Psychologischer Berater

Hallo liebe Wer-weiss-was’ler!

Ich wüsste gerne, was genau einen „Psychologischen Berater“ ausmacht, über was für Qualifikationen er verfügt und wer sich überhaupt so nennen darf, also wie wird man psychologischer Berater? Und was können/dürfen psychologische Berater eigentlich?

Und was können/dürfen psychologische Berater

eigentlich?

Nicht viel. Jedenfalls keine Psychotherapien durchführen.
Die Frage ist wirklich spannend, man hätte sie hier längst mal diskutieren sollen. Mit den „Psychologischen Beratern“ verhält es sich wohl ähnlich wie mit den Heilpraktikern. Es gibt sicherlich gute Leute darunter, aber das Ganze ist imho eine Gratwanderung. Aber ich habe mich damals schon im Medizin-Brett schwersten Angriffen ausgesetzt und möchte mich daher etwas zurückhalten.
Gruss, Branden

Auf jeden Fall sollte Beratung kein Ersatz für Psychotherapie sein!

Hey,
also es ist ungefähr so:
Jeder darf sich psychologischer Berater nennen und als solcher arbeiten.
Das was dieser Mensch tut, darf keine Therapie sein, sondern „nur“ Beratung, d.h. es darf nicht auf Heilen ausgerichtet sein und auch nicht langfristig angelegt.
Es darf also keine Therapie sein - kann somit auch keine Therapie ersetzen.
Es gibt sicherlich Menschen, die sich diese Berufsbezeichnung anheften, die gute und hilfreiche Beratung machen, allerdings gibt es keinerlei Vorschriften, was die tun, was die gelernt haben müssen usw.

Wenn du einen guten psychologischen Berater suchst, müßtest du dich also genau erkundigen, was für eine Ausbildung der gemacht hat, was diese Ausbildung eigentlich in echt wert ist und/oder was für einen Leumund er hat, also möglichst von wem er wie empfohlen wird.

Ich kann mir fast nichts vorstellen, weswegen ich lieber zum psychologischen Berater gehen würde statt zu einem „echten“ Therapeuten, aber darum gehts hier ja nicht.

Fakt ist, das ist ein Begriff, der in keiner weise rechtlich geschützt ist.

Gruß
Kerstin

Hi!
Das sollte man vielleicht eher abgehoben von Therapie/ pathologischem Umfeld betrachten; ein psych. Berater kann sehr nützlich sein beim Coaching, man denke auch an den Bereich (Leistungs-)Sport oder an einen Einsatz zur Vorbereitung auf bestimmte Prüfungen. Krisenmanagement wäre beispielsweise auch eine Situation, die nicht unbedingt einen Therapeuten erfordert.
Es gibt z.B. viele psych. Berater, die Betroffenen bei der MPU aus der Klemme helfen. Wie man das nun persönlich beurteilt, ist jedermanns eigene Sache…

Gruß
Krischan

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Hallo Branden,

Mit den „Psychologischen Beratern“ verhält
es sich wohl ähnlich wie mit den Heilpraktikern. Es gibt
sicherlich gute Leute darunter, aber das Ganze ist imho eine
Gratwanderung.

Hast du etwas mehr Infos für deine „Gratwanderungsaussage“? Würde mich interessieren …

Aber ich habe mich damals schon im
Medizin-Brett schwersten Angriffen ausgesetzt und möchte mich
daher etwas zurückhalten.

Warum? Dies ist ein Wissensforum, und wenn du meinst, etwas Sinnvolles beisteuern zu können (… eben dein Wissen zum Thema), dann solltest du das tun, oder zumindest auf ggf. früher erstellte Artikel zum Thema verweisen. Ich würde mich auf jeden Fall freuen …

Gruss, Branden

Grüsse aus Mainz

Micha

Praxia vs. Theorie

Und was können/dürfen psychologische Berater

sicherlich gute Leute darunter, aber das Ganze ist imho eine
Gratwanderung. Aber ich habe mich damals schon im
Medizin-Brett schwersten Angriffen ausgesetzt und möchte mich
daher etwas zurückhalten.

