PTBS und Reizüberflutung

Liebe Experten,

gerne würde ich einmal Eure Meinung zu folgendem Sachverhalt hören:

Angenommen, jemand leidet unter einem Posttraumatischen Belastungssyndrom. Kindheitserlebnisse, die lange vergessen waren, kommen wieder hoch und müssen verarbeitet werden.
Die Hauptsymptome sind Schlafstörungen und Konzentrationsmangel. Eine Depression liegt nicht vor, und verstärkte Angst auch nicht.

Würdet Ihr es für verantwortbar halten, wenn diese Person, die seit zwei Jahren notgedrungen in einem schwierigen und sehr lauten Wohnumfeld lebt, sich dieser zusätzlichen Belastung noch für weitere zwei bis drei Jahre aussetzt?
Bei einem Ortswechsel für wenige Tage (Besuch bei Bekannten) verschwanden die Schlafstörungen, und auch die Konzentration erschien besser.
Ich könnte mir vorstellen, dass die ständige Konfrontation mit Ärger und Lärm einen schon vorbelasteten Menschen irgendwann irreparabel schädigt, oder?

Viele Grüße,

Annette.

Hallo Anette,

bei PTBS gilt grundsätzlich, dass alles, was an das Traumaerleben erinnert, nämlich ohnmächtiges Ausgeliefertsein an ein extrem belastendes Geschehen, möglichst gemieden werden sollte.

Damit ist kein Weglaufen vor dem Problem gemeint, sondern die bewusste, erwachsene Entscheidung sich nicht passiv schädigenden, belastenden Einflüssen auszuliefern.

Das „aktiv“ sein kann in dem Fall unterschiedlich aussehen: Ohrstöpsel, mit lauter Musik gegenpowern, sich beim Vermieter beschweren, mit den Nachbarn etwas aushandeln, oder eben wirklich ausziehen, wenn das alles nicht möglich ist.

Ganz kontraproduktiv ist es für die Heilung,
-sich der Handlungsfähigkeit zu berauben,
-auszuhalten,
-sich vielleicht noch selbst zu entwerten, weil man so „empfindlich“ ist,
-„sich abhärten“ zu wollen, indem man sich keine Flucht erlaubt.

Wichtig bei PTBS ist es sich immer wieder klar zu machen:

* Ich muss in keiner Situation bleiben, die mir schadet.

* Ich darf BEWUSST flüchten, vermeiden, mich schützen,
Dinge so gestalten, dass sie mir guttun.

Mir hat es oft schon geholfen, d.h. die Symptome wurden milder, wenn ich mir diese beiden Sachen klargemacht habe.

Sich kontrolliert z.B. in einer Therapie belastendem Material zu nähern, ist etwas ganz anderes als sich ohnmächtig Situationen, Orten, Menschen auszuliefern.

Und auch wenn jetzt noch keine Depression oder Angst auftritt, kann es durch das permanente Gefühl des Ausgeliefertseins und den ständig erhöhten Stress- und Erregungspegel irgendwann dazu kommen.

Die Vergangenheit und die damals nicht auszuhaltenen Gefühle zu bearbeiten und jetzt zu fühlen,ist belastend genug, da sollte man möglichst jeden zusätzlichen Stress ausschalten oder minimieren.

Alles Gute

Anna

Hallo Annette,

wie schon geschrieben wurde, denke ich auch, dass dem Patienten jede Entlastung gut tut. Denn eine Therapie, die sich mit belastenden Kindheitserlebnissen auseindersetzt, ist super anstrengend.

Allerdings gibt es einen ganz großen Unterschied zwischen Ärger und Lärm. Ärger ist wirklich etwas, was auf Dauer krank macht. Aber Lärm? Ist zwar auch unangenehm und störend, aber nicht in der Weise wie Ärger. Ich würde es jetzt nicht als kritisch sehen, wenn der Patient weitere 2 bis 3 Jahre an einer Hauptverkehrsstraße wohnt oder als Kindergärtner mit schreienden Zwergen zu tun hat.

