Psychologische Betreuung im Kampfeinsatz

guten tag allerseits,

ich beschäftige mich seit einiger zeit mit der kriegs- und nachkriegszeit. bei
den berichten über den d-day stellte sich mir die frage, inwieweit die soldaten
psychologisch auf das vorbereitet wurden, was sie erwartete.

bei der invasion insbesondere bei omaha, liefen die soldaten ja anscheinend
direkt ins feindliche feuer, das bedeutete das übelste verletzungen enstanden.
(im film „private ryan“ sieht man wie der bauchinhalt aus der wunde quillt, aber
auch schlicht tote und schwerst verstümmelte menschen, oder leichenteile …)

desweiteren versuchten die soldaten danach die bunker und umgebenden
verteidigungsanlagen zu erobern, und mussten dort zum teil „mann gegen mann“
kämpfen um einen feind zu töten.

was passiert in solchen situationen psychologisch?

-wenn man um sich herum tod und blut hat, der nachbar, mit dem man eben eine
geraucht hat, liegt verstümmelt und schreiend am boden, wie reagiert man da, kann
man da noch normal (militärisch) weitermachen?

-wenn man als junger soldat (mit wenig ausbildung) in so einen kampf geschickt
wird, rennt man dann mal eben in so einen bunker und tötet einen anderen menschen
?

mich würde interessieren, ob es hier eine vor- bzw nachbereitung, oder irgendeine
art betreuung gab?

wie haben das die alliierten, und die deutschen gemacht?

wie wird das heute gemacht?

sorry für die etwas krasse beschreibung der umstände
gruß loebin

Hallo Loebin,

ich meine mich erinnern zu können, dass zum ersten Mal die Israelis nach dem Sechstagekrieg den Krieg wissenschaftlich-psychologisch aufarbeiteten. Vorher wurden den Soldaten wenig Hilfe geboten.

Vielleicht aber sind ja diese alten Begriffe Ehre, Soldatentum, Manneszucht in Wirklichkeit psychologische Chiffren? Wäre mal ein interessanter Ansatz.

Viele Grüße,
Andreas

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Loebin,

ich beschäftige mich seit einiger zeit mit der kriegs- und
nachkriegszeit. bei den berichten über den d-day stellte
sich mir die frage, inwieweit die soldaten psychologisch
auf das vorbereitet wurden, was sie erwartete.

Vor Overlord wurde den Soldaten erzählt, welche Ziele sie
am ersten Tag zu erreichen hätten, dass die Deutschen
an der Küste vollkommen zerschlagen wurden und was sie im
Falle einer eventuellen Gefangennahme sagen dürfen und was nicht.

bei der invasion insbesondere bei omaha, liefen die soldaten
ja anscheinend direkt ins feindliche feuer, das bedeutete das
übelste verletzungen enstanden.

IIRC ca. 6000m Strand und 3000 Tote oder Schwerverwundete darauf.
Und zwar deshalb, weil bei der Bombardierung der Küstenstreifen
bewölkt war und verfehlt wurde.

(im film „private ryan“ sieht man wie der bauchinhalt aus der
wunde quillt, aber auch schlicht tote und schwerst verstümmelte
menschen, oder leichenteile …)

Wenn es soweit ist, entscheidet die psychische Konstitution
des Menschen über sein Verhalten im Schockzustand. Vom
Hinkauern und Weinen bis zur kaltblütigen Entschlossenheit
ist alles möglich.

desweiteren versuchten die soldaten danach die bunker und
umgebenden verteidigungsanlagen zu erobern, und mussten dort
zum teil „mann gegen mann“ kämpfen um einen feind zu töten.

Ja ja, LOL. Wenn sowas geschieht, dann sind es wirklich Ausnahmen
oder Spezialeinheiten. Das Motto von Overlord (zumindest der Amerikaner)
war iirc „safety first“. Die Amerikaner hätten und haben den Arsch unten
gehalten bis vor ihnen die mit dem Geräusch von durch die Luft rasenden
D-Zügen ankommenden 40cm-Schiffsgeschütz-Granaten alles in eine Mond-
landschaft verwandelt hätten, was nur nach Widerstand aussah.

Daher ist es sehr angemessen zu fragen, was denn den Deutschen,
die da an der Küste lagen und einem in der Weltgeschichte nie
dagewesenem Feuerwerk ausgesetzt waren, so widerfahren ist.

was passiert in solchen situationen psychologisch?
-wenn man um sich herum tod und blut hat, der nachbar, mit
dem man eben eine geraucht hat, liegt verstümmelt und schreiend
am boden, wie reagiert man da, kann man da noch normal (militärisch)
weitermachen?

Interessanterweise werden hier oft „untenliegende“ Charakterzüge
aktiviert, die im „normalen Leben“ nicht auffallen. Hier werden
plötzlich „Helden“ erweckt :wink: Oder man wird eskalt rational und
vernünftig und versucht halt, das naheliegende und nötige zu tun.

-wenn man als junger soldat (mit wenig ausbildung) in so einen
kampf geschickt wird, rennt man dann mal eben in so einen bunker
und tötet einen anderen Menschen

Man sagt dem Artilleriebeobachter, wo der Bunker liegt.
Oder den Schlachtschiffen. Oder die Pioniere basteln eine
Überraschung. Dann geht man in Deckung. „In Bunker rennen
und Menschen im Nahkampf töten“, das ist gehört eher zu
Ostfront und Waffen-SS.

mich würde interessieren, ob es hier eine vor- bzw
nachbereitung, oder irgendeine art betreuung gab?

Such mal nach „Shell Shock“ und besorg Dir bei
Interesse diesen Wälzer:
ISBN: 0316330116 Buch anschauen
(http://www.killology.com/killrev.htm)

wie haben das die alliierten, und die deutschen gemacht?

Ältere, erfahrene Soldaten führen die jüngeren
Soldaten ein und nehmen ihnen die Angst. Der
Rest ist Routine und Training durch Wiederholung.

wie wird das heute gemacht?

Die Ausbildung bei den Eliteeinheiten dürfte in
etwa so sein wie bei der Waffen-SS. Alles was
nicht-Elite ist, ist sowieso in Extremsituationen
problematisch zu handhaben, imho.

Mein Senf eben :wink:

Grüße

CMБ

danke für die infos [owT]
.

Literaturtipp
Held oder Feigling. Die körperlichen und seelischen Belastungen des Soldaten im Krieg von Elmar Dinter (antiquarisch)