z.B. über das Fach Marketing, das ich als Schwerpunkt belegt habe.

Ich denke, dass man, und das
ist das was ich möchte, was über die Menschen lernt, was sich
halt so seit einem Jahrhundert zusammengetragen hat:

Ja, aber aus Sicht der verschiedenen psychologischen Teildisziplinen, also nicht geisteswissenschaftlich oder philosophisch oder medizinisch, sondern die zwar durchaus aus anderen Richtungen beeinflußte, aber trotzdem eigene Perspektive der Psychologie.

Krankheiten, Erscheinungen, Entwicklung des Menschen und warum
manche Dinge so auftreten, wie sie es tun.

Krankheiten stehen nicht im Vordergrund der psychologischen Betrachtung, sondern stellen nur einen von vielen Untersuchungsgegenständen der Psychologie dar. Es geht in der Psychologie z.B. um Unterschiede zwischen Menschen bzgl. des Temperaments, der Intelligenz, um bei allen Menschen auftretende Prozesse wie Gedächtnis, Emotion, Motivation, Denken, Wahrnehmung, um Verhalten in Gruppen (ein Gegenstand der Sozialpsychologie), um die Entwicklung psychologischer Funktionen (z.B. Gedächtnis) über die Lebensspanne (ein Gegenstand der Entwicklungspsychologie).

Das alles wird dann
durch die Statistik unterstützt und untersucht

Ja, die psychologische Forschung benutzt in sehr vielen Fällen statistische Methoden, um ihre Vermutungen auf Gültigkeit zu untersuchen.

und durch die
Biopsychologie so erklärt, dass man sieht, dass zum Beispiel
psychische Krankheiten kein im Gehirn rumlaufender Geist sind,
sondern dass zum Beispiel Depressionen durch
Neurotransmittermangel etc. verursacht werden können und dass
es zum Beispiel endogene Depressionen gibt.

Ja, das sind Beispiele für biopsychologische Aspekte in der Klinischen Psychologie. Es geht aber noch viel, viel weiter und betrifft bei weitem nicht nur Krankheiten.

Ich möchte Abo Psychologie wählen, das mit
Bwl und Fremdsprachen kombinieren und dann irgendwas in
Unternehmen machen.

Das kann sehr spannend sein.

Ist meine Vorstellung jetzt so komplett falsch?

Nein, vieles davon ist im groben o.k. Falls Du tatsächlich Psychologie studieren solltest, wird sich Dein Blick noch mehr schärfen.

Haben
Psychologen (Therapeuten ausgenommen), Nichts mit Menschen zu
tun und rechnen den ganzen Tag nur rum, stellen Statistiken
auf und entwickeln Theorien?

Kommt darauf an, welche konkrete Arbeit ein Psychologe macht. Selbst ein klinisch tätiger Psychologe kann relativ wenig mit Menschen zu tun haben, wenn er z.B. Forschung betreibt.

Gruß,

Oliver

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