Psychologie nach Ausbildung?

Liebe wer-weiss-was-Gemeinde,

Habe dieses Jahr mein Abitur (Schnitt 2,7) gemacht und gleich anschliessend eine Ausbildung als Fachinformatiker bei Bosch begonnen.
Da mein Interesse jedoch schon immer in der Psychologie (Wahlfach in der Schule und beides mal 14 Punkte) lag, wollte ich euch einmal fragen wie es generell aussieht mit einem Psychologiestudium??

  • Wird meine Ausbildung die Aufnahmechancen in ein Studium verbessern?
  • Wo könnte ich mit meinem Schnitt Psychologie studieren (klappt das noch in Deutschland oder sollte ich lieber ins Ausland)?
  • Reicht das Interesse an Psychologie aus oder muss man übermäßigen Fleiss investieren, sodass die Freizeit stark darunte leidet?

Würde mich über ein paar Antworten eurerseits freuen,

Mfg
Chris

Gedanken
Guten Tag,

zunächst einmal will ich dich gerne ermutigen. Sich mit „uns“ zu befassen (wie auch die Medizin oder Biologie) hat immer etwas besonders reizvolles.

Habe dieses Jahr mein Abitur (Schnitt 2,7) gemacht und gleich
anschliessend eine Ausbildung als Fachinformatiker bei Bosch
begonnen.

Ich schätze, dass du dort auch einen dicken Brocken Mathematik (also bis zum Integral und numerischen Integrieren) machst, was eine sehr nützliche Grundlage ist, um im klassischen Psychologiestudium die Statistik leichter zu schaffen.

Dann gibt es die sog. http://de.wikipedia.org/wiki/Ingenieurpsychologie in der es ganz grob um Ergononie, sprich die Mensch-Maschine-Schnittstelle geht, die ja auch bei Anwendersoftware das große Kriterium ist.

  • Wo könnte ich mit meinem Schnitt Psychologie studieren
    (klappt das noch in Deutschland oder sollte ich lieber ins
    Ausland)?

Direkt ins Ausland könnte schwierig werden, außer du könntest über deinen Ausbildungsbetrieb das nötige Vitamin B mitbringen. Sonst bieten sich gerade da Studiensemester im Ausland an. Gerade im Umfeld der Luft- und Raumfahrt und des Militärs (ist halt so) gibt es in den USA sehr interessante Studienergebnisse zur Ergonomie. Was Software-Ergonomie gibt, hat es IMHO auch in Deutschland ausreichend gute Forschungsinstitute, möglicherweise ist da ein bisschen „reisen“ angesagt um die „Perlen“ zu nutzen.

  • Reicht das Interesse an Psychologie aus oder muss man
    übermäßigen Fleiss investieren, sodass die Freizeit stark
    darunte leidet?

Tja nun, das hat auch viel mit der Mensch-Mensch-Schnittstelle (Dozent-Student) zu tun. Abgesehen auch davon wie offen jemand gegenüber Querlesen in leichter zugänglicher Literatur ist. Wenn sich Dozenten auf eine Schule einschießen und diese Literatur furchbar zu lesen ist und es auch keine didaktisch aufbereitete Sekundärliteratur gibt, dann ist da schnell Essig. Aber auf einer größeren Universität kann man das gleiche Fach auch bei verschiedenen Dozenten belegen …

Für meinen Vorschlag Ing.-Psych. könntest du dich jetzt schon kurz in die Soziobiologie (kurz halten) und Wahrnehmungspsychologie (viele Bücher lesen) einarbeiten. An die Evolutionspsychologie würde ich wg. der Frische der Forschung weniger Zeit verwenden. Ich denke das sind zumindest Felder in denen weniger Interpretationsspielraum ist und einige wenige Linien gefahren werden.

Stöber doch mal bei amazon & Co. und lass dich von vielen und guten Bewertungen inspirieren. Liest immer auch die ablehnenden Bewertungen durch und dann los in die Bibliothek. Schreib dich als Fremdleser an der/den nächsten Unis ein und trau dich ran aktuelle Literatur auch im englischen Original zu lesen. In der EDV-Welt sollte das eh üblich sein.

Zum üben wg. Englisch empfehle ich von Robert M. Hazen und James Trefil: Science Matters: Achieving Scientific Literacy (Auflage von 2009). Schön geschrieben und umfassend zur Allgemeinbildung in den Naturwissenschaften.

