Pubertät

Hallo zusammen,

langsam verzweifel ich mit meiner 12-Jährigen. Ihr Vater und ich sind getrennt, wohnen aber ziemlich nah beieinander. Sie kann also wählen, wo sie ihre Zeit verbringt. In letzter Zeit ist sie jedoch nur noch einmal pro Woche in meinem Haushalt. Die restliche Zeit ist sie abends bei ihrem Vater. Dieser hält das Verhalten für normal und pubertätsbedingt.
Mich sorgt allerdings, dass sie bei mir völlig „zu“ macht. Wir hatten immer ein gutes und offenes Verhältnis miteinander und nun habe ich das Gefühl, sie lehnt mich ab.
Ist dieses Verhalten normal?
Hat jemand gleiche Erfahrungen gemacht und kann diese weitergeben?
Gibt es eine Lösung für das Problem?

Danke für Zuschriften und Hilfe.

Gruß, zipzap

Ablehnung
Ja, das ist normal (heutzutage). Es gibt sich zumeist wieder.
Man kann aber auch Pech haben.

LG

Gitta

Hi,

wir haben im Bekanntenkreis einen ähnlichen Fall und als Außenstehender versteht man das glaube ich nur zum Teil bzw. sieht es auch gänzlich anders wie die Eltern. Für mich hat sich schon oft der Verdacht nahegelegt, dass die Kinder in solchen Situationen „den Weg des geringsten Widerstands“ wählen, soll heißen lieber da sind wo sie es am bequemsten haben.

Diese Tatsache finde ich allerdings normal. Was ich aber nicht ganz nachvollziehen kann ist, dass es ja (egal ob getrennt oder zusammenlebend) wichtig für die Kinder ist, von beiden Eltern gleiche Werte vermittelt zu bekommen. Es kann nicht sein, dass einer der Eltern der doofe/strenge ist und der andere der Jasager.

Daher wäre meine Frage wie es erzieherisch bei dir und bei ihm aussieht, sprecht ihr miteinander, legt ihr die gleichen Werte an, gelten gleiche Spielregeln in beiden Haushalten oder ist das eine der Himmel und das andere die Hölle und wie empfindet euer Kind das?

Viele Grüße
Me

Rosinenpicken
Hallo,

langsam verzweifel ich mit meiner 12-Jährigen. Ihr Vater und
ich sind getrennt, wohnen aber ziemlich nah beieinander. Sie
kann also wählen, wo sie ihre Zeit verbringt.

die Situation ist soweit ähnlich der meinen bzw. unseren.

In letzter Zeit
ist sie jedoch nur noch einmal pro Woche in meinem Haushalt.
Die restliche Zeit ist sie abends bei ihrem Vater. Dieser hält
das Verhalten für normal und pubertätsbedingt.

Kann normal ein.

Mich sorgt allerdings, dass sie bei mir völlig „zu“ macht.

Das auch.

Wir
hatten immer ein gutes und offenes Verhältnis miteinander und
nun habe ich das Gefühl, sie lehnt mich ab.

Das auch.

Ist dieses Verhalten normal?

Kann wie gesagt passieren.

Gibt es eine Lösung für das Problem?

Keine generelle.
Das Problem sind häufig nicht die Kinder, sondern die Expartner.
Kinder neigen gerne zum Rosinenpicken, will meinen, sie gehen dorthin, wo es einfacher/angenehmer ist.
Meine Ex und ich haben dieses Verhalten schon vorausgesehen und vereinbart, daß wir gemeinsam dagegen angehen müssen.
Zum Glück sind wir uns in Erziehungsfragen weitestgehend einig.
Gibt es Streß bei der Mutter und sie kommen zu mir, gibt es erst mal eine Nachfrage, was passiert ist, und meist gibt es dann auch von mir entsprechenden Senf zur Sache (und umgekehrt).
Die Jungs wissen also, daß wir (Muuter und ich) uns nicht in den Rücken fallen.

