Querulanten

Hallo,

Was veranlasst einen Menschen, bei jedem Problem nach dem Staat zu schreien und wild
darauf los zu prozessieren?

Das offenbar in der Situation gegebene Fehlen von anderen Möglichkeiten.
Deine Frage ist übrigens so gestellt, daß ihr schon eine Beurteilung innewohnt, so daß es schwer ist, da sachlich drauf zu antworten…

Ich habe den Eindruck, dass es ein für Deutsche typisches Problem ist und in anderen
Ländern nicht so massiv auftaucht und mit der Obrigkeitshörigkeit der Deutschen
zusammenhängt.

Nun, mein Eindruck ist der, das da zwar was dran sein mag, allerdings geht es ja ganz offensichtlich zum Beispiel in den USA noch viel perverser zu. In anderen Ländern mögen Konflikte anders gelöst werden, zum Beispiel, in dem man dem Gegner einfach eine reinhaut. Der Stärkere gewinnt dann, und es ist Ruhe.

Außerdem verstehe ich den Zusammenhang mit „Obrigkeitshörigkeit“ nicht. Was genau meinst Du damit, und was genau ist daran für Dich so negativ, wie es hier klingt? Ich glaube, diese Frage ist ziemlich essentiell, um wiederum Deine Frage beantworten zu können.

Was meint ihr, was sind die Ursachen, warum prozessieren manche wegen jeder
Kleinigkeit, erstatten wegen allem Strafanzeige und beschweren sich überall?

(Hervorhebungen von mir) Ich glaube nicht, daß es allzuviele Menschen gibt, auf die das zutrifft.

Zweifellos gibt es haufenweise unnötige Prozesse und Anzeigen, die Motive jedoch sind doch klar: Es sind schlicht Mittel, um in einer Auseinandersetzung zu gewinnen. Wobei das eigentlich nur für den Bereich zivilrechtlicher Auseinandersetzungen gilt, da ja in Strafsachen - sofern das öffentliche Interesse bejaht wird - der Staat ebenjenes daran hat, einen Straftäter auch zubestrafen. Was konkret soll daran seltsam sein?

Gruß,

Malte, der glücklicherweise noch nie jemanden anzeigen musste.

Moin,

Zuviel Zeit und Langeweile.

Gruß
Marion

Hmm,
eine befremdliche Frage von einer Rechtsanwältin :wink:.
Was könnten Gründe dafür sein:

o Zuviele Mitglieder von Rechtsschutzversicherungen.
o Erziehung die auf Obrigskeitshörigkeit ausgelegt ist.
o Unvermögen „Kleinkram“ unmittelbar mit Streitpartner zu regeln - evlt. wg. fehlenden EQ, Arroganz, falsch verstandenen Harmoniebedürfnis etc.

Gruss
Enno

Hallo,

es gibt auch Menschen, die davon Leben und auf etwaige
Entschädigung aus sind.

Ich sag mal, die Ursache bei „Querulantentum“
ist immer individuell und vielschichtig;
eine allgemeine Antwort gibt es da nicht.

Gruß

O. *der jetzt Urlaub macht*gg*

wer hat’s erfunden?..:wink:
Hallo BM,

jawohl, die Schweizer:wink: Denn in der Schweiz geht man im Hinblick auf Zivilprozesse durchaus anders vor als bei uns. Ein - wie ich finde - nachahmenswertes Beispiel. Ich glaube auch gehört zu haben, dass beide Parteien - bemühen sie Gerichte - einen bestimmten Betrag sfr. vor Prozessbeginn zu gleichen Teilen entrichten müssen. Leider konnte ich auf die Schnelle, die entsprechende Quelle nicht finden. Aber vielleicht weiß der eine oder andere w-w-w Teilnehmer aus der Schweiz hier mehr, mich würde das auch sehr interessieren.