Ich denke, Psychologie ist nichts anderes als angewandte Statistik.
Unfähig, zutreffende Diagnosen für ein Individuum zu erstellen. Wirksam im Bereich Werbung und Massenbeeinflussung einsetzbar. Ich arbeite nicht etwa als psychologischer Berater aber für meine Freunde tue ich sowas schon, wenn sie das wollen und die wollen das ziemlich oft und schütteln den Kopf über meine Treffsicherheit. Ich brauche keinen wissenschaftlichen Apparat dafür. Ich hab ein paar Axiome, ich hab mich selbst als Anschauungsmodell, ich hab meine unbändige Neugier, ich hab ein paar Erfahrungen gesammelt, die man als Mensch im Leben halt so sammelt und ich hab die Fähigkeit logische Schlußfolgerungen zu ziehen und wenn eine Bekannte mir klagt, dass ihr Schatz sie verlassen will, dann zeig ich ihr, wie sie ihn wieder zurückholen kann und versuche ihr nicht beizubringen, wie sie diese Situation akzeptieren kann, außer vielleicht in den wenigen Fällen, in denen auch ich keinen Weg mehr sehe.

ich weiß, dass niemand etwas weiß (frei nach Sokrates)

unimportant

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Hast du etwas mehr Infos für deine „Gratwanderungsaussage“?
Würde mich interessieren …

Nun ja, Kerstin Windgassen hat es (einige Zeilen höher) schon recht gut angedeutet; der „Psychologische Berater“ ist eigentlich keine fundierte Ausbildung, jedenfalls nicht notgedrungen. Auch ein „Coach“ wird sich nicht so nennen, wenn er eine solide Coach-Ausbildung hat, sondern er nennt sich dann eben „Coach“. Der „Psychologische Berater“ ist weder Coach noch Psychotherapeut, meistens auch nicht Diplom-Psychologe oder Arzt, sondern hat -inder Regel- keine oder die geringste psychologische oder therapeutische Ausbildung.
Aber, wie schon in meinem vorigen Posting gesagt, ich will hier niemanden diskriminieren, es gibt ja auch inspirierende Leute ohne solide Ausbildung, die einem gut tun können.
Gruss, Branden

Hallo !

Der Begriff „Psychologischer Berater“, „Lebensberatung“ oder ähnliche
Bezeichnungen sind nicht geschützt, so dass sich im Prinzip jeder
ohne Nachweis einer Qualifikation so nennen darf.

Diese „Berater“ dürfen aber nicht therapeutisch oder diagnostisch
tätig werden, hierfür ist Minimal eine Heilpraktikerprüfung
erforderlich. Um als Heilpraktiker tätig zu sein, muss zumindest eine
Mindestanforderung in einer Prüfung nachgewiesen werden, die sich
insbesondere auf das Erkennen lebensgefährlicher Situationen
(Selbstmordgefährdung) bzw. Psychosen bezieht. Auch die Bezeichnung
„Heilpraktiker“ sagt noch nichts über die Qualifikation bzw.
Befähigung zur Ausübung der Tätigkeit aus.

Ein Psychologe bzw. Arzt wird staatlich „approbiert“ (oder bestallt).

Ganz richtig, all dies sagt nichts darüber aus, ob nun ein
individueller Mensch die persönliche Eignung hat, „beratend“ oder
„hilfreich“ zu arbeiten. Dies ist ein recht beliebtes
„Totschlagargument“ der zahlreichen „Berater“, die sich einer
besonderen Empathie bzw. Zuwendung rühmen.

Und tatsächlich ist dies wohl das Hauptwirkprinzip, warum sie
„Erfolge“ erzielen bzw. Kunden haben. Im Gegensatz zu den Mediziner,
die ständig auf die Gefahren bzw. Nebenwirkungen, Vorliegen von
anderen Therapiemögllichkeiten etc hinweisen müssen und dann dem
Klienten letztlich die Verantwortung für die Auswahl des Vorgehens
überlassen sollten (müssen), ist dies bei einem Berater anders. Er
kann, ja soll einen guten Rat bzw. seine subjektive Sicht der Dinge
an den Mann bringen. Qualifikation hierfür ist Überzeugungskraft,
weniger fachliche Kompetenz (wobei diese ja nicht ausgeschlossen sein
muss).

