Quick 110%

Hallo!
SchwieMu wurde vorletztes Wochenende ins Krankenhaus eingeliefert wg. Gallenkolik, wie sich herausstellte. Marcumar wurde abgesetzt, sie bekam eine Gallenblasenspiegelung, die Steine gingen ab, sie wurde entlassen, soll aber jetzt am Mittwoch wieder erscheinen, dann wird die Gallenblase entfernt.

Im Krankenhaus hat man 2x tägl. 80 ml Heparin gespritzt. Ich bekam gefüllte Spritzen mit und sollte (es war Ostern) ebenfalls 2x rägl spritzen. Nach Anweisung bin ich am Dienstag mit SchwieMu zum Hausarzt, der Quick/INR wurde gemessen: 110 %. Man entließ uns mit der Anweisung, weiter 2x tägl. 80 ml zu spritzen, bis zum Tag der OP.

Nun klagt sie aber, dass sie sich sehr schlecht fühlt, schwere Beine, Zuckungen in den Beinen, Schmerzen um die Fußknöchel, schlimmere Herzbeschwerden als sonst, Abgeschlagenheit etc. (sie nimmt seit langem tägl. an die 20 Tabletten, u.a. Bisoprolol und Ramipril). Ich mache mir Sorgen wegen des hohen Quick, aber wenn ich was sage von Notarzt, meint sie nur, ach was, Dienstag müssen wir ja eh zur Voruntersuchung.

Kann ich veranworten zuzuwarten oder sollte ich sie ins Krankenhaus zerren, damit man dort noch einmal den Quickwert misst?

Gruß,
Eva

Hallo,

der Quick-Wert ändert sich bei Heparingabe meist gar nicht oder ganz minimal und dient somit nicht der Verlaufskontrolle bei diesem Medikament.
Man nutzt den Quick (oder besser INR, was analog ist), um eine Marcumarisierung zu testen; fürs Heparin untersucht man andere Laborparameter (meist PTT), weil mit diesen Tests jeweils andere Gerinnungsfaktoren überprüft werden, denn die beiden Medikamente wirken sehr unterschiedlich im Gerinnungssystem.

Wieso bekommt sie denn überhaupt Marcumar?
110% ist bei den meisten Labors vollkommen im Normbereich, aber wie gesagt: Für die Heparinbehandlung ist es eh egal.

Was du jetzt machen sollst, kann ich dir nicht sagen. „Herzbeschwerden“ kann auch alles und nichts sein; grundsätzlich ist es aber ein größtes Alarmsignal, wenn mit dem Herzen was nicht stimmt.
Man hat allerdings neben dem Recht auf eine Behandlung auch ein Recht auf nicht-Behandlung.

Grüße
Liete

Hallo,

Man hat allerdings neben dem Recht auf eine Behandlung auch
ein Recht auf nicht-Behandlung.

was grundsätzlich mal nicht falsch ist. Wenn aber die Schwiegermama ähnlich gestrickt ist wie meine Mutter, die bei ihren durchaus lebensgefährlichen Herzanfällen in der Lage ist, erstmal lang und umständlich die Tasche zu packen, Termine abzusagen, dies und das rumzupusseln, „hach, so schlimm isses nicht“ mit „oh Mann, ich krieg wirklich Angst“ zu kombinieren, dann muss man die Mutti schon mal zu ihrem Glück zwingen.

Wenn du also ernsthaft in Sorge bist und die Schwiegermama wirklich in Zustände gerät, die dich beängstigen (den meisten Menschen sieht man ja auch an, dass was ganz und gar nicht in Ordnung ist), dann ruf den Notarzt. Wenn der erstmal in der Tür steht, wird die Mutter ihn bestimmt nicht wegschicken. Und wenn er keinen akut besorgniserregenden Umstand diagnostiziert, sind doch alle beruhigt.

Du machst das schon richtig!!!
LG Barbara

Hossa :smile:

Marcumar wurde abgesetzt […] Mittwoch wieder erscheinen,
dann wird die Gallenblase entfernt.

Durch das Absetzen des Marcumar wird die OP zur Entfernung der Gallenblase vorbereitet. Zur OP muss der Quick-Wert im Normalbereich sein.

