PTBS nur in Klinik behandelbar?

Hallo,

bei mir wurden die Diagnosen Wochenbettdepression und manisch Depressivität von einer Psychologin wiederrufen, nachdem dies eine Nervenärztin diagnostiziert hatte. Nach einem erneuten Besuch bei der Ärztin schloß sie sich der Diagnose PTBS mit Depression (reaktiviert durch Geburt = KS) und anderen Problemen (Adipös, Phobien, Ängste) an. Die Nervenärztin drängte mich erneut zu einem Klinikaufenthalt. Sie ist der Meinung, dass meine Probleme nicht nur durch eine einfache (?) Thera behandelbar sei und ich zusammen mit Baby deshalb in eine Klinik gehen soll. Einen Klinikaufenthalt möchte ich allerdings nicht (Phobie/Angst).

Ich würde gerne von euch wissen ob ihr auch ihre Ansicht teilt. Meine Probleme habe ich nicht unbedingt mit einem Autounfall (=Traumaverursacher) in Verbindung gebracht, allerdings etwas geahnt.
Im April habe ich noch einen weiteren Termin bei einem Facharzt f. Psychiatrie und Psychotherapie. Könnte der mir irgendwie weiterhelfen? Die Psychologin meinte noch ich solle eine emdr-Thera machen, aber bei mir in der Nähe gibt es keine ausgebildeten Fachkräfte. Die Ärztin kannte noch nicht die emdr-Thera. Ich habe mehrfach schon gelesen, dass eine solche Thera besser nicht ambulant gemacht werden sollen. Ist die Ansicht der HP-Verfasser richtig? Wenn jemand keine Erinnerungen an das Trauma hat bringt dann überhaupt eine emdr-Thera etwas oder ist evtl. eine Hypno o.ä. vielleicht eher geeigneter?

Würde mich über viele, eurer Antworten/Meinungen/Ansichten freuen.

LG Angie

Hallo!

Denk mal drüber nach, wie lange du mit der Psychologin zu tun hattest, wie viel sie über dich herausgefunden hat, was ihr alles beredet habt… und vergleich das dann mit den paar Zeilen Text, die du hier reingestellt hast.

Wer hat wohl die besseren Chancen, deine Situation richtig einzuschätzen?

Man kann nicht generell sagen, PTBS wäre nur in der Klinik behandelbar - genauso wie bei annährend jeder anderen Krankheit. In einigen Fällen ist eine Klinik sogar schädlich. In anderen wieder unersetzlich. Das muss von Fall zu Fall entschieden werden.

Genauso sieht’s mit ambulanter Thera aus. Die hat unter Umständen von Fall zu Fall ganz andere Vor- und Nachteile. Über deine Bedenken, was die Klinik angeht, solltest du unbedingt nochmal mit der Psychologin sprechen - vielleicht kann sie da ja auch irgendwie weiter helfen.

Natürlich kann es sein, daß die Psychologin deine Lage nicht richtig einschätzt oder daß sie einfach zu einer der vielen klinik-Fanatikerinnen gehört. Genausogut ist es aber möglich, daß sie bereits herausgefunden hat, was das beste für dich ist.

Ich denke ruhigen Gewissens kann man dir hier nur folgenden Rat geben: Hol dir eine zweite Meinung ein (das sollte man eigentlich fast immer tun), deren Fundiertheit mit der Ersten in etwa vergleichbar (oder höher) ist - und dazu bist du ja bereits auf dem besten Weg.

( Zieh ggf. auch in Erwägung, daß deine Vorstellung von dem, was du braucht oder nicht brauchst eventuell von der „Klinik-Phobie“ beeinflusst wird. )

Viel Glück!

Hallo Angie,

ich halte es für richtig, wenn du noch zu dem Psychiater gehst. Vielleicht sagst du ihm nicht gleich zu Beginn, zu welchen Diagnosen die Psychologin und die Nervenärztin gekommen sind. Dann kannst du sehen, ob der Psychiater zum gleichen Ergebnis kommt. Dir wird danach vielleicht klarer sein, welche Art von Therapie du beginnen möchtest und die Fragen, die du jetzt hast, stellen sich dir nicht mehr.

Schöne Grüsse

Bernd

Danke euch beiden für eure Antworten. Ich kann nur mittlerweile kaum noch schlafen und grüble ununterbrochen. Die Nervenärztin wollte mich schon bei dem 1. Besuch in eine Klinik schicken und beim 2. Termin hielt sie es für fast nicht mehr verantwortlich mich nicht dahin zu schicken (hatte so den Eindruck), vielleicht wg. dem Baby oder eher wg. der Diagnose? Ich habe so eine sch… Angst davor, möchte auch am liebsten den nächsten Termin nicht warnehmen.