Hallo, Mertin,
vielleicht sollte man ergänzen, dass die meisten „psychologischen Berater“ nicht im medizinischen Bereich tätig sind, sondern in der Wirtschaft Marketingmaßnahmen, Schulungs-, Personalführungs- und ähnliche Aufgaben begleiten bzw. erfüllen.
Gruß
Eckard

Hallo,

aus der Sicht der Mediziner und Psychologen ist das Thema ja schon behandelt worden. Wenn du aus der Sicht der als psychologische Berater Tätigen die Sachverhalte beschrieben sehen möchtest, kannst du dich an den Verband wenden: http://www.vfp.de/index.php . Hier kannst du dich auch ein bisschen durchklicken, aber man muss schon ziemlich suchen, bis man Gescheites findet. In der Therapeutenliste findest du alle möglichen Vertreter (vom Soziologen bis zum Astrologen), so dass du dir ein Bild über die benötigten (oder möglichen) Qualifikationen selbst machen kannst. Generell gilt, dass man sich immer über die Qualifikation erkundigen sollte, schon aufgrund der Vielfalt.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

P. S. für die, die meinen, ich selbst würde mich als „psychologischer Berater“ verstehen: Es gibt zwar Überschneidungen, aber ich selbst bin kein psychologischer Berater.

denn… (etwas länger)
Hi unimportant,

Ich denke, Psychologie ist nichts anderes als angewandte
Statistik.
Unfähig, zutreffende Diagnosen für ein Individuum zu
erstellen.

Genau da setze ich immer mit meinen (kritischen) Fragen an, wenn hier lehrbuchmäßig zitiert und damit behauptet wird. Diagnoseschlüssel mögen für die Abrechnung bei der Krankenkasse sinnvoll sein, dem Klienten/Patienten nützen sie herzlich wenig - im Gegenteil, sie sind oft Auslöser für eine verheerende Entwicklung, nämlich dann, wenn der Probant dankbar nach einer gestellten Diagnose greift, weil er endlich einen Namen für das Kind seiner Störungen gefunden hat und mit diesem konkreten Begriff aus der empfundenen Unwirklichkeit in die Wirklichkeit treten kann. Und diese Dankbarkeit hinterfragt nicht mehr. Und der Arzt/Therapeut ist’s zufrieden, er hat sein Soll erfüllt und lehnt sich in seinem Sessel zurück. Nun gilt es nur noch, die (wiederum lehrbuchmäßigen) Therapieschritte abzuwickeln bis zur Sprachlosigkeit, und dann gilt die Therapie als beendet, als abgeschlossen. Wäre es so einfach, könnte man doch ausführliche und detaillierte Fragebögen entwickeln, in denen der Patient nach dem Multiple-choice-Verfahren seine Symptome, Charaktereigenschaft, Lebensumstände etc. ankreuzt und er nach der Auswertung dieser Anamnese einen „Leitfaden zur Genesung“ in die Hand gedrückt bekommt, mit dem er sich selbst in sein neues Leben aufmachen kann. Interdisziplinäres Denken ist gefragt, ja und auch und vor allem Empathie, auch wenn diese Eigenschaft hier - wie es mir scheint - oft belächelt wird. Gerade die Abweichung von den gängigen Begrifflichkeiten ist es doch, die ein Individuum zum Individuum machen und als Individuum stärken - und dem u.U. mit anderen Herangehensweisen und ggf. unkonventionellen Methoden begegnet werden muss. Nicht umsonst entwickeln sich in den letzten Jahren mehr und mehr philosophisch-psychologische Praxen, denen gerade von den Menschen die Bude eingerannt wird, die sich in und mit ihrer „Störung“ mit Fragestellungen über die Symptomatik hinaus mit übergreifenden Fragen nach dem Leben, dem Sinn und dem Sein beschäftigen. Nicht zu vergessen die mittlerweile unzähligen Selbsthilfegruppen, deren Hilfe genau da ansetzt, wo Ärzte und Therapeuten versagen, weil ihnen die ureigenste Erfahrung und damit Lösungsmöglichkeiten fehlen, die sie somit den Patienten nicht vermitteln können.

Von der Hierarchie zwischen Arzt und Patient ganz zu schweigen. Die psychologische Gelehrtenschaft streitet sich in oft merkwürdig kindischer Manier bis aufs Blut in der Verteidigung ihrer (Doktor-)Väter, ihren Thesen, Schulen, Behauptungen und Methoden, in einem sind sie sich aber alle einig: Der Patient ist krank> und was krank ist, definieren sie, und krank müssen sie sein, denn sonst macht ja ihre, die Aufgabe des Helfers keinen Sinn;
außerdem brauchen wir eine „gesunde“ Gesellschaft, also muss das „Kranke“ ausgemerzt werden - aber das ist nochmal ein ganz anderes Thema.
Dies ist mein Standpunkt (den ich durchaus durch überzeugende und/oder neue Gedanken und Argumente zu überdenken bereit bin).
Euch einen schönen Tach,
Anja

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Hallo !

