Raben aufm Acker

Hallo zusammen
Ich hoffe mal, daß ich hier richtig bin…
Jedes Jahr im Herbst kommen bei uns in Rheinhessen Raben über den Feldern/Wingerten zusammen und bleiben in der Umgebung bis zum Frühjahr. Meine Frage: Wo sind die Tiere denn den Sommer über? Sind das auch Zugvögel, die den Winter bei verbringen?

Danke für Eure Antworten!

Gruß

Weikko

Hallo, Weikko,
das sind keine richtigen „Raben“ sondern wohl eher Saatkrähen (die allerdings zu den Rabenvögeln gehören).
Saatkrähen sind Teilzieher. Im Herbst sammeln sie sich zu Schwärmen. Sie überwintern in West- und Südeuropa. Vor allem in der Zeit zwischen Mitte Oktober und Mitte November erscheinen in der Bundesrepublik Deutschland Zuzügler aus Nord- und Osteuropa, in oft großen Scharen.
(entnommen aus http://www.uvm.baden-wuerttemberg.de/nafaweb/bericht… )
Grüße
Eckard.

Hallo Weikko

Auch ich stamme aus Rheinhessen und ich kenne diese Vogelschwärme seit immer. Zunächst muß man sagen, daß das Oberrheingebiet mit seinen milden Wintern eine Menge Vögel anlockt. Das hat seit za. acht Jahren stetig zugenommen. So kannst Du mit etwas Glück und gutem Fernglas ab November am Rheinufer zum Beispiel Fisch- und Seeadler bewundern.
Die Rabenschwärme setzen sich aus bis zu 250 Tieren zusammen. Der Lövenanteil liegt bei den Rabenkrähen und Saatkrähen. Festlegen kann man sich da noch nicht, da junge Saatkrähen nicht aus der Entfernung ohne weiteres von Rabenkrähen zu unterscheiden sind. Ältere Saatkrähen sind aber auch zu finden, ebenso wie Rabenkrähen. In fast allen Fällen befinden sich Dohlen unter den Schwärmen. Und jedes Jahr gesellen sich auch ein paar Kolkraben dazu.
Rabenkrähen und Dohlen brüten bei uns im Sommer vereinzelt bzw. in kleinen Kolonien und fallen wenig auf (zB. Dohlenkolonie im Sprendlinger Kirchturm). Sie sind Strichvögel, das bedeutet, daß sie im Winter in die nahegelegensten Warmgebiete wandern. Saatkrähen brüten in großen Kolonien. Die Unsrigen kommen von Osten, teilweise sogar aus Polen, man könnte sie daher durchaus als Zugvögel bezeichnen.
Die Kolkraben in Rheinhessen stammen größtenteils aus dem Schwarzwald. Im Winter wandern sie den Oberrhein hinauf und hinunter. Ab und zu findet man in den Schwärmen auch Elstern. Die bleiben aber vor Ort.
Übrigens: Zu dieser Jahreszeit sperren alle Schäfer (ja, Richtung Rockenhausen gibt es noch welche) ihre Schafe ein, aus Angst vor den Krähen. Die holen sich tatsächlich mal das ein oder andere Schaf - vor Ostern…

Gruß

Andreas

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Übrigens: Zu dieser Jahreszeit sperren alle Schäfer (ja,
Richtung Rockenhausen gibt es noch welche) ihre Schafe ein,
aus Angst vor den Krähen. Die holen sich tatsächlich mal das
ein oder andere Schaf - vor Ostern…

das ist ein Ammenmärchen.
Raben gehen hin und wieder ein im Sterben begriffenes oder totes Schaf oder Lamm an, aber kein gesundes.
Oft sitzen sie auch auf dem Rücken der Schafe und picken ihnen Ungeziefer aus dem Fell.
jima