Hier noch eine übersichtliche Darstellung des Themas - besonders interessant in diesem Zusammenhang ist die Seite 8:
http://www.bezirksgericht-zh.ch/ZRP/zuerich.nsf/wVie…

Viele Grüsse
Eve*

Hi,

Ich glaube
auch gehört zu haben, dass beide Parteien - bemühen sie
Gerichte - einen bestimmten Betrag sfr. vor Prozessbeginn zu
gleichen Teilen entrichten müssen.

Das würde bedeuten, daß mich jemand, der etwas Geld hat, ohne großen Aufwand finanziell ruinieren kann, wenn ich nur wenig Geld habe, indem er mich mal eben ein paar Mal verklagt. Das kann ich mir kaum vorstellen, weshalb ich für genauere Informationen dankbar wäre.

Gruß,

Malte.

Leider braucht an wegen solchen Idioten eine Rechtschutzversicherung, welche 240 Euro im Jahr kostet.

Dies beseutet das ich im Jahr 240 Euro zahlen muss damit ich mir über solche Querulanten udn Daueranzeiger keine Gedanken machen muss und nachts gut schlafen kann.

Psychologisch glaube ich das deise Leute nach Macht streben und das eigentlich gemeinschaftlichen Rechtsystem welches ja mächtig ist versuchen auszunützen um sich dadurch Macht zu verschaffen.
Hinzu kommt noch eine kleiner Gruppe kranker Menschen die immer Recht haben müssen. Also die meinen das sie Verstand haben und das was vermendlich dieser produziert das absolut richtige ist. Sie selbst zeugen anderen Verstand nur solange zu solange diese der gleichen Meinung sind.
Als 3. Gruppe gibt es noch das bemerkt werden, sie machen das ganze um Aufmerksamkeit zu erlengen. Sie erhoffen sich dadurch eigentlich eine Anerkennung, ernten aber nur missachtung. welche sie erst dazu bewegt ihre Handeln weiter zu Itensivieren udn oftmals bei noch weiterer Missachtung in Hass gegenüber alles was ihnen keinen Aufmerksamkeit schenkt zu wandeln.

Ich bin (zum glück) kein Psycholoe, aber das währe meine These zu diesen Thema.

Hi,

ich bin mir ziemlich sicher, dass die von Dir beschriebenen Personen sich selbst überhaupt nicht als Querulanten, sondern vielmehr als „ehrbare Bürger“ sehen, die „aus Prinzip“ dem Recht zu seinem Recht (sprich: seiner Duchsetzung) verhelfen wollen und dabei missionarischen Eifer an den Tag legen und sich auserwählt und berufen fühlen. Darin werden sie vermutlich von ihrer jeweiligen Umwelt bestärkt und „clevere“ Anwälte verdienen nicht schlecht daran.

Aus psychologischer Sicht vermute ich hinter dem Verhalten die Sehnsucht (des Kleinbürgers, der sich wie ein Kind fühlt,) nach einem (Über-) Vater (Staat), an den man sich wendet und der alles für einen regelt.

Hallo,

vielleicht wissen die alle nicht wohin mit ihrer Energie, sind nicht ausgelastet, zutiefst frustriert, gelangweilt, wollen sich so abreagieren, sind unfähig zu einem Konsens, ein uraltes „Steinzeit-Gen“ (Gnaaarz du mir geben das, oder ich klopp dich …??), kommunikationsgestört, wollen Macht, Recht haben, weil sie eh meinen nur sie alleine besitzen es und haben ein Recht es auch offiziell bestätigt zu sehen? Keine Ahnung!

Bei einigen sehr exotischen Klagen, wenn mal sowas in die Zeitung kommt, seufze ich immer sehnsüchtig und sage mir selbst: „Solche Probleme, will ich auch mal haben. So viel Zeit und Energie in solchen Schwachsinn stecken zu können.“

Kurzes Beispiel - laut deiner „Definition“ bin ich ein Querulant, denn ich verklage gerade meine Ex-Vermieter auf Rückzahlung meiner Kaution inkl. den ausstehenden Nebenkosten. Um die Kohle zu bekommen, muss ich klagen!