Ich finde es gut (aber auch dringend notwendig, dass Du Deine Gedanken in bezug auf Psychologen und Ärzte überdenken willst.

Zunächst einmal möchte ich betonen, dass es mir nicht um die Diskreditierung von nicht-Medizinern oder nicht-Psychologen geht.

Dennoch ist es aus meiner Sicht fraglich, warum eine Ausbildung zum approbierten Arzt bzw. Psychologen mit der anschliessenden Subspezialisierung zu einem klinisch tätigen Psychotherapeuten denn nun zwangsläufig die von Dir genannten Schwachpunkte bedingen sollte.

Nach dem psychotherapeutischen Krankheitsmodell (das auch viele psychotherapeutische Ärzte anwenden) gibt es gerade die Dichtomie „krank“ und „gesund“ nicht. Krank wäre demnach nach dem medizinischen Krankheitsmodell = da ist EINE einzige organische Ursache (z.B. Infektion, Tumor, Blutung), die wir mal eben wegbehandeln und der Patient wird GESUND = ohne jegliche organische, psychische oder psycho-soziale Beeinträchtigung.

Aufgabe einer Psychotherapie ist also nicht primär eine oder mehrere Krankheitsursachen herauszufinden, sondern GEMEINSAM mit dem Patienten nach Wegen zu suchen, die zu mehr Gesundheit bzw. Lebensqualität führen. Wichtig ist mir dabei, dass der Klient Auftraggeber und auch aktive Person in diesem Prozess ist.
Ein Therapeut gibt seine Arbeitszeit, die Möglichkeit zum Austausch bzw. Rückmeldung, Fachwissen und eben auch gezielte Techniken.

So wie Du Psychologie bzw. Psychotherapie beschreibst, sollte man tatsächlich alle Leute davor warnen :wink:. Nur so ist es halt in der Realität nicht, oder so sollte es in der Realität nicht sein. Wobei ich frecherweise jetzt mal die Verantwortung dafür auch dem Patienten geben würde, wenn er sich denn sowas gefallen lässt. Salopp gesagt würde dies einer Mentalität eines Autobesitzers entsprechen, der sein Auto durch eine Waschstrasse schickt, damit es porentief rein wird. So aber funktioniert Psychotherapie ganz sicher nicht.

Welche Methoden mann anwendet, hängt sicher auch von der Persönlichkeit und Neigung der Therapeuten ab. Die heute verfügbare Vielfalt an Angeboten mag auch viele Nachteile haben. ABer für die Patienten ergibt sich sicher eine grosse Marktvielfalt. Spätestens seit GRAWE wissen wir, dass verschiedene Methoden zum Ziel führen können. Aber nicht jede Methode ist zielführend.

Ich persönlich sehe aber schon eine Gefahr, wenn man auf Heilsversprechungen hereinfällt, die zwar scheinbar „ganzheitlich“ und „vielversprechend“ sind (gerade weil eben der Berater nicht die komplexen Differentialdiagnosen oder anderen Behandlungsoptionen benennen muss). Da wird viel mehr unnötige Zeit und eine Unsumme von Geld verschleudert.

Hier schliesslich sollte der gesunde Menschenverstand einsetzen und zumindest einmal genauer überlegt werden, welche Erfahrung, Ausbildung, Kenntnis von anderen Methoden und Therapeuten, etc. ein klinisch tätiger Psychologe bzw. Arzt in diesem Gebiet hat.

Man kann sich dann ja immer noch für einen astrologischen Lebensberater oder sonstige Verfahren entscheiden. Aber eben doch in besserer Kenntnis der Vor- und Nachteile.

MFG
Martin Winkler (www.web4health.info

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Danke!
Ich möchte euch allen für eure interessanten und hilfreichen Kommentare danken!

Diagnoseschlüssel mögen für die Abrechnung bei der
Krankenkasse sinnvoll sein, dem Klienten/Patienten nützen sie
herzlich wenig

ich meine, diagnoseschlüssel nützen auch dem patienten: sie geben ihm etwas in die hand, auf das er sich berufen kann z.b. bei behandlungsfehlern oder alternativen behandlungsmöglichkeiten. neben den diagnoseschlüsseln werden immer noch eine menge unglaublich schwammiger begriffe verwendet - ohne die diagnoseschlüssel hätte jeder arzt und psychologe die möglichkeit, „seine“ begriffe zu verwenden, über die sich der patient nicht anderweitig informieren könnte. es wäre um einiges schwerer, auch für den patienten, festzustellen, ob eine diagnose und die daraus folgende behandlung angemessen war oder nicht.