Viele Grüße
Anna

Dem entnehme ich…
…dass das Leben in einer ruhigen Umgebung, das Fernhalten agressiver oder sonst in irgend einer Form gestörter Menschen, das Ausüben eines Hobbys, Gartenarbeit, Lesen, künstlerische Betätigung, Spaziergänge, vielleicht auch das Anschaffen eines Haustieres (natürlich nach reiflicher Überlegung und nicht in einer Stadtwohnung) genau die richtige Medizin sind?
Ich befürchte, dass immer wieder neue Zwischenfälle, manchmal zwei in einer Woche, irgendwann nicht mehr verarbeitet werden können.

Bin nach wie vor für alle Erfahrungsberichte und Ratschläge offen!

Und Danke!

Annette.

Uff, das würde ich jetzt nicht ganz so sehen.
Wenn es natürlich möglich ist so zu leben…okay, aber wer kann das schon?

Ich halte es aber eher für erstrebenswert zu lernen, das alte Verhaltensmuster zu ändern.

D.h. die alten Gefühle von Ausgeliefertsein und Ohnmacht, Wut etc. da zu fühlen, wo sie als Kind richtigerweise so erlebt wurden. Denn damals war die Situation so. Ein Kind hat nicht die gleichen Handlungsmöglichkeiten wie ein Erwachsener.

Wenn man als Erwachsener allen unangenehmen Situationen, Menschen etc. aus dem Weg geht, beschneidet man seine Entfaltungsmöglichkeiten enorm.
Das ist Vermeidungsverhalten, das einen nicht wachsen lässt.

Ich wollte vielmehr sagen, dass man eine Situation unter der man leidet und die man im Moment einfach nicht adäquat lösen kann, nicht AUSHALTEN und sich daran sinnlos erschöpfen soll.

Auf jeden Fall ist es wichtig zu gucken, was diese Situation ausmacht, warum sie einen fertigmacht und wo die Parallelen zu früher sind.

Das macht man am Besten in einer Therapie und günstigenfalls ohne das zermürbende Dauerfeuer zu Hause.

Das (Fern)Ziel ist aber nicht unbedingt in einer Idylle zu leben und unangenehmen Dingen auszuweichen, sondern mit ihnen angemessen umzugehen und angemessene Gefühle dazu zu haben. Sich Stück für Stück Handlungsspielräume erarbeiten.
Wenn man auf dem Weg dahin die Möglichkeit hat, sich ab und zu in einen Schutzraum zu begeben, ist das auch nicht schlecht.
Und sich etwas Schönes zu gönnen ist natürlich immer gut und sehr wichtig.

Du bist ja nicht besonders konkret, was die Zwischenfälle betrifft.
Ist es etwas wirklich Bedrohliches, dann raus aus der Situation.
Ist es nur subjektiv bedrohlich, dann eventuell mal Auszeiten gönnen, reflektieren und dann mal versuchen, dem Anderen Grenzen zu setzen.
Wenn das momentan überhaupt nicht möglich ist, weil zu viel hochkommt, dann eben nicht.
Mit dem Erinnern und Durcharbeiten erledigen sich sowieso irgendwann automatisch viele Sachen.

LG
Anna

Hallo Anna,

mit Lärm meine ich: Mehrere auch nachts stark frequentierte Bahngleise direkt am Haus, Randale in der Nacht, usw.

Mit Ärger meine ich: Sachbeschädigung, Beleidigung, Bedrohung usw, eben Straftaten.

Im Kriminalistik- Brett läuft gerade eine angeregte Diskussioen, obwohl der Anlass, einer mutwillig abgerissener Autospiegel, eigentlich gemessen an den anderen Vorfällen hier harmlos ist.

Man kommt halt nie zur Ruhe, oft passieren mehrere schwere Zwischenfälle in einer Woche. Sebst die Polizei sagte mir schon, ich solle mir besser eine andere Wohnung suchen.

Viele Grüße,

Annette.

Wiedermal zu langsam :wink:
Die Zwischenfälle hast Du ja jetzt konkretisiert.