Das mit dem Zumachen, erlebe ich bei meinem großen langsam auch, zum Glück noch recht gemäßigt.
Ich halte dieses Verhalten für normal.
Du solltest mit dem Vater aber besprechen, daß es nicht zu einseitig wird.
Es sollte auch klargemacht werden, daß besagtes Rosinenpicken nicht stattfindet, sonst ist eine/r immer der/die Dumme.
Dazu mußt Du mit dem Vater sprechen und ihr müßt euch einig sein bzw. werden.

Gandalf

Hallo,
wie schon gesagt wurde, wäre es hilfreich, wenn du dir mit dem Vater eurer Tochter in Erziehungsfragen über Prinzipielles einig werden könntet. Dass es Unterschiede gibt und diese von den Kindern ausgenutzt werden, ist erstmal normal und auch nicht tragisch.

Du hast Sorge den Kontakt zu deiner Tochter zu verlieren. Weiß sie das? Hast du dies mal angesprochen?
Du schreibst, dass deine Tochter „zumacht“. Was genau verstehst du darunter? Wie schaut das aus? Gibt es Unterschiede bei verschiedenen Themen oder Situationen? Nimm deine Tochter ernst!

12-Jährige sind unterschiedlich entwickelt. Problematisch finde ich, wenn Kinder selbst entscheiden dürfen, bei wem sie sich gerade aufhalten.
Diese Entscheidung ist für Kinder zu viel verlangt. Denn sie dürfen sich nicht nur für einen Elternteil entscheiden, sondern müssen sich gleichzeitig auch immer gegen einen entscheiden.
Sie kommen in ein äußerst schwieriges Dilemma, bei dem sie eben auf den „Rosinengeschmack“ kommen können. Dies ist für die Entwicklung nicht förderlich.
Frag dich auch mal, was es mit dir macht, wenn deine Tochter sich mehr bei ihrem Vater aufhält. Nimm in dieser Hinsicht Kontakt mit deinem inneren Erleben und deinen Gefühlen auf. Nimm diese wahr! (Ich hoffe das klingt jetzt nicht doof.) Und wie verändert das den Umgang mit deiner Tochter?

Scheu dich auch nicht eine (Erziehungs-)Beratungsstelle aufzusuchen. Auch ohne Tochter. Diese können dich in der Regel ganz gut coachen.

In der Pubertät ist vieles sicher schwieriger für alle Beteiligten, aber ich würde sie nicht einfach nur als Entschuldigung für jedes Verhalten anführen.

LG
Stefan

Eure Meinungen haben mir schon viel weiter geholfen. Erstmal Danke dafür. Das „Zumachen“ sieht meist so aus, dass sie -in ihren Augen- total „cool“ reagiert, wenn ich anrufe. Sie würgt mich meistens ab, obwohl sie nachweisbar nichts anderes zu tun hat. Ich nehme an, sie hat keine Lust auf ein Gespräch mit mir.

Wenn sie bei mir ist, ist sie meistens lieb und nett, hilft freiwillig den Tisch zu decken und auch abzuräumen, geht sogar mit dem Hund. Auch das freiwillig!

Nur wenn sie bei ihrem Vater ist und ich sie frage, ob sie am Abend zu mir kommt, redet sie sich öfters mit fadenscheinigen Argumenten raus ( z.B. muss noch Aufgaben machen, habe gerade geduscht und die Haare sind noch nass, bin hundemüde… )

Mit dem Vater verstehe ich mich gut, wir sprechen sehr häufig über die Problematik, wobei ich nich umhin komme anzunehmen, dass er das Problem ein wenig herunterspielt.

Unsere Tochter weiß, dass sie mit „Rosinen picken“ nicht weit kommt, weil wir Eltern viel miteinander sprechen und alle Dinge die sie betreffen auch abstimmen.

Vielleicht spielt sie ja auch die „Supercoole“, weil Gefühle zeigen im Moment gar nicht so in ist.

LG, zipzap

Sie würgt mich meistens ab, obwohl sie nachweisbar nichts anderes zu
tun hat. Ich nehme an, sie hat keine Lust auf ein Gespräch mit mir.

vs.:

Wenn sie bei mir ist, ist sie meistens lieb und nett, hilft
freiwillig den Tisch zu decken und auch abzuräumen, geht sogar mit
dem Hund. Auch das freiwillig!