klar hat eine dianosestellung nachteile:

  • im Gegenteil, sie sind oft Auslöser für eine
    verheerende Entwicklung, nämlich dann, wenn der Probant
    dankbar nach einer gestellten Diagnose greift, weil er endlich
    einen Namen für das Kind seiner Störungen gefunden hat und mit
    diesem konkreten Begriff aus der empfundenen Unwirklichkeit in
    die Wirklichkeit treten kann. Und diese Dankbarkeit
    hinterfragt nicht mehr.

da stimme ich dir zu, das ist möglich. aber eine person mit dieser haltung ist es ganz egal, ob die diagnose aus dem ICD10 oder einer blumigen phantasie entspringt. ich denke, gerade wenn es keine diagnoseschlüssel gäbe, wären patienten noch unkritischer. sie hätten dann keine möglichkeit, sich zu informieren und festzustellen „moment mal, dieses symptom passt aber gar nicht zu meiner diagnose“. entscheidend wäre dann die glaubwürdigkeit des arztes/psychologen.

Und der Arzt/Therapeut ist’s
zufrieden, er hat sein Soll erfüllt und lehnt sich in seinem
Sessel zurück. Nun gilt es nur noch, die (wiederum
lehrbuchmäßigen) Therapieschritte abzuwickeln bis zur
Sprachlosigkeit, und dann gilt die Therapie als beendet, als
abgeschlossen.

eigentlich nicht, denn vor der therapie sollten erfolgskriterien festgelegt werden, zu denen auch das wohlbefinden das patienten gehört. wenn die therapieschritte durchgezogen sind und der erwartete erfolg nicht eingetreten ist, ist die therapie nicht erfolgreich und auch nicht beendet.

gäbe es keine beschreibungen, wie therapien fachgerecht durchgeführt werden, wäre für scharlatanen tür und tor geöffnet. jeder könnte machen, was er wollte, und wer sollte sich durch diesen dschungel durchfinden.

Interdisziplinäres Denken ist
gefragt, ja und auch und vor allem Empathie, auch wenn diese
Eigenschaft hier - wie es mir scheint - oft belächelt wird.

empathie vermisse ich auch, aber empathie allein reicht nicht.

Gerade die Abweichung von den gängigen Begrifflichkeiten ist
es doch, die ein Individuum zum Individuum machen und als
Individuum stärken - und dem u.U. mit anderen
Herangehensweisen und ggf. unkonventionellen Methoden begegnet
werden muss.

aber wer soll diese einzigartigkeit erkennen und danach handeln können? obwohl wir alle individuen sind, widerspricht die individuelle herangehensweise dem täglichen handeln. wir gehen nicht an jede neue situation oder unbekannte person unvoreingenommen heran, sondern wir ziehen unsere erfahrung heran. und genau das macht die medzin und die psychotherapie: sie zieht ihre erfahrungen heran und wendet das an, was den meisten nutzen verspricht. wenn dort dann einer schluß macht und offensichtlichen mißerfolg zur seite schiebt, ist das unethisch und das werden sich nicht viele patienten auf dauer gefallen lassen.

Nicht umsonst entwickeln sich in den letzten
Jahren mehr und mehr philosophisch-psychologische Praxen,
denen gerade von den Menschen die Bude eingerannt wird, die
sich in und mit ihrer „Störung“ mit Fragestellungen über die
Symptomatik hinaus mit übergreifenden Fragen nach dem Leben,
dem Sinn und dem Sein beschäftigen.

wenn sich jemand mit dem sinn des lebens beschäftigen will, ist das etwas anderes als wenn jemand seinen waschzwang, seine eßstörungen, seine sucht loswerden will. sicher können solche gespräche förderlich sein, aber wenn ein berater nichts von z.b. sucht versteht, wird er einem patienten allein durch gespräche über das leben nicht helfen können.

Nicht zu vergessen die
mittlerweile unzähligen Selbsthilfegruppen, deren Hilfe genau
da ansetzt, wo Ärzte und Therapeuten versagen, weil ihnen die
ureigenste Erfahrung und damit Lösungsmöglichkeiten fehlen,
die sie somit den Patienten nicht vermitteln können.

ich glaube nicht, daß man diese ureigensten erfahrungen ärzten oder therapeuten vermitteln kann und deswegen beurteile ich es nicht negativ, wenn ärzte/therapeuten etwas nicht leisten können, was eine selbthilfegruppe leistet.

