Psychologiestudium und das eigene Umfeld

Hallöchen,

wenn alles so klappt, wie ich mir das vorstelle, möchte ich gerne in absehbarer Zeit Psychologie studieren. Allerdings mache ich mir ein paar Gedanken, inwiefern solch ein Studium das eigene Umfeld beeinflusst.

Wenn ich bedenke, dass das klassiche Bild eines Psychologen unter der Bevölkerung der Therapeut ist, der ein offenes Ohr für Jedermann habe oder aber unter dem Wahn leide, zu meinen, er könne nun jeden jederzeit durchschauen, wird mir ein bisschen mulmig. Schon was ich alleine in den letzten zwei Jahren, seitdem ich mich also mit diesem Ziel beschäftige, in meinem Familien-/Bekanntenkreis erklären und richtig stellen musste, finde ich wirklich erschreckend.

Mittlerweile frage ich mich, ob man seinem Privatleben mit solch einem Studium einen Gefallen tut - ich habe wirklich die Befürchtung, dass sich einige Menschen im eigenen Umfeld dann verändern. Sei es, dass sie einen als Privatseelsorger sehen oder aber sich aus der Angst heraus, man könne ihnen nun in den Kopf gucken, zurückziehen.

Ist man nach einem Psychologiestudium nur noch Psychologe oder auch noch irgendwo als Mensch anerkannt? Oder sind das die üblichen Vorwehen eines solchen Studiums?

die Muecke

Hallo,

Ist man nach einem Psychologiestudium nur noch Psychologe oder
auch noch irgendwo als Mensch anerkannt? Oder sind das die
üblichen Vorwehen eines solchen Studiums?

als Psychologe begegnet man hin und wieder bestimmten Klischees und Einstellungen anderer. Es ist die Frage, wie man damit umgeht. Man kann z.B. mit den Klischees spielen, indem man sie offensiv aufgreift: „Ich verstehe doch alles, schließlich bin ich Psychologe“. Dann verlieren etliche die Lust daran, dieses Klischee selbst zu verwenden.

Es kann sein, daß man in den ersten Semestern eines Psychologiestudiums eine schwierige Zeit in seinem Umfeld durchmachen muß. Viele haben unrichtige Vorstellungen über das Fach, die sich in gängigen Klischees niederschlagen. Die Entscheidung, ob man dieses oder ein anderes Fach studiert, würde ich nicht davon abhängig machen. Denn wenn das Fach das Richtige für einen ist, sollte man es studieren.

Grüße,

Oliver Walter

Vollkommen normal

wenn alles so klappt, wie ich mir das vorstelle, möchte ich
gerne in absehbarer Zeit Psychologie studieren.

Schön für dich, möchte ich irgendwann vielleicht auch noch machen und wenn es als Rentner ist.

Allerdings
mache ich mir ein paar Gedanken, inwiefern solch ein Studium
das eigene Umfeld beeinflusst.

JEDES Studium, sofern man intellektuelle Fähigkeiten (vor allem Abstraktionsvermögen) mitbringt verändert das Umfeld bzw. man sucht sich ein anderes Umfeld aus. Es gibt danach Menschen, mit denen man einfach nicht mehr zurechtkommt/zurechkommen will.

In meinem persönlichen Umfeld gibt es:

  • keine Nazis
  • keine Bildzeitungsleser
  • keine 0815-religiöse, nur Atheisten und „echte“ Gläubige
  • keine debilen Menschen
  • wenig Fernsehgucker (hab selbst gar keine Glotze)
  • fast nur Kackademiker

Wenn ich bedenke, dass das klassiche Bild eines Psychologen
unter der Bevölkerung der Therapeut ist, der ein offenes Ohr
für Jedermann habe

Nö, Psychopathen sind alle selbst nicht ganz dicht - „Der verwundete Heiler“. Zumindest ist das mein Bild. *g*

oder aber unter dem Wahn leide, zu meinen,
er könne nun jeden jederzeit durchschauen, wird mir ein
bisschen mulmig. Schon was ich alleine in den letzten zwei
Jahren, seitdem ich mich also mit diesem Ziel beschäftige, in
meinem Familien-/Bekanntenkreis erklären und richtig stellen
musste, finde ich wirklich erschreckend.

Dann hast du den falschen Bekanntenkreis, der mangels tiefer und intelligenter Beschäftigung mit der Welt in einigen Jahren sowieso nicht mehr adäquat für dich ist. Die glauben wahrscheinlich ein Steuerberater verdient sein Geld mit Steuerberatungen.

