Quantensprung (Nicht nur Physik?)

Hallo!
Mich interessiert folgendes:
In der Physik stellt der Begriff Quantensprung eher etwas sehr kleines da. Nun gebrauchen aber Politiker, Leute aus der Wirtschaft, Geisteswissenschaftler,…auch diesen Begriff.
Plappern die einfach nur nach, oder kann man den Begriff noch anders auslegen?
Die Physiker haben ja nicht das alleinige verwendungsrecht an Quanten und Sprüngen.
Vielen Dank für die Mühe im voraus.
Tschüß
Lothar Boettcher

Hi,
ich haett’s gern verlinkt, aber ich war nicht sicher ob das funktioniert. Hier also ein Artikel, der sich genau mit dem Thema befasst (aus der Zeit 19/1996) - vielleicht hilft’s! Viel Spass,
b.

Der Quantensprung: die zweifelhafte Karriere eines Fachausdrucks
Die sprachlichen Dummheiten sterben nicht aus

Sprachlich haben die Deutschen eine ausgeprägte Vorliebe für die Atomphysik. Wo man hinhört, ist neuerdings vom „Quantensprung“ die Rede. Besonders die Politiker schmücken sich mit dem gelehrt klingenden Fachausdruck. Da spricht
unser Außenminister von „Quantensprüngen in der türkischen Politik“. Bundeswirtschaftsminister Rexrodt diagnostiziert dagegen einen
„Quantensprung in der Telekommunikation“. Auch anderswo wird quantengesprungen. Ein Musikkritiker preist die neue CD eines
Tenorsaxophonisten als „Quantensprung eines Musikers“, und der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg vermeldet den „Quantensprung im Cockpit“ in einem Bericht über den Airbus A 321.
Auf seinem Weg von der Wissenschafts- in die Umgangssprache hat der Quantensprung einen erstaunlichen Bedeutungswandel durchlaufen. In der Sprache der Evolutionsbiologie würde man sagen: Hier ist eine Mutation entstanden, die sich stark ausgebreitet hat und offenbar bislang noch keinerlei Selektionsdruck unterliegt.

In seiner ursprünglichen Bedeutung ist der Quantensprung ein Übergang zwischen zwei Werten einer physikalischen Größe im atomaren Bereich. Da dort alle Größen diskrete Werte annehmen, sind solche Veränderungen immer sprunghaft und in den meisten Fällen nicht mit einer qualitativen Veränderung des Systems verbunden. Typisch für den Quantensprung ist, daß er winzig ist und in sehr kurzer Zeit abläuft.

Die zweckentfremdete Anwendung des Begriffs hat allerdings seine ursprüngliche Bedeutung vollständig auf den Kopf gestellt. Nun wird er benutzt, um statt kleiner atomarer Schritte große qualitative Sprünge zu beschreiben. Nur durch diesen inhaltlichen Wandel konnte sich der Quantensprung selbst bis ins Feuilleton und auf die Wirtschaftsseite vorarbeiten.

Wenn zum Beispiel im Zusammenhang mit der drastischen Zunahme der Artenvielfalt im Kambrium ein „entwicklungsbiologischer Quantensprung“ beschrieben wird, stehen jedem Physiker die Haare zu Berge. Denn immerhin zieht sich dieser Quantensprung über einen Zeitraum von mehreren Millionen Jahren hin.

Was steckt hinter diesem Bedeutungswandel? Daß jemand beim sinnbildlichen Gebrauch eines Fachausdrucks einmal fulminant danebenhaut, ist nicht der Rede wert. Doch die Tatsache, daß dieser Ausrutscher immer wieder reproduziert wird, läßt tiefer blicken. Hier tritt eine Vorliebe für bedeutungsschwere
Worthülsen zutage, wie wir sie von der Werbung ständig zu hören bekommen. Offenbar erregt im Zeitalter der Superlative ein gewöhnlicher Sprung keine Aufmerksamkeit mehr. Da muß dann schon der Quantensprung als eine Art „Supersprung“ herhalten.

Die Chance für den Quantensprung, in seiner ursprünglichen Bedeutung Eingang in die Umgangssprache zu finden, ist gering. Echte Quantensprünge sind nun einmal nur in der Summe ein deutlich wahrnehmbares und damit interessantes Phänomen. Wer aber würde sich für die Quantensprünge der Arbeitslosigkeit
interessieren, wenn sie - physikalisch korrekt - die Freisetzung (Emission) oder Einstellung (Absorption) einer einzelnen Arbeitskraft beschrieben?

Für Germanisten könnte sich hier ein interessantes Arbeitsgebiet eröffnen. „Die
Ausbreitungsgeschichte des Quantensprungs in der deutschen Alltagssprache unter besonderer Berücksichtigung der Rückwirkungen auf die theoretische Physik“ - das wäre doch ein Promotionsthema. Vielleicht könnte dabei auch die Wirkung des vorliegenden Artikels auf die zukünftige Benutzung des Begriffs analysiert werden. Möglicherweise käme man zu dem Ergebnis, daß er beim einen oder anderen Leser gewisse Denkprozesse auslöste. Was jedoch die Auswirkungen auf die Umgangssprache angeht, so dürfte es sich vermutlich nur um Quantensprünge handeln.

Mathias Senoner

© beim Autor/DIE ZEIT 1996 Nr. 19
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Plappern die einfach nur nach,

wenn sies nur täten, das Nachplappern !

Die Physiker haben ja nicht das alleinige
verwendungsrecht an Quanten und Sprüngen.

Nö das Politiker und Zeitgeister sogar wesentlich größere Sprünge haben hat der Artikel von Barbara verdeutlicht.

Ich denke mal „Quanten“ soll in Richtung Atom klingen und bekanntlich ist eine Atombombe was ganz großes und nur Einstein blickt da durch und keiner verstehts und dann … und dann plappern wir halt.

eljot
*derbusinesswetterauchimmerbesseralsnormaleswetterfindet*

Nö das Politiker und Zeitgeister sogar
wesentlich größere Sprünge haben hat der
Artikel von Barbara verdeutlicht.

Das war gut…

Ich denke mal „Quanten“ soll in Richtung
Atom klingen und bekanntlich ist eine
Atombombe was ganz großes und nur
Einstein blickt da durch und keiner
verstehts und dann … und dann plappern
wir halt.

Ich glaube, der Quantensprung ist eben doch eine gute Analogie. Der Quantensprung beschreibt doch einen Sprung von einer Energieebene in die nächste. Danach bewegt man sich „auf einer ganz anderen Ebene“, es ist keine graduelle Änderung, sondern eine grundsätzliche - so würde ich die Verwendung im allgemeinen (nicht-physikalischen) Sprachgebrauch rechtfertigen.

Gruß

J.