Hallo,
ich möchte eine Psychotherapie machen (u.a. um wieder voll arbeitsfähig zu werden).
Leider sieht es so aus, dass alle Therapeuten, mit denen ich Kontakt hatte, monatelange Wartelisten haben. Ich habe auch den Infodienst der KV angerufen, um freie Plätze in Erfahrung zu bringen - leider ohne Ergebnis.
Was kann ich denn nun tun? Es kann doch nicht sein, dass ich jetzt mind. sechs Monate in der Luft hänge, oder? Es geht schließlich auch um meine Existenz, wenn ich nicht arbeiten kann.
Sehe ich es eigentlich richtig, dass es besser ist, sich einen Psychologischen Psychotherapeuten zu suchen als einen Ärztlichen Psychotherapeuten? Zwei der Ärztlichen Psychotherapeuten in meiner Liste sind mir nämlich als Frauenarzt bzw. Allgemeinmediziner bekannt.
Ich bin dankbar für jeden Tipp!
Liebe Grüße,
Gwen
Hallo,
Das mit der langen Wartezeit ist, meines Wissens nach, normal - zumal auch immer irgendwo nach Dringlichkeit gegangen wird. Es mag um Deine Existenz in Sachen Geld/„ein Auskommen haben“ gehen, aber da sind auch viele Leute, die sich oder anderen ohne schnelle Unterstützung etwas antun. Habe ein wenig Verständnis, es geht teilweise sogar sehr dringlichen Fällen so.
Manchmal hilft aber auch mehrmaliges Nachfragen.
Sehe ich es eigentlich richtig, dass es besser ist, sich einen
Psychologischen Psychotherapeuten zu suchen als einen
Ärztlichen Psychotherapeuten? Zwei der Ärztlichen
Psychotherapeuten in meiner Liste sind mir nämlich als
Frauenarzt bzw. Allgemeinmediziner bekannt.
Ein Psychologischer Psychotherapeut ist immer ein Diplom-Psychologe mit Weiterbildung zum Therapeuten, der ärztliche Psychotherapeut ist ein Mediziner mit Weiterbildung zum Psychotherapeuten.
Mücke
Hallo,
Was kann ich denn nun tun? Es kann doch nicht sein, dass ich
jetzt mind. sechs Monate in der Luft hänge, oder?
in solchen Fällen kannst Du Dir alternativ einen zur Psychotherapie zugelassenen Behandler suchen, der nicht die Kassenzulassung hat. Falls Du bei diesem eher einen Therapieplatz bekommen kannst, stellst Du vor Antritt dieser Therapie einen Antrag auf Kostenübernahme bei Deiner Krankenkasse. Begründung: überlange Wartezeiten bei Kassentherapeuten, Therapie aber kurzfristiger notwendig, daher Ausweichen; Belege beifügen, daß Du keinen Therapieplatz bei einem Kassentherapeuten gefunden hast. Abwarten, was die Kasse dazu sagt.
Sehe ich es eigentlich richtig, dass es besser ist, sich einen
Psychologischen Psychotherapeuten zu suchen als einen
Ärztlichen Psychotherapeuten? Zwei der Ärztlichen
Psychotherapeuten in meiner Liste sind mir nämlich als
Frauenarzt bzw. Allgemeinmediziner bekannt.
Ja, das kann vorkommen. Nach dem Medizinstudium kann man als Arzt eine Psychotherapieausbildung machen. Psychologische Kenntnisse, wie sie bei Diplom-Psychologen erwartet werden können, sind keine Voraussetzung dafür.
Beste Grüße,
Oliver Walter
Hi,
ich glaube, dass das lange Suchen, verbunden mit den vielen Gefühlen (warum hilft mir denn keiner, mir geht es doch so schlecht, etc.) schon Bestandteil der Behandlung ist
Spass bei Seite, auch ich denke du wirst nicht umhin kommen deinen Ärzteradius zu erweitern und im Telefonbuch und Internet zu suchen, es gleich eher einem Glückspiel einen Termin für ein Vorgespräch zu bekommen. Denn selbst wenn einer sagt, er hätte noch Termine, muss es ja nicht heißen das ihr euch grün seit.
Was du machen kannst, ist eine Ambulante Therapie. Die Voraussetzungen sind ähnlich die einer normalen Therapie und deine Arbeitsfähigkeit wird, wenn du glück hast, auch etwas schneller wiederhergestellt sein.
Also vielleicht ist das ja auch noch eine Alternative.
Viele Grüsse und Viel Glück beim Suchen
Me
Hallo me,
was ist denn der unterschied zwischen einer „normalen“ und einer „Ambulanten Therapie“?
Gruß
Felicia
Hi Felicia (klingt schön)
ups, hab mich wohl etwas komisch ausgedrückt. Normal heisst für mich einmal die Woche für eine Stunde zum Arzt, ambulant dagegen für 3-6 Wochen in eine Tagesklinik für ca. 6 Stunden am Tag.
sorry again und grüsse
me
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Hallo,
noch ein paar Hinweise zum Psychologischen Psychotherapeuten und zum Arzt mit Zusatzbezeichnung „Psychotherapie“:
Ärzte konnten nach der alten Weiterbildungsordnung die Zusatzbezeichnung „Psychotherapie“ erwerben. Bei dieser Ausbildung handelt es sich nicht um die Facharztausbildung zum Psychiater. Deshalb konnten Gynäkologen, Internisten usw. die Weiterbildung „Psychotherapie“ machen und Psychotherapie anbieten.
