Psychopharmazeutische Mittel

Hallo Leute!
Ich hab einige (3, mit denen Ich das so genau erörtert habe) Kumpels, die seit einiger Zeit und nach einem Aufenthalt in unserer örtlichen Anstalt auf den verschiedensten Pillen sind. Alle sind Kiffer und versuchen damit aufzuhören (von wegen macht nicht abhängig).
Als Ich sie fragte, ob sie sich gut fühlen wenn sie breit sind, haben alle ja gesgt und die jeweiligen Probleme (Depressionen, Persönlichkeitsveränderungen) würden nur dann auftreten wenn sie „nüchtern“ wären. Nach lesen der Beipackzettelchen, war mir dann bei einigen ihrer Medikamente ob der Nebenwirkungen, doch nicht so ganz wohl zu Mute.
Mir drängt sich da folgende Frage auf: Wenn Psychopharmaka teilweise so starke Nebenwirkungen haben und sie sich auf Dope gut fühlen, wieso dann das nicht als Medikament? Davon abgesehen, das es psychische Störungen auslösen kann…wenn man sie erstmal hat, ist es doch besser sie mit einer Planze als mit Chemie zu behandeln.
Von den Tabletten ist man doch im Endeffekt auch abhängig oder?
Heilen können diese Mittel doch auch nicht oder?

Ich hab mich jetzt mal sehr kurz gefasst und bin auch kein "Gebt-das-Hanf-frei"Spinner, sondern trage diese Fragen schon lange mit mir rum.

Dankeschön
Amok

Hi,

es ist tatsächlich so, ein bestimmter Anteil von Drogenabhängigen ist psychotisch und nimmt Drogen als Selbstmedikation. Das gilt allerdings nicht für Alkohol, auch nicht für Extasy oder Koks.

Trotzdem kann man nicht von einer angemessenen therapeutischen Wirkung ausgehen. Es hilft sicher, die Psychose zu ertragen, aber es ist nicht geeignet, den Patienten ordentlich symptomfrei einzustellen und eine zuverlässige Rezidivprophylaxe zu gewährleisten.

Es ist also ein Mittelchen, aber sicher ein eher schlechtes. Es gibt wesentlich bessere Medikamente, aber die geben leider keinen Kick :smile:.

Gruß

Yoyi

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Hallo Martin,

Ich hab einige (3, mit denen Ich das so genau erörtert habe)
Kumpels, die seit einiger Zeit und nach einem Aufenthalt in
unserer örtlichen Anstalt auf den verschiedensten Pillen sind.

Was für Pillen nehmen sie denn?

Mir drängt sich da folgende Frage auf: Wenn Psychopharmaka
teilweise so starke Nebenwirkungen haben und sie sich auf Dope
gut fühlen, wieso dann das nicht als Medikament?

Vielleicht haben die Medikamente andere und weniger nachteilige Nebenwirkungen als die Droge. Könnte doch sein, oder?

Davon
abgesehen, das es psychische Störungen auslösen kann…wenn
man sie erstmal hat, ist es doch besser sie mit einer Planze
als mit Chemie zu behandeln.

Ich finde es besser, gar keine psychischen Störungen zu haben. Wenn man durch Drogenkonsum psychische Störungen erworben hat, dann verschwinden die meisten oft wieder, wenn man die Droge nicht mehr nimmt. Bis dahin kann es sinnvoll sein, ein Psychopharmakon zur Linderung der Symptome einzunehmen. Die Vorstellung, daß der Einsatz pflanzlicher Chemikalien immer besser ist als der Einsatz künstlich hergestellter Chemikalien, ist nicht richtig. Es kommt auf die Wirkung des Stoffes im menschlichen Körper an und nicht, wo der Stoff ursprünglich herkommt.

Von den Tabletten ist man doch im Endeffekt auch abhängig
oder?

Von vielen Psychopharmaka wird man nicht abhängig.

Heilen können diese Mittel doch auch nicht oder?

Sie helfen bei der Beseitigung von Folgeschäden des Drogenkonsums. So senkt Distraneurin z.B. die Wahrscheinlichkeit eines Delirs während des Alkoholentzugs. So ein Delir kann tödlich enden. Das rechtfertigt den Einsatz des Medikaments, obwohl dies selbst nicht ungefährlich ist.

Gruß,

Oliver Walter

Hi Leuts!

Was für Pillen nehmen sie denn?

Weiß Ich nicht mehr, aber sie waren erschreckend groß

Vielleicht haben die Medikamente andere und weniger
nachteilige Nebenwirkungen als die Droge. Könnte doch sein,
oder?

Äh nö! Die Sache ist die, dass z.B. einer von diesen Typen rumläuft wie ein Zombie und einfach mal die Reaktionszeit einer schlafenden Schnecke hat.