Mittlerweile frage ich mich, ob man seinem Privatleben mit
solch einem Studium einen Gefallen tut - ich habe wirklich die
Befürchtung, dass sich einige Menschen im eigenen Umfeld dann
verändern.

Ja das ist so und ich fand es bisher OK. Die Menschen haben sich nicht verändert (außer die, wo auch studiert haben). Ich habe den Kontakt irgendwann unterlassen.

Sei es, dass sie einen als Privatseelsorger sehen

DA MUSST du NEIN sagen. Genau wie der Proktologe.

oder aber sich aus der Angst heraus, man könne ihnen nun in
den Kopf gucken, zurückziehen.

Glaube ich nicht. Die Lust des Vulgärpsychophaten zum Kräftemessen und die Neugier überwiegen doch erheblich.

Ist man nach einem Psychologiestudium nur noch Psychologe oder
auch noch irgendwo als Mensch anerkannt? Oder sind das die
üblichen Vorwehen eines solchen Studiums?

Das sind nur die Vorwehen.

Die Frage ist, weisst Du wo es hin gehen soll? Die meissten Menschen, die Psychogie studiert haben werden KEINE Therapheuten, sondern finden in anderen Bereichen der Wirtschaft und des Sozialwesens (schlecht bezahlt, schlechter Arbeitsmarkt) ihr Auskommen. Und die 3, die ich kenne sind auch alle keine Therapheuthen (wie schreibt man das eigentlich richtig).

Gruß

Stefan

Huhu!

Schön für dich, möchte ich irgendwann vielleicht auch noch
machen und wenn es als Rentner ist.

Das hab ich auch immer gesagt - und jetzt bin ich sogar „erst“ 29, wenn ich anfange. Also immer schön am Ball bleiben! Hab schon vielfach gehört, dass gerade in der Psychologie häufig „ältere“ Studenten zu finden sind.

JEDES Studium, sofern man intellektuelle Fähigkeiten (vor
allem Abstraktionsvermögen) mitbringt verändert das Umfeld
bzw. man sucht sich ein anderes Umfeld aus. Es gibt danach
Menschen, mit denen man einfach nicht mehr
zurechtkommt/zurechkommen will.

Ja, gut - das ist klar. Solche Veränderungen habe ich auch schon ohne Studium durch, allerdings wird es bei Familie und Nachbarschaft (lebe auf dem Land) schwieriger, sich ein neues Umfeld zu suchen *g*.

Nö, Psychopathen sind alle selbst nicht ganz dicht - „Der
verwundete Heiler“. Zumindest ist das mein Bild. *g*

Nun, ein Psychopath sowieso nicht. Aber dass Psychologen selber irgendwo nicht ganz normal sind, das glaub ich sogar selbst.

Dann hast du den falschen Bekanntenkreis, der mangels tiefer
und intelligenter Beschäftigung mit der Welt in einigen Jahren
sowieso nicht mehr adäquat für dich ist. Die glauben
wahrscheinlich ein Steuerberater verdient sein Geld mit
Steuerberatungen.

Du hast es, sofern es sich auf oben erwähnte Familie und Nachbarschaft bezieht, vollkommen erkannt. Nur leider habe ich nicht vor, meiner Familie deshalb den Rücken zuzukehren. Ich fänd es ziemlich arrogant, Beziehungen, die von etwas Anderem leben als dem gleichen Bildungsniveau, zu beenden, nur weil ich mir einbilde, über den Tellerrand gesehen zu haben. Da könnt ich mich selbst nicht leiden, wenn ich den Anspruch erheben würde, mich nur mit „Meinesgleichen“ zu umgeben. Damit wär der Tellerrand schließlich auch schon wieder um Meilen von mir selbst entfernt. Etwas ähnliches gilt für meine Wohngegend - ich schätze sie schließlich wegen der „einfachen Leute“, die mir immernoch allemal lieber sind als Menschen, die sich selber als intellektuell bezeichnen.

DA MUSST du NEIN sagen. Genau wie der Proktologe.

Ich hoffe, dass man das im Studium auch lernt. Aber was ist ein Proktologe?

oder aber sich aus der Angst heraus, man könne ihnen nun in
den Kopf gucken, zurückziehen.

Glaube ich nicht. Die Lust des Vulgärpsychophaten zum
Kräftemessen und die Neugier überwiegen doch erheblich.

Des „Vulgärpsychopathen“, aha - und die anderen?

Die Frage ist, weisst Du wo es hin gehen soll? Die meissten
Menschen, die Psychogie studiert haben werden KEINE
Therapheuten, sondern finden in anderen Bereichen der
Wirtschaft und des Sozialwesens (schlecht bezahlt, schlechter
Arbeitsmarkt) ihr Auskommen. Und die 3, die ich kenne sind
auch alle keine Therapheuthen (wie schreibt man das eigentlich
richtig).

