Hi,
daß die Angaben von der Uni „recht vage“ sind, wie Du es schreibst, hängt schlicht damit zusammen, daß der ganze Studiengang recht vage ist. Publizistik ist ein interdisziplinärer Studiengang, mit anderen Worten: ein bißchen von allem, aber nichts richtig. Die einzelnen Modelle sind zwar je nach Uni unterschiedlich gewichtet, aber ich kann es dir am besten anhand der FU Berlin erklären (da habe ich studiert):
Du wirst es mit empirischer Kommunikationsforschung zu tun bekommen. Früher nannte man das „empirische Sozialforschung“, letztenendes verbirgt sich dahinter nichts anderes als ein vereinfachtes Soziologiestudium (Statistik, Umfragen, Inhaltsanalyse etc.)
Dann gibt es die Kommunikationsgeschichte. Hier geht es nicht nur um die Geschichte der Medien an sich, sondern um den Kontext von Medien und Zeit (z.B. Erste Zeitungen - „Straßburger Relation“ - in Bezug zum 30jährigen Krieg). Du solltest also auch in Geschichte relativ fit sein. Das Spektrum ist weit. Von frühen Flugblättern im Mittelalter über Wochenschauen im Dritten Reich nebst Exilpresse, über das Fernsehen in Ost und West bis hin zum Internet.
Kommunikationsrecht befaßt sich mit den juristischen Aspekten der Publizistik. Zu nennen sind z.B. Urheberschutzrecht, Zensurparagraphen, Grundrecht auf freie Meinungsäußerung, die Fernsehurteile des Bundesverfassungsgerichts, u.v.a. Denk nur an die aktuelle Internetzensurdebatte. Hat aber mit einer Juristenausbildung eher wenig zu tun.
In Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit geht es sowohl theoretisch als auch praktisch zu. Eigentlich ist dies der einzig wirklich praktische Teil des Studiums. Hier gibt es Praxisseminare, in denen Du u.a. lernst zu schreiben (Meldungen, Artikel, Essays, Glossen), Hörfunksendungen zu erstellen, oder TV-Magazine zu planen.
Untermauert wird das alles durch die Kommunikationstheorie. Hier geht es um die Wirkungsweisen von Massenkommunikation. Von Nachrichtenfaktoren (Aktualität, Prominenz, räumliche Nähe etc.) über Gatekeeperprozesse (Wer entscheidet, welche Nachricht gebracht wird) bis hin zur Wirkung auf den Rezipienten (Selektionsprozesse beim Leser, Hörer, Zuschauer, User)
Letztendlich gibt es noch die philosophischen Aspekte des Studiengangs. Hier geht es vom Berufsethos des Journalisten über Ansätze von Konstruktivismustheorien bis hin zu der von den Publizisten so geliebten Semiotik (Zeichentheorie).
Ich weiß nicht, ob ich dir damit irgendwie helfen konnte. Außerdem habe ich noch auf Magister (M.A.) studiert, ich schätze mal, Du wirst auf Bachelor/Master studieren müssen. Das ändert zwar nichts an den Inhalten, die ich oben aufgeführt habe, wohl aber an der Struktur. Du wirst wohl mittels vorgesetztem Stundenplan durch die einzelnen Bereiche durchgeprügelt werden und - anders als wir damals - nicht selber Schwerpunkte setzen können. Ob ich dir das Studium daher empfehlen würde, kann ich dir wirklich nicht sagen.
Es kommt ganz darauf an, was Du hinterher machen willst. Wenn Du später journalistisch arbeiten willst, lass auf jeden Fall die Finger davon. Oder studier zumindest ein relevantes zweites Fach, z.B. BWL oder Jura dazu. Gute Chancen haben interessante und seltene Kombinationen wie Sportwissenschaften und Publizistik (z.B. für Sportredaktionen). Was ich nur damit sagen will: Publizistik-/Kommunikationswissenschaften ist keine Berufsausbildung, es läßt dich lediglich in alle Aspekte der Massenkommunikation mal reingucken. Entscheidend ist wirklich das zweite Fach. Experten empfehlen da immer eine „harte Wissenschaft“.
Ich hoffe, ich habe wenigstens etwas Licht ins Dunkel gebracht.
L.G. Lord James St.John-Smythe