in Zeitungen etc. liest man immer wieder, daß die Geschlechtsreife bzw. Pubertät bei den Heranwachsenden im Durchschnitt immer früher einsetzt, im Vergleich zu früheren Generationen.
Die Zahlen dazu findet man auf der HP der Uni Landau:
Der Wert und die Aussagekraft von Statistiken soll hier nicht das Thema sein - mich interessiert die Praxis.
Da ich selber kaum mit Heranwachsenden zu tun habe, frage ich die Eltern/Erzieher unter Euch: Könnt ihr diese Beobachtung bestätigen? Und welche Problematik bringt diese Entwicklung eventuell mit sich?
Da ich selber kaum mit Heranwachsenden zu tun habe, frage ich
die Eltern/Erzieher unter Euch: Könnt ihr diese Beobachtung
bestätigen? Und welche Problematik bringt diese Entwicklung
eventuell mit sich?
Ich kann das nur unterschreiben. Beobachtungsobjekt ist die 9, fast 10jährige Tochter meines Süßen. Und bei der Kleinen denke ich schon seit einem jahr „Wenn ich’s nicht besser wüßte, dächte ich, das ist die Pubertät“. Mittlerweile mußte ich einsehen, daß es wirklich die Pubertät ist.
Momentan beschränkt sich das auf die Stimmungsschwankungen, von superanhänglich bis total in sich gekehrt, die vehementen Zickigkeiten und die tatsache, daß sie sich nun wirklich mehr für Popstars als für den Zoo interessiert. Aber letztens durfte ich eine interessante Interaktion mit Jungs beobachten, bei der schon beachtlich viel kokettiert und gekichert wurde, wenn auch noch auf kindlicher Schiene.
Ich bin mir aber sicher, daß auch das Jungs-Erforschen hier viel früher einsetzen wird als „seinerzeit“ bzw. „meinerzeit“.
Die Kleine zeigt einfach Verhaltenweisen, in denen ich mich mit 14 wieder erkenne. Also wird die wahrscheinlich, statt wie ich mit 16 mit 12 beginnen, Jungs so richtig spannend zu finden.
Probleme entstehen uns daraus (noch) keine. Eine Zwölfjährige hingegen von den Risiken und Gefahren aufblühender Sexualität zu schützen, ohne sie ihr zu vermiesen, das stelle ich mir schwierig vor. Allerdings war es wohl für unsere Eltern auch bei uns nicht leicht. Wir lassen das mal gelassen auf uns zukommen.
Es drängt sich aber die Frage auf, kommt dies nur von den besseren Lebensbedingungen, bzw. bessere Ernährung. Oder spielen auch die dauernd auf die Kids niederprasselnden „Sex“ Reize ein Rolle?
Diese Theorie ist zwar abwegig, aber sicher nicht ganz von der Hand zu weisen! Bessere Ernährung sollte doch zu späterer Pupertät führen, da ja keine Notwendigkeit besteht, sich einen Partner zu suchen.
Wenn man mal die letzten 100 Jahre betrachtet, bekommen Frauen immer weniger Kinder! (meine Oma hatte 12, am Schluss, nach dem Krieg blieben 5) die Pubertät setzt früher ein, die Wechseljahre später, sieht wie ein Hilfeschrei der Natur aus.
mfg
Franz
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Es drängt sich aber die Frage auf, kommt dies nur von den
besseren Lebensbedingungen, bzw. bessere Ernährung.
Ich denke eher von der „schlechteren“ Ernährung. Nämlich von den Unmengen von Hormonen die ein Kind in Form von Fleisch und Milch im Laufe seines Lebens in sich reinfuttern muss.
Oder
spielen auch die dauernd auf die Kids niederprasselnden „Sex“
Reize ein Rolle?
Ich glaube schon, dass auch die Erziehung eine Rolle spielt. Damit meine ich, dass ich erlebe, wie viele Eltern es besonders süß finden, wenn die 7-jährigen mit bauchfreiem Top oder Leopardenhose rumlaufen. Für über 5-jährige ist es bereits peinlich nur mit Badehose zu baden - es muss ein Bikini sein, auch wenn wirklich obenrum noch weit und breit nichts zum bedecken da ist. Ich erlebe oft wie Eltern das fördern und unterstützen.
Ich finde das traurig, wie den Kindern die Kindheit genommen wird. Je früher sie möglichst „sexy“ sind, desto besser?
die Pubertät setzt früher ein, die
Wechseljahre später,
…und die hormonabhänigen Krebsarten nehmen immer mehr zu.