Wenn Du kannst, raus da, so schnell wie möglich.
In so einem Umfeld haben sogar stabile Menschen wenig Spaß.
LG
Anna

Dauerbeschuss
Liebe Anna,

das Problem ist hier wirklich, dass es ständig und von allen Seiten kommt. Die Leute hier schaukeln sich gegenseitig hoch und provozieren ohne Ende.
Im Streit hat mir sogar mal jemand sinngemäss gesagt, er würde so lange daran arbeiten, bis ich kapituliere.
Gut, man muss nicht gleich als Einsiedler leben. Aber ich habe schon einmal so gelebt und war sehr zufrieden. Solange man ein Auto und ein Telefon und noch ein paar Freunde hat, finde ich diese Art zu leben sehr schön.
Damals war ich allerdings noch erwerbsfähig. Wenn man täglich zur Arbeit geht, ist das vielleicht doch noch etwas anderes. Ein Winter auf dem Lande kann ohne Arbeit vielleicht doch langweilig werden!

Annette.

lärm ist stress - für jedermann - wenn auch oft nicht bemerkt und unterschätzt.

von den anderen von dir genannten problemen mal ganz zu schweigen.

die betreffende person weiss sicher im grunde sehr gut, das ihr gewohntes umfeld für die nichts mehr ist, sie wird spüren dass es
sie zusätzlich belastet und das diese belastung eigentlich überflüssig
ist.

jede unnötige belastung ist ungut und zudem wenig heilsam.

hier eine entscheidung zu den eigenen gunsten zu treffen kann von grossem nutzen sein - sie steht für sich ein. sorgt sich um sich und ändert ihr umfeld - ich weiss aus eigener erfahrung wie heilsam und erleichternd das ist. (heilsam im sinne von zusätzlich, nicht anstatt von den anderen notwendigen dingen)

LG

nina

Hi,
Dein Ursprungsposting war ja recht generell gehalten, was die Stressfaktoren anbetrifft (ich hätte mir darunter genauso gut ne WG vorstellen können, in der ne Person wohnt, mit der man nicht klarkommt, etc).

Aber jetzt, wo Du es genauer beschrieben hast, kann ich mich nur den anderen anschliessen und sagen: RAUS!

Du musst ja nicht gleich aufs Land ziehen, in eine Gegend ohne öffentliche Verkehrsmittel etc.

Gibt es nicht ne ‚Alternativlösung‘? Also, eine Wohnung, die man sich leisten kann, die aber trotzdem in einer Gegend liegt, in der Du dich ohne Stress aufhalten kannst?

Und was die ‚Untätigkeit‘, das Nichtarbeiten, anbetrifft, was Isolation mit sich bringen kann (klar, deshalb würde ich dir auch von ner abgelegenen Gegend abraten):

Geht es Dir denn gut genug, dass Du in geringem Maße bestimmte Aktivitäten machen kannst?

Ob Sport, ob nen Hobby wie Töpfern, Tai Chi oder was-weiss-ich.

Etwas, das man regelmässig machen kann, dass ‚Routine‘ ins Leben bringt, und das einen mit anderen Leuten zusammenbringt, die eben nicht Freunde oder Bekannte, die man mal auf nen Kaffee trifft, sind.

Oder ne ehrenamtliche Betätigung in ganz kleinem Umfang?

Zur Zeit bist Du durch Deinen Wohnort Belastungen ausgesetzt, die auch einen gesunden Menschen krank werden lassen würden.

Du kannst Dir das also gar nicht leisten.

Wenn das Arbeitsamt Probleme machen sollte, von wegen anderer Wohnung, wäre ein ärtzliches Gutachten möglich?? Keine Ahnung, aber evtl einen Versuch wert.

Ansonsten viel Glück,
gruss, isabel

Noch ein paar Details
Hallo Isabell,

momentan fühle ich mich hier isoliert. Ich konnte mich immer gut in eine dörfliche Gemeinschaft einfügen, ich mag das Stadtleben nicht. Ich habe fast immer auf dem Land gewohnt.
Ein Umzug wurde von Behördenseite bereits genehmigt, aber mein Sohn (19) und ich können uns nicht einigen. Er möchte gerne mitten in der Stadt bleiben, vielleicht sogar hier in dieser Straße. Das Umfeld stört ihn nicht. Allerdings ist er auch viel unterwegs.
Leider habe ich zusätzlich Probleme mit meinem linken Fuß, so dass Sport und weites Laufen ausscheiden. Auch das Treppensteigen hier zu Hause (ich wohne ziemlich weit oben)ist etwas anstrengend. Im Sommer hat es mich zudem sehr gestört, dass wir keinen Balkon haben.