Mir geht es schon wieder besser, nur wg. den Tabletten? Wißt ihr ob die emdr-Thera überhaupt Sinn macht, da ich keine Erinnerungen von dem Unfall habe? Ich mache mir soviele Gedanken und zermattere mir deshalb mein Gehirn.

Übrigends die Psychologin hat meinen „Fall“ abgelehnt aus Zeitmangel und fehlender Erfahrung was Traumas betrifft.
Gruß Angie

Nö…
Hallo Angie,

ich denke auch, dass es erstmal ganz gut ist mit der Fachärztin zu sprechen.(Ob die in der Psychotraumatologie bewandert ist, wäre natürlich auch noch interessant.)

In der Trauma-Therapie gibt es(bzw. sollte es wünschenswerterweise geben!)soviele Ansätze, Methoden und Möglichkeiten wie Menschen, die davon betroffen sind.

Ich und meine PtBS :smile:)) gehen nur zu ambulanten Therapeuten, da ich ebenso wie du eine Krankenhausphobie habe und es außerdem(traumabedingt) für meine Stabilität/Funktionalität brauche, jederzeit aus Situationen rausgehen zu können und sie weitesgehend eigenverantwortlich und selbstbestimmt zu gestalten.
Ich habe aber auch seit Jahren ein stabiles soziales Umfeld, habe Beziehungen, die sicher, tragfähig und gesund sind und bin voll „alltagstauglich“.

Traumatherapie besteht zu einem Großteil aus Stabilisierung(Stabilisierung und nochmal Stabilisierung!), Lernen mit den flashs, der Panik und den daraus resultierenden Vermeidungsstrategien umzugehen, Lernen, sich eine gute sichere Umgebung zu schaffen, Wiederholungstendenzen erkennen/vermeiden, selbstschädigendes Verhalten(wie z.b. Essstörungen)in den Griff bekommen etc.
Das kann jahrelang(oder überhaupt)das Einzige sein, was ansteht.
Mit dem Erinnern allein ist nichts bewältigt und auch ohne Erinnerung ist eine Bewältigung möglich.

Wo, wie und vor allem mit WEM du das machst hängt ganz allein von dir ab, du allein weißt, was gut, sicher und richtig für dich ist.

Für viele bedeutet Klinik Schutzraum in dem sie sich, ohne vom Alltagsgeschehen destabilisiert zu werden, voll auf die Traumaarbeit einlassen können. Das sind u.A.Menschen, die in „ungesunden“, ungünstigen, belastenden Umständen leben und/oder das Trauma immer wieder reinszenieren.
Für MICH ist Krankenhaus(und Ärzte) ein Megatrigger und Alltag das, was mir die Stabilität und Lebensfreude bringt, die ich brauche, um die Schrecken zu verarbeiten.
Die Möglichkeit das traumatische Ereignis unbeschadet anzusehen, ergibt sich meistens erst nach jahrelanger Stabilisierung(manchmal auch nie!)

Für die Methoden gilt Ähnliches, für manche sind Imaginationsverfahren mit sicherem Ort suchen, Tresorübungen für belastende Sachen u.s.w. total klasse, andere drehen dabei erstmal durch.
Für manche sind Entspannungsübungen und Atemtechniken hilfreich, anderen reicht ein tiefer Atemzug, das Gefühl nachlassender Kontrolle um voll ins Traumageschehen reinzurauschen und überflutet zu werden.
Einigen reicht es einmal die Woche Gesprächstherapie zu machen, andere brauchen höhere Frequenzen, manche machen Kunsttherapie oder körperorientierte Sachen, was für andere wiederum hochgradig belastend/retraumatisierend sein kann.
Und das alles kann sich auch immer wieder mal ändern.
Was mal undenkbar/schädigend/kontraindiziert war, kann plötzlich unter veränderten Bedingungen hilfreich und heilsam sein.

Um zu erkennen was passend ist, finde ich es wichtig einen Therapeuten zu finden, der qualifiziert, empatisch und flexibel ist oder der erstmal METHODENOFFEN berät(was aber vielleicht nicht so einfach ist, weil natürlich jeder Therapeut seine Methode favorisiert)oder selbst schon vorher abzuchecken, was stimmig ist und was gar nicht geht.

Emdr wird meines Wissens auch ambulant gemacht, braucht aber wohl eine absolut tragfähige Therapeutenbeziehung UND ein sicheres Umfeld zum Auffangen.

Laienhaft würde ich jetzt mal sagen, wenn du durch die Umstände der Geburt retraumatisiert wurdest, musst du erstmal wieder runterkommen(psychisch und physisch).
Um das Trauma ANZUGUCKEN brauchst du meiner Meinung nach Stabilität und eine tragfähige Beziehung zu einem Therapeuten, eine sicheres Umfeld und Strategien dich selbst zu stabilisieren.

