Psychose und Gott

Es gab einige Artikel über Gotteserfahrungen.
Dazu folgendes: Durch Gespräche und Beobachtungen weiss ich, dass sehr oft psychotische Zustände mit sog. Gotteserfahrungen verbunden sind. Ein gestresstes Gehirn (sei es durch Todesangst oder durch Dauerbelastung) schüttet zum Selbstschutz Hormone aus. Diese produzieren eben merkwürdige Bilder. Ich habe das Gefühl, dass der Bibelautor Paulus ein psychotischer Mensch war. Die Bemerkung drängt sich auf: Psychose durch Gottesgnaden. Oder anders: Wie schizophren muss ein Mensch sein um Gott zu erfahren und vieviel Drogen muss er schlucken um andere Welten zu erblicken.

Ich bin erstaunt über diese Sichtweise, die ganz sicher der deduktiven Analyserichtung entspringt. Natürlich kann man die Hirnforschung, die diese Erkenntnisse hervorbringt, nicht verneinen. Dazu ist aber zunächst einmal zu sagen, daß es sich um Vermutungen handelt. Die Forschungsergebnisse der Amerikaner, unter denen sich auf diesem Gebiet besonders Prof. Hailey verdient gemacht hat, sprechen eine eindeutige Sprache: der Mensch neigt Gefahrensituationen durch den Ausstoß innercorporaler Stimulanzen Realitäten zu schaffen, die objektiv nicht nachvollziehrbar sind. So kommt es dann zu den Nah-toderlebnissen, die auch Raymond A. Moodi in mittlerweile drei Büchern untersucht hat. Dabei ist aber zu beachten, daß es niemandem obliegt, die Vorkommnisse anzuzweifeln. Denn ihre Nicht-Beweisbarkeit läßt nicht den Schluß auf ihre Irrealität zu. Vielmehr versuchen auch die modernen Hirnforscher nichts anderes als Gesetzmäßigkeiten im menschlichen Umgang mit Notsituationen (speziell auf dem Gebiet der Verarbeitung im Gehirn) zu finden. Nach welchem Gesetz diese Gesetzmäßigkeiten ablaufen, vermögen sie nicht zu erkennen, und manchmal galube ich, sie interessieren sich dafür auch nicht sonderlich, da sie um die Unbeantwortbarkeit dieser Frage wissen. Und hier liegt die Chance der Religion: sie allein vermag dem System die Systematik zu verleihen.
Man kann das auch banal formulieren. Würden Sie mir etwas folgende Behauptung glauben:

„Gestern tobte auf einem Schrottplatz ein Orkan, und als er Abzog hatte sich aus den Schrott-Teilen eine Boeing 747 gebildet.“

Wohl eher kaum. Einem Naturwissenschaftler glauben Sie diesen unwahrscheinlichen Zufall jedoch anscheinend ungesehen. Das verwundert mich, und ich bitte Sie, Ihre Denkweise noch einmal zu überprüfen.

Thomas Phillips

Ich habe das Gefühl, dass der
Bibelautor Paulus ein psychotischer
Mensch war. Die Bemerkung drängt sich
auf: Psychose durch Gottesgnaden. Oder

Hallo Sprecher,

soviel ich weiß, hatte Paulus tatsächlich eine Krankheit und zwar war er Epileptiker. Das ist wohl überliefert, weil man damals von der goldenen Krankheit sprach. Golden deswegen, weil Epileptiker anscheinend vor einem Anfall alles eher in Gelbtönen wahrnehmen.

Angeblich hatte er während seinem Damaskus-Erlebnis - ich glaube, das war seine Bekehrung - einen Anfall.

anders: Wie schizophren muss ein Mensch
sein um Gott zu erfahren und vieviel
Drogen muss er schlucken um andere Welten
zu erblicken.

Für mich kommt es darauf an, welchen Gott ich erfahre. Ich glaube nicht an den da oben, der von seiner Wolke auf uns runterschaut und dessen Gnade unendlich ist, aber ich habe Gott auch schon erfahren. Und zwar in den Momenten, in denen ich vor Staunen oder vor Glück oder vor Trauer gespürt habe, dass die Welt nicht rational ist.

Ich nehme keine Drogen, aber ich blicke in andere Welten, wenn ich das Glück habe, mal vom Alltag abschalten zu können und z. B. meinen Körper wieder richtig zu spüren oder mal wieder richtig zu spüren, wie sehr ich meine Familie liebe - dann spüre ich Gott - oder wie auch immer man es nennen will . . .

Menschen, die Gott wahrnehmen als „krank“ zu bezeichnen ist nicht fair, denn jeder definiert das wohl anders. Und das muß man jedem lassen.

Viele Grüße,
Iris