In der letzten Zeit habe ich wieder so viel einstecken müssen, dass mir der Sinn nach Hobby, Ausgehen oder ehrenamtlicher Arbeit gar nicht mehr stand.
Der Witz ist: Sobald ich woanders bin, geht es mir besser. Es reicht, aufs Land zu fahren und mich dort in der Natur mit einem guten Buch hinzusetzen. Allerdings wird es bald kälter, und dann ist es vorbei damit.
Meine wirklich guten Bekannten wohnen fast alle ca. 150 km entfernt und raten mir fast einstimmig, auch wieder dorthin zu ziehen. Da dort alles ländlich ist, wäre ich auch wieder in der richtigen Gegend.
Hier in dieser Stadt habe ich noch zwei Bekannte, die ich allerdings nur sporadisch sehe.
Das Problem ist nur, mein Sohn macht in anderthalb Jahren Abi, und das will ich nicht gefährden. Deshalb auch die Überlegung, ob ich es noch ein paar Jahre aushalten sollte.

Viele Grüße,

Annette.

Hi,
ok, jetzt weiss ich auch, worum es geht. Du hattest ja im… eh, Eltern & Kinder Brett (?) gefragt, wegen der Situation mit deinem Sohn, bzw seines bevorstehenden Abis.

Und ich war diejenige, die fest der Meinung war, Du solltest ihn bis zum Abi noch als anwesende Mutter unterstützen.

Nur hab ich jetzt schon wieder nen halbes Dutzend Fragen:

Stört Deinen Sohn das Umfeld nicht, wie Du sagst, oder ist er dort schon richtiggehend integriert?

Sprich, trifft er sich in der Stadt mit seinen Kumpels, die aus verschiedenen Gegenden kommen, und will deshalb da bleiben, oder hat er DORT vor Ort seine Freunde?

Egal, was Dein Sohn WILL - es wird Zeit, dass ihr BEIDE da rauskommt!
Ich würde mal fast behaupten, GERADE Dein Sohn muss da raus, und merken, dass es auch anders geht.

Bleib für Deinen Sohn in der Stadt, aber nicht in dieser Gegend!
Und such’ ne Wohnung, die halt nicht im 3. oder 5. Stock liegt.

Du schreibst, Du hast Probleme mit dem Fuss - wie wär’s denn mit Fahrradfahren statt Laufen???

Kannst Du an so vielen Wochenenden wie möglich zu deinen Bekannten aufs Land? Ja, das Fahren kostet auch Geld. Aber da gibt’s zB http://www.mitfahrgelegenheit.de - mit eigenem Auto kannst Du dort Leute mitnehmen (und Du wohnst ja in ner Studentenstadt - da will immer mal jemand über’s Wochenende nach Hause). Ohne Auto kannst Du Dir da Mitfahrgelegenheiten suchen.

Weiterhin sagst Du, du musstest in letzter Zeit soviel einstecken, dass Dir der Sinn nach Hobby oder anderen Tätigkeiten gar nicht mehr ist.

Einerseits verständlich - andererseits, je weniger ‚Programm‘ Du hast, desto schwerer belasten dich die Dinge, die um dich rum passieren.
Wenn Du x andere Sachen machst, die dich ‚ablenken‘, dann sind die Probleme nur EIN Teil deines Lebens, und nicht der grösste Teil, wie jetzt.

Ausserdem fällt mir gerade ein: Dein Sohn muss sich langsam mal auf das Erwachsenwerden vorbereiten.

Fahr mal ne ganze Woche, oder auch zwei, weg.
Zeig ihm vorher, was er alles zu tun hat (inkl Wäsche waschen, Abwasch etc). Mach ihm klar, dass Du von ihm 100% erwartest, dass er das auch tut. Dass nicht nur er sein Leben hat, sondern Du auch.