Hast du sie schonmal auf diese von dir empfundene Diskrepanz in einer Phase des Nett-Seins angesprochen?
Lass nicht locker, will es wissen!
LG
Stefan

Hallo zipzap,
Du schreibst doch selbst

Wenn sie bei mir ist, ist sie meistens lieb und nett, hilft
freiwillig den Tisch zu decken und auch abzuräumen, geht sogar
mit dem Hund. Auch das freiwillig!

Das ist doch sehr erfreulich und klingt eigentlich nicht nach „zumachen“. Klingt für mich auch nicht nach „cool sein“ wollen!

Nur wenn sie bei ihrem Vater ist und ich sie frage, ob sie am
Abend zu mir kommt, redet sie sich öfters mit fadenscheinigen
Argumenten raus ( z.B. muss noch Aufgaben machen, habe gerade
geduscht und die Haare sind noch nass, bin hundemüde… )

Kann es sein, dass sie den Eindruck hat, Du möchtest sie ständig unter Kontrolle haben? Dass sie schon Deinen Anruf ablehnt im Sinne von „jetzt bin ich beim Vater, ich will das so, da soll Mutter mir nicht reinreden“?
Mein Vorschlag: wenn die Zeit bei Dir harmonisch ist, genieße das und lass sie spüren, dass sie willkommen ist.

Gruß
Jette

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Hallo

Nur wenn sie bei ihrem Vater ist und ich sie frage, ob sie am Abend zu mir kommt, redet sie sich öfters mit fadenscheinigen Argumenten raus …

Kann es sein, dass sie den Eindruck hat, Du möchtest sie ständig unter Kontrolle haben?

Ich habe spontan eher das Gefühl, sie könnte den Eindruck haben, dass sie von der Mutter möglicherweise gebraucht wird, und darauf reagieren Kinder in der Tat sehr ablehnend, meiner Meinung nach mit recht.

Es kann natürlich auch sein, dass einem Kind von irgendwelchen anderen Leuten (Verwandten, Freunden) schon mal gesagt wird, dass die Mama sehr traurig ist, wenn es nie zu ihr nach Hause kommt, und sowas könnte das Kind auch negativ gegen die Mutter beeinflussen.

Wenn man so ein Arrangement mit dem Ex-Mann hat, dass das Kind nach Belieben wechseln kann, sollte man unbedingt dafür sorgen, dass man sich nicht irgendwie einsam oder persönlich abgewiesen o.ä. fühlt, wenn das Kind nicht da ist.

Man sollte das Kind wohl auch nicht fragen, ob es denn mal kommen will. Entweder man sagt, es müsse dann und dann mal kommen, weil … (vielleicht weil man als Mutter nicht den Kontakt zum Kind verlieren sollte o.ä.?), oder man teilt dem Kind einfach öfters mal mit, dass es immer (oder zu bestimmten Terminen) gerne kommen kann, wenn es will, und knüpft daran keinerlei Erwartung.

Solche spontanen Anrufe in dem Sinne: „Willst du jetzt mal zum Abendessen kommen“ finde ich für eine Mutter ihrem Kind gegenüber nicht so doll passend, sowas sollte man lieber mit seiner besten Freundin machen.

Mit 12 oder spätestens 13 finden viele Kinder die Eltern sowieso weniger interessant, und bleiben deswegen lieber in ihrer gewohnten Umgebung, da sie von da aus besser zu ihren gleichaltrigen Freunden Kontakt pflegen können, als wenn sie mal hier und mal da bei Verwandten sind.

Ansonsten sollte es wirklich ein bisschen im Voraus geplant werden. Wenn mich einer um 17:00 anrufen würde, ob ich nachher bei ihm vorbei gucken will, da hätte ich auch niemals Lust dazu, weil ich dann den Abend so gut wie immer schon verplant hätte.

Viele Grüße
Simsy