Stationäre Behandlung
Hallo,
ich würde einmal mit dem Psyhiater sprechen. Der müßte eigentlich geeignete Kliniken kennen. Hier kann man auch gemeinsam auf Empfehlungslisten der Krankenkassen zurückgreifen.
Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die abhängig vom derzeitigen Grad der Erkrankung mehr oder auch weniger gut geeignet sind.
Der Standort der Klinik sollte auch in die Überlegungen einbezogen werden. Im Idealfall sollten Angehörige für einen Besuch nicht hunderte von Kilometern fahren müssen, denn Besuche von Bezugspersonen halte ich für wichtig.
Bei einer mittleren bis schweren Depression ist es ganz wichtig, daß deine Schwester Antidepressiva nimmt. nur reden hilft da nämlich nicht.
Bei akuten Selbstmordgedanken (die sind ein Symptom der Depression) ist es zudem besser direkt in eine Klinik vor Ort zu fahren. Eine stationäre Aufnahme ist dann jederzeit möglich (egal zu welcher Tageszeit).
Es gibt offene und geschlossene Stationen. Vor den letzteren haben viele Menschen Angst, weil sie falsche Vorstellungen haben.
Meine Erfahrung ist, dass sich auch den geschlossenen stationen viel intensiver um die Patienten gekümert wird.
Man ist dort auch nicht auf ewig eingesperrt, sondern kann je nach genesungsgrad auch „raus“.
Auch wenn man als depressiver denkt, daß die Depression nie wieder weg geht und man befürchtet auf Ewig in der Anstalt eingesperrt zu sein, wenn man erst einmal drin ist, ist dies nicht so.
Man wird natürlich wieder gesund und so ist solch ein Aufenthalt natürlich nicht von dauer.
Vielleicht hilft dir als Angehörige folgende Geschichte um die Krankheit zu verstehen:
Depression? Was ist denn das eigentlich?
Ein Erklärungsversuch
Meine Erfahrung ist, dass es schwer ist selbst Erwachsenen die Krankheit Depression und die Symptome zu erklären.
Anfangs habe ich versucht die interessierten Fragen medizinisch zu beantworten, was allerdings nicht zu einem besseren Verständnis führte.
Daher erkläre ich es mittlerweile mit dieser kleinen Geschichte:
In jedem Menschen gibt es viele kleine Türen hinter denen sich positive oder negative Gefühle (wie z.B. Freude und Traurigkeit) befinden und immer wenn man ein entsprechendes Gefühl „benötigt“, nimmt man sich einen der vielen stets vorhandenen passenden Schlüssel um diese Gefühle herauslassen zu können.
Scheint die Sonne und man kann sich freuen, schließt man eine Tür auf und läßt die freudigen Gefühle heraus.
Und ist ein Grund zu Trauern, läßt man ein trauriges Gefühl heraus.
Bei einer Depression ist nun es so, dass zuerst die Schlüssel für die guten Gefühle einer nach dem Anderen verschwinden und immer weniger Schlüssel für die positiven Türen vorhanden sind, so dass man sich z.B. einfach nicht mehr freuen kann, auch wenn man eigentlich allen Grund dafür hätte.
Dann sind dann bald nur noch Schlüssel für die negativen Türen da.
Das erklärt auch weshalb auch wenn die Sonne scheint, jemand der akut depressiv ist, trotz allem nur noch negative Gefühle und Gedanken dazu entwickeln kann.
Und in einer schweren Depression werden dann sogar die Schlüssel für die negativen Türen zunehmend knapp, so dass man am Ende weder fröhlich noch traurig sein kann.
Man fühlt sich dann so, als habe man gar keine Gefühle mehr.
Meißt kommt an dieser Stelle dieser kleinen Geschichte die Reaktion:
„Aber - das ist ja schrecklich!“
Und sie habens begriffen.
Genau das ist es ja auch für den Betroffenen, wenn dieser gerade tief in einer Depression steckt.
Das positive ist allerdings, fahre ich dann fort - und das kann man vor allem Kindern und Familienangehörigen sagen- dass es Medikamente gibt,
die langsam und stetig wieder neue Schlüssel „herstellen“.
Dies braucht zwar seine Zeit, aber mit jedem neuen Schlüssel geht es einem besser und wenn letzendlich wieder genug Schlüssel da sind, dann ist die Depression verschwunden.
Ergänzend hierzu kann man sagen, daß antidepressive Arzneimittel, die zu der Gruppe der Psychopharmaka zählen, weder abhängig machen noch wie häufig befürchtet die Persönlichkeit verändern.
Sie sorgen lediglich dafür, daß im Gehirn die fehlenden „Schlüssel“ nach und nach wieder vorhanden sind.
Die modernen SSRI (Selektiven-Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) haben zudem kaum Nebenwirkungen, sind daher sehr verträglich und können bei Bedarf problemlos auch über längere Zeit eingenommen werden.
Die gute Nachricht: Bis auf einige seltene Ausnahmen, sind Depressionen mit diesen Medikamenten gut behandelbar und gehen immer wieder weg (was ein depressiver in seiner akuten Krankheitsphase jedoch meist nicht glauben kann).
Der Betroffene muss, was i.d.R. nicht leicht ist, nur abwarten und durchhalten bis die Medikamente wirken.
Da die Suizidgefahr während dieser vom Betroffenen meist als unerträglich und endlos empfundenen „Wartezeit“ zu den Symptomen der Depresson gehören kann,
ist eine engmaschige fachärztliche Überwachung notwendig.
Bei bekannten oder zu erahnenden Suizidabsichten ist auf jeden Fall eine stationäre Behandlung dringend angeraten.
Etwa 11 000 Menschen nehmen sich jedes Jahr das Leben, der Großteil von ihnen leidet unter (teilweise nicht erkannten und daher unbehandelten) Depressionen.
15 % der Betroffenen sterben durch Suizid -
die Depression ist somit eine potentiell lebensbedrohliche Erkrankung.
Man sollte daher sehr vorsichtig damit sein, Depressionen nur als nachvollziehbare, verständliche Reaktion auf schwierige Lebensumstände oder gar Einbildung aufzufassen, die der Betroffene wenn dieser sich nur richtig zusammenreist überwinden könne.
Schwere Schicksalsschläge verursachen zwar Trauer, gedrückte Stimmung und Befindlichkeitsstörungen, jedoch nicht zwangsläufig eine Depression.
Tritt allerdings eine depressive Erkrankung auf, so muss diese konsequent behandelt werden.
LG
Thies
www.thies-martens.de