Irgendwann wird er vielleicht merken, wieviel es im Haushalt wirklich zu tun gibt, und dass er dir einen Teil abnehmen MUSS.

Nimm erstmal EINE Sache in Angriff - zB einen Umzug innerhalb der Stadt. DANN das nächste - neue Kontakte knüpfen.

Und immer so weiter.

Und vernachlässige Deine Bedürfnisse nach Ruhe auf dem Land nicht.

Ich weiss, ich bin diejenige, die sagte, dass ich es für richtig halte, dass Du für Deinen Sohn bis zum Abi da sein solltest.

Aber opfer dich nicht auf. Du hast genauso viele Rechte und Bedürfnisse wie Dein Sohn.

Lieben Gruss,
Isabel

Heute ging´s mir richtig gut!

Hallo Isabel, hallo Ihr anderen,

bin gerade zur Tür hereingekommen, war den ganzen Tag an einem einsamen See. Wo mein Sohn steckt- keine Ahnung. Er ist wohl bei Freunden.
Womit wir beim Thema sind. Mein Sohn hat hier in diesem Viertel keine Freunde, und das ist auch besser so. Mir hat hier einmal ein 16- jähriger Deutscher gesagt, er könne jede Tür öffnen und mir, falls ich es wünsche, eine scharfe Waffe besorgen.
Sohnemanns Freunde wohnen weit verstreut, manche auch auf dem Land, glücklicherweise aber nicht hier. Ich kenne sie allerdings nicht, unterstelle aber, dass es ordentliche Menschen sind.

Mir ging es den ganzen Tag supergut. Ich hatte mir eine Decke als Unterlage mitgenommen, mich am See hingesetzt, gelesen, die Natur beobachtet und war fast in Urlaubsstimmung.
Außer mir waren nur wenige Leute dort, drei oder vier. Man kennt sich vom Sehen und grüßt sich gegenseitig.
Ich fuhr noch mit dem Auto ein Stück über Land (Thema Fahrrad, Isabel: Geht leider auch nicht mehr bei mir, was ich sehr schade finde), überholte gut gelaunte Radfahrer und Inliner und kam dann wieder in die Stadt zurück. Umständliche Parkplatzsuche, klar.

Aus dem Nachbarhaus schleppten mir unbekannte Leute gerade unzählige Möbel an die Straße (wann ist eigentlich Sperrmüll, diese Woche, nächste? Ach egal!). Sowieso sieht es hier schon wieder gut aus, überall Müll, ein Aldi-Wagen steht hier auch, und eben der Sperrmüll.

Meine Laune war noch nicht auf dem Nullpunkt, aber deutlich schlechter.
Ab und zu wegfahren, das scheitert vor allem an der Übernachtung. Ich kann schlecht bei anderen schlafen, auch wenn es Freunde sind. Im Sommer fahre ich tagsüber gerne an den See, wenn es die Tankfüllung erlaubt.

Ich würde gerne wieder arbeiten und würde dies wahrscheinlich auch schaffen, wenn ich mehr Lebensqualität, sprich Wohnqualität für mich hätte. Mein Sohn sagt, die Leute hier tangieren ihn nicht. Mir ist dies unverständlich, da er alle zwei Tage sein Fahrrad reparieren muss.
Was den Umzug angeht, sagte mein Sohn gestern, er möchte es vorläufig nicht mehr thematisieren. Das Problem ist jedoch, ich kann keine andere Wohnung suchen, wenn ich nicht weiß, ob er nun mit mir umzieht oder nicht. Schon alleine die Wohnungsgröße muss ich ja danach aussuchen. Und ich würde mich verdammt ärgern, wenn ich mich für eine Stadtwohnung entscheide (ihm zuliebe) und er dann nicht mehr mit will. Die fehlende Kommunikation ist unser Hauptproblem.

