Lieber Sam,
Kein Thema - es ist wichtig, derartige Zusammenfassungen zu
schreiben, wenn hier das Wort des Auslandsstudiums fällt.
ja, das ist richtig. Aber die Mühe, die Du Dir damit machst … und wenn dann einer daherkommt und es mit einer lapidaren Bemerkung so einfach vom Tisch wischt, weil er es nicht verstehen will oder kann, ist es doch schade um die Zeit. 
Ja, das Thema der globalen Verteilung finde ich ebenfalls
albern, vor allem, wenn derjenige, der sich auf so etwas
zurückzieht, damit meint, Qualität „belegen“ zu können. Aber
derartiges findet sich in deer Geschichte der Psychoanalyse
bei den meisten ihrer Vertreter.
Bei vielen, richtig. Es war schon von Anfang an so. So hat Freud z.B. einen Psychiater zu einem Kongreß einfach nicht reingelassen, weil er vermutete, daß der Psychiater unbequeme Fragen stellen könnte. Ein ungeheuerlicher Vorgang in der Wissenschaft. Was prompt dazu geführt hat, daß Freuds letzte bedeutenden Anhänger in der Psychiatrie sich von ihm getrennt haben.
Das ist das typische Missverständnis, das dem Laien überkommt
- wir können im Grunde genommen dem armen Branden gar nicht
böse sein.
Ach, woher denn?! Ich bin Schmidt-Branden nicht böse gesonnen. Es ist ja nichts Persönliches. Allerdings haben wir unterschiedliche Auffassungen in der Sache. Daher gibt es hin und wieder Diskussionen. Aber um zu diskutieren, ist das Psychologie-Board auch da. Siehe Brettbeschreibung. Der Jurist nennt das „Wahrnehmung berechtigter Interessen“ 
Psychologie ist eine Naturwissenschaft und untersucht und
erklärt das Erleben und Verhalten von Lebewesen.
Kann man so sehen. Ich meine, sie hat naturwissenschaftliche Anteile, aber auch sozialwissenschaftliche. Außerdem kann man sich darüber streiten, ob „Erklären“ ein Ziel psychologischer Wissenschaft sein soll. Siehe die Auffassung unserer behavioristischen Kolleginnen und Kollegen.
Sie versucht,
die Gesetzmässigkeiten von subjektivem Erleben, Auswirkungen
äußerer und innerer Reize und Verhalten zu erfassen und ist
mit dieser Aufgabe als Kompromisslösung zwischen der älteren
Auffassung einer Seelenlehre und der modernen Auffassung der
Psychologie als Verhaltenswissenschaft anzusehen.
Ach, so meinst Du das. Ja, darauf wollte ich hinaus mit der Differenzierung eben.
Die Psychoanalyse ist weder ein Teil der Psychologie, noch ein
Teil der Medizin.
Ich sehe es ähnlich. Die Psychoanalyse ist keine Psychologie i.e.S. Sie hat eine ganz andere Tradition, verwendet vorwiegend andere Forschungsmethoden, d.h. seltener empirisch-quantitative Methoden als die Psychologie. Was den Bezug zu Medizin angeht: Die PA ist von Medizinern gegründet worden. In den USA war es lange Zeit Medizinern vorbehalten, Analytiker zu werden. Hier sieht man also die starke Nähe der PA zur Medizin. Auch ist die Psychosomatische Medizin in Deutschland eine Domäne der Analytiker. Grawe schrieb z.B., daß man in Deutschland Analytiker sein muß, damit man überhaupt einen Lehrstuhl in Psychosomatischer Medizin bekommen kann. Andererseits ist die Psychiatrie keineswegs von der Psychoanalyse dominiert, sondern geht ihren eigenen Weg. Mir ist sympathisch, daß sie seit einiger Zeit Therapien danach aussucht, ob sie sich als überprüfbar wirksam herausgestellt haben.
Sie ist eher eine philosophische Haltung,
die sowohl bei Psychologen, als auch bei Ärzten oder
Philosophen vorkommen kann.
Sicher hat die Psychoanalyse philosophische Anteile. Das war schon in ihren Anfangszeiten so. Die Verhaltenstherapie aber auch! Es soll mir keiner kommen und erzählen, die VT basieren auf naiven Ansichten. Da gibt es Ansätze, die in diesem Board noch gar nie angesprochen worden sind.
Die Psychoanalyse findet sich
tatsächlich nur noch in einer von vielen
Psychotherapierichtungen wieder.