Von der Hierarchie zwischen Arzt und Patient ganz zu
schweigen. Die psychologische Gelehrtenschaft streitet sich in
oft merkwürdig kindischer Manier bis aufs Blut in der
Verteidigung ihrer (Doktor-)Väter, ihren Thesen, Schulen,
Behauptungen und Methoden, in einem sind sie sich aber alle
einig: Der Patient ist krank> und was krank
ist, definieren sie, und krank müssen sie sein, denn sonst
macht ja ihre, die Aufgabe des Helfers keinen Sinn;

leuten einzureden, sie seien krank, finde ich nicht nur unethisch, sondern verbrecherisch. im normalfall kommt der patient auch zum arzt und nicht umgekehrt. der patient hat irgendeinen leidensdruck und den soll der arzt/therapeut auffangen. der patient fühlt sich krank und der arzt bestätigt dies oder nicht.

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In Österreich anders
Hallo alle,
der Vollständigkeit halber wollte ich anmerken, dass in Österreich andere Bestimmungen gelten, da ist der „Lebensberater“ (volle Bezeichnung: Lebens- und Sozialberater) ein konzessioniertes Gewerbe (an einen Gewerbeschein gebunden) und sich so nennen und die Tätigkeit ausüben darf nur jemand, der alle Voraussetzungen, die ich jetzt wegen des großen Umfanges nicht wiedergeben kann, erfüllt.
Es ist auch gesetzlich geregelt, welche Institutionen Ausbildungen durchführen dürfen.
Ein Hilfesuchender, so er sich informiert, kann so erkennen, ob auch „drin ist, was draufsteht“.
Gruß
Irene

Hallo Anja,

Martin Winkler hat recht, wenn er meint, daß man wirklich niemandem empfehlen könne, einen ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeuten aufzusuchen, wenn das alles stimmen würde, was Du schreibst. Andererseits finde ich, daß man einiges durchaus im „wirklichen Leben“ wieder findet.

Zum Beispiel:

Und der Arzt/Therapeut ist’s
zufrieden, er hat sein Soll erfüllt und lehnt sich in seinem
Sessel zurück. Nun gilt es nur noch, die (wiederum
lehrbuchmäßigen) Therapieschritte abzuwickeln bis zur
Sprachlosigkeit, und dann gilt die Therapie als beendet, als
abgeschlossen.

Bei der klassischen Psychoanalyse lehnt sich der Analytiker tief in seinen Sessel zurück und läßt den Patienten frei assoziieren, während er selbst die meiste Zeit schweigt. Eine solche „Therapie“ finde ich auch sehr fragwürdig.

Wäre es so einfach, könnte man doch
ausführliche und detaillierte Fragebögen entwickeln,

So einfach ist es dann doch nicht, denn so mancher Analytiker hegt eine gewisse Abneigung gegen Fragebögen und greift auf sie nur dann und auch nur widerwillig zurück, wenn die Qualitätssicherung der Krankenkassen schon mächtig an die Tür klopft.

könnte man doch
ausführliche und detaillierte Fragebögen entwickeln, in denen
der Patient nach dem Multiple-choice-Verfahren seine Symptome,
Charaktereigenschaft, Lebensumstände etc. ankreuzt

Solche Fragebögen und Symptomchecklisten gibt es seit Jahrzehnten. Sie haben sich sehr bewährt und sind ein fester Bestandteil des ärztlichen und psychologischen Instrumentariums. Das ist vollkommen in Ordnung. Einem Kardiologen wird auch nicht der Einsatz des EKG vorgeworfen.

und er […] einen „Leitfaden zur Genesung“
in die Hand gedrückt bekommt, mit dem er sich selbst in sein
neues Leben aufmachen kann.

Jedes Mal, wenn ich in Buchhandlungen gehe, ärgere ich mich über diese Massen von schlechter Ratgeberliteratur. Mir ist es direkt peinlich, mich vor die Bücherregale mit der Aufschrift „Psychologie“ zu stellen, weil sie oft dermaßen viel Schund enthalten, daß es unzumutbar ist, sich davor blicken zu lassen. Das Unbehagen in der Kultur wird zusätzlich dadurch vergrößert, daß sich daneben oft auch noch das Regal für „Astrologie“, „Esoterik“ und dergleichen Aberglauben befindet.

Interdisziplinäres Denken ist
gefragt,

Das stimmt. Gerade in der Psychologie ist interdisziplinäres Denken angesagt, weil es so viele Berührungspunkte mit anderen Fächern gibt.

auch und vor allem Empathie, auch wenn diese
Eigenschaft hier - wie es mir scheint - oft belächelt wird.

