Psychologie des Marsflugs

Hallo miteinander!

Angeregt durch eine Diskussion im Luft- und Raumfahrtbrett möchte ich hier einen neuen Thread eröffnen. Mich interessieren die psychologischen Aspekte einer Marsmission.

Gehen wir mal von folgendem Szenario aus:

  • Ein Raumschiff mit einer kleinen Besatzung startet von der Erde zu einem interplanetaren Flug zum Mars. Der Hinflug dauert ca. 1 Jahr. Nach einem mehrmonatigen Aufenhalt auf dem Mars dauert auch der Rückflug ca. 1 Jahr. Die gesamte Reisedauer beträgt also rund zweieinhalb Jahre. (Die Größenordnung ist realistisch. Auf ein paar Monate hin oder her kommt es nicht an).

  • Das Raumschiff kann durch andauernde Rotatio künstliche Schwerkraft hervorrufen. Die Drehung soll langsam genug sein, dass es keinen Drehschwindel gibt.

  • Während der meisten Zeit ihrer Reise haben die Astronauten weder Blickkontakt zur Erde noch zum Mars. Sie sehen nur die helle Sonne oder den unendlich schwarzen Sternenhimmel.

  • Das Raumschiff soll relativ klein sein. Gehen wir mal von 50 m² aus. (Verglichen mit der Mondfähre ist das immer noch enorm groß).

  • Die gesamte Versorgung mit Lebensmitteln und Verbrauchsartikeln muss schon beim Beginn der Reise mitgenommen werden bzw. unterwegs an vorher eingerichteten „Versorgungsposten“ eingesammelt werden. Die Kommunikation zur Erde erfolgt nur sehr mühselig, weil zwischen dem gesendeten Signal und der empfangenen Antwort wegen der langen Signallaufzeiten oft ein Zeitunterschied von über einer halben Stunde liegt.

  • Es gibt kein Rettungssystem: Ein Scheitern der Mission bezahlen die Astronauten mit ihrem Leben.

Nun zu meinen Fragen:

  1. Welchen psychischen Belastungen sind die Astronauten ausgesetzt? Was ist am schwierigsten zu bewältigen? Kann man kalkulieren, wie die Astronauten damit klar kommen werden, bzw. welche Komplikationen auftreten?

  2. Wie sollte man die Crew auswählen? Wie groß sollte sie sein? Nur Männer, nur Frauen oder gemischt? Altersstruktur? Auf welche Charaktereigenschaften müsste man Wert legen?

  3. Welche Konflikte können sich an Bord ergeben? Wie kann man diese Konflikte lösen? Wie wirkt sich eine so lange Abwesenheit auf die Beziehungen der Astronauten auf der Erde aus? Werden sie bleibende Schäden davon tragen?

Ich weiß, das sind viele Fragen, aber vielleicht hat ja jemand Lust, sich damit zu beschäftigen.

Gruß, Michael

oder die der familie?
hi,

ich möchte sagen, dass es aus meiner erfahrung eher von relevanz ist, warum sich ein mensch für so etwas interessiert. den rest kann man in doku´s über die ESA und NASA erfahren, die viele forschungsanstrengungen unternommen haben, die menschliche seite einer solchen mission zu ergründen.

ingenieure arbeiten mit psychologen zusammen, um den faktor mensch zu erfahren.

aber eine frageliste wie deine ist auch interessant! sie erinnert an sozusagen isolierte versuchsbedingungen zur beobachtung menschlichen verhaltens. das geht oft menschen so, die ihre eigene familie nicht gut verstehen konnten und bei denen oft viele fragen in bezug auf verhalten der familienmitglieder und vor allem der eigenen eltern offen geblieben sind oder unverständlich blieben. der wunsch, den menschen einmal grundsätzlich zu verstehen, unter isolierten bedingungen zu beobachten, kann daraus erwachsen.

vielen psychologen geht es genauso und sie forschen nicht im raumschiff, sondern studieren psychologie in der hoffnung, den mensch einmal grundsätzlich zu verstehen.

sorry, dass das keine antwort auf deine frage war!

Hallo
Bei einer Sache bin ich anderer Meinung:
Die Astronauten könnten durchaus etwas sehen, wenn der Sternenhimmel nicht rotieren soll und deshalb keine Fenster da wären, könnte ein solches Fahrzeug einen nicht rotierenden Bestandteil mitführen, in dem Kameras und Teleskope eingebaut sind.
Keine Fenster würde auch jeder als ziemlich restriktiv betrachten, wie ein echtes Rattenloch.
Ansonsten würde ich einmal vermuten, das es möglichst angenehm und möglichst den menschlichen Bedürfnissen entsprechen sollte, um den Flug gut zu ertragen.
Viel mehr kann ich dazu aber nicht sagen, siehe auch das Forum Luftfahrt/Raumfahrt.
MfG

Könnte es sein, dass sich schon ganz, ganz viele (psychologische) Experten schon ganz, ganz viele Gedanken zu diesen Fragen gemacht haben? Bei der Planung derartiger Missionen sollte das ja ein Themenkomplex sein, der mindestens so wichtig ist, wie der der technischen Realisierung.

Angenommen, es käme jetzt jemand auf mich zu und würde mir ein Traumhonorar bieten, mich von meinen hiesigen Verpflichtungen „erlösen“ und meinen Umzug in ein gut ausgestattetes Forschungszentrum managen: Ich wäre dabei!

