Hallo zusammen,
ja, ich weiss, ich hätte das auch im Fernseh-Brett posten können, aber mich interessiert die psychologische Seite eigentlich noch mehr.
Beginnen möchte ich jedoch mit einem Geständnis: ich hab „Supertalent“ geguckt. Jetzt inzwischen sogar schon zweimal, die nahezu ganze Folge *gesteh*. Und irgendwann war mal in nem Vor- oder Nachspann die Rede, dass ich dieses Schicksal mit ungefähr 36 Millionen Leuten (also grob jedem zweitem) teile.
Und da hat’s mich doch arg gewundert: es gibt doch immer diese Vorspanne, wo die Kandidaten „vorgestellt“ werden. Und da hab ich schon den Eindruck, dass da durch die Darstellung der Leute einiges beeinflusst wird.
Da wird einerseits ein süsses kleines Mädchen mit Schleiflein im Haar mit Harfenmusik im Hintergrund vorgestellt, das heult, weil der Grossonkel-Siebten-Grades damals in Verdun gefallen ist und sie sooo traurig ist. Gleichzeitig singt sie dann irgendwas wie „Somewhere over the Rainbow“ wo natürlich alle schon wegen des Schicksals von dem armen kleinen Mädchen heulen und begeistert klatschen.
Andererseits kommt da eine ungepflegte ältere Dame, die sich fünfunzwanzig mal verhaspelt, bis sie - aufgeregt wie sie wohl ist - ihr Alter rausgestammelt hat und auch den Wohnort nimmer genau kennt. Gleichzeitig kommt als Hintergrundmusik „ich bin ja soo doof“.
Nun glaube ich nicht, dass diese Leute wirklich so „sind“, sondern mir machte das den Eindruck, dass da im Hintergrund irgendwelche Menschen sozusagen das „Image“ der Kandidaten schaffen. Man könnte ja, die „ungepflegte“ Dame vielleicht auch mit netteren Anziehsagen aus dem Fundus versorgen, sie zum Friseur schicken und sie schminken. Gleichzeitig wäre es ja ein leichtes das Gestammel bezüglich Alter und Wohnort rauszuschneiden.
Auch das „traurige, kleine Mädchen“ könnte man ja genauso als etwas wildes Kind darstellen, das eigentlich ganz fröhlich ist und lieber das Pumuckl-Lied singt.
Das ist natürlich in beiden Fällen etwas übertrieben dargestellt, aber irgendwie war mir als Fernsehzuschauer schon beim „Vorspann“ klar, ob der Kandidat dann weiterkommen wird oder nicht.
Und nicht nur das - auch beim Publikum waren mir „Anheizer“ aufgefallen (einer war mal kurz im Bild), der dem Publikum mitgeteilt hat, dass sie jetzt aufzustehen, zu buhen oder was-auch-immer zu machen haben.
Soweit so gut - und offensichtlich kommt ja diese Art von Sendung bei ziemlich vielen Leuten (eben ungefähr jedem zweitem) gut an. Was ich mich nun frage: warum?
Klar, Gutmenschen wie ich gucken das nur an, weil sie beeindruckt sind, was manche ganz unscheinbare Leute „da draussen“ so richtig tolles können.
Aber: warum stört uns diese offensichtliche Manipulation nicht? Oder wollen wir das sogar (erschreckender Gedanke, übrigens)?
Ich meine, wenn mich schon der Vorspann dahin führt, dass der nächste Kandidat „unmöglich“ ist, dann das Publikum buht und auch die Jury buzzert und irgendwas hämisches sagt (was ja auch wiederum mit Einbelendungen und Einspielungen verstärkt wird) - dann bin ich doch ganz sicher, dass meine Meinung über diesen Menschen „richtig“ ist.
Langen Postings kurzer Sinn, ich hab zwei Fragen:
- was für Leute bauen das Image dieser Kandidaten?
- warum stört ganz viele Zuschauer diese offensichtliche Manipulation nicht?
*wink*
Petzi