„In der Psychotherapie bedeutet therapeutisches Basisverhalten die Ausprägung von Variablen wie Warmherzigkeit, unbedingtes Akzeptieren, Empathie, Symmetrie in der Begegnung usw. Solche Fertigkeiten sind teilweise angeboren und persönlichkeitsspezifisch. Wie die Gesprächspsychotherapie gezeigt hat, sind sie allerdings auch lehr- und lernbar und nicht zuletzt auch meßbar.“ (Linden, M. & Hautzinger, M. [2000]. Verhaltenstherapiemanual. Berlin: Springer.)

Zum Beispiel mit Fragebögen. :smile:

Gerade die Abweichung von den gängigen Begrifflichkeiten ist
es doch, die ein Individuum zum Individuum machen und als
Individuum stärken - und dem u.U. mit anderen
Herangehensweisen und ggf. unkonventionellen Methoden begegnet
werden muss.

Dazu hat Schokolinda schon sehr viel Richtiges geschrieben.

Nicht umsonst entwickeln sich in den letzten
Jahren mehr und mehr philosophisch-psychologische Praxen,
denen gerade von den Menschen die Bude eingerannt wird, die
sich in und mit ihrer „Störung“ mit Fragestellungen über die
Symptomatik hinaus mit übergreifenden Fragen nach dem Leben,
dem Sinn und dem Sein beschäftigen.

Sollen sie. Sinnfragen stellen eigentlich kein Anwendungsfeld für Psychotherapie da. Bei diesen Fällen kann man z.B. zur Kirche oder zu einer anderen Religionsgemeinschaft gehen.

Nicht zu vergessen die
mittlerweile unzähligen Selbsthilfegruppen,

Selbsthilfegruppen gibt es schon länger. Sie stehen nicht im Gegensatz zu Psychotherapie. Im Gegenteil können sie Psychotherapie oft sehr unterstützen.

deren Hilfe genau
da ansetzt, wo Ärzte und Therapeuten versagen, weil ihnen die
ureigenste Erfahrung und damit Lösungsmöglichkeiten fehlen,
die sie somit den Patienten nicht vermitteln können.

Ich habe nicht den Eindruck gehabt, daß Ärzte und Psychotherapeuten Patienten das vermitteln wollen, was sie in den Selbsthilfegruppen besser erfahren können. Im Gegenteil habe ich erlebt, daß Patienten ermuntert werden, solche Gruppen aufzusuchen, damit dort untereinander Erfahrungen ausgetauscht werden können.

Von der Hierarchie zwischen Arzt und Patient ganz zu
schweigen.

Ja, das kann ein Problem bei manchen Ärzten sein („Halbgötter in Weiß“).

Der Patient ist krank> und was krank
ist, definieren sie, und krank müssen sie sein, denn sonst
macht ja ihre, die Aufgabe des Helfers keinen Sinn;

Seltsamer Gedankengang. Martin Winkler hat zu den verschiedenen Krankheitsbildern schon etwas gesagt.

außerdem brauchen wir eine „gesunde“ Gesellschaft, also muss
das „Kranke“ ausgemerzt werden - aber das ist nochmal ein ganz
anderes Thema …

… aus der Abteilung „Geschichte“.

Oliver

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@ Schokolinda & Martin
Hi Ihr Zwei,
nach dem Überschlafen und Nochmallesen meines Postings stelle ich fest, dass man über meine Überlegungen und Fragen (und als nichts anderes sehe ich das) den Eindruck gewinnen könnte !! , dass ich alle psych. Helfer in ihrer Unfähigkeit über einen Kamm schere. Dies trifft nicht zu und es war von daher auch nicht meine Absicht, einen ganzen Berufsstand zu diskreditieren. Erlaubt mir ein paar kurze Anmerkungen zu Euren Antworten.

  • Ich selbst bin von dem Satz überzeugt: Der Erfolg einer Therapie ist immer nur so gut, wie die Mitarbeit des Patienten.
    Dennoch ist es Aufgabe des Therapeuten, den Patienten zu motivieren und überhaupt zu erkennen,wo ggf. seine Blockaden liegen, damit der therapeutische Dialog in Fluss kommt.

