Psychologie studieren?

Hallo,

Ich hätte da mal eine Frage an alle Psychologen. Lohnt sich heute noch ein Studium in der Richtung? Vor allem, wenn man schon Mitte Dreißig ist und schon ein Studium hinter sich hat?
In meinem jetztigen Beruf schaut es zukunftsmäßig düster aus, nach langer Arbeitslosigkeit habe ich zwar jetzt Arbeit, aber die gefällt mir überhaupt nicht und ist auch nichts dauerhaftes. Deshalb bin ich am Überlegen, nochmal zu studieren und Psychologie würde mich auch interessieren, aber mit meinem jetztigen Alter sollte ein Studium natürlich auch Sinn machen im Bezug auf eine künftige Anstellung…
Als „Außenstehender“ hat man leider nicht so die Einblicke in die Branche (so habe ich schon mein letztes Studium nicht sehr glücklich gewählt), die richtigen Probleme sieht man meist erst, wenn man fertig ist oder Praktikum macht.
Deshalb würde mich mal interessieren, wie ihr als „fertige“ Psychologen die Arbeitsmarktlage beurteilt. Würde ihr mir eher abraten?

Gruß dgu

Hi,

ich bin ja von der Nachbardisziplin, aber ich sehe das Elend: Psychologen werden meist schlecht bezahlt und haben oft Schwierigkeiten, eine angemessene Stelle zu finden. Warum studierst du nicht Medizin und wirst Psychiater? Als Arzt reicht zur Zeit der Griff zum Telefonhörer, schon hast du einen Job. Vielleciht regional und nach Fächern etwas unterschiedlich, aber insgesamt sehr gute Arbeitsmarktchancen.

Medizinstudium ist natürlich viel büffeln (dazu ein Medizinstudentenscherz: Ein Philosophiestudent und ein Medizinstuden bekommen das Telefonbuch in die Hand gedrückt mit den Worten: „Lern das auswendig!“ - der Philosophiestudent fragt: „Warum?“, der Medizinstudent „Bis wann?“) aber wenn du das nicht scheust würde ich dir eher diesen Weg empfehlen.

Gruß

Yoyi

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HI Dgu

Das Thema hatten wir ja schonmal im anderen Brett angesprochen. Vielleicht erläuterst du nochmal genau, was du jetzt noch genau wissen möchtest? Du hattest ja schon einige Infos von mir und anderen Psychologen bekommen.

Grüße
Novalee

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es lohnt sich, wenn dich die studieninhalte und die möglichkeiten, die sich für eine berufstätigkeit ergeben, interessieren.

ob es sich das studium für dich einmal in harter münze einmal auszahlen wird, kann man nicht sagen.

erstens bietet die psychologie vielfältige betätigungsmöglichkeiten. einige davon sind gut bezahlt, die anderen nicht.

zweitens ist es schwer abschätzbar, wie der arbeitsmarkt in ein paar jahren aussieht und wie deine chancen darauf sein werden.

Wieder einmal kann ich meinem Vorredner Yoyi zustimmen.
Ergänzend: Was die Abgründe des Psychologie-Studiums und die des Medizin-Studiums betrifft, so sehen die recht unterschiedlich aus. Alles „cum granu salis“, aber unterm Strich habe ich nicht bedauert, vom Psychologie-Studium zum Medizin-Studium übergewechselt zu haben, damals, in den 70ern, als alles noch schöner und hippiehafter lief an den deutschen Universitäten (jedenfalls an der FU Berlin, wo ich die ganzen 70er Jahre studiert habe).
Gruss, Branden

Hallo Novalee,

ja, wir hatten uns schon mal über das Thema unterhalten, aber eher, ob es sich generell lohnt, im „Alter“ nochmal zu studieren. Inzwischen habe ich mich ein bissel rumgehört - netzmäßig und in real, und da hört man dann schon viele Unheilsrufe von Psychologen bezüglich der evt. sich noch verschärfenden Gesundheitsreform.

Wie gesagt, ich möchte nicht nochmal mehrere Jahre dranhängen - sosehr mich das Thema Psychologie auch interessiert - nur um dann danach festzustellen, ich bekomme wieder nur irgendwelche Schreibjobs, trotz Top-Ausbildung.