Nein, noch nicht genau, ich glaube auch nicht daran, dass man einen vorher fest definierten Weg dann auch wirklich immer geht /gehen kann. Ich kann nur sagen, dass ich mich bisher auch nicht als Therapeut sehe und ebenfalls nicht in der Arbeits- und Organisationspsychologie. Den geistigen Orgasmus bekomme ich eher beim Gedanken an die Forschung in der Neuropsychologie… aber wie gesagt, denke ich nicht, dass man solch ein Ziel wirklich unverückbar im Kopf haben sollte - die Alternativen sehe ich mir dann im Studium an.

die Muecke

Hallo!

Es ist die Frage, wie man
damit umgeht.

Ja. Das heißt also als Erstes „habe Geduld mit Deinen Mitmenschen“ - ich übe mich bereits darin, aber gibt es im Studium hierzu auch Lerneinheiten oder bleibt man sich damit selbst überlassen?

Es kann sein, daß man in den ersten Semestern eines
Psychologiestudiums eine schwierige Zeit in seinem Umfeld
durchmachen muß.

Und es liegt zuletzt nicht an dem oben beschriebenen „wie geht man damit um“, wie es dann später im Umfeld weiter geht. Deswegen meine Sorge. Vielleicht habe ich selbst sogar mehr Befürchtungen als mein Umfeld.

Die
Entscheidung, ob man dieses oder ein anderes Fach studiert,
würde ich nicht davon abhängig machen. Denn wenn das Fach das
Richtige für einen ist, sollte man es studieren.

Nein, etwas anderes zu studieren steht gar nicht zur Debatte.

Aber wie stehst Du /stehen Sie (?) zu den Empfehlungen, Erfahrungen von Stefan, das Umfeld zu wechseln? Dass Freundschaften kommen und gehen ist mir klar, aber es gibt ja auch anderes Umfeld.

die Muecke

Hallo,

gibt es im
Studium hierzu auch Lerneinheiten oder bleibt man sich damit
selbst überlassen?

grundsätzlich ist das Psychologiestudium nicht dazu bestimmt, den Studierenden bei ihren Alltagsproblemen zu helfen. Im Studium wird Grundlagenwissen über die Psychologie als Wissenschaft vom Verhalten und Erleben des Menschen, über ihre Theorien und Methoden vermittelt.
An manchen Universitäten gibt es zwar auch Kurse zu sozialer Kompetenz. Dort geht es aber in erster Linie darum - auch praktisch -, wie man diese bei anderen verbessert. Schön, wenn man selbst etwas für sich mitnimmt.

Ich hoffe nicht, daß Du Dir vorstellst, das Psychologiestudium sei ein Therapier- oder Menschenkenntnisstudium. Im Gegenteil: Das meiste ist „staubtrockener Kram“, den kein Außenstehender mit Psychologie i.S.v. Menschenkenntnis oder Lebenshilfe in Verbindung bringen würde. Daß dieser „Kram“ schließlich doch dabei hilft, Menschen besser beurteilen zu können, merken manche nie - z.B. weil sie das Studium vorher frustriert abbrechen. In den ersten Semestern wirst Du das kennenlernen. Wer durch diese Mühle durch ist, hat die erste große Hürde genommen.

Und es liegt zuletzt nicht an dem oben beschriebenen „wie geht
man damit um“, wie es dann später im Umfeld weiter geht.
Deswegen meine Sorge. Vielleicht habe ich selbst sogar mehr
Befürchtungen als mein Umfeld.

Ich würde mir an Deiner Stelle keine allzu großen Sorgen machen oder sich von ihnen lenken lassen. Stell Dir vor, was man alles nicht machen würde, würde man sich von seinen Sorgen leiten lassen. Wenn Psychologie das Richtige für Dich ist, geh Deinen Weg konsequent.

Aber wie stehst Du /stehen Sie (?) zu den Empfehlungen,
Erfahrungen von Stefan, das Umfeld zu wechseln? Dass
Freundschaften kommen und gehen ist mir klar, aber es gibt ja
auch anderes Umfeld.

Du wirst Dich mit Sicherheit von Menschen trennen, da Lebenswege - wie Du sagtest - meistens nicht parallel verlaufen. Aber laß es auf Dich zukommen. Mach Dir keinen Streß, bevor es so weit ist. Wann es soweit ist, wirst Du merken.

BTW: Das größte Tätigkeitsfeld für Psychologen ist weiterhin der Gesundheitssektor.