Allerdings habe ich vorher einiges versucht - Gespräche, Vorschläge, ich bin ihnen entgegengekommen - wirklich - ohne Ende. Auf Vermieterseite war nichts ausser dem blanken Hass, dem Vorwurf das ich deren Wohneigentum durch meine nachlässige Putzerei „zerstört“ habe (ich gestehe, der Briefkasten wurde von mir nie geputzt!) und die Dreistigkeit eine Rechnung für Renovierungs- u. Instandsetzungsarbeiten aufzumachen (ich habe die Garage wirklich für ein Auto benutzt, die muss jetzt neu verputzt werden!!), die um die EUR 3000,00 liegt.

Diesen Menschen kannst du nur mit einer Klage beikommen, die wollen das ein Richter und Rechtsanwalt sich mit ihnen beschäftigt. Ich habe ehrlich das Gefühl, die sind da ganz scharf drauf, egal was es kostet. Ich habe echt das Gefühl das sie meinen, sie verlieren ihre Ehre und ihr Gesicht, wenn sie einfach auf einen Vorschlag eingehen und sich damit beschäftigen. Ich glaube die meinen „Konsens finden“, heisst „aufgeben, verlieren, entehrt sein“.

Und um mein Geld, das mir nunmal zusteht, zu bekommen, bin ich gezwungen zu klagen. Was soll ich sonst tun?

Gruß
Helena

Das ist doch dann aber keine Querulation.
Hier gehst du ja den Weg der Gesellschaft und klagst in diesen Fall für dein Recht. Hier liegt auch eine notwendige Sachlage vor.
Aber ich glaube du suchst jetzt auch nur BEstätigung in dem was du tust :smile:

Wen dem so ist wie du es darlegst, dan machst du meiens ermessend das richtige.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

…wollte ich ja nur zeigen, daß nicht immer diejenigen die klagen, die Querulanten sein müssen…*S*

Helena

Hallo Bitter Moon,

ich zitiere hier aus einem Interview mit Peter Glotz:
Frage: Viele Bürger blicken bei der Masse an Vorschriften nicht mehr durch - muss man heute klagen, damit man weiß, wo man steht?
Peter Glotz: Ich sage es jetzt mal ganz krass: Der Bürger hat noch nie durchgeblickt. Kann er ja auch gar nicht. 30 Jahre lang war ich im Bundestag und habe zum Beispiel über Agrarsubventionen mit abgestimmt. Glauben Sie, dass ich da auch nur im mindesten durchgeblickt habe? Aber wenn heute jemand sein gutes Recht sucht - klar soll er klagen!

Gruß,
Uli

Schweizer wo seid ihr?:wink:
Hi Malte,

nachdem sich noch niemand aus der Schweiz zu Wort gemeldet hat, nachfolgend ein kleiner zusätzlicher Hinweis - scheint Sache des Gläubigers zu sein - :

"…12.1 Gebühren

Die Betreibungsgebühren berechnen sich je nach Streitwert und betragen ca. ein Promille bis ein Prozent der Forderung . Die Gebühren für das Konkursverfahren bewegen sich zwischen einigen hundert Schweizer Franken bis zu einigen tausend Schweizer Franken, je nach Kanton, wo das Konkursverfahren eingeleitet wird. Das gleiche gilt für ein Arrestverfahren.

Die Kosten müssen vom Gläubiger vorgeschossen werden. Im Betreibungsverfahren werden die Parteikosten nicht, oder nur zu einem geringen Teil zurückerstattet. Dies bedeutet, dass der Gläubiger selbst beim völligen Obsiegen einen grossen Teil seiner Anwaltskosten selber tragen muss.

Dir Gerichtsgebühren sind streitwertabhängig. Sie werden von der unterliegenden Partei erhoben, wobei in einigen Kantonen die Gerichtsgebühren vom Kläger vorzuschiessen sind. Parteikosten müssen in der Regel bei Obsiegen zu einem wesentlichen Teil von der unterliegenden Partei getragen werden…"
aus: http://www.fricklaw.ch/german/articles/eintreibungen…

Grüsse
Eve*