Zur Beantwortung dieser (und fast aller anderen Fragen) würde ich zunächst Interviews mit möglichst vielen Teilnehmern der bisherigen bemannten Raummissionen (insbesondere auch mit den Mannschaften der Raumstationen führen). Im nächsten Schritt würde ich versuchen, aus deren Auskünften ein „Anforderungsprofil“ zu generieren, das ich dann - weil es sich bei den Bedingungen der Marsmission um bisher nicht erprobte Bedingungen handelt - quasi extrapolieren würde.

Der Mensch ist ein Gruppen- und Bewegungstier. Das Zusammengepferchtsein mit so wenigen anderen Personen auf engstem Raum dürfte eine Beanspruchung sein, die Mutter Natur, der liebe Gott, die Evolution so nicht vorgesehen hat. Spontan würde ich sagen: Die „Traumcrew“ stelle ich mir als eine Art klösterliche Gemeinschaft vor, Menschen, die eine vieljährige Erfahrung mit Meditation haben, die eine über lange Zeit trainierte innere Stabilität aufweisen. Eine persönliche Voreingenommenheit: Ich denke da zuerst an praktizierende Buddhisten.

Einige der Fragen werden sich wohl nur dadurch beantworten lassen, dass man Probanden mit entsprechend simulierten Bedingungen konfrontiert.

Gruß
Arbeyterson

Hi

Mich
interessieren die psychologischen Aspekte einer Marsmission.

Spontan assoziiere ich zu einem solchen Abenteuer sofort Unternehmungen wie Napoleons (oder auch Hitlers) Russland-Feldzug.
Ich meine damit keineswegs die ethische Frage eines Eroberungskrieges, sondern die Frage, warum sich Menschen (meistens Männer) eine solchen gefährlichen und unbequemen Unternehmung aussetzen.
Mir könntest du eine Million Euronen bieten - ich würde nicht an einer solchen Expedition teilnehmen.
Gruß,
Branden

Hallo, Michael,
bei diesem Szenario denke ich zunächst an die Stichworte „soziale Isolation“ oder „soziale Deprivation“.
Es dürften dabei Probleme auftreten, wie sie aus dem Strafvollzug (Isolationshaft) bekannt sind oder auch (in milderer Form) unter Schiffsbesatzungen, militärischen Einsatzkräften (unsere Soldaten in Afghanistan dürften auch davon betroffen sein).

Bei einer so langedauernden „Reise“ dürften sich Fälle von „Lagerkoller“ ereignen. Allerdings wird man bei der Auswahl dieser Personen natürlich besonders auf diese Gefahren achten.

Soweit ich weiß, läuft z.Zt. in Moskau ein Langzeitexperient genau zu dieser Problemstellung. http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/wissenschaft…

Gruß
Eckard

Danke! Genau so etwas in der Art habe ich gesucht, allerdings vor allem die Ergebnisse. Gibt es da Erkenntnisse?

Michael

Danke! Genau so etwas in der Art habe ich gesucht, allerdings
vor allem die Ergebnisse. Gibt es da Erkenntnisse?

Diesen Artikel hätte ich als Laie auch schreiben können. Auch wenn dpa als Quelle angegeben wird - so ist der Artikel selbst wirklich auf FOCUS-Niveau.

Eine Zeit von drei Jahren kann nicht in ein paar Wochen „simuliert“ werden, ganz abgesehen davon, dass die Probanden dieses „Versuchs“ ja wissen, dass sie jederzeit „aussteigen“ können. Das wird aber bei dem realen Mars-Flug nicht möglich sein.

Gruß,

Anja

Hallo,
@ Michael, natürlich gibt es da noch keine Ergebnisse. Das Experiment hat ja erst vor Kurzem begonnen. Soweit ich aber weiß, ist bereits ein Nachfolgeexperiment geplant, das dann über eine längere Zeit andauern soll.

@ Anja, klar, Focus eben, aber ich wollte Michael nur auf dieses Experiment hinweisen und habe auf die Schnelle keinen anderen Link gefunden. Und wie gesagt, dies ist nur ein erstes Experinment, dessen Ergebnisse dann in ein echtes Langzeitexperiment einfließen werden.

Ehe man wirklich eine bemannte Mission zum Mars schickt, wird man noch einiges an Forschungsarbeit vor allem in den „Human factor“ stecken müssen, denn schließlich steht und fällt damit der Erfolg eines solch aufwändigen Sache.

Gruß
Eckard

Hallo!

Diesen Artikel hätte ich als Laie auch schreiben können. Auch
wenn dpa als Quelle angegeben wird - so ist der Artikel selbst
wirklich auf FOCUS-Niveau.

Ich bedankte mich auch nicht für den Informationsgehalt des Artikels, der zugegebenermaßen sehr dürftig ist, sondern dafür, dass er das Thema getroffen hat. Bisher habe ich nur Meinungen dazu gehört, warum sich Menschen auf so etwas einlassen - aber darum ging es mir nicht, sondern um die psychischen Gefahren, denen die Besatzung ausgesetzt wird, ohne dass sie sich das im Voraus vorstellen kann.

Eine Zeit von drei Jahren kann nicht in ein paar Wochen
„simuliert“ werden, ganz abgesehen davon, dass die Probanden
dieses „Versuchs“ ja wissen, dass sie jederzeit „aussteigen“
können. Das wird aber bei dem realen Mars-Flug nicht möglich
sein.

Stimmt, das muss man sicherlich an dem Experiment kritisieren. Aber es ist zumindest der Versuch einer Annäherung an die Frage. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Experiment die erste wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema ist.

Vieles, was die Astronauten freiwillig ertragen müssen, würde AI im Strafvollzug ohne nachzudenken als Folter einstufen!

Michael