Logisch wenn man dauernd Östrogene in Form von Fleisch und Milch zu sich nimmt?
Ich bin überzeugt, dass es bei reinen „Bio-Essern“ anders ist. Wäre mal eine Untersuchung wert.
Ich plädiere für mehr Bio-Nahrung - und lasst den Kindern ihre Kindheit!
interessante Theorie, aber das erwähnte neunjährige Mädchen hat eine Waldorf-Erzieherin als Mutter.
Das heißt: Sie lebt streng vegetarisch, Fernsehen kannte sie im Vorschulalter gar nicht, Erziehung und Ernährung waren also durch und durch ökologisch und anthroposophisch korrekt. Kein Fleisch und nur Bio-Milch.
Und trotzdem pubertiert sie mit ihren 9 Jahren vor sich hin. OK, Ausnahmen bestätigen vielleicht die Regel.
Liebe Grüße,
Nike
P.S.: Bauchfreie Tops trägt sie übrigens auch nicht. DA gebe ich Dir 100%ig recht: Kinder wie kleine Erwachsene anzuziehen, finde ich ätzend.
Hallo Franz,
nachdem, was ich bisher über Evolution gehört habe, geht die Anpassung (woran?) nicht so schnell, dass der weibliche Körper innerhalb der letzten -sagen wir - 30 Jahre die Pubertät nach vorne und die Wechseljahre nach hinten hätte verschieben können, damit die Frauen mehr Kinder gebären könnten. Der demoskopische Kinderknick tritt seit den 60er Jahren auf (Einführung hormoneller Verhütungsmittel).
ich vermute, es liegt auch an den Hormonen, die vermehrt - welche Ursache auch immer- in der Nahrung zu finden sind. Und ob da Bio hilft, weiss ich nicht, denn was in Grundwasser, Bächen und Flüssen an Hormonen zu finden ist, landet auch durch „Verschleppung“ in Bio-Produkten.
davon abgesehen gibt es heut wie damals Kinder, die früher oder später dran sind. Ich war Spätzünder, ein Mädchen bei uns bekam aber schon in der vierten Klasse ihre Tage - also auch mit 10. Ich war 14, fast 15, als es soweit war.
Es gibt immer noch große individuelle Unterschiede.
gewichtsabhängig???
Ich erinner mich dunkel an einen Bericht im TV.
Dort ging es genau um das Thema „Pubertät und Alter“
Eine der Erkentnisse bestand darin, dass nicht das Alter, sondern das Gewicht der Kinder die Zündung der Pubertät ist.
Unabhängig von der Ernährungsform wurde festgestellt, dass die europäischen Kinder immer schwerer werden. Die Pubertät also eher nach Gewicht als nach Alter einsetzt.
Meine Töchter waren immer eher Leichtgewichte… und bekamen ihre erste Periode mit 14/15… erst danach fand ein Gewichstschub statt…
Ich würde gerne mit der Quelle zitieren können… mir fiel das aber gerade erst ein… und altersbedingt kann ich leider nix mehr dazu beitragen, woher ich diese Theorie habe!!!
LG Ulli, Mutter von inzwischen 18jährigen Mädels…ähem…Frauen
erst mal danke für die interessante These, aber in unserem speziellen Fall unmöglich. Die geschilderte Kleine leidet nämlich unter ziemlich deutlichem Untergewicht.
Allerdings hat sie ihre Periode noch nicht, also kann ich darüber noch keine genauen Aussagen treffen.
Ich würde gerne mit der Quelle zitieren können… mir fiel
das aber gerade erst ein… und altersbedingt kann ich leider
nix mehr dazu beitragen, woher ich diese Theorie habe!!!
Der Begriff Pubertät wird aber in erster Linie durch
körperliche Merkmalen definiert, also Wachstum von
Schamhaaren, Periode, Brüste etc…
Ja, das ist mir durchaus bewußt. Ich glaube aber, als Eltern sollten wir über den Tellerrand der medizinischen Definition hinaussehen. Denn wir alle können uns bestimmt daran erinnern, daß für uns selbst die beginnende Pubertät noch wesentlich mehr war, und viel „schlimmer“ als die von Dir genannten Merkmale waren die Stimmungsschwankungen, das Auf und Ab, die Unsicherheit der Pubertät.
Die setzen meines Erachtens früher ein, das heißt, es gibt Anzeichen, bevor der Körper mitzieht. Und wir könnten es unseren Kindern etwas einfacher machen, das früh genug zu erkennen.