Die ärztliche Weiterbildung „Psychotherapie“ umfaßte bis 2004/05:
140 Stunden Theorie, Methoden, Diagnostik
150 Behandlungsstunden
40 Stunden Supervision
150 Stunden Selbsterfahrung in Einzelsitzungen oder
140 Stunden Selbsterfahrung in Gruppensitzungen
80-100 Stunden Zweitverfahren
70 Stunden Balint-Gruppe
Zum Vergleich: Die Ausbildungsordnung für den Psychologischen Psychotherapeuten (Verhaltenstherapie oder Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie) sah damals vor
600 Stunden Theorie, Methoden, Diagnostik
400 oder 600 Behandlungsstunden
100 oder 120 Stunden Supervision
100 oder 250 Stunden Selbsterfahrung
20 oder 6 Stunden Fallberichte
Beste Grüße,
Oliver Walter
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ambulant
dagegen für 3-6 Wochen in eine Tagesklinik für ca. 6 Stunden
am Tag.
ähm - das ist dann doch aber stationär… 
Gruß
Demenzia
Hallo Gwen,
Was Therapeuten mit einer psychoanalytischen Ausbildung betrifft (bei denen du
eine regelrechte Analyse - also so ziemlich das gründlichste, aber auch
zeitaufwendigste Verfahren - oder ggf. auch eine niederfrequentere
Gesprächstherapie machen kannst), sieh dir mal diese Liste an:
http://www.dpv-psa.de/html/institute/institute.htm
Falls du in einer der genannten Städte oder deren Umkreis wohnst, kannst du
unter der angegebenen Telefonnummer eine Liste mit kassenzugelassenen
Psychoanalytikern anfordern, auf denen per Hand angekreuzt ist, welche von denen
gerade aktuell einen Platz frei haben. (So hab ich das vor ein paar Jahren in
Köln gemacht)
Wenn du dir dann noch vorher im Klaren bist, ob du lieber Mann oder Frau
hättest, bleiben nicht mehr so viele übrig und du kannst in Ruhe testen, bei wem
du ein gutes Gefühl hast. (Die Kasse bezahlt normalerweise bis zu 5
Probesitzungen bei jedem Analytiker, den du testest, so weit ich weiß)
Viel Glück
Klaus
Hallo,
was unterscheidet einen Facharzt für Psychiatrie von einem Psych. Psychotherapeuten? Bei wem wäre man besser aufgehoben?
Danke und Gruß
Miriam
Hallo, Miriam,
was unterscheidet einen Facharzt für Psychiatrie von einem
Psych. Psychotherapeuten?
ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie hat Medizin studiert und danach eine fünfjährige Weiterbildung mit Schwerpunkt Psychiatrie und Psychotherapie (4 Jahre, davon 3 Jahre stationär) gemacht. Daneben hat er Kenntnisse in Neurologie (1 Jahr) erworben. In dieser Zeit hat er sich umfangreiche Kenntnisse in den medizinischen Aspekten von psychischen Störungen, ihrer Diagnostik (auch körperbezogene Untersuchungen) und ihrer Behandlung (mit Medikamenten) angeeignet. Der psychotherapeutische Teil der Ausbildung umfaßte nach der alten Weiterbildungsordnung (bis 2004/05):
100 Stunden Theorie, Methoden, Diagnostik
120 Behandlungsstunden im Erstverfahren
80-100 Stunden Zweitverfahren
140 Stunden Selbsterfahrung in der Gruppe oder 150 Stunden in Einzelsitzungen
70 Stunden Balint-Gruppe
80 Stunden Fallberichte.
Der psychologische Psychotherapeut hat Psychologie studiert und anschließend eine Ausbildung zum Psychotherapeuten gemacht (mindestens 3 Jahre). Den zeitlichen Rahmen habe ich ein Posting drüber ja schon genannt. Die medizinischen Aspekte spielen in dieser Ausbildung eine deutlich geringere Rolle als die psychologischen.
Bei wem wäre man besser aufgehoben?
Für die Beantwortung der Frage kommt es darauf an, welche Störung vorliegt und welchen beruflichen Schwerpunkt der Arzt / Therapeut gesetzt hat.
Vereinfacht gesagt: Der Psychiater kann auch schwere psychische Störungen (Schizophrenie, manische Depression, schwere Depression) behandeln und Medikamente verschreiben. Der psychologische Psychotherapeut darf keine Medikamente verschreiben, kann aber auch Psychotherapie als ein Behandlungsbestandteil bei schweren psychischen Störungen durchführen. Letzteres wird in Kliniken eher der Fall sein als in der niedergelassenen Praxis.
Beste Grüße,
Oliver Walter
1 „Gefällt mir“
Hallo,
danke für die ausführliche Antwort.