Für mich steht fest, wo ich eigentlich leben möchte. Und ich habe mich heute keine Minute gelangweilt, im Gegenteil!
Ich habe einmal ganz einsam gelebt. Dort ging mein Garten direkt in die freie Natur über, man sah wirklich nur Wald und Felder. Wahrscheinlich ist dies für die meisten Menschen kaum denkbar, aber ich war dort sehr glücklich. Und wenn man sich wirklich einmal einsam fühlt, kann man doch von sich aus unter die Leute gehen. Meinen Tag zu strukturieren, damit habe ich auf dem Land weniger Probleme als hier. Damals war ich bestrebt, mich so gut es geht selbst zu bewirtschaften. Mein Sohn argumentierte zwar immer, dies stünde in keinem Verhältnis, mein Arbeitseinsatz und das Endresultat. Mit hat es Spaß gemacht. Ich bin eben so. Und er ist ein Stadtmensch. Dafür wird er es bestimmt wirtschaftlich zu mehr bringen als ich, und das gönne ich ihm auch.
Ein Problem ist für uns auch, dass Innenstadtwohnungen für uns unbezahlbar sind. Wir müssten dann in eine Randlage ziehen. Das möchte er ja auch nicht. Die Wohnung hier ist relativ günstig, da das Wohnumfeld eben nicht so stimmt.
Früher hatte ich aufgrund meines Jobs manchmal nicht viel Zeit für den Haushalt. Mein Sohn hat mir zeitweise viel abgenommen. Ich habe ihn einmal während meiner Arbeit per Handy angewiesen, wie man Gulasch zubereitet, und es hat wunderbar geklappt! Damals war er 15 oder 16. Auch sonst hat er wirklich viel gemacht und es gerne getan.

Tja, so ist das!

Annette

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Hallo Annette,

Ich würde gerne wieder arbeiten und würde dies wahrscheinlich
auch schaffen, wenn ich mehr Lebensqualität, sprich
Wohnqualität für mich hätte.

dann schaffe dir diese! Du benötigst es dringend. Und wenn nicht jetzt - wann dann? Du wirst mit dem Alter nicht fitter, v.a. nicht, wenn du in dieser Umgebung bleibst. Mach, was dir gut tut!

Mein Sohn sagt, die Leute hier
tangieren ihn nicht. Mir ist dies unverständlich, da er alle
zwei Tage sein Fahrrad reparieren muss.

Ok, das ist SEINE Sicht. Die sollte dir aber erst einmal egal sein. Denn DICH tangiert es ja.

Was den Umzug angeht, sagte mein Sohn gestern, er möchte es
vorläufig nicht mehr thematisieren.

Diese Aussage ist SEHR egoistisch. Sie zielt nur darauf ab, seinen Willen durchzusetzen, indem er jetzt einfach die Zeit hinauszögert und gar keinen Kompromiss einzugehen bereit ist. Aber sei ehrlich, das wusstest du schon vorher. Wenn er aber nicht willens ist, wie ein erwachsener, vernünftiger Mensch diese Entscheidung mit dir auszudiskutieren und mit dir zusammen zu treffen, dann musst du sie selbst treffen! Und ich glaube, du weißt auch schon, was für dich richtig ist. Das hast du heute ja gesehen.

Das Problem ist jedoch,
ich kann keine andere Wohnung suchen, wenn ich nicht weiß, ob
er nun mit mir umzieht oder nicht.

Tut er nicht. Punkt. Ich finde, er hätte genug Chancen gehabt, ein Kompromiss auszuhandeln. Wenn er jetzt auch noch jedes Gespräch abblockt, dann solltest du dich bei der Entscheidung allein nach DEINEN Bedürfnissen richten. Hey, er ist schon erwachsen genug, um allein zurechtzukommen!

Und ich finde es auch erziehungstechnisch problematisch, wenn du ihm komplett seinen Willen lässt. Du hast ihm einen Kompromiss vorgeschlagen, er ist stur geblieben. Seine Parties sind ihm wichtiger als deine Gesundheit. Nun, wo langsam eine Entscheidung ansteht, zögert er die Zeit hinaus, indem er einfach ein Gespräch zu dem Thema verweigert. Lass es dir nicht länger gefallen, treffe deine Entscheidung und steh’ dann auch konsequent zu ihr.