Wenn du dir absolut sicher bist, dass alleine die Tatsache eines Klinikaufenthaltes dich in Panik versetzt, bzw. durch die Art deines Traumas(Unfall + Krankenhaus)retraumatisierend wirkt, würde ich dir empfehlen lieber andere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen.
Die gibt es.

Alles Gute

Anna

Ergänzung

ich denke auch, dass es erstmal ganz gut ist mit der
Fachärztin zu sprechen.(Ob die in der Psychotraumatologie
bewandert ist, wäre natürlich auch noch interessant.)

…sorry, schlampig gelesen.
Ich meine natürlich, du solltest unbedingt zusätzlich noch mit dem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie reden.

Hallo Angie

Diese Frage ist nicht einfach mit einem ja oder nein zu beantworten.
Es kommt sehr darauf an, auf was du dich besser einlassen kannst und wo du eher bereit bist mit zu arbeiten.
Die stationäre und die ambulante Traumatherapie arbeiten in der Regel nach den gleichen Grundsätzen, jedoch ist diese Arbeit in der Klinik komprimierter und du bist nicht alleine wenn du Abends dann Hilfe benötigst. Bei der ambulanten Therapie hast du natürlich keine Ansprechpartner, solltest du Abends Hilfe benötigen. Das wäre in der Überlegung zu berücksichtigen.

Die Phasen der Therapie die du zu bewältigen hast werden bei beiden Möglichkeiten gleich sein. Zuerst geht es um Stabilisierung, das heißt, das du Methoden lernst mit deinen Gefühlen und Angstzuständen besser umzugehen und wieder Vertrauen in deine eigene Kraft bekommst, dazu zählt auch eine gute vertrauensvolle Beziehung zu deinem Therapeuten aufzubauen um miteinander arbeiten zu können.
Diese Phase der Stabilisierung dauert unterschiedlich lange, je nachdem wie weit deine Stabilität zerstört ist und manchmal wird in einer Klinik auch nur daran gearbeitet ohne Aufarbeitung weil die Zeit nicht reicht, da sie in einer Klinik begrenzt ist, das hieße zur Aufarbeitung dann irgendwann noch einmal in eine Klinik zu gehen wenn du stabil genug bist.
In der ambulanten Therapie bist du erstmal nicht so unter Zeitdruck diese Phase schnell zu überwinden, jedoch bei 1-2 Stunden wöchentlich dauert das ganze natürlich auch sehr viel länger.

Die zweite Phase wäre die Traumaexposition, das heißt das Trauma zu benennen und daran zu arbeiten, da bei vielen Traumatas die Erinnerung „zerplückt“ ist und nicht wie sonst auch als reine Erinnerung in Zeit und Raum abgelegt wurde, bedeutet es dieses Ereignis noch einmal genau nachzuempfinden und neu zu bewerten.
Diese Phase kann sehr schmerzhaft sein, deshalb ist es wichtig vorher stabil zu sein.
Wenn du dich nicht genau erinnern kannst und unter Amnesien leidest, wird auch daran gearbeitet wieder ein Bewußtsein für verloren gegangenes zu bekommen. EMDR kann nur mit erinnerbaren Traumen arbeiten.

Die letzte Phase ist die Integrationsphase.
Das heißt alles bisher erlernte und erinnerte weiter zu verarbeiten und in dein Leben zu integrieren.

Das alles ist jetzt sehr vereinfacht beschrieben, jedoch solltest du dich mit der Diagnose und den Möglichkeiten vertraut machen um für dich entscheiden zu können, was dir am meisten helfen würde und worauf du dich einlassen kannst.
Dies alles würde ich dann mit den Ärzten und Therapeuten besprechen bevor du dich entscheidest, welche Vor- und Nachteile die stationäre und ambulante Therapie hat.

Diese Etscheidung kannst nur du treffen, aber aufgeklärt geht das am besten.

Ich wünsche dir alles Gute für deinen Weg

Schiwa

Hallo Angie,

Wißt ihr ob die emdr-Thera überhaupt Sinn macht, da ich keine
Erinnerungen von dem Unfall habe?

schwer vorstellbar. Grundprinzip der EMDR-Therapie ist die Konzentration auf traumatische Erinnerungen. Daher gilt EMDR am ehesten als geeignet für Patienten mit PTBS, bei denen sich typischerweise belastende Erinnerungen aufdrängen.

Übrigends die Psychologin hat meinen „Fall“ abgelehnt aus
Zeitmangel und fehlender Erfahrung was Traumas betrifft.

Wie sicher war sie sich ihrer Diagnose und Therapieempfehlung?

Schöne Grüsse

Bernd

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