PzKanonen WK II

Hallo,

die Frage nach der Panzerbekämpfung lässt mich laienhaft nachfragen, warum eigentlich das Kaliber im 2. Weltkrieg immer größer wurde. Erst 3,7 cm, dann 5, zuletzt 7,5 oder gar 8,8. Auch die Länge der Kanone wuchs (vgl. Pz IVD zu IVF2). Aber warum?

Wenn ich eine Panzerung durchschlagen will, ist ein kleines Kaliber doch eher von Vorteil? Und eine langes Rohr dient doch eher der Präzision, um auf große Entfernung zu treffen?

besten Dank vom Nichtartilleristen
Andreas

Hi Andreas.

die Frage nach der Panzerbekämpfung lässt mich laienhaft
nachfragen, warum eigentlich das Kaliber im 2. Weltkrieg immer
größer wurde. Erst 3,7 cm, dann 5, zuletzt 7,5 oder gar 8,8.
Auch die Länge der Kanone wuchs (vgl. Pz IVD zu IVF2). Aber
warum?

Wenn ich eine Panzerung durchschlagen will, ist ein kleines
Kaliber doch eher von Vorteil?

Nö, weil die Granaten überproportional mehr Sprengstoff-Wucht etc bekommen, je grösser der Durchmesser ist. Doppelter Durchmesser einer Kugel (vereinfacht für das Geschoss genommen) bedeutet das 8-fache Volumen. Womit kann ich mehr kaputt machen, mit dem 500 g Zimmermannshammer oder dem 4 Kg Vorschlaghammer?

Und eine langes Rohr dient doch
eher der Präzision, um auf große Entfernung zu treffen?

Und es erhöht die Mündungsgeschwindigkeit, was wiederum die Durchschlagskraft fördert. Ein Geschoss kan ja nur so lange Beschleunigen, solange es im Rohr steckt, je länger die Beschleunigungsstrecke, desto mehr Wucht und auch mehr Reichweite (bei entsprechender Munition).

Grüssle
Mike

Hallo,

Tach

die Frage nach der Panzerbekämpfung lässt mich laienhaft
nachfragen, warum eigentlich das Kaliber im 2. Weltkrieg immer
größer wurde. Erst 3,7 cm, dann 5, zuletzt 7,5 oder gar 8,8.
Auch die Länge der Kanone wuchs (vgl. Pz IVD zu IVF2). Aber
warum?

Damals galt noch die Devise größer ist besser. Die am Anfang des Krieges verwendeten Kaliber 20mm bzw 37mm waren den Panzerungen der modernen Kampffahrzeugen bald nicht mehr gewachsen. So war der franz Char B1 bis nur mit der berühmten 88 zu knacken. Später in Russland nannten die Landser ihre Pak 36 (Kal. 37mm) ‚Panzeranklopfgerät‘.

Wenn ich eine Panzerung durchschlagen will, ist ein kleines
Kaliber doch eher von Vorteil? Und eine langes Rohr dient doch
eher der Präzision, um auf große Entfernung zu treffen?

Beides ist wichtig. Das große kaliber um ordentlich Wirkung beim Ziel zu erzeugen und die Rohrlänge um möglichst hohe Mündungsgeschwindigkeiten zu erreichen. Dabei ist das Verhältnis wichtig.

Kleines Beispiel: Der Panzer V (Panther) hatte ne 75mm Kanone und der Panzer VI (Tiger I) ne 88mm. Aber die KwK 42 L/70 (L/70 steht für die Länge) des Panthers hatte eine bessere Durchschlagskraft als die KwK 36 L/56 des Tigers. So durchschlug der Panther auf 900m bei 90° mit der Pz.Gr.39 133 mm und der Tiger ‚nur‘ 105mm.

Was noch dazu kommt sind die Geschosstypen.

Beispiel: Durchschlagswerte einer KwK 36 L/56 auf 900m bei 90°:
Pz.Gr.39: 105mm
Pz.Gr.40: 145mm

besten Dank vom Nichtartilleristen
Andreas

Gruß

Christoph

Hallo Andreas,

die Frage nach der Panzerbekämpfung lässt mich laienhaft
nachfragen, warum eigentlich das Kaliber im 2. Weltkrieg immer
größer wurde. Erst 3,7 cm, dann 5, zuletzt 7,5 oder gar 8,8.
Auch die Länge der Kanone wuchs (vgl. Pz IVD zu IVF2). Aber
warum?

Christoph hat ja schon detaillierte Angaben gemacht. Ich
will das ergänzen, in dem ich es auf den Punkt zu bringen
versuche.

Größeres Kaliber (auch bei Unterkalibergeschossen)
bedeutet höhere (übriggebliebene) Endgeschwindigkeit
bei hoher Kampfentfernung. Kleinere Kaliber verlieren
überproportional an Geschwindigkeit mit steigender
Entfernung.

Weiterhin forderte Hitler persönlich den Einbau
immer schwererer und leistungsfähigerer Panzerkanonen.
Hitler forderte sogar den Einbau einer 8,8-Flak-41 L/100
in einen Tiger-1 (was nicht ging).

Größere Rohlängen bedeuten höhere Anfangsgeschwindigkeit
der Geschosse und damit höhere Wirkentfernung.

Wenn ich eine Panzerung durchschlagen will, ist ein kleines
Kaliber doch eher von Vorteil? Und eine langes Rohr dient doch
eher der Präzision, um auf große Entfernung zu treffen?

Nein, ich will den Panzer auf möglichst grosse Entfernung
vernichten, möglichst jenseits 1,5 oder 2km.

Grüße

CMБ

Hallo,

die Frage nach der Panzerbekämpfung lässt mich laienhaft
nachfragen, warum eigentlich das Kaliber im 2. Weltkrieg immer
größer wurde. Erst 3,7 cm, dann 5, zuletzt 7,5 oder gar 8,8.
Auch die Länge der Kanone wuchs (vgl. Pz IVD zu IVF2). Aber
warum?

Es gibt 3 Munitionsarten zur Panzerbekämpfung: Hohlladung, Sprenggeschosse (Quetschkopf), Wuchtgeschosse. Große Kaliber konnten mit Sprenggeschossen verheerende Wirkungen im Innenraum eines getroffenen Panzers anrichten und wurden deshalb sicherlich bevorzugt.

Wenn ich eine Panzerung durchschlagen will, ist ein kleines
Kaliber doch eher von Vorteil? Und eine langes Rohr dient doch
eher der Präzision, um auf große Entfernung zu treffen?

Geschosse kleineren Kalibers konnten damals die Frontpanzerung nicht durchschlagen, da ihre v_0 zur damaligen Zeit nicht hoch genug war. Hohlladungsgranaten, die allerdings größeres Kaliber erforderten, durchschweißten dagegen die Panzerung. Die größere Rohrlänge ist auch immer hinderlich. Um auf eine hohe v_0 zu kommen, muss eine entsprechende Treibladung schnell wirksam werden können, was auch eine Frage des Rohrdurchmessers ist.
MfG Gerhard Kemme

Hallo Gerhard,

Es gibt 3 Munitionsarten zur Panzerbekämpfung: Hohlladung,
Sprenggeschosse (Quetschkopf), Wuchtgeschosse. Große Kaliber
konnten mit Sprenggeschossen verheerende Wirkungen im
Innenraum eines getroffenen Panzers anrichten und wurden
deshalb sicherlich bevorzugt.

Das stimmt schon alles, aber vielleicht sollte man
das noch etwas übersetzen.

Bei den Sprenggeschossen müsste man vieleicht
zwischen (normalen) Sprenggranaten und Quetsch-
kopf-Granaten unterscheiden. Auch eine (normale)
152mm Artilleriegranate wird den Panzer stoppen,
je nach Auftreffpunkt.

Geschosse kleineren Kalibers konnten damals die Frontpanzerung
nicht durchschlagen, da ihre v_0 zur damaligen Zeit nicht
hoch genug war.

Das stimmt, aber laut ISBN:3763759158 Buch anschauen
war das Problem der starke Abfall der v_t mit
der Flugbahn. Es gab durchaus auch im WK-2
„Kleinkaliber“-Panzerabwehrwaffen, aber die Zeit
der „Uranstäbchen“ war noch nicht angebrochen.

Es gab beispielsweise eine kleine PAK 42/27 mit
sich verjüngendem Rohr (auf 27mm) auf kleiner
Lafette. Dazu finde ich leider nur wenig Infor-
mationen.

Hohlladungsgranaten, die allerdings größeres
Kaliber erforderten, durchschweißten dagegen die Panzerung.
Die größere Rohrlänge ist auch immer hinderlich. Um auf eine
hohe v_0 zu kommen, muss eine entsprechende Treibladung
schnell wirksam werden können, was auch eine Frage des
Rohrdurchmessers ist.

Auch hier: richtig, aber imho übersetzungsbedürftig :wink:
Hohlladungsgranaten wurden ja häufig als Überkaliber-
granaten realisiert, wurden also mit z.B. einem Stab
ein kleineres Rohr gesteckt.

Die Rohrlänge ist hinderlich wegen Waffengewicht. Das
stimmt. Ein Ausweg waren eben sich „verjüngende“ Rohre,
die eine höhere v_0 lieferten.

Grüße

CMБ