Hallo,
Nach neuesten Forschungsergebnissen soll, was viele von uns schon immer geahnt haben, die Wahl der psychotherapeutischen Methode ziemlich egal sein. Keine Methode soll bei bestimmten Störungen besser als eine andere sein.
Entscheidend sei im wesentlichen die Qualität der Beziehung zwischen Therapeut und Patient.
Siehe z.B. hier:http://www.wdr5.de/leonardo/schwerpunktartikel.phtml…
Gruß
KH
Hallo!
Ich habe auch schon von diesen Studien gelesen. Jedoch zeigen umfangreiche andere Untersuchungen, daß es sehr wohl einen Unterschied macht, welche Therapieform bei welcher Störung angewandt wird. Kleine Auswahl des Rankings:
Depression : 1. Platz: Interpersonale Therapie und Kognitive Therapie nach Beck, 3. Platz: Verhaltenstherapie nach Lewinsohn.
Phobien : verhaltenstherapeutische Standardmethoden
Panikstörungen : kognitive Verhaltenstherapie
Zwangsstörung : kognitive Verhaltenstherapie
Borderline-Persönlichkeitsstörung : Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT)
to be continued …
Vergleichende Therapiestudien zeigen, daß alle wichtigen Techniken der (kognitiven) Verhaltenstherapien im Durchschnitt keine negativen Effekte aufweisen. Im Gegenteil weisen sie in der Mehrzahl der Untersuchungen positive Effekte auf. Dies gilt für Trainings Sozialer Kompetenzen, Rational-emotive Therapie, Streßmanagement, Kognitive Therapie nach Beck, Problemlösetraining, Reizüberflutung in vivo und in sensu, graduiert oder massiert sowie Systematische Desensibilisierung.
Dagegen zeigen Studien, daß psychodynamische Kurztherapien und Gesprächspsychotherapie im Durchschnitt auch negative Effekte haben können, d.h. daß in einigen Studien die behandelte Patientengruppe vor der Therapie im Vergleich zu hinterher oder im Vergleich zu einer unbehandelten Patientengruppe in den untersuchten Maßen schlechter abschnitt.
Klaus Grawe, psychologischer Gutacher der Bundesregierung beim „Psychotherapeutengesetz“, schrieb in der „Psychologischen Rundschau“ 1992 über die psychoanalytischen Langzeittherapien : „Zu diesen liegen überhaupt keine kontrollierten Wirksamkeitsstudien vor, und in der einen Untersuchung, die am ehesten Aussagen darüber erlaubt, die monumentale Meninger-Studie (Wallerstein, 1989), haben sich praktisch alle Annahmen, mit denen Langzeitpsychoanalysen begründet werden, nicht bestätigt“.
Daher kommt man heute zu der Schlußfolgerung: „Tiefenpsychologisch orientierte Konzepte waren in Fachkreisen weit verbreitet und prägen bis heute auch das öffentliche Bewußtsein und die Vorstellungen über psychische Störungen und deren Behandlung in der Allgemeinbevölkerung. […] In neuerer Zeit ist die Bedeutung der tiefenpsychologischen Konzepte jedoch zumindest in Fachkreisen erheblich gesunken. Zum einen ist dies darauf zurückzuführen, daß die empirische Fundierung dieser Theorien äußerst mangelhaft ist und zum anderen auch darauf, daß mittlerweise konkurrierende Theorien vorliegen, die empirisch besser gestützt sind und auf deren Grundlage effektive therapeutische Methoden entwickelt werden konnten“ (Remschmidt & Quaschner, 2000, Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, S. 333).
Gruß,
Oliver
PS: Ich werde für einige Zeit Urlaub vom Forum machen. Paßt auf Euch auf! Tschüß!
Die polemischen und nicht nachvollziehbaren Äußerungen von Grawe, 1992, gegenüber der Psychoanalyse und den tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie-Verfahren sind mittlerweile vielfach durch große katamnestische Studien wiederlegt. Tatsächlich gibt es eindrucksvolle Nachweise der Wirksamkeit dieser Therapieverfahren für beinahe alle psychischen Störungen. In der Praxis ist es leider inzwischen häufig so, dass die Patienten erst bei den Tiefenpsychologen bzw.Psychoanalytikern landen, wenn andere schnellere Wirksamkeit versprechende Verfahren nicht greifen konnten.
Sie spezifischen Studien habe ich jetzt nicht im Kopf ( bin mehr oder weniger durch Zufall in dieses Forum geraten ) - könnte ich aber bei Bedarf nachreichen.
ach ja?
Sie spezifischen Studien habe ich jetzt nicht im Kopf ( bin
mehr oder weniger durch Zufall in dieses Forum geraten ) -
könnte ich aber bei Bedarf nachreichen.