Richtig. Die Psychoanalyse ist nicht mehr die Königin unter den Therapien, sondern eine Therapie von vielen. Meiner Meinung nach sollte ihr Anwendung davon abhängen, ob sie überprüfbare Wirkungen hervorruft. Damit meine ich, daß nicht Spekulationen und Wunschträume über mögliche, theoretisch gedachte Wirkungen entscheidend sind, sondern in der Realität nachprüfbare Wirkungen, die den Patienten wirklich etwas bringen. Und nicht nur, weil Papa Freud gesagt hat, daß das seiner Meinung nach etwas bringt, weil er sich das so denkt.
Sie wird allerdings im Laufe
der nächsten Jahrzehnte aufgrund mangelnder Nachweisbarkeit
von therapeutischem Erfolg in der auch hier noch manchmal
genannten Form nicht mehr existieren.
Ich weiß nicht. Ich denke, man sollte verschiedene Arten tiefenpsychologischer Therapie unterscheiden. Die klassische Langzeitanalyse ist sicherlich in ihrem Nutzen sehr zu hinterfragen. Bei der Kurzzeittherapie sieht es jüngsten Entwicklungen zufolge dagegen ganz gut aus. In der Hinsicht bin ich optimistisch.
Die Untersuchung pathologischen Verhaltens, also psychischen
Störungen, ist unter der Bezeichnung der „klinischen
Psychologie“ eine Teildiziplin der Psychologie, die
neben anderen Teildisziplinen existiert.
Völlig klar.
Die Psychotherapie
wiederum ist ein Teil der klinischen Psychologie.
Die klinische Psychologie sieht Psychotherapie zumindest als eines ihrer Teilgebiete an. Aber genauso erhebt die Medizin Anspruch darauf, daß Psychotherapie eines ihrer Teilgebiete ist. Ich meine: Psychotherapie ist ein interdisziplinäres Anwendungsfeld, das sowohl medizinische als auch psychologische Aspekte hat und sich daher nicht einer der beiden Wissenschaften allein zuordnen läßt.
Aus diesem
Grunde kann im Studium ein derartiger Gegensatz von
Therapieschulen natürlich kein Thema sein.
So gesehen nicht, ja.
Tatsächlich ist es
sogar so, dass aufgrund der wissenschaftlichen Ausrichtung der
Psychologie die psychoanalytischen Hypothesen nur am Rande im
Studium vorkommen.
Auch das ist im allgemeinen richtig.
Sie werden vor allem im Rahmen historischer Betrachtungen der
Persönlichkeitstheorien genannt.
Und Entwicklungspsychologie! Wir sollten nicht vergessen, daß Freuds Lehre der psychosexuellen Entwicklung einen Einfluß auf entwicklungspsychologische Vorstellungen hatte. Weiterhin ist Erik H. Eriksons Theorie der psychosozialen Entwicklung als Fortentwicklung der Freudschen Theorie zu sehen. Und vergessen wir nicht Bowlbys und Ainsworths Arbeiten, die allerdings stark von der Ethologie beeinflußt waren. Gerade letztere sehe ich als ein Beispiel an, das man aus psychoanalytischen Überlegungen durchaus etwas machen kann. Allerdings setzt das voraus, daß die Forschungsmethodik wissenschaftlichen Standards genügen.
Indem Branden das Psychologiestudium
und damit den Psychologen auf Teile der klinischen Psychologie
beschränkt, könnte er gleichsam meinen, ein Automechaniker sei
jemand, dessen Arbeit ausschließlich im Einparken von Autos
auf dem Werkstattparkplatz bestehe.
Lustiger Vergleich! 
Ich frage mich
auch, was langweilig daran sein, soll, Erleben und Verhalten
zu studieren,
denn das ist ja eigentlich das, weswegen man sich für die Psychologie entschieden haben sollte. Und nicht einfach nur der Wunsch: „Ich will therapieren!“ Womöglich mit dem Zusatz: „Auf welcher Grundlage ist wurscht.“ Dann könnte man Heilpraktiker werden.
die unterschiedlichen Teildisziplinen,
die bereits im Grundstudium gelehrt werden, sind sehr spannend
und abwechslungsreich.
Genau. Die Vielfalt der verschiedenen Teilgebiete macht die Psychologie gerade so spannend: Entwicklungspsychologie, Persönlichkeitspsychologie, Sozialpsychologie, Wahrnehmungspsychologie, Kognitionspsychologie, Lernpsychologie, Emotionspsychologie, Rechtspsychologie, Pädagogische Psychologie, Arbeitspsychologie, Gedächtnispsychologie, Personalpsychologie, Verkehrspsychologie, Organisationspsychologie, Diagnostik, Biologische Psychologie und und und … Schmidt-Branden verkürzt das Fach aber immer nur auf Psychoanalyse vs. Verhaltenstherapie! Dabei hat er doch ein paar Semester studiert und müßte es besser wissen.
Beste Grüße,
Oliver