Ich finde es besser, gar keine psychischen Störungen zu haben.

Wie wahr, wie wahr; aber wem geht es heutzutage noch so.

Wenn man durch Drogenkonsum psychische Störungen erworben hat,
dann verschwinden die meisten oft wieder, wenn man die Droge
nicht mehr nimmt. Bis dahin kann es sinnvoll sein, ein
Psychopharmakon zur Linderung der Symptome einzunehmen.

Da kann Ich jetzt nur ein Beispiel anführen, von einem dieser Typen. der seit ca. 0,5 Jahren clean ist und immer noch und wohl den Rest seines Lebens ein Mittel gegen Schizophrenie nehmen muß.

DieVorstellung, daß der Einsatz pflanzlicher Chemikalien immer
besser ist als der Einsatz künstlich hergestellter
Chemikalien, ist nicht richtig. Es kommt auf die Wirkung des
Stoffes im menschlichen Körper an und nicht, wo der Stoff
ursprünglich herkommt.

Schon richtig aber meines Wissens/Erfahrung nach ist THC (Ich rede von keinen anderen Drogen, die sind alle böse:smile: ein körpereigener Stoff, der eine Art Schutz gegen Überanstrengung darstellt, der z.B. vom Körper nach exessivem Sporttreiben ausgeschüttet wird und das ist dann doch wohl nicht ganz so schlimm oder?

Von vielen Psychopharmaka wird man nicht abhängig.

Wenn du sie nehmen mußt um Rückfälle zu verhindern bist du abhängig.

Danke
Amok

Yoyi for president
Hi zurück!
Erstmal muß Ich sagen Ich verfolge diese Board schon eine ganze Weile und deine Posts sind einfach Klasse.

Trotzdem kann man nicht von einer angemessenen therapeutischen
Wirkung ausgehen. Es hilft sicher, die Psychose zu ertragen,
aber es ist nicht geeignet, den Patienten ordentlich
symptomfrei einzustellen und eine zuverlässige
Rezidivprophylaxe zu gewährleisten.

Geht das nicht eh nur durch Therapien im Sinne von Gesprächen, Gruppensitzung u.Ä. ?
Ich will einfach nicht akzeptieren, das man mit Medikamenten dauerhaften (positiven) Einfluß auf die Geisteswelt eines Menschen nehmen kann.

Es ist also ein Mittelchen, aber sicher ein eher schlechtes.
Es gibt wesentlich bessere Medikamente, aber die geben leider
keinen Kick :smile:.

Aus Erfahrung weiß Ich, daß man irgendwann aus Kiffen keinen Kick mehr bekommt, sondern es nur noch braucht.

Danke,
Amok

Abhängigkeit
Hi Amok,

Wenn du sie nehmen mußt um Rückfälle zu verhindern bist du
abhängig.

Ich nehme seit kurzem wieder ein Antidepressivum, nachdem ich nach einer recht guten Zeit wieder einen heftigen Depressionsschub habe. Also auch, um einem „Rückfall“, wenn auch nicht im Sinne einer Abhängigkeit von Stoffen, zu begegnen. Dieses Mittel hilft mir, um wenigstens die notwendigsten Dinge des Lebens bewältigen und suizidale Phantasien abwenden zu können. Insofern bin ich „abhängig“ von ihnen, um nicht wieder in die völlige Lähmung „zurückzufallen“. Diese Abhängigkeit nehme ich gerne in Kauf, um mir wenigstens einen Restwert an Lebensqualität zu erhalten.
Gruß,
Anja

Ein Problem ist doch, dass es durch den Haschkonsum die Psychose zum „Ausbruch“ kommt. Die Experten streiten darüber, ob es nur eine Beschleunigung einer eh vorhandenen Grundveranlagung für Psychosen / Schizophrenie ist oder aber durch die Drogen eine Psychose ausgelöst werden.

Meine klinische Erfahrung sagt mir, dass es einen unglückliche Gruppe von Jugendlichen gibt, die einfach extrem schlecht auf Cannabis reagieren. Das wird nicht allein die Menge sein und leider auch nicht allein das psycho-soziale Umfeld. Ich „glaube“, dass die sich schon von ihrer Veranlagung gegenüber den „Wochenendusern“ unterscheiden. Gerade weil sie eher eine Beruhigung statt ein Zudröhnen im Sinne einer Drogenwirkung haben.

Wie dem auch sei, Cannabis führt zu einer Entwicklungsverzögerung wobei dann Antriebsmangel bzw die Unfähigkeit sich unangenehmen Aufgaben zu stellen dazu kommen. Dies ähnelt sehr einer „Negativsymptomatik“ bei einer Schizophrenie (ist aber nicht identisch).

