hallo,
ich interessiere mich für psychologische Aspekte beim Jonglieren - insbesondere mit vielen, 7, Bällen - und beim Jonglieren Lernen und habe einige Fragen.
meine eigenen Ansätze’ hab’ ich mal mit Fragen verknüpft, damit Ihr seht, worum’s so gehen könnte:
- … man ist anfangs schon froh, wenn man ‚die Sieben‘ alle hochwirft und wieder fängt - ein sogenannter „flash“. Um aber durchzujonglieren war es bei mir so, daß ich mir dieses „flashen“ regelrecht abgewöhnen mußte. Man hat sich (bei mir über Jahre hinweg) das Mißlingen regelrecht antrainiert. Flashen klappt dann einigermaßen, aber man kommt ‚ums verrenken‘ in keinen dauerhaft jonglierbaren Rythmus. Also über die selbstgesetzte und antrainierte ‚Fanggrenze‘ hinaus. Mir kam das vor, wie eine absurde Hürde, die es gar nicht gibt, ähnlich wie die Angst des Schützen beim Elfmeter (siehe SC Freiburg in den letzen Saisonen!?), der eigentlich regelmäßig gelingen müßte.
Gibt es sowas, wie ‚das Mißlingen antrainieren‘ in ähnlichem Zusammenhang in der Lernpsychologie? - … dann, … man kriegt über die Jahre ziemlich gute Reflexe und vieles beim Jonglieren zB mit 5 Bällen schon, bei 7 noch mehr, spielt sich auf Reflex-Ebene ab , denk’ ich. Man kann sich nicht mehr - wie beim Jonglieren mit zB drei Bällen - um einzelne Bälle ‚kümmern‘. Man jongliert die ganze Figur, das Muster im Takt. Und großartig korrigieren geht auch kaum noch. Man kann und muß am besten nur noch ‚ticken‘, wie ein Automat, ein Metronom.
Nun hab’ ich irgenzwo gehört, daß der Mensch sich nicht um mehr als fünf(?) sechs(?) sieben(?) Dinge gleichzeitig kümmern kann … sie nicht gleichzeitig wahrnehmen(?) oder überblicken kann(?) oder sowas.
Weiß da jemand was genaues? - … ein weiterer Aspekt ist, daß man sich beim Jonglieren vor allem aufs Werfen konzentrieren muß und am besten ans Fangen gar nicht denkt oder sich damit aufhält. Fangen und gleich Weiterwerfen bei kreisenden Armbewegungen müssen EINE Bewegung sein. Nun kommen aber die Bälle (wenn man einen schönen Rythmus gefunden hat nicht wie Platzregen, aber) dauernd wieder 'runter und man kann nun entweder so jonglieren, daß man sich um fallende Bälle gar nicht kümmert und mit den verbleibenden weiterjongliert solang es geht, oder man versucht möglichst keinen fallen zu lassen - muß sich dann in Sekundenbruchteilen entschließen, alle Bälle zu fangen versuchen, wenn man aus dem Rythmus kommt, oder die Jonglage noch zu retten und versuchen zu korrigieren. (wo man ja eigentlich fast unterbewußt, reflexhaft jongliert)
In diesen Zusammenhang (der auf einen zu fallenden Bälle) gehört wohl auch, daß Frauen die Beine auseinandernehmen, wenn zB ein Apfel vom Tisch auf den Schoß zu fällt, um dem Sturz aus dem Wege zu gehen, während Männer die Beine zusammennehmen, um den Sturz zu verhindern. Worauf ich mit dieser langen Vorrede hinauswill, ist, daß bei der Entscheidung bzw dem Reflex FANGEN vs. FALLENLASSEN vs KORRIGIEREN und WEITERWERFEN jahrmillionen alte archaische Grundmuster eine Hauptrolle spielen. Ein guter Jongleur, kann den Reflex , einen Ball ‚fangen zu müssen‘ hinauszögern. Und diese Überwindung des Reagier-Triebes macht - vermute ich - den besonderen Reiz, das Hochgefühl beim Beherrschen eines anspruchsvollen Jongliermusters mit aus. Man muß den vorherigen Ball weiterwerfen, obwohl man eigentlich schon den nächsten ankommenden (stattdessen) fangen müßte. Und es klappt trotzdem! Und je mehr Bälle man jongliert, desto knapper wird bei den ständig ankommenden Bällen die Zeit, vor allem aber der optische Eindruck des schrumpfenden Stückchens Flugbahn das man noch hat, um den Ball gerade noch zu fangen bzw ‚fangwerfen‘. Also der Drang, zu früh hinzugreifen.
Was mir hier noch unklar ist, ist, daß so ein Ball ja eigentlich keine archaische ‚Bedrohung‘ ist, auf die man reagieren muß. Keine Faust, wie beim Boxen, die auf einen zu kommt.
Kann man sich solche archaischen Entscheidungen bewußt antrainieren? Oder sind speziell solche ‚Ball fangen müssen‘-Reflexe nicht unbedingt was archaisches?
Kennt die Psychologie das ‚Reflex hinauszögern‘? (OK … > singt Frankie goes to Hollywood :o) )
Vielleicht kann ja jemand diese Beschreibungen weiterdenken?
Oder seht Ihr andere wichtige oder interessante Aspekte, die mit dem Hantieren von „viel“ und „schnell“ zu tun haben aufzeigen?
Oder was glaubt Ihr, was der wesentliche psychologische Faktor beim Jonglieren überhaupt und mit vielen Bällen ist?
Danke! :o]