Ich habe das Buch Evolutionäre Psychologie von David M. Buss gelesen und fand es faszenierend. Ich bin was Psychologie angeht alles andere als auf dem neusten Stand und wüßte gerne von den Forumnutzern was sie von der Evolutionäre Psychologie halten und besonders wichtig ist mir die Meinung der Psychologen hier im Forum. Wie verändert die Evolutionäre Psychologie die Arbeit eines Psychologen der „alten Schule“ ? Sind die bisherigen Ansätze noch haltbar angesichts der EP ? Rotiert Freud auf seiner Couch ? 
Hallo Peter!
Evolutionäre Psychologie mag ansprechend sein, da sie eine einheitliche Erklärung für viele psychische Phänomene bereitstellt. Ihren Erklärungsansatz beweist sie jedoch nicht. Die Evolutionstheorie erklärt die Artentstehung des Menschen und seines Gehirns. Damit ist aber keineswegs alles festgelegt: man darf den Faktor Umwelt nicht vernachlässigen. Unsere Umwelt hat sich stark verändert. Ihr Einfluss auf die Individualentwicklung des Menschen ist somit ebenfalls stark verändert. Dies stellt die Reduktion auf die biologischen Grundlagen infrage. In diesem Sinne steht sie mit Freuds Psychoanalyse auf einer Stufe. Diese beruht ebenfalls nicht auf empirischen Erkenntnissen. Mit wissenschaftlicher Psychologie hat weder Freud noch überspannte Evolutionspsychologie nichts zu tun. Ich will nicht ausschließen, dass es auch seriöse Evolutionspsychologie gibt, in der populärwissenschaftlichen Darstellung spiegelt sich dies m. E. nicht.
Ciao,
Falk
Hallo Peter,
zuerst einmal arbeiten Psychologen der „alten Schule“ oder der „neuen Schule“ nicht nach Freud. Die von Freud begründete klassische Psychoanalyse hat zwar die Forschung in einigen Teildisziplinen der Psychologie angeregt, dennoch hat die Psychoanalyse für die Psychologie nur eine Randbedeutung. Eine solche Randbedeutung hatten evolutionsbiologische Ideen in der Psychologie lange Zeit ebenfalls. In den letzten Jahren hat es allerdings eine Veränderung gegeben. Evolutionsbiologische Ansätze spielen in der Psychologie heute eine größere Rolle als früher.
Hier der Link zu einer Abhandlung des Psychologen W.-U. Meyer über die Geschichte der Evolutionären Psychologie:
http://www.uni-bielefeld.de/psychologie/ae/AE02/LEHR…
Persönlich bin ich der Meinung, daß die Grundprinzipien der Evolutionsbiologie zur Erklärung menschlichen Verhaltens und Erlebens nützlich sein können. Man kann diese Prinzipien in Theorien über menschliches Verhalten und Erleben einfließen lassen und die Theorien bzw. aus ihnen abgeleitete Hypothesen empirisch prüfen. Dann wird man sehen, ob und inwieweit die Theorien zu Erkenntnissen über menschliches Verhalten und Erleben führen.
Übrigens behauptet die Evolutionsbiologie nicht, daß alles angeboren ist. Umwelteinflüsse spielen selbstverständlich eine Rolle.
Beste Grüße,
Oliver Walter