Ich überlege hin und her, mal bin ich fast vom Studium überzeugt, dann wieder überhaupt nicht - kann mich halt auch schwer entscheiden.
Wahrscheinlich ist es besser, so eine Sache nicht zu überstürzen.
Der Austausch in den Foren hilft mir da schon ein Stück weiter (auch wenn ich zur Zeit noch nicht weiß, in welche Richtung :wink:).

Gruss dgu

Das Thema hatten wir ja schonmal im anderen Brett
angesprochen. Vielleicht erläuterst du nochmal genau, was du
jetzt noch genau wissen möchtest? Du hattest ja schon einige
Infos von mir und anderen Psychologen bekommen.

Hallo dgu,

ich bin mir nicht sicher ob Du in der Schweiz lebst oder nur eine ch-E-Mail Adresse hast. Eventuell hast Du Standortvorteile, die ich nicht kenne, denn in der Schweiz sieht die situation ganz anders aus. Jetzt nach der Toll Collect Pleite erst recht :wink:

Außerdem bin ich kein Psychologe o.ä. und kann daher keine allgemeingültige Aussage machen. Aber rein zufällig kenne ich eine Frau, die im vergangenen Sommer ihr Studium abgeschlossen hat. Sie lebt im Rheinland Nähe Leverkusen.

Ihr ernüchternde Erfahrung ist, daß sie selber genauso wie alle, mit denen Sie Kontakt hat, bis heute keinen Job hat. Auch aus dem Vorjahrgang kennt sie Leute, die immernoch keinen Job haben. Sie selber hat bisher, also seit einem halben Jahr, nur ein einziges Vorstellungsgespräch bekommen. Natürlich hat sie den Zuschlag nicht bekommen.

Sie sagt, sie erlebe nun zum ersten Mal im Leben, wie deprimierend und demotivierend eine derartige Situation ist. Größtes Handicap ist nach ihrer Einschätzung, daß sie sich keine Zusatzausbildung leisten kann. Verhaltenstherapie ist noch die billigste Variante, die erforderliche Zusatzausbildung kostet aber kostet aber auch schon mehrere tausend Euro. Ohne Zusatzausbildung isst aber fast nichts zu holen, es sei denn man hat gute Kontakte und kann sich als Gutachter die ersten Pennies verdienen.

Nun arbeitet sie also wieder in ihrem alten Job als Sekretärin. Ernüchternd, finde ich.

In anderen Regionen sieht das sicherlich etwas besser aus, da mußt Du Dich wohl mal vor Ort schlau machen.

Was kannst Du denn aus Deinem bisherigen Job noch machen, vielleicht reicht eine Neuorientierung oder Gehaltseinbussen? Eine Fortbildung Richtung „Coach“, „Trainer“ oder „Instructor“ gibt es ja heutzutage auf fast jedem Gebiet. Das ist sicherlich weniger mühselig als ein Psychologiestudium, was ich an Deiner Stelle dann lieber per Fern-Uni oder Abendschule machen würde. Es sei denn Du bist finanziell unabhängig, denn schaden tut eine Zusatzausbildung nie, die Frage stellt sich meistens ob sie nützt.

Gruß und alles Gute,

AndyM

HI Dgu

Deine Bedenken kann ich gut verstehen. Ich weiß da auch als Insider keinen rechten Rat, denn wie ich schon schrieb, kann man schlecht sagen, wie es sich weiter in diesem Bereich entwickeln wird bzw. wie es aussieht, wenn du zu ende studiert hast.
Da du zwischen Wirtschaft und Psychologie standest, kannst du dich natürlich auch für Wirtschaftswissenschaft mit Teilbereichen der Psychologie entscheiden, aber ich persönlich sehe darin nichts halbes und nichts ganzes, aber das ist auch nur meine persönliche Ansicht.
Ich kann dir jedenfalls nicht mit reinem Gewissen zu einem Psychologie Studium raten aber auch nicht dagegen.

Was du natürlich auch noch tun könntest, wäre mit einem Gasthörerstatus an einigen Kursen teilzunehmen, damit du einen Einblick bekommst, zumal es viele Bereiche der Psychologie gibt. Solche *Schnupperkurse* sind hilfreicher als man denkt.
Wenn du dich für eine Richtung speziell interessierst, kann du mir gern schreiben, dann kann ich dir vielleicht etwas aus den Inhalten berichten. Vielleicht erleichtert dir das deine Entscheidung etwas.
Ansonsten wünsch ich dir viel Glück bei deinem neuen Start.

LG
Novalee

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