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Hallo Jima

Irgendwie wußte ich daß dieses Argument ja von irgendwoher kommen mußte.Also: Das ist kein Ammenmärchen! Ich habe es gesehen! Ein Schäfer aus Dielkirchen (Kreis Rockenhausen) rief letztes Jahr im März um Hilfe, da er ständig tote Lämmer fand: Augen ausgepickt, Darm ausgezogen und alle anhängenden Organe gefressen, oft auch der Bauchraum geöffnet. Der Schäfer bat den Revierpächter, eine Krähe zu schießen, um diese auf einem Stab als Abschreckung zu binden.
In Rheinland-Pfalz sind Rabenkrähen bis zum 15.3. freigegeben, da es späterer März war, mußte der Schäfer enttäuscht werden. Auch ich war bis dahin skeptisch, ob Rabenkrähen lebende Schafe angreifen. Tatsächlich lagerten um die Schafherde immer zwischen 50 und 150 Vögel, hielten aber immer Abstand, solange ein Schäfer und die Hunde in der Nähe waren. Der Revierpächter schickte einen Förster und mich zum „Ansitz“, um zu sehen, was Sache war. Als der Schäfer und seine Hunde verschwunden waren, stiegen etwa 60 Rabenkrähen auf und näherten sich einem Schaf mit Lamm. Der Großteil von ihnen beschäftigte das Mutterschaf, indem sie dem Tier auf den Rücken sprangen und pickten, oder vor ihm herflatterten. Die Übrigen versuchten das Lamm weg zu drücken. Nach einiger Zeit gelang ihnen dies, das Lamm viel um und sofort hackten sie die Augen aus und gingendaran, am After die Därme heraus zu reißen. Bisher hatte ich das nur bei Geiern gesehen. Sobald das Lamm tot war, wurde das Mutterschaf nicht mehr belästigt. Es machte auch keinen Versuch, die Vögel von dem Lamm zu verscheuchen, das recht schnell gestorben war.
Zwei Wochen später berichtete der Schäfer von einem ähnliche Zwischenfall in einer anderen Herde, bei dem das Mutterschaf beide Augen verlohren hätte.
Ich möchte nicht behaupten, daß Rabenkrähen irgendwie „böse“ seien und deswegen alle geschossen werden müßten, im Gegenteil! Aber immer nur „Friede, Freude, Eierkuchen“ kann zum Gegenteil einer gewünschten Meinung führen. Wenn man in diesem Fall den Schäfer nicht ernst genommen hätte, hätte er wohl mit dem Luftgewehr alles an schwarzgefiedertem Vogel beschossen, was ihm in die Quere gekommen wäre.

Gruß

Andreas

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Hallo Andreas,
ich will dir ja nicht absprechen, dass du etwas in der Art gesehen hast, habe aber noch ein paar Zweifel.

Der Revierpächter
schickte einen Förster und mich zum „Ansitz“, um zu sehen, was
Sache war.

Nur nebenbei gefragt: was machst du von Beruf und warum wurdest du auf den Hochsitz gebeten?

Als der Schäfer und seine Hunde verschwunden waren,
stiegen etwa 60 Rabenkrähen auf und näherten sich einem Schaf
mit Lamm. Der Großteil von ihnen beschäftigte das Mutterschaf,
indem sie dem Tier auf den Rücken sprangen und pickten, oder
vor ihm herflatterten. Die Übrigen versuchten das Lamm weg zu
drücken. Nach einiger Zeit gelang ihnen dies, das Lamm viel um
und sofort hackten sie die Augen aus und gingendaran, am After
die Därme heraus zu reißen.

Hm, weisst du ganz sicher, dass das Lamm nicht krank war oder besonders schwaechlich?

Sobald das Lamm tot war, wurde das Mutterschaf
nicht mehr belästigt. Es machte auch keinen Versuch, die Vögel
von dem Lamm zu verscheuchen, das recht schnell gestorben war.

Vielleicht war wirklich etwas mit dem Lamm nicht in Ordnung.

Ich möchte nicht behaupten, daß Rabenkrähen irgendwie „böse“
seien und deswegen alle geschossen werden müßten, im
Gegenteil! Aber immer nur „Friede, Freude, Eierkuchen“ kann
zum Gegenteil einer gewünschten Meinung führen.

Also, ich kann nicht sagen, dass es das nicht gibt, wenn du mir sagst, dass du es gesehen hast. Ich glaube dir erstmal. Vielleicht ist es sogar so, dass sich einige Raben bzw Rabenkraehenschwaerme darauf spezialisiert haben SChafe anzugehen. Raben sind sehr gelehrig und sozial, sie geben „Traditionen“ oft von Generation zu Generation weiter.
Es kