Hallo Nr. 2,
Ich verstehe, hm… demnach wäre das Problem also nicht, dass public viewing angeblich als Urbedeutung „Leichen-Aufbahrung“ bedeutet, sondern eher, dass der Teil viewing nicht das richtige Verb dafür ist.
Daher hat Stefanowitsch auch viele andere Bedeutungen für „public viewing“ gefunden, nicht nur die Aufbahrung.
Ich habe auch einen befreundeten Australier gefragt, an was er zuerst bei dem Wort denken würde (Aufbahrung), und dann, wie er das fände, wenn man das für eine öffentliche Fußball-Leinwandvorführung benutzen würde… das fand er überhaupt nicht schlimm, er könnte sich das so vorstellen, man würde das aber bei ihm nicht benutzen, sondern eher public screening sagen.
Daraus hab ich entnommen, dass das Wort eben unüblich, aber nicht vollkommen unzutreffend ist.
Das Argument mit dem „view“ kann ich nachvollziehen. Die Kommentare im Sprachlog-Artikel hab ich leider nicht gelesen.
Fazit: „Public Viewing“ ist ein Anglizismus, der stark zweckentfremdet wurde und den man als Englischsprecher als falsch empfinden kann (was wir mit deren Wörtern machen, geht Anglophone ja eigentlich nicht viel an, sag ich mal so), aber nicht weil es angeblich „Aufbahrung einer Leiche“ heißt, sondern weil man ein Fußballspiel nicht „viewen“ kann.
(aber sagt man nicht auch „Pay-Per-View“ oder ist das auch im Englischen unüblich und komisch?)
Grüße,
- André