Im Krankenhaus hat man 2x tägl. 80 ml Heparin gespritzt. Ich
bekam gefüllte Spritzen mit und sollte (es war Ostern)
ebenfalls 2x rägl spritzen.

Heparin wirkt anders als Marcumar. Es wird hier eingesetzt, um die Thrombosenbildung zu verhindern während das Marcumar nicht im Körper wirkt.

Nach Anweisung bin ich am Dienstag
mit SchwieMu zum Hausarzt, der Quick/INR wurde gemessen: 110%

Ist doch prima, dann kann die OP ja starten.

Man entließ uns mit der Anweisung, weiter 2x tägl. 80 ml zu
spritzen, bis zum Tag der OP.

Korrekt, ohne Heparin wäre deine SchwMu ja völlig ungeschützt, was die Thrombosenbildung angeht.

Nun klagt sie aber, dass sie sich sehr schlecht fühlt, schwere
Beine, Zuckungen in den Beinen, Schmerzen um die Fußknöchel,
schlimmere Herzbeschwerden als sonst, Abgeschlagenheit etc.
(sie nimmt seit langem tägl. an die 20 Tabletten, u.a.
Bisoprolol und Ramipril).

Normalerweise sind mehr als 5-7 unterschiedliche Wirkstoffe verantwortungslos vom Arzt. Bei dem Cocktail kann niemand mehr sagen, wie welches Medikament wirkt bzw. welche Nebenwirkungen auftreten. Es kann schon sein, dass das Weglassen des Marcumar hier einiges durcheinander geworfen hat.

Ich mache mir Sorgen wegen des hohen Quick,

Nee, brauchst du nicht. Das ist ja Sinn der Umstellung auf Heparin. Da will man hin, um die OP durchführen zu können!

Kann ich veranworten zuzuwarten oder sollte ich sie ins
Krankenhaus zerren, damit man dort noch einmal den Quickwert
misst?

Also wegen des Quicks auf keinen Fall ins Krankenhaus. Der ist ja wie gesagt da, wo die Ärzte ihn haben wollen. Gib ihr auf jeden Fall das Heparin weiter. Aber nicht in die Muskeln spritzen, am besten mit Daumen und Zeigefinger eine Speckfalte hervorheben und dann ins Fettgewebe spritzen.

Ins Krankenhaus würde ich deine SchwMu nur bringen, wenn sie es selbst wünscht. Die machen auch nichts anderes als sie zu beobachten, nur ist es im Krankenhaus langweiliger als zu Hause :smile:

Wenn deine SchwMu die OP hinter sich hat, solltet ihr mal mit Absprache des Arztes versuchen, die Anzahl der Medikamente zu reduzieren. Mein Vater hat 15 verschiedene Medikamente bekommen und ist schließlich an Nierenversagen gestorben…

Viele Grüße

Hasenfuß

Hallo Barbara,

Ich kenne das auch von meinen Eltern und Großeltern. „Mir fehlt schon nix“, bekämen die auch noch raus, wenn sie vom Auto angefahren würden.

Leider erlebe ich es auch bei vielen meiner Patienten, dass - sobald sie einmal älter werden - sie vollkommen von ihren jüngeren Verwandten entmündigt werden.

Primär hat es den Eindruck erweckt, als wolle die UP nur wegen des Quick ins Krankenhaus rennen.
Da gab es offenabr ein Missverständnis in der Arzt-Patienten-Kommunikation, sonst wüsste sie, dass das unbedenklich, bzw. gewollt ist.

Allerdings bereitet mir die hier geschilderte Symptomatik Sorgen. Das liest sich wie eine Herzinsuffizienz, mit der sie zügig ins Krankenhaus sollte.
Natürlich lässt sich das aus der Ferne nicht genau und zuverlässig sagen.
Wenn ich Recht habe, ist „Wie kommt sie dahin?“ die nächste Frage, die sich stellen wird: Nimmt man den Weg über den Ärztlichen Notdienst bzw. vielleicht sogar Hausarzt? Versucht man es mit Engelszungen selbst, sie zu überreden? Ruft man gleich den Rettungsdienst, was möglicherweise viel Stress für die Patientin bedeuten könnte, allerdings auch eine durchgehende Überwachung während der Fahrt gewährleisten würde?

Grüße

Danke euch allen!
Ich fühle mich etwas beruhigt. Ich weiß, dass für die OP der Gerinnungswert herausgesetzt werden muss, wir hatten das schon bei einer anderen OP und bei einer „blutigen“ Zahnbehandlung. Ich dachte nur, wenn ihr geschädigtes Herz dünnflüssiges Blut braucht, damit es sich nicht so anstrengen muss und damit die Adern nicht verstopfen, könnte ein Wert von 110, den z.B. der Zahnarzt für eine Extraktion sämtlicher Zähne nicht verlangt hat, bevor er tätig wird, etwas zu hoch sein.

Die Medikamente werden sich nicht reduzieren. Ich betreue sie schon seit etlichen Jahren, habe ihre Medis immer scharf im Auge, weil es da ärztlicherseits schon Patzer gegeben hat, aber es läuft immer wieder auf dasselbe Programm hinaus. Was das Spritzen angeht - weil sie so lange schon das Heparin bekommt, war ihr gesamter Bauch schon ein einziger Bluterguss, als sie aus dem Krankenhaus kam. Ich versuche jetzt, langsam zu spritzen, damit es nicht noch schlimmer wird, aber wenn ich das sehe, wird mir immer ganz elend …

Hoffen wir das Beste für Schwiegermutter!

Danke & Gruß,
Eva

Halli!
Ich will gar nicht „rennen“ - das klingt so, als wäre ich hysterisch oder wollte mir keine Arbeit machen und die arme Frau im Krankenhaus deponieren, um sie los zu sein.

Wie oben erwänt, nimmt sie das Maecumar wegen eines sehr schwachen Herzens und geschädigter Adern, sie hat auch eine 50%ige Verengung der Halsschlagadern, ganz zu schweigen von allen möglichen sonstigen Malessen.

Mir kam es angesichts des Quick-Wertes so vor, dass man womöglich den Teufel mit Beelzebub austreibt: Man bereitet sie auf eine Gallen-OP vor und bevor’s dazu kommt, kriegt sie wegen des hohen Quick einen Herzinfarkt. Aber die Ärzte werden’s schon wissen …

Gruß,
Eva

Hallo Liete,
ich glaub, wir sind auf einer Linie. Meine Bestärkung, den Notdienst (oder Hausarzt oder wenn auch immer) zu holen, bezog sich auch nicht auf den Quickwert, sondern auf die ebenfalls geschilderten anderen Symptome. Da muss man als pflegender Angehöriger seinen Schützling unter Umständen … naja … halt doch schon mal entmündigen, wenn du es so sagen willst. Eine Gradwanderung, das ist mir vollkommen klar. Das muss unsere arme Fragestellerin natürlich selbst entscheiden. Eine saublöde Situation, aber manchem Leiden zuschauen kann man doch auch nicht, oder? Grad bei Herzgeschichten. Ich bin jedenfalls froh, wenn’s bei uns wie jetzt gerade gut läuft.

Bleibt alle gesund!
Barbara

Hallo!
Sonntag den Krankenwagen gerufen, auf eigenen Wunsch von SchwieMu! Sie hatte schon seit zwei Tagen Teerstuhl, ohne mir davon etwas zu sagen, und musste zwei Transfusionen bekommen. Man hat dann nach mehreren Magenspiegelungen festgestellt, dass ein zur Entfernung der Gallensteine nötiger Schnitt an der „Papille“ vermutlich durch das Heparin zu bluten begonnen hatte. Situation war schon etwas kritisch …

Bei Entlassung heute heißt es, noch eine Woche weiter spritzen, ruhig - Aussage Ärztin - weiter in den Bauch, Aussage Krankenschwester: Auf keinen Fall in den Bauch, in die Beine. Morgen gehen wir zum Hausarzt wegen neuenm Quick, bin mal gespannt, was der sagt, ho, ho, ho.

Von wegen Entmündigung: Pflegende oder auch „nur“ betreuende Angehörige stehen immer vor dieser Frage: Tue ich zu viel oder tue ich zuwenig. Und irgendeiner kommt garantiert und sagt: „Du hättest aber doch …“ oder „Das hättest Du aber nicht blablabla …“

Gruß,
Eva