  • Zu den Selbsthilfegruppen: Ja, die Wirksamkeit derartiger
    Gruppen hat sich glücklicherweise auch bei den Ärzten rumgesprochen. Es gab allerdings eine Zeit, da wurden diese von der Ärzteschaft als Konkurrenz von Unwissenden misstrauisch beäugt. Die erste verbuchte Selbsthilfegruppe entstand schon 1953 (so in etwa),nämlich die der Anonymen Alkoholiker. Das bis heute nahezu unveränderte 12-Schritte-Prinzip ihrer Arbeitsweise ist wegen ihrer anerkannten Wirksamkeit zwischenzeitlich von vielen Gruppen mit anderen Störungen übernommen worden(Spieler, Angehörige, Drogenabhängige, Sexsüchtige, Künstler mit ihren Blockaden, allgemeine emotionale Störungen u.v.a.m.).

Zitat Martin:
Welche Methoden man anwendet, hängt sicher auch von der Persönlichkeit und Neigung der Therapeuten ab. Die heute verfügbare Vielfalt an Angeboten mag auch viele Nachteile haben. ABer für die Patienten ergibt sich sicher eine grosse Marktvielfalt. Spätestens seit GRAWE wissen wir, dass verschiedene Methoden zum Ziel führen können. Aber nicht jede Methode ist zielführend.

Die Vielfalt - so begrüßenswert sie ist - ist natürlich ein Problem. Der Patient ist in der Regel ein psych. Laie, der a) oft gar nicht weiß, worauf sich seine Störung begründet und b) umso weniger eine Ahnung hat, welche Therapiemethode am erfolgsversprechenden ist. Hier in Frankfurt gibt es eine ganz gute Einrichtung beim Sigmund-Freud-Institut, die auf 3 Stunden limitiert ist, in denen herausgefunden wird, welche Störung vorliegt und welche Behandlungsmethoden am erfolgversprechendsten sind. (Dass man dann in der Regel zu einem Analytiker oder einem tiefenpsychologisch orientierten Gesprächstherapeuten überwiesen wird steht dann auf einem ganz anderen Blatt… *g).

Auch habe ich meine Zweifel beschrieben, ob es denn zielführend ist, sich auf eine Behandlungsmethode festzulegen. Oft hilft gerade eine Kombination. Jetzt kann ich nur mein Beispiel als Depressionspatientin zur Veranschaulichung anführen: Für die Ursachenforschung und das Entwirren von Verknotungen des Selbst ist eine tiefenpsychologisch orientierte Gesprächtherapie am besten geeignet (also am ehesten die Lehren eines Freud); um in der Kindheit entwickelte Strategien zum Erreichen von Zielen und Lebensbewältigung, die ohne sie hin und wieder auf ihre Sinnhaftigkeit zu überprüfen kritiklos in das Erwachsenenalter übernommen werden, aufzudecken und schrittweise zu verändern, sind die Methoden des A.Adler bestens geeignet, und um sich schrittweise aus der Lähmung des Alltags eines Depressiven zu lösen sind durchaus (zusätzliche) verhaltenstherapeutische Ansätze hilfreich.

Und noch zum „Sinn des Lebens“ - den ihr aus der psychologischen Praxis verweist. Gerade in Phasen mittelschwerer Depressionen mit suizidalen Tendenzen stellt sich diese Frage existentiell und eine Auseinandersetzung darüber ist m.M.n. maßgeblich notwendig, um wieder neuen Lebenswillen und -mut zu entwickeln.

Ein schönes Wochenende,
Anja

PS - Werde mich mal auf „Deine“ Seite stürzen, scheint mir sehr interessant zu sein

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Nachdem du jetzt vernommen hast, daß man einem „Psychologischen Berater“ am besten garnicht über den Weg traut, jetzt mal ein Kriterium, daß seine Befähigung zeigt:

ein Psychologischer Berater kann vor dem Amtsarzt eine eignugnsprüfung ablegen. so er diese besteht erhält er ein Zertifikat.

Hat er dieses Zertifikat, sollte sicher gestellt sein, daß er keine fehlentscheidungen trifft. Will sagen: er erkennt krankhafte Störungen und verweist seinen Klienten an entsprechende Institutonen: Neurologen, Psychiater, Kliniken etc.

Ansonsten leistet er fundierte Lebensberatung und gibt den Menschen einen Einstieg, die den Psychologen/Neurologen noch mit einem Irrenarzt verwechseln.

Wie der Heilpraktiker mit dem Arzt zu vergleichen ist der Psy-Berater mit dem Psychotherapeuten zuv ergleiche.

siehe auch: http://www.paracelsus.de

gruss

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]