Dann reiche Sie bitte nach.
Ich sehe keinen ECHTEN Dissenz!
Hallo,
die Art der Befragung der Studie (im Link) lässt doch genügend Spielraum. Da heißt es etwa: „Martin Seligman … befragte 7000 Leser … über ihre Zufriedenheit“. Meiner Ansicht nach KANN das etwas aussagen über die ZUFRIEDENHEIT der Therapierten, über die Qualität der Therapien sagt das noch lange nichts.
Außerdem halte ich es nicht für verwunderlich, wenn bestimmte Methoden IN VERBINDUNG MIT BESTIMMTEN PATIENTEN eben VERSCHIEDENE „Wirksamkeit“ zeigt. In der Praxis gibt es eben keine Ideale. So what?
Herzliche Grüße
Thomas Miller
Setz die ‚ECHTEN-Dissenz‘-Brille auf!
Lieber „Thomas Miller“,
mit solchen Statistikerwitzchen läßt sich
das gepreiste Leben der Pharmadealer er-
klären, nicht aber der Schwachsinn univer-
sitärer Psychologie-Ausbildung begründen,
geschweige denn finanzieren!
Daß irgendwann mal irgendetwas zwischen
Therapeut und Patient so klappt, daß
nicht nur ersterer „etwas“ davon hat,
ist ein Hohn. Auf 1000 Fälle der Behand-
lung kommt ein Behandlungserfolg?!?
Auf zehn von Therapeuten zu Freigängern
erhobenen Straftätern werden 2! rückfäl-
lig! DAS finde ich beim Betrachten der
universitären Ausbildung auch „nicht ver-
wunderlich“, vielmehr logisch.
Du sagst „In der Praxis gibt es eben
keine Ideale“ und meinst = es sei „nicht
verwunderlich“ wenn in der Realität kein
psychologisches Konzept greift, welches
einem Ideal entspricht, weil es in der
Ausbildung vermieden wird ein „gesundes
Ideal“ zu vermitteln.
Der expressionistische Gedanke, daß das
„psychologisch“ Kranke allein das sozial
Kranke erkenne, ist ein geflügeltes Wort.
Wir bestaunen Autistenbilder blindlinks.
Wir rümpfen die Nase mit Kennergeste, so-
bald ein unbekannter Freudtext zu einer
Pupshysterikerin in irgendeinem Cottage
von dem unbekannten Stallburschen Lucien
Freuds unter der städtischen Autobahn
Richtung Essex (3ter Baum hinter der
Klärgrube)führt.
Was solls?!
Da die meisten zu faul sind zwei/drei
giechische Dramen zu lesen, müssen sie
8 Semester in halb so aufschlußreichen
Texten überwintern…
x-nada
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Sie spezifischen Studien habe ich jetzt nicht im Kopf ( bin
mehr oder weniger durch Zufall in dieses Forum geraten ) -
könnte ich aber bei Bedarf nachreichen.Dann reiche Sie bitte nach.
„…“,
am besten mit einer wohlfeilen (ich
liebe das Wort) Statistik zur Wirk-
samkeit/Wirklichkeit.
Mit den Psychologen verhält es so,
wie mit den Chemikern: Ohne „Dr.“-
Titel auf dem leistungsorientierten
Markt unvermittelbar.
x-nada
Hallo!
Die polemischen und nicht nachvollziehbaren Äußerungen
von Grawe, 1992, gegenüber der Psychoanalyse und den
tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie-Verfahren sind
mittlerweile vielfach durch große katamnestische Studien
wiederlegt.
Der Satz von Grawe in der „Psychologischen Rundschau“ vor dem Zitat, das ich brachte, lautet: „Psychoanalytische Therapie von nicht zu kurzer Dauer hat sich jedoch insbesondere bei der ambulanten Behandlung von neurotischen und Persönlichkeitsstörungen als ausreichend wirksam erwiesen, um zu den bewährten Therapieverfahren gezählt werden zu können. In diese Aussage sind allerdings ausdrücklich keine Langzeitanalysen von mehreren hundert Stunden Dauer eingeschlossen.“
So wer ist hier polemisch und wer differenziert?
Wünsche Dir alles Gute!
Oliver
PS: Verdammt aber auch! Ich bin im Urlaub!
Hallo,
Die Methoden -Diskussion ist schon recht alt.
Ich schlage vor, den betreffenden Menschen ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken und die verfügbaren Methoden auf sein / ihr persönliches Befinden, sienen / ihren Horizont und siene / ihre Fähigkeiten abzustellen. Wenn die Methode gut passt, ist leichter eine Mitarbeit und damit Erfolg zu erzielen.
Volkmar