Schon alleine die
Wohnungsgröße muss ich ja danach aussuchen. Und ich würde mich
verdammt ärgern, wenn ich mich für eine Stadtwohnung
entscheide (ihm zuliebe) und er dann nicht mehr mit will. Die
fehlende Kommunikation ist unser Hauptproblem.

Die fehlende Kommunikation ist sein Mittel zum Zweck. Nämlich zu dem Zweck, seinen Willen durchzusetzen, ganz egal, was du dazu denkst und wie es dir geht. Deshalb: Zieh’ aufs Land. Er wird es schon überleben und es wird ihm eine Lehre sein, dass du dich nicht durchs Abblocken erpressen lässt.

Für mich steht fest, wo ich eigentlich leben möchte. Und ich
habe mich heute keine Minute gelangweilt, im Gegenteil!

Eben.

Ich habe einmal ganz einsam gelebt. Dort ging mein Garten
direkt in die freie Natur über, man sah wirklich nur Wald und
Felder. Wahrscheinlich ist dies für die meisten Menschen kaum
denkbar, aber ich war dort sehr glücklich. Und wenn man sich
wirklich einmal einsam fühlt, kann man doch von sich aus unter
die Leute gehen. Meinen Tag zu strukturieren, damit habe ich
auf dem Land weniger Probleme als hier. Damals war ich
bestrebt, mich so gut es geht selbst zu bewirtschaften.

Na siehst du. Du weißt doch ganz genau, was dir gut tut!

Mein
Sohn argumentierte zwar immer, dies stünde in keinem
Verhältnis, mein Arbeitseinsatz und das Endresultat.

Das ist irrelevant…

Mit hat
es Spaß gemacht.

… und das hingegen entscheidend in deiner Situation.

Ich bin eben so. Und er ist ein Stadtmensch.

Ja, ist doch ok. Dann soll er eben in der Stadt bleiben, und du ziehst aufs Land. Er ist ja kein Kleinkind mehr und Kompromisse mag er sowieso nicht eingehen. Dann gibt es eben auch von deiner Seite keine.

Dafür wird er es bestimmt wirtschaftlich zu mehr bringen als
ich, und das gönne ich ihm auch.

Ja, warum auch nicht?

Ein Problem ist für uns auch, dass Innenstadtwohnungen für uns
unbezahlbar sind. Wir müssten dann in eine Randlage ziehen.
Das möchte er ja auch nicht. Die Wohnung hier ist relativ
günstig, da das Wohnumfeld eben nicht so stimmt.

Bis jetzt ging es ja nur danach, was ER möchte. Aber hey, du hast doch auch deine eigenen Wünsche und Vorstellungen!

Früher hatte ich aufgrund meines Jobs manchmal nicht viel Zeit
für den Haushalt. Mein Sohn hat mir zeitweise viel abgenommen.
Ich habe ihn einmal während meiner Arbeit per Handy
angewiesen, wie man Gulasch zubereitet, und es hat wunderbar
geklappt! Damals war er 15 oder 16. Auch sonst hat er wirklich
viel gemacht und es gerne getan.

Ja, ist doch umso besser. Das bedeutet, dass er auch keine großen Probleme haben wird, seinen eigenen Haushalt zu führen. Und wenn er dafür auf die eine oder andere Party verzichten muss, dann wird ihn das auch nicht schaden.

Liebe Grüße,
Anja

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Hi Annette,

erst mal: schön, dass Du Dir einen netten Tag gemacht hast!

Ansonsten musste ich ganz breit grinsen: Dein Sohn scheint meinem Freund nicht gerade unähnlich zu sein! Nur ist dieser leider nen Stück älter, und sollte somit - zumindest theoretisch - auch ein bisschen reifer sein…

Ich muss nämlich Ende November umziehen. Ja, leider nicht freiwillig - ich wohne zur Untermiete, und obwohl ich dem, von dem ich die Wohnung gemietet habe, hoch und heilig versichern musste, dass ich wirklich ein paar Jahre bleiben will, will er die Wohnung nach nur 1,5 Jahren schon wieder haben.

