Hallo Kathi,
ich schreibe nicht als ehemaliger Hauptfächler (also als Diplomanwärter), sondern als Nebenfächler. Ich habe auch keinen Abschluss gemacht, sondern bin ein Abbrüchler
.
Ich denke, ich kann dennoch was dazu schreiben, weil ich Soziologie im Hauptfach hatte und diese immerhin auch für Psychologen nicht unwichtige Disziplin ein bisschen mit den Anforderungen, die in einem Psychologiestudium gestellt werden, vergleichen kann. Also ich habe- um deine Frage vollständiger zu beantworten- in Mainz studiert, später (1987/88) dann auf Diplom Soziologie in Bielefeld. In Mainz hatte ich einen Magisterstudiengang mit Soziologie im Hauptfach und Psychologie und Philosophie als Nebenfächer.
Grob und aus der Erinnerung (liegt schon ein Weilchen zurück
) kommt mir das Pschologiestudium als ziemlich arbeitsintensiv vor. Wenn du gerne und viel lernst, dann bist du da glaube ich gut aufgehoben- natürlich unter der Voraussetzung, dass es dich interessiert, was aber der Fall zu sein scheint. Die Soziologiescheine waren recht flott erledigt, für einen Schein bei den Psychologen habe ich hingegen ziemlich viel machen müssen. Ich entsinne mich gut, dass ich mir nicht mehr als einen Psychologieschein pro Semester zugemutet habe.
Die Statistikanforderungen sind höher als bei den Soziologen- in Mainz anno 198x zumindest- aber man muss wirklich kein Genie sein, um es hinzukriegen (auch heute nicht). Meine Freundin hat Mathe studiert, ich weiß, was die machen musste! Dagegen ist das bisschen Statistik für die Psychologen einmal kurz in die Mathevorlesung für Erstsemestler reingeschaut (und schnell wieder rausgegangen, bevor der Frust zuschlägt
).
Ich selbst war in der Schule in Mathe auch keine große Leuchte, habe aber die Statistikscheine für Soziologie mit links hinbekommen, die für die Psychologen hätte ich sicher auch geschafft. Das ist aber glaube ich immer noch der geringere Part des Studiums, ich würde mal auf höchstens 15% tippen. Die Psychologen müssen sich hingegen jede Menge Theorie reinpfeifen.
Aber jetzt mal zu einem ganz anderen Punkt. Meiner Erinnerung nach hatten die Psychos- sowohl die Dozenten wie auch die Studenten- allesamt einen leichten Schatten weg. Damit will ich jetzt nicht das Vorurteil nähren, die Psychologen wären alle selbst verrückt und bräuchten eine Behandlung. Ich meine damit aber schon, dass sich viele das Studienfach tatsächlich deswegen aussuchen, weil sie sich damit eine Lösung für ihre emotionalen- also persönlichen- Probleme erhoffen. Das ist definitiv NICHT möglich, und der ein oder andere Dozent weist auch auf diesen Trugschluss hin. Wenn du zu dieser Kategorie Mensch zählst, dann würde ich mich mit dem Gedanken vertraut machen, dass ein Psychologiestudium wie jedes andere Studium letztlich auch, ein 100% kopflastiges Studium ist und jedwede Bearbeitung emotionaler Probleme nicht geduldet ist bzw. völlig unmöglich ist im universitären Betrieb. Dozenten sind keine Therapeuten, auch wenn der ein oder andere mal „ganz nett und freundlich“ ist. Wird auch drauf hingewiesen in der ein oder anderen Veranstaltung- mal direkt, mal durch die Blume
.
Man kann natürlich trotz großer persönlicher Probleme ein Psychologiestudium beginnen. Ob diese Kategorie Student es aber zu einem Abschluss bringt…?! Keine Ahnung, da kenne ich die Statistiken nicht.
Mehr kann und will ich dazu nicht sagen, vielleicht war es dennoch ein bisschen hilfreich für dich.
Gruß
Hermann