Psychotherapie und Alkohol?

Hallo,
gestern hatte ich das ca. 8.Erstgespräch bei einer Psychotherapeutin.
Diese will mich nun auch nicht aufnehmen, weil ich ihrer Meinung nach ein zu grosses Alkoholproblem habe. Ich müsste demnach ca 1 Monat in die Geschlossene, zur Entgiftung, und dann noch einige Wochen in die Offene. Danach würde ich dann über ein 3/4 jahr in der Luft hängen…
Da es mir im Moment aber absolut nicht gutgeht, ich aber auch nicht in eine Klinik will, ausserdem denk ich, sie übertreibt mit dem Alkoholproblem ziemlich, sie kennt mich ja gar nicht, ist jetzt meine Frage, was ich sonst unternehmen kann.
Die ersten therapeuten wollten mich nicht wegen dem Alkohol nicht übernehmen, sondern weil sie sich nicht zuständig fühlten. Für wen sind Therapeuten denn bitte da??
LG Gray

Hi,

Diese will mich nun auch nicht aufnehmen, weil ich ihrer
Meinung nach ein zu grosses Alkoholproblem habe. Ich müsste
demnach ca 1 Monat in die Geschlossene, zur Entgiftung, und
dann noch einige Wochen in die Offene. Danach würde ich dann
über ein 3/4 jahr in der Luft hängen…

Versteh ich nicht. 1 Monat Geschlossene und einige Wochen Offene ergeben nicht gerade ein 3/4 Jahr, und falls Du damit meinst, daß Du solang warten müsstest, um bei Deinem Studium wieder im richtigen Semester anzusetzen, kann ich dazu nur sagen, daß das so nicht stimmt. Auch wenn Du „zwischen den Semestern hängst“, kannst Du genug tun - es gibt in jedem Studium immer irgendwelche Sachen, die man vorziehen oder außer der Reihe machen kann. Seminare, Wahlpflichtvorlesungen, Praktika, was weiß ich.

Da es mir im Moment aber absolut nicht gutgeht, ich aber auch
nicht in eine Klinik will, ausserdem denk ich, sie übertreibt
mit dem Alkoholproblem ziemlich, sie kennt mich ja gar nicht,
ist jetzt meine Frage, was ich sonst unternehmen kann.
Die ersten therapeuten wollten mich nicht wegen dem Alkohol
nicht übernehmen, sondern weil sie sich nicht zuständig
fühlten. Für wen sind Therapeuten denn bitte da??

Das „nicht zuständig“ kann auch „nicht zuständig wegen Alkoholproblem“ bedeuten - hast Du sie gefragt? Wenn nein, warum nicht?

Ich glaube, Du lügst Dir ein wenig selbst in die Tasche, weil Du auf Teufel komm raus in keine Klinik willst. Warum eigentlich nicht? Du bist doch schon soweit, daß Du selbst merkst, daß es Dir nicht gutgeht und Dich von allein um eine Therapie bemühst. Entgiften unter klinischer Obhut scheint mir da durchaus angemessen und sehr hilfreich zu sein, auch, wenn das kein Zuckerschlecken wird.

Soweit meine Laienmeinung. Du bekommst aber bestimmt noch hilfreichere Antworten. :smile:

Gruß,

Malte.

Hallo Melanie,

wenn Du ein ernsthaftes Alkoholproblem hast, dann wird üblicherweise zuerst entgiftet. Das ist auch sinnvoll, denn unter Alkoholeinfluß wirst Du kaum eine Therapie erfolgreich machen können. Des weiteren: Entgiftungen dauern keinen Monat, sondern in der Regel bis zu 14 Tage. Mit dem Begriff „geschlossene Psychiatrie“ tue ich mich in dem Zusammenhang schwer. Du meinst den stationären Aufenthalt, während Du die Entgiftung machst. Natürlich ist dies sinnvoll: Andernfalls besteht die Gefahr, daß die Patienten nach Hause laufen und sich dort wieder dicht saufen würden. Dann braucht man aber keine Entgiftung zu machen. Ein weiterer wichtiger Grund dafür, daß Du während der Entgiftung auf der Station bleibst, ist der folgende: Bei Alkoholentgiftung besteht die Gefahr eines Delirs, das ohne ärztliche Behandlung tödlich ausgehen kann. Daher wird die Entgiftung nur unter ständiger ärztlicher Aufsicht durchgeführt und das geht nur, wenn Du auf der Station bleibst.

Nach der Entgiftung bist Du körperlich trocken, aber nicht psychisch. Sehr bald danach stellt sich oft ein psychisches Verlangen nach Alkohol ein und die alten Trinkgewohnheiten kommen hervor. Deshalb ist es sehr, sehr sinnvoll nach einer Entgiftung erst einmal eine Rehabilitationsbehandlung (Alkoholismus-Therapie) zu machen. Diese kann auch ambulant („offen“) stattfinden.

Wenn Du auf diese Weise Dein Alkoholproblem angegangen bist, dann macht es Sinn, die anderen Probleme ins Visier zu nehmen. Dies kann auch schon während der Reha-Behandlung geschehen und ist - je nach Problemsituation und Ursachen des Alkoholismus - mehr oder weniger sinnvoll.

Ein bißchen recht hat Malte schon, nicht? Es ist ein langer, anstrengender Weg und der schreckt Dich sicher ganz gehörig ab. Mit Wegschieben der Verantwortung und mit dem Finger auf andere zeigen wirst Du nicht weiterkommen. In der Sackgasse steckst Du schon. Raus geht´s auf dem Weg, der mit der Entgiftung anfängt. Mach ´was aus der Chance. Ich drück´ die Daumen, aber es liegt an Dir.

Gruß,

Oliver Walter

Leidensdruck
Hallo Gray,

Für wen sind Therapeuten denn bitte da?

Für Menschen, deren Leidensdruck groß genug ist, daß sie in der Lage sind, eine Therapie durchzuhalten. Ich kenne einige Therapeuten, und keiner von ihnen nimmt Alkoholiker. Die vorherige Entziehung ist Bedingung für die Therapie.

Und anders geht es auch nicht.

Warum?

Weil Du mit Alkohol Deine Probleme betäubst. Weil Du damit den leidensdruck wegtrinkst. Aber genau der befähigt Dich, eine Therapie nicht nur anzufangen, sondern auch durchzuhalten, Dich all den Wahrheiten zu stellen, die darin auf Dich zukommen.

Wenn Dich der Therapeut nähme, würde er mit einer sinnlosen Herumdokterei beginnen: Probleme aufdecken, die Du Dir später wieder schön trinkst. Das hat keinen Sinn und schadet Dir nur.

Ich kenne Dich natürlich auch nicht gut genug, um beurteilen zu können, ob Du ein Alkoholproblem hast. Aber Deine Verweigerung klingt ziemlich genau wie die eines jeden Alkoholikers (und ich habe schon einige kennen gelernt).

So leid es mir tut, aber Dein Therapeut hat Recht: Bevor Du das Alkoholproblem nicht in den Griff kriegst, hat eine Therapie keine Aussicht auf Erfolg.

Liebe Grüße,
Nike