Gruß

Stefan

Hi
Wenn du dich für Tiefenpsychologie und Psychoanalyse interessierst, ist es ziemlich sinnlos, in Deutschland Psychologie zu studieren, weil die das hier nicht mögen. Argentinien ist weit weg, aber da ist das Psych.-Stud. z.B. psychoanalytisch ausgerichtet. Hier in D hast du eher mit Lerntheorie und Statistik zu tun.
Gruß,
Branden

Ergänzung
In Berlin gibt es seit neuestem die Sigmund-Freud-Universität, ein Ableger der gleichnamigen in Wien. Wir hatten vor ein paar Tagen diesbezüglich eine Sitzung; es ging um die Zusammenarbeit meines Heimatinstitutes (Berliner Inst. für Psychotherapie und Psychoanalyse) mit der SFU. Dort kann man „Psychotherapiewissenschaft“ studieren und nach dem Abschluss sogleich als Therapeut arbeiten. Es wäre z.B. möglich, Psychologie bis zum bachelor zu studieren und dann dorthin zu wechseln.
Gruß,
Branden

Da ist als Vorraussetzung (Bachelor) vermutlich klinische Psychologie vonnöten?

Da ist als Vorraussetzung (Bachelor) vermutlich klinische
Psychologie vonnöten?

Nein, eben nicht. Wenn man sich an der SFU einschreibt, reicht so ein bachelor mit „grundsätzlicher Psychologie“ - die Psychotherapie lernt man ja dann an der SFU.
Gruß,
Branden

echt?
hi branden,

psychotherapiewissenschaft als studiengang -das gefällt mir! kannte ich gar nicht. ist das neu?

ist mit der absolvierung dieses studiengangs die approbation verbunden oder gar hinfällig? das kann eigentlich laut formulierung des aktuellen altragsformulars auf approbation nicht sein…

ich gehe immer noch davon aus, dass man nur mit approbation in deutschland als therapeut arbeiten kann, bzw. die berufsbezeichnung „psychotherapeut“ führen darf. als „therapeut“ könnte natürlich auch ein fliesenleger arbeiten…

wie ist es?

Hi alpha

psychotherapiewissenschaft als studiengang -das gefällt mir!
kannte ich gar nicht. ist das neu?

Ja, das ist recht neu. Da treffen sich sozusagen zwei Motivationen:
Den Psychoanalyse-Instituten gehen die Bewerber aus, weil zumindest die Ärzte jetzt preiswerter und zeitsparender massenhadt den Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie machen, d.h. wenn sie eine psychiatrische Assistenzarztstelle haben, machen sie die Psychotherapie nebenbei und gehen nicht mehr an die Institute. Jetzt soll die Zusammenarbeit von Instituten und SFU Leuten eine analytische Therapie-Ausbildung ermöglichen, die nicht vorher ein gesamtes Psychologie oder Medizinstudium cdurchlaufen wollen.

ist mit der absolvierung dieses studiengangs die approbation
verbunden oder gar hinfällig?

Anscheinend ist dann sowas wie eine Approbation da.

das kann eigentlich laut
formulierung des aktuellen altragsformulars auf approbation
nicht sein…

Das Ganze ist am Entstehen. Ich war gerade auf der ersten Sitzung mit den Lehranalytikern meines Heimastinstitutes und dem Chef der Wiener SFU.
Wenn die Sache nicht wasserdicht wäre, hätten die ja keine Chance, so ein teures Privatstudium zu „verkaufen“.
Gruß,
Branden

Kannst ja mal die Einführung in die Psychologie lesen vom Pearson Verlag, ist echt klasse :smile:
Die Ausbildung bringt was da werden ein paar Punkte vom Abischnitt abgezogen… Früher gabs zum Beispiel in Osnabrück auch ohne Abi Psychologie zu studieren !! Man mußte einen sogenannten Nichtabiturientenkurs absolvieren, was so von statten ging, das einem ein Prof ein paar Bücher zur Einarbeitung empfohlen hat… danach wurde man etwas zum Stoff befragt… Wo eine Wille ist, ist auch ein Weg! Ach ja, wenn man vorher studiert und das der ZVS mitteilt, werden die vorherigen Wartesemester nicht angerechnet.
Man kann auch in Osnabrück zum Beispiel „Cognitive Science“ studieren, was deinem Interesse an Informatik auch sehr entgegen käme :smile: Schau mal im Internet
Mfg Oliver