Gerade bei Mädchen kann es auch hilfreich sein, sich als Eltern emotional drauf einzulassen und vorzubereiten, daß erste Anzeichen spürbar sind, bevor sie sichtbar werden, um dementsprechend zu handeln - wie z.B. in Deinem Link steht: „Früher aufklären!“
So kann ich damit rechnen, was kommt, und das Kind vorbereiten, auch auf dem aufklärerischen Gebiet. Schwanger mit 12 ist bestimmt gar nicht schön…
Nur so ein paar Gedanken meinerseits. Deine Links sind beide hervorragend und kriegen einen Stern.
Daß Ayla durchaus einen interessanten Aspekt genannt hat, wollte ich im übrigen gar nicht abstreiten - Deine Quelle belegt das ja auch sehr eingehend.
Aber da es Diana ja um persönliche Erfahrungen ging, wollte ich nur anmerken, daß die Gewichtsgründe in unserem Fall nicht zutreffen können, weil die Kleine wirklich nicht dick, sondern eher untergewichtig ist (140 cm, 29kg).
Die Frühreife kann aber auch durchaus in Einzelfällen individuelle Ursachen haben, das meinte ich ja schon in meinem ursprünglichen Posting.
Ja, das ist mir durchaus bewußt. Ich glaube aber, als Eltern
sollten wir über den Tellerrand der medizinischen Definition
hinaussehen. Denn wir alle können uns bestimmt daran erinnern,
daß für uns selbst die beginnende Pubertät noch wesentlich
mehr war, und viel „schlimmer“ als die von Dir genannten
Merkmale waren die Stimmungsschwankungen, das Auf und Ab, die
Unsicherheit der Pubertät.
Ja, da hast du natürlich recht. Vermutlich muss man hier tatsächlich unterscheiden zwischen körperlicher und geistiger Reife und sicher gibt es Fälle, wo beide Entwicklungen nicht parallel verlaufen. Sicher kennt auch jeder von uns Fälle, wo die körperliche Entwicklung bereits recht fortgeschritten ist, das Verhalten aber doch eher noch kindlich…
Ich denke somit, dass die körperliche Reife vermutlich schon mit Gewichtszunahme, Hormonen in der Nahrung etc. zusammenhängen kann, während die von dir beobachtete geistige Reife eher mit sozialen Bedingungen etc. zusammenhängen könnte.
Pubertät setzt immer früher ein. Und wenn schon.
Hallo,
Da ich selber kaum mit Heranwachsenden zu tun habe, frage ich
die Eltern/Erzieher unter Euch: Könnt ihr diese Beobachtung
bestätigen? Und welche Problematik bringt diese Entwicklung
eventuell mit sich?
Ich sehe keine Problematik, die über ohnehin Bestehendes hinausgeht.
Mit ohnehin Bestehendem meine ich z.B.:
das Auseinanderklaffen von körperlicher und gesellschaftlicher Reife.
Diese Differenz besteht sowohl bei Pubertät mit 8 als auch mit 14. Ich gehe sogar davon aus, daß diese in der Natur der Sache liegt: erst mit der Pubertät, nein eben sogar durch die Pubertät (d.h. hormonelle Veränderungen) findet auch die geistige Reifung statt, die dann z.B. mehr Verantwortung möglich macht.
das Problem „Erziehung“ bei starker Veränderung des zu Erziehenden. Laufend muß neu hinterfragt und ausgelotet werden: Was gestern noch sinnvoll war (z.B. Höhe des Taschengeldes, Einschlafzeit, Übergabe von Verantwortung) kann inzwischen überholt sein. Krasser noch: Was eben noch in Ordnung war, kann aufgrund von Stimmungs-/Hormonschwankungen im nächsten Moment Fehl am Platze sein.
Bei diesem Lernprozeß nutzen Statistiken nix, man muß ohnehin Erziehung/Umgang immer auf das konkrete Kind abstimmen und zu dessen richtiger Zeit, mit dessen richtiger Herangehensweise z.B. über Verhütung reden, aber auch über Kriegstreiber. Unerheblich, ob man das dann eben im Alter von 8 Jahren oder 14 macht.
Bei starken Verschiebungen halte ich die Fragestellung für bedeutsam, aber auch noch zu eng gestellt. In diesem Zusammenhang ist letztlich weit Übergreifenderes zu beurteilen, wann z.B. Themen zu gesellschaftichen Zusammenhängen behandelt werden sollten, wie weit technisches Verständnis entwickelt ist, etc. Bei Lehrplänen könnten dann u.U. also Jahrgänge vorgezogen werden.