Beste Grüße,

Oliver Walter

mir selbst entfernt. Etwas ähnliches gilt für meine Wohngegend

  • ich schätze sie schließlich wegen der „einfachen Leute“, die
    mir immernoch allemal lieber sind als Menschen, die sich
    selber als intellektuell bezeichnen.

Da hast Du ein großes Vorbild den Sauerkrautbärtigen ehem. Präsidenten des Bundestages. Der sagt: Ich bleibe hier im Vorort wohnen, damit ich merke was sich im Land verändert.

Ich hoffe, dass man das im Studium auch lernt. Aber was ist
ein Proktologe?

Ein Arzt, der sich mit der Öffnung für die festen Körperausscheidungen befasst.

bekomme ich eher beim Gedanken an die Forschung in der
Neuropsychologie… aber wie gesagt, denke ich nicht, dass
man solch ein Ziel wirklich unverückbar im Kopf haben sollte -
die Alternativen sehe ich mir dann im Studium an.

Forschung? Hmm. Dann darfst Du dich möglichst gleich in den diversen Instituten breit machen um an die Hiwi-Jobs und die Beziehungen zu kommen. Und immer schön gucken, dass Dein Name in Veröffentlichungen mit auftaucht. Außerdem wäre dann ein Dr. empfehlenswert. Hmm. Bis 40 könntest du das schaffen.

Viel Erfolg & Gruß

Stefan

Lustige Frage.
Und ich kann für meinen Fall in allen Punkten mit „ja“ antworten.

Aber-
Wirst Du KFZ-Mechaniker, musst Du damit rechnen, dass Dir Deine Kumpels ihre Autos vorbeibringen, wenn daran zu tun ist… am besten auf lau.
Wirst Du Architekt, wirst Du, wenn für gut befunden, in den Hausbau Deiner Schwippschwägerin 8. Grades einbezogen
und wirst Du Maler, Frisör, Schneider, Landschaftsarchitekt, Anwalt… Natürlich reagiert Dein Umfeld auf Dich und Deinen Beruf
(wenn er für andere „brauchbar“ oder „diskutierfähig“ ist).
Der eine versteht es, dass Du nicht ständig Zeit und Lust hast, sein Auto zu reparieren, seine Haare zu schneiden, seine Probleme zu „therapieren“ (i.w.S.) und der andere versteht es nicht und ist beleidigt. Der eine bleibt weg, der andere kommt zurück, spätestens wenn Du Dich völlig unpsychologisch in der Kneipe (wo auch immer)total daneben benimmst :smile: .
Bei einigen tut es weh, bei anderen nicht.
Oder anders:
Du wirst nicht mehr Nachteile haben, als alle anderen auch.

Ja, ich stimme meinem „Vorredner“ 100% zu.
Ich bin jetzt am Ende meines Studiums und es passiert mir seit ich angefangen habe ständig, dass Leute, sobald sie erfahren, was ich studiere, sich durchschaut fühlen oder anfangen, mir ihre Lebensgeschichte erzählen. Manchmal bietet sich das anscheinend als Einstieg an und wenn sich das Thema dann nach kurzer Zeit ändert, finde ich das okay, ansonsten muss ich mich ja mit diesen Menschen nicht weiter beschäftigen.
Meine Freunde und Bekannten sind da völlig normal geblieben. Manchmal werde ich gezielt nach etwas gefragt oder um meine „fachliche“ Meinung zu etwas gebeten, das ist aber auch okay, dazu hat man ja schließlich Freunde und ich „nutze“ ja auch manchmal das Wissen meine Freunde.

Was mir sehr geholfen hat: Behalte Dich selbst im Blick und trenne ganz klar Job und Privates. Ich bin für meine Freunde Freundin und reagiere da auch wie eine Freundin und nicht wie eine Psychologin und ich streite mich gern laut und ausgiebig und knalle auch manchmal die Türen. Obwohl ich in dem Moment genau weiß, was ich theoretisch besser machen sollte. Seit ich diese Grenze für mich klar hatte, und sie im Zweifel auch so kommuniziert habe, läuft zumindest mit den Leuten die ich kenne alles völlig problemlos und normal. Natürlich verändert Dich das Studium auch, ich gehe zum Beispiel anders mit Menschen um und bin viel Aufmerksamer für bestimmte Dinge geworden, aber das kommt eigentlich den Freundschaften eher zugte.
Und es wird immer Leute geben, die die Vorurteile haben und ich schätze, es gibt auch genügen bekloppte Psychologen, die diese Vorurteile immer schön füttern:smile:
Liebe Grüße, Elisabeth.

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