Psychotherapeuten wechseln - geht das?

Hallo,

mal angenommen, Person X war im vergangenen Jahr nach einem nervlichen Zusammenbruch für ein paar Wochen in einer psychiatrischen Klinik, Diagnosen Depression, Panikstörung und daraus resultierende Derealisationszustände (Form der Bewusstseinsstörung). Sie wurde entlassen und suchte sich zur Weiterbehandlung einen Neurologen und eine Psychotherapeutin, die Krankenkasse bewilligte 25 Sitzungen.

Aufgrund der Gabe von angstlösenden Psychopharmaka ist die Panikstörung ansich unter Kontrolle, jedoch leidet X nach wie vor unter fast täglichen Derealistaionsattacken, die sie im Leben natürlich schwer einschränken und behindern.

Die Psychotherapie zieht sich inzwischen seit 7 Monaten hin, 16 Sitzungen wurden bereits abgehalten, jedoch ohne jeden Erfolg.
X fühlt sich von ihrer Therapeutin unverstanden, insbesondere mit der Derealisation kann die Therapeutin anscheinend überhaupt nichts anfangen. In jeder Sitzung stellt sie X die gleichen Fragen, die sich ausschließlich um die aktuelle Lebenssituation drehen (Familie, Lebenspartner, finanzielle Situation, usw., keine Fragen zum medinischen Zustand, keine Fragen über die Vergangenheit, usw.), merkt sich oftmals nicht, was bereits in vorigen Sitzungen besprochen wurde und überhaupt kommt man in keiner Stunde an einen neuen Punkt, also alles tritt auf der Stelle. Ihre „Ratschläge“ sind weder medizinisch noch kompetent, alles, was sie so sagt, kann man genauso gut im Mittagsfernsehen bei Talkshows sehen.

X graut es schon jedesmal vor dem nächsten Termin, weil sie genau weiss, dass sie sich danach wieder den Rest des Tages schlecht fühlt, zumal insbesondere während und nach den Sitzungen die Derealisation immer sehr verstärkt auftritt, weil X sich dort überhaupt nicht wohl fühlt.

Gibt es denn eine Möglichkeit, während so einer bewilligten Therapie den Therapeuten zu wechseln und wenn ja, wie funktioniert das?

X ist ja nun auch schon seit dem Krankenhausaufenthalt im vergangenen Jahr arbeitsunfähig und da bis jetzt keine Besserung eingetreten ist, muss doch hier langsam mal etwas passieren.

Wäre für jede Hilfe sehr dankbar.

Viele Grüsse

Icequeen

Im Prinzip ja (Radio Eriwan), ABER…
Hallo Icequeen

Gibt es denn eine Möglichkeit, während so einer bewilligten
Therapie den Therapeuten zu wechseln und wenn ja, wie
funktioniert das?

Ja, schon. ABER: Du bzw. X hat 16 von 25 Stunden verbaucht, es bleiben also nur noch 9 Stunden. Theoetisch kann ein anderer Therapeut diese übernehmen. Das wird aber kaum einer machen, denn wegen 9 Stunden einen Übernahme-Antrag schrieben…und mit 9 Stunden kann kaum ein Therapeut was anfangen. Es sei denn, er macht sofort einen Langzeit-Antrag. Aber da einen zu finden, der dazu bereit ist, dürfte nicht so einfach sein. Es kann also gut sein, dass diese Therapie faktisch und praktisch dann mit dem Abbruch bzw. dem Wechsel zuende ist. Und erst nach 2 Jahren kann eine gleichartige (ohne Gutachter usw.) beantragt werden.
Ist also komplizierter, als wenn man die 25 Stunden zuende macht, denke ich mal.
Gruß,
Branden

Hi Branden,

Ja, schon. ABER: Du bzw. X hat 16 von 25 Stunden verbaucht, es
bleiben also nur noch 9 Stunden. Theoetisch kann ein anderer
Therapeut diese übernehmen.
Und erst
nach 2 Jahren kann eine gleichartige (ohne Gutachter usw.)
beantragt werden.

Wie hoch ist erfahrungsgemäß die Möglichkeit, dass Person X bei der KK eine Begutachtung durchsetzen kann, die zeigt, dass die bisherigen 16 Stunden einfach vergeudet waren, weil z.B. die Therapeutin „mit Depersonalisation nicht viel anfangen konnte“ und daher X ohne eigenes Verschulden (Termine sausen lassen, etc.) in diesen 16 Stunden keinerlei Fortschritte gemacht hat?

Viele unwissende Grüße
Franz

Cher Ben
Im Grunde wieder eine Frage des Aufwandes. Ein Gutachten oder Obergutachten zu beantragen, würde sich wahrscheinlich nur lohnen, wenn es sich um eine schon beantragte Langzeiut-Behandlung drehen würde.
Wenn sich ein NEUER Therapeut fände, der das machen möcte - kein Problem, würde ich meinen. Aber DEN müsste x erst einmal wieder finden.
Theoretisch hast Du absolut recht mit deiner Forderung.
(Mir fällt dazu blödsinnigerweise der Spruch eines befreundeten Rechtsanwaltes ein, der gerne sagt: Recht haben und Recht bekommen sind zwei völlig verschiedene Dinge.)
Es grüßt Dich
Branden

theoetisch kann ein anderer
Therapeut diese übernehmen. Das wird aber kaum einer machen,
denn wegen 9 Stunden einen Übernahme-Antrag schrieben…und
mit 9 Stunden kann kaum ein Therapeut was anfangen. Es sei
denn, er macht sofort einen Langzeit-Antrag. Aber da einen zu
finden, der dazu bereit ist, dürfte nicht so einfach sein.

stimmt, aber versuchen sollte man es doch, oder? ich sage: auf jeden fall!

hinzu kommt noch die möglichkeit der privaten finanzierung eines therapeuten, vielleicht nur für den übergang, bis ein neuer gefunden ist, oder dier einen antrag schreibt oder auf einen kollegen verweisen kann. muss auch erwähnt werden.

Hallo Alpha

stimmt, aber versuchen sollte man es doch, oder?

Klar. Warum nicht.

hinzu kommt noch die möglichkeit der privaten finanzierung
eines therapeuten

Meine praktische Erfahrung mit Patieten ist allerdings die, dass von Patenten mit bestimmten Erwartungshaltungen selten (um nicht zu sagen nie) eine derartige Initiative wie „ich zahl das zwischendurch selber, weil mein Leidensdruck so hoch ist und ich so motiviert bin, mein Leben zu ändern“ kommt.
Versteh mich nicht falsch - ich kenne durchaus Selbstzahler ohne Netz und doppelten Boden, aber die bringen eine bestimmte Persönlichkeitsstruktur und Haltung mit, die zwar berechtigten Anlass zur guten Prognose erfüllt, aber -wiegesagt- selten genug anzutreffen ist.
Gruß,
Branden