Bei wem wäre man besser aufgehoben?
Für die Beantwortung der Frage kommt es darauf an, welche
Störung vorliegt und welchen beruflichen Schwerpunkt der Arzt
/ Therapeut gesetzt hat.
Vereinfacht gesagt: Der Psychiater kann auch schwere
psychische Störungen (Schizophrenie, manische Depression,
schwere Depression) behandeln und Medikamente verschreiben.
Der psychologische Psychotherapeut darf keine Medikamente
verschreiben, kann aber auch Psychotherapie als ein
Behandlungsbestandteil bei schweren psychischen Störungen
durchführen. Letzteres wird in Kliniken eher der Fall sein als
in der niedergelassenen Praxis.
Konkret geht es um meine Mutter, die an Depressionen leidet (siehe Beitrag weiter unten), sie ist bei einer Fachärztin für Psychiatrie in Behandlung. Deiner Erklärung nach wäre sie bei ihr in besseren Händen als bei einem Psych. Psychotherapeuten, da sie auch Medikamente bekommt und die Dosierungen ja hin und wieder geändert werden müssen.
Meiner Meinung nach kommt bei dieser Ärztin der therapeutische Aspekt zu kurz, als Laie stelle ich mir vor dass so ein Gespräch - je nach Krankheitsbild und Verfassung des Patienten - sich mindestens im Bereich 30-60 Minuten bewegen sollte.
Da ich auch schon gewisse Zeit im Wartezimmer der Ärztin verbracht habe habe ich festgestellt dass die Behandlungszeit oft deutlich niedriger ist.
Würde es dann vielleicht Sinn machen zusätzlich einen Psych. Psychotherapeuten aufzusuchen um den Behandlungsschwerpunkt ein bisschen zu verlagern? (da der Zustand meiner Mutter derzeit nicht der beste ist, hat sie auch schon über eine erneute stationäre Einweisung nachgedacht).
Ich weiß es ist schwer einen Fall aus der Ferne zu beurteilen, aber vielleicht kannst du mir ein wenig Hilfestellung geben.
Danke und Gruß
Miriam
Hallo, Miriam,
Konkret geht es um meine Mutter, die an Depressionen leidet
(siehe Beitrag weiter unten), sie ist bei einer Fachärztin für
Psychiatrie in Behandlung. Deiner Erklärung nach wäre sie bei
ihr in besseren Händen als bei einem Psych. Psychotherapeuten,
bei Depression ist eine Psychiaterin nicht unbedingt die bessere Alternative. Es hängt von mehreren Dingen ab, u.a. vom Schweregrad, ob eine psychiatrische Behandlung notwendig ist. In leichteren Fällen „reicht“ eine angemessene Psychotherapie. Vorher sollten die medizinischen Aspekte abgeklärt sein.
Die Kombination mit Medikamenten ist oft sinnvoll. Daher bietet sich eine „Parallelbehandlung“ an: Psychotherapie beim Psychotherapeuten, die medikamentöse Behandlung beim Psychiater.
Würde es dann vielleicht Sinn machen zusätzlich einen Psych.
Psychotherapeuten aufzusuchen um den Behandlungsschwerpunkt
ein bisschen zu verlagern?
Prinzipiell ja.
(da der Zustand meiner Mutter
derzeit nicht der beste ist, hat sie auch schon über eine
erneute stationäre Einweisung nachgedacht).
Was für Deine Mutter angemessen ist, läßt sich nur vor Ort klären. Prinzipiell kann / wird die stationäre Behandlung auf beiden Standbeinen der modernen Depressionstherapie - Medikamente und Psychotherapie - stehen.
Ich weiß es ist schwer einen Fall aus der Ferne zu beurteilen,
aber vielleicht kannst du mir ein wenig Hilfestellung geben.
Klar. Deshalb habe ich hier nur versuchen können, einige allgemeine Prinzipien der Depressionstherapie zu erläutern, wie sie dem aktuellen Stand in Psychiatrie und Psychotherapie entspricht. Weitere Infos dazu findest Du auf dieser Seite
http://www.verhaltenswissenschaft.de/Psychologie/Psy…
Beste Grüße,
Oliver Walter
Hallo,
Klar. Deshalb habe ich hier nur versuchen können, einige
allgemeine Prinzipien der Depressionstherapie zu erläutern,
wie sie dem aktuellen Stand in Psychiatrie und Psychotherapie
entspricht. Weitere Infos dazu findest Du auf dieser Seite
http://www.verhaltenswissenschaft.de/Psychologie/Psy…
Danke für den Link, hab mich ein bisschen reingelesen und auch Auszüge ausgedruckt und meiner Mutter zum Lesen gegegen, vielleicht schaut sie in einer ruhigen Minute mal rein.
Bisher hat sie sich leider zu wenig mit ihrer Krankheit beschäftigt, nach der ersten stationären Therapie war das Thema wohl irgendwie für sie gegessen, sie dachte wahrscheinlich mit den Medikamenten allein ist es getan.
Ihre Ärztin hat gestern übrigens einen Antrag für eine erneute stationäre Behandlung gestellt.
Danke nochmal und Gruß
Miriam