Psychotherapie ist wunderbar. Nur setzt diese voraus, dass auch ein Gespräch bzw. eine Aufnahme und Umsetzung des Gesagten möglich ist.
In einer Psychose gelingt dies nicht. Selbst ausserhalb der akuten Psychose sind die Patienten sehr labil, d.h. geringste Einflüsse könnten wieder zu Denk- und Wahrnehmungsstörungen führen.

Eine gute Pharmakotherapie würde hier die „Risikogrenze“ etwas begrenzen. Durch die neueren atypischen Neuroleptika wird die Stressempfindlichkeit bzw. die Wahrscheinlichkeit für das Abgleiten in eine Psychose deutlich vermindert. Nachteil ist aber, dass einige dieser Medis wiederum eher dämpfend wirken und damit die durch die Suchtproblematik bereits vorhandene Antriebsschwäche noch verstärken (z.B. bei Olanzapin = Zyprexa). Andere wie Risperidon (Risperdal) sind da zwar weniger stark, können aber auch leichter in höheren Dosierungen Nebenwirkungen aufweisen (und meine persönliche Erfahrung ist, dass gerade diese Patientengruppe stärker auf Nebenwirkungen reagiert). Vielleicht noch am ehesten zu empfehlen wäre Solian, das gerade bei so einer Antriebshemmung empfohlen wird. Aber so die ganz prallen Erfolge habe ich damit auch nicht gesehen…

Ich glaube, kaum ein Psychiater ist begeistert an diese Gruppe von Patienten Medikamente abgeben zu müssen, da sie meist die Tabletten nur sehr unregelmässig einnehmen werden. Wenn überhaupt… Und bei gleichzeitigem Haschischkonsum oder anderen Drogen ist dies schlicht sinnlos.
Aber allein durch Psychotherapie ist da kein Land zu gewinnen.

Ich habe gerade selber intensiv für einen Patienten nach Therapiemöglichkeiten bei Cannabis gesucht. Verdammt schwierig. Hasch ist echt übel für Jugendliche, auch wenn überall das Gegenteil behauptet wird!

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Hallo,

Äh nö! Die Sache ist die, dass z.B. einer von diesen Typen
rumläuft wie ein Zombie und einfach mal die Reaktionszeit
einer schlafenden Schnecke hat.

vielleicht nimmt er Neuroleptika. Diese Medikamente können diese Nebenwirkung haben. Manche sprechen von „Haldol-Zombies“.

Da kann Ich jetzt nur ein Beispiel anführen, von einem dieser
Typen. der seit ca. 0,5 Jahren clean ist und immer noch und
wohl den Rest seines Lebens ein Mittel gegen Schizophrenie
nehmen muß.

Dann wird es ein Neuroleptikum sein, das er nimmt. Vielleicht ist die Psychose, die er hat, nicht rein cannabisinduziert, sondern nur durch den Cannabiskonsum zum Ausbruch gekommen. In diesem Fall gibt es höchstwahrscheinlich keine andere Alternative als die Einnahme des Neuroleptikums. Vielleicht sollte man prüfen, ob er ein anderes nehmen kann. Das sind aber Fragen, die nur die behandelnden Ärzte klären können.

Schon richtig aber meines Wissens/Erfahrung nach ist THC (Ich
rede von keinen anderen Drogen, die sind alle böse:smile: ein
körpereigener Stoff, der eine Art Schutz gegen Überanstrengung
darstellt, der z.B. vom Körper nach exessivem Sporttreiben
ausgeschüttet wird und das ist dann doch wohl nicht ganz so
schlimm oder?

Nein, das ist nicht richtig. THC ist ein Cannabinoid, das aus der Hanf-Pflanze gewonnen wird. Seine Wirkung im menschlichen Körper ähnelt den körpereigenen Cannabinoiden, die tatsächlich eine ähnliche Wirkung haben, wie Du sie beschreibst. Wenn man von außen jedoch Cannabinoide wie THC zuführt, dann bringt man das körpereigene System durcheinander und schadet sich selbst. Ähnliches geschieht auch bei Morphin und Heroin, die körpereigene Opiate verdrängen, wodurch das körpereigene System völlig aus den Fugen gerät.

Von vielen Psychopharmaka wird man nicht abhängig.

Wenn du sie nehmen mußt um Rückfälle zu verhindern bist du
abhängig.

Das ist keine Abhängigkeit im dem Sinne, wie Abhängigkeit medizinisch definiert ist, nämlich u.a. über Toleranzsteigerung gegenüber dem Stoff und Entzugserscheinungen bei Absetzen der Droge. Was Du meinst, ist, daß Deine Kumpels dauernd Psychopharmaka nehmen müssen, weil sie sonst psychotische Symptome entwickeln. Diese Form von „Abhängigkeit“ ist jedoch nicht durch das Psychopharmakon, sondern durch die Psychose verursacht. Ein wichtiger Unterschied.

Grüße,

Oliver Walter

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