Es mag sein, dass ich verfressen erscheine, aber zuerst denke ich an die vielen Leckerbissen die es in Russland so häufig gibt. Dazu die riesigen Bazare auf denen man alles frisch bekommen kann, Obst, Gemüse, duftende Kräuter, geröstete Sonnenblumenkerne, Milch und einfach alles was man sich vorstellen kann. Hier haben es mir und meiner Begleiterin besonders die knusprigen warmen gefüllten Teigtaschen angetan, die es in verschiedenen Variationen von süß bis salzig gibt.
Aber es soll ja eine Reisebeschreibung werden, und daher will ich nicht nur übers Essen schreiben.
Wenn man durch Russland fährt, egal ob in den Norden durch Karelien oder in den Süden durch Turkmenistan, eines ist wunderbar, man braucht nicht immer neu zu stöbern, denn alle Waren gibt es überall und auch zu den gleichen Preisen. In den Großstädten ist man mit Dollar gut beraten, allerdings ist es besser unterwegs und in den kleineren Orten Rubel dabei zu haben. So auch beim Tanken. Das Benzin muß man nach Oktan tanken, gebräuchlich sind 92 für „Normal“ und 98 für „Super“.
Wenn man an der Grenze einreist, so muß man neben seinem Visa noch eine Kranken- und eine Kraftfahrzeugversicherung kaufen, die gibt es gleich an der Grenze. Für das Auto erhält man einen Transport-Schein, den man bei der Ausreise wieder vorzeigen muß.
Es ist so ein großes Land, daß ich nicht recht weiß wo ich eigentlich mit dem Erzählen anfangen soll.
z. B. wenn man von St. Petersburg in Richtung Murmansk fährt, durch Karelien, kann man sich dies etwa so vorstellen, (am Anfang also ca. 100 km von St.P. entfernt) sieht es am Wasser aus wie auf den Canarischen Inseln allerdings vor 20 Jahren ohne die Schnellhochbauten von Hotelklötzern, sondern idyllisch. Die Dörfer haben meist wunderschöne alte Holzhäuser die mit unheimlich liebevollen geschnitzten Verzierungen um die Fenster und Türen und an den Dachbalken etc. versehen sind. Da muß man schon allein anhalten um dies alles richtig anzusehen. Natürlich gibt es dazwischen auch Steinhäuser, aber die Holzhäuser sind einfach unbeschreiblich schön. Die Landschaft in dieser Gegend besteht aus weiten parkähnlichen Wäldern und Wiesen in denen man stundenlang spazieren gehen kann. Fährt man weiter hinauf (Richtung Norden/Barentssee) fühlt man sich teilweise in die Alpen versetzt, allerdings ist alles viel weiter und zwischen den Bergen finden sich große und kleinere Seen, der Baumbestand ist mehr wie in Mooren, also kleinwüchsige Birken und andere Bäume, dazwischen auch Sumpfgebiete mit Heide und vielen Gräsern. Hier ist viel Wild und sogar Elche. In einem Gasthaus am Rand der (so etwas wie eine Bundesstraße) haben wir auch ein Bärenfell gesehen, allerdings weiß ich nicht ob es noch Bären hier gibt, wir sind keinem begegnet. Nur in Weißrußland in einem Nationalpark…
Nun mag es vielleicht für manchen eintönig erscheinen tagelang auf dieser Straße quer durch Karelien zu fahren, doch die Landschaft und die weiten sind nicht langweilig. In den kleinen Städten gibt es so viel zu sehen und überall wird man köstlich bewirtet mit leckeren Gerichten. Wenn man nicht gerade in einem riesigen Hotel übernachten will so finden sich überall sogenannte Gastiniza’s. Das sind Jugendherbergs ähnliche Hotels in denen man gut und preiswert wohnen kann. Meist bekommt man sogar gleich beim Einzug einen kleinen Herd, damit man sich Tee und einige gerichte selbst zubereiten kann.
Überwiegend haben diese Art Hotels ein kleines Badezimmer in denen Sitzbadewannen mit fließensdem heißem Wasser stehen. Die sind sehr bequem, obwohl sie relativ wenig Platz wegnehmen. Außerdem ist in jedem noch so kleinen Ort auch ein Banja (eine Badeanstalt) mit Sauna in die man wöchentlich geht.
Die Bazare sind voll mit allen erdenklichen frischen und anderen Waren. Die Bäuerinnen bieten Sonnenblumenkerne, Obst, Gemüse, Milch und Kefir etc. an und man kann zum einen alles einzeln kaufen und zum anderen sind die Preise auch überall gleich, besonders in den Magazinen (das sind die Lebensmittelläden) die täglich, also auch Sonntags, bis 22.00 Uhr geöffnet sind.
Wenn man die Sprache nicht beherrscht, ist das kein Problem. Viele Russen sprechen sehr gut deutsch aber auch englisch. Mir ist z. B. einmal in einem Geschäft etwas merkwürdiges passiert. Ich kaufte Brot und Butter. Als ich gefragt wurde welche Butter, sagte ich nur ja, ja. Als ich dann zu Hause das Paket aufmachte erschrak ich erst, denn darin war ein Klumpen, nicht etwa goldgelb, wie Butter sondern braun und ich ärgerte mich zuerst, bis, ja bis ich denn doch mal probierte…
übrigens interessiert diese Reisebeschreibung überhaupt jemanden?
Schreibt mir bitte, ob ich weiter erzählen soll…
Danke Carmen