Naja, er hat einschlägige Gründe, was kann man machen…

Nur, mein Freund wohnt seit Juni bei mir. Nicht etwa, weil wir zusammenziehen wollten, oder weil er zu mir ziehen wollte - nö, er wollte sich eigentlich von hier aus ne Wohnung suchen.

Naja, auf jeden Fall ist er immer noch hier, ist ja schliesslich praktisch für ihn.

Nur, zu der Frage, ob er denn mit mir umziehen wird, hat er sich nie geäussert. Genau die gleiche Masche - ‚weiss ich noch nicht, mal sehn, später…‘.

Hallo? Ich muss doch wissen, nach was ich suche!!!

Naja, jetzt hab ich jedenfalls erstmal ne Wohnung gefunden.

Und heute Morgen fragte er mich dann doch tatsächlich, wo ‚wir‘ denn nun genau hinziehen würden…!!!

Ich würde mal behaupten, Du musst Deinen Sohn einfach vor vollendete Tatsachen stellen. Wenn ihm das dann nicht passt: Nun, es gab genug Zeit zur Diskussion - Du kannst ja nichts dafür, wenn er abblockte.

Ausserdem ist es ja wohl mittlerweile klar, dass es nur 2 Alternativen gibt: Umzug innerhalb der Stadt, oder ein Umzug aufs Land.

Dort bleiben, wo Du bist, steht nicht als Alternative zur Verfügung.

Was ich nicht verstehe: Was würde denn Dein Sohn machen, wenn er NICHT mitkäme? In der von Dir gekündigten Wohnung bleiben? Geht doch irgendwie nicht, oder?

Ansonsten, schön, dass er nicht so unselbständig ist, wie ich angenommen hatte.

Irgendwas wollte ich noch sagen, aber mir ist’s entfallen.
Auf jeden Fall, Dir alles Gute!

Lieben gruss, isabel

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Die Entscheidung…

…was nun passiert, habe ich wirklich eigentlich schon getroffen. Danke Euch für den Zuspruch!
Natürlich will ich, dass es meinem Sohn gut geht und dass er sein Abi schafft.
Ich fürchte allerdings, dass es in ihm später einmal schwere Schudgefühle wecken würde, wenn es mir wirklich immer schlechter ginge. Letztendlich ist ja nicht auszuschließen, dass die Situation hier in der Gegend noch einmal wieder richtig eskaliert.
Mit der Wohnung, das ist so eine Sache. Er möchte sie behalten, kann aber nicht, da sie zu teuer für ihn ist. Eine Zweck- WG möchte er nicht gründen.
Ich halte es für die sinnvollste Lösung, wenn er sich ein kleines Appartement in der Stadt nimmt.
Ich träume immer noch von einem Mini- Wochenendhaus zu Dauerwohnzwecken. Die sind allerdings rar. Die meisten haben keine richtige Heizung und oft auch kein Bad. Und leider kann man so etwas nur mit viel Glück kaufen, zur Miete kriegt man es fast nie.
Wer Münster kennt, weiß vielleicht, was ich meine, so Richting Pleistermühle, Stapelskotten.
Vielleicht findet ja auch ein blindes Huhn mal ein gutes Korn! Es muss ja noch nicht einmal unbedingt Münster sein.
Auf jeden Fall sehe ich, abgesehen von diesem wohl unerfüllbaren Traum, wieder klarer.

Liebe Grüße,

Annette.

Danke an alle!
Vielen Dank an Euch alle!

Es war schwer, eine Entscheidung zu treffen, und die Umsetzung meiner Pläne wird noch einiges an Überzeugungskraft brauchen, was meinen Sohn angeht.
Aber ich habe mit Eurer Hilfe meine Entscheidung getroffen, ich werde wieder in eine ganz ruhige Gegend ziehen, und zwar sobald ich etwas Passendes finde.

Falls mein Sohn nicht gleich alleine zurecht kommt, kann er mich ja anrufen, und ich eile notfalls herbei.

Viele Grüße,

Annette.

eine schöne entscheidung gut für dich zu sorgen :smile:

freut mich zu lesen!!!

gruss
nina