Rabattgesetz fällt - was tun?

Deregulierung ist was Schönes. Es war sicherlich längst überfällig, das Rabattgesetz abzuschaffen. Es muss ja nicht alles vom Staat geregelt werden, was Kunden und Anbieter unter sich ausmachen können.
Aber was nun? Sollten wir als Kunden nun überall und bei jedem Produkt, bei jeder Dienstleistung handeln und feilschen? Ist es wirklich „smart“, das optimale Produkt mit der Superauswahl und Spitzenberatung zum niedrigsten Preis erwerben zu wollen?
Hier einige Anmerkungen aus Sicht eines Verbrauchers, der längerfristig denkt:
Die Gewinnspanne im Facheinzelhandel liegt bereits heute im Durchschnitt bei 2,5 % vor Steuern. Ganz leicht zu rechnen: Von 100 Mark geht schon mal die Hälfte für den Einkauf ab, weitere 15 - 25 Mark für die Personalkosten, 16 für die Mehrwertsteuer. Bereits jetzt sind nur noch ca. 10 - 20 Mark übrig. Davon gehen noch Ladenmiete, Energiekosten, Versicherungen etc. ab - und es ist noch keine einzige Mark für Umbauten und Renovierungen zurück gelegt worden. Die übrig bleibenden DM 2,50 sind also kein Phantasiewert, sondern harte Realität.
Dass aus den Innenstädten immer mehr alt eingesessene Geschäfte verschwinden, hat genau mit dieser Situation zu tun. Der kleine Händler, der über Jahre eine intensive Nähe zu seiner Kundschaft aufgebaut hat, kommt durch die steigenden Kosten und den Wettbewerb mit großen Ketten immer mehr unter Druck und gibt schließlich auf. Neugründungen sind extrem oft bereits nach einem Jahr pleite.
Die Ketten nutzen den Vorteil, durch Einkauf von großen Mengen Druck auf die Industrie ausüben zu können. Das wiederum vernichtet bei den Herstellern permanent Arbeitsplätze, weil deren geringere Erlöse durch Rationalisierung aufgefangen werden.
Die Ketten wiederum müssen expandieren, weil sie durch ständig neue Gründung von Filialen gegenüber dem Finanzamt Verluste produzieren. Es werden also keine Steuern gezahlt - und wir Verbraucher müssen die öffentlichen Leistungen allein finanzieren.
Das Ende vom Lied für uns Kunden:
· Anonyme Innenstädte, die überall gleich aussehen.
· Läden, in denen kaum mehr Personal zu finden ist.
· Geschäfte, die zwar „billig können“, aber keine Beratung anbieten.
Wir sollten also bei unserem nächsten Einkauf genau überlegen, ob wir uns einen Gefallen damit tun, zu feilschen. Möglicherweise schneiden wir uns damit ins eigene Fleisch. Ich jedenfalls möchte auf kompetente Beratung in Deutschland nicht verzichten.
Dass uns oft andere Länder als Beispiel vorgehalten werden, hat ja vor allem damit zu tun, dass dort MitarbeiterInnen im Handel ausgebeutet werden und für Hungerlöhne arbeiten. Natürlich ist in den USA und in südlichen, von der Sonne verwöhnten Ländern die Freundlichkeit mentalitätsbedingt größer - aber haben Sie schon mal versucht, dort technisch präzise Auskunft über ein Produkt zu bekommen? Da lobe ich mir unser duales Ausbildungssystem, das uns Verbrauchern FachverkäuferInnen mit ausgeprägter Beratungskompetenz beschert. Dass die manchmal etwas oberlehrerhaft rüberkommt, daran sollte allerdings gearbeitet werden.
Nur, wenn wir als Kunden nichts anderes mehr im Sinn haben, als den Verkäufern/innen zu signalisieren, dass wir ihren Arbeitsplatz bedrohen (weniger Geld in der Kasse führt bei den Unternehmen zu einer einzigen Reaktion: Drehen an der Personalschraube), dann müssen wir uns über einen Mangel an Begeisterung nicht wundern.
Burkhard Treude, Dortmund

Deregulierung ist was Schönes. Es war sicherlich längst
überfällig, das Rabattgesetz abzuschaffen. Es muss ja nicht
alles vom Staat geregelt werden, was Kunden und Anbieter unter
sich ausmachen können.

Hallo Burkhard,

es wird nicht funktionieren, um den Zipfel Wurst bei Aldi zu feilschen. In allen Kaufhausketten hat das für den Kunden präsente Personal keine Befugnisse, Preisverhandlungen zu führen. Im Ausnahmefall wird ein Vorgesetzter herbeigerufen und ansonsten beißt der Feilschfreudige auf Granit.

Es gab aber schon immer Bereiche, wo die Feilscherei funktionierte. Beispiel ist der Kfz-Handel. Dort hat sich wohl kaum jemand an die 3%-Grenze des Rabattgesetzes gehalten. Das Kind hieß nur anders. Es war der „Hauspreis“ und wenn man sich nicht einig wurde, waren eben Klimaanlage oder Radio gratis. Nach dem Einkauf beim Herrenausstatter jenseits der 500 oder 1000 Mark ließ sich schon immer über den Preis reden. Natürlich geschah das nicht im Beisein unbekannter Zeugen. In den Preisen solcher Händler ist durchaus etwas Luft, die Kunden wissen das auch und wer den Laden betritt, kommt nicht mit dem Vorsatz, ein Hemd vom Grabbeltisch für 9,95 DM zu kaufen. Da gibt es kein Gewühle, keinen Radau, keine Lauferei, da ist ein Verkäufer mit sicherem Blick und viel Zeit. Das alles ist für manchen Motivation genug, auch nach Abzug eines Rabatts etwas mehr anzulegen.

Wer wirklich den letzten Zehnmarkschein herausquetscht, muß eben den E-Herd selbst transportieren und selbst die Verpackung entsorgen. Im Fachhandel für nur marginal mehr Geld wird der Herd fix und fertig angeschlossen und der Kunde braucht sich um nichts zu kümmern. Kein Mensch hat sich da je um das Rabattgesetz geschert. Dem Kunden wurde im Preis entgegen gekommen und trotzdem hat er novh etwas mehr als im Mitnahmemarkt ab Palette bezahlt. Natürlich, denn die Dienstleistung muß bezahlt werden.

Es gibt andere Bereiche, die in der Grauzone zwischen privatem und gewerblichen Bedarf liegen, z. B. im Baustoffhandel. Da wurde schon immer gefeilscht wie auf dem Basar.

Es wird sich also nichts ändern. Die übliche Praxis wird nur legalisiert und den Abmahnern das lausige Geschäft verdorben.

Gruß
Wolfgang

Es wird sich also nichts ändern. Die übliche Praxis wird nur
legalisiert und den Abmahnern das lausige Geschäft verdorben.

Genau so ist es! Natürlich nur die diejenigen, die sich in der Vergangenheit auch zu feilschen trauten! Was nun kommt, ist für jeden Sparfuchs ein Greuel! Da versuchen Feilschamateure überspitzt beim Aldi drei Pfenninge herunterzuhandeln und vesauchen uns „Profis“ die Tour. Ich denke aber, daß alle Geizkrägen auch nach dem Wegfall des Rabattgesetzes sich erfolgreich durchsetzen können. Wie lernte ich schon in meiner Lehrzeit?

  1. Im Einkauf liegt der halbe Gewinn
  2. A bißerl geht immer!

Ergänzen will ich noch, daß sogar Konzerne, wenn man es geschickt genug anstellt, auch zu Kompromissen bereit sind. Immerhin habe ich meine Stromkosten, ohne Wechsel zu einem anderen Anbieter, um ca. 15% gesenkt. Auch zwischen dem Angebot und dem Abschluß des neuen Kreditvertrages, Zinsbindungsfrist ist abgelaufen, für meine Hütte liegt eine Differenz von ca. 80 DM/monatlich (aus dem Internet habe ich mir die aktuellen Wettbewerberzinsen herausgesucht). Meinem Heizölhändler kommt ohnehin schon das kalte Grausen, wenn ich ihn anrufe.

hallo,
du sprichst mir aus der seele !
ich habe in einem kleinen stadtteil von hamburg einen kleinen laden. seit 25 jahren !
war früher überhaupt kaum ein laden anzumieten, stehen hier heute 12 läden leer.
der stadtteil verliert immer mehr an attraktivität.
nur, den trend zu den grossen konzernen werden wir einfach nicht aufhalten können.
der kleine laden um die ecke, gleich welcher art, ist ein noch lebender dinosaurier dessen stunde aber schon geschlagen hat.
leider.

gruss
Blackbook

hallo,
du sprichst mir aus der seele !
ich habe in einem kleinen stadtteil von hamburg einen kleinen
laden. seit 25 jahren !
war früher überhaupt kaum ein laden anzumieten, stehen hier
heute 12 läden leer.
der stadtteil verliert immer mehr an attraktivität.
nur, den trend zu den grossen konzernen werden wir einfach
nicht aufhalten können.
der kleine laden um die ecke, gleich welcher art, ist ein noch
lebender dinosaurier dessen stunde aber schon geschlagen hat.
leider.

Hallo,

das stimmt sicher. Die Masse des Geschäfts für die Masse läuft eindeutig auf die großen Ketten zu, bzw. ist längst dort. Dieser Konzentrationsprozeß ist in vielen anderen Bereichen in ähnlicher Weise vorhanden. Dennoch gibt es in jeder Branche die Nischen für den Spezialisten. Wo man das Gesuchte nicht von der Stange kaufen kann, wo Sachkenntnis und Beratung gefragt sind, wo spezielle und persönliche Kenntnis der Kunden erforderlich ist.

Du kannst Deine Kunden nicht mit einem Präsenzangebot wie bei der Thalia-Buchhandlung locken. Aber Du kennst Dein Umfeld und kannst über Sachkenntnis vieles ausgleichen. Du kannst Dich ferner in einer Ecke des Ladens spezialisieren. Ich kenne z.B. einen Buchhändler, der ein großes Angebot polnischer und russischer Literatur vorhält (in HH leben viele Polen und Russen). Daran kann und will z.B. Thalia nicht rütteln. Nicht einmal Amazon hat auf dem Spezialgebiet auch nur den Schatten einer Chance.

Es ist unsinnig, den Großen das Geschäft als Billigheimer abjagen zu wollen. Laß denen die 08/15-Sachen. Dabei ist es egal, womit Du handelst oder welche Dienstleistung oder welches Produkt Du anbietest. Es muß nur eine Nische ausfüllen. Mehr als Fachkenntnis, Phantasie, Lust zur Sache und professionelles kaufmännisches Geschäftsgebaren brauchst Du nicht. Dann werden die Kunden über kurz oder lang von den Großen zu Dir geschickt, sobald es um die Spezialität geht. Ich kann Dir Beispiele aus verschiedenen Branchen namentlich benennen, wo dieses Rezept hervorragend funktioniert und zu harter Wettbewerb oder verfallende Preise einfach keine Themen sind.

Deshalb kann ich das Gejammere des Einzelhandels nicht mehr hören. Da betreiben Leute einen Laden neben Karstadt oder Minimal, handeln mit den gleichen Dingen, nur mit reduzierter Auswahl und teurer. Ja liebe Güte, da treibts den Kunden doch nur aus Mitleid hin. Da ist etwas mehr Beweglichkeit gefragt und dann stören die Großen auch weiter nicht.

Gruß
Wolfgang

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hallöle,

ich kennne nun beide seiten weil ich selber geschäftlich tätig bin. meine kunden wissen das sie bei mir nicht auf dem indischen bazar sind und versuchen jetzt und wohl auch in zukunft nicht zu „rabattieren“, die anderen erziehe ich auch noch.

auffällig ist, das viele klienen läden eines nochimmer nicht begriffen haben, nämlich das sie kunden über service ködern könnten.
ein bisserl freundlichkeit und ein handschlag mehr wirklt manchmal wunder.
wir haben bei uns hier einen kleinen buchladen der malerisch Holzapfel heisst.
irgendwann ging ich in den laden weil mir das kleine eh lieber ist.
ich besaß aber die frechheit nach einem äthiopischen kochbuch zu fragen.
kommentar der EIGENTÜMERIN: gibs nicht!
ich frage, wie, gibts nicht. gibts wirklich nicht oder haben sie nicht?
sie dann: nee, gibts nicht!
schaut mich von oben nach unten an, ich fühl mich unwohl und gehe.
40 meter weiter ein grosser kiepert buchhandel.
ich wage es nochmal, gehe rein und frage nach einem äthiopischen kochbuch.
die antwort: moment, ich schaue mal in den computer.
aha, da ist es, aber nur auf englisch. soll ich es mal zur ANSICHT kommen lassen?
klar! sehr nett! ich schaue es mir gerne an…

was lernen wir daraus? die grösseren habens gelernt, die kleinen leider oft nicht und daher bleiben sie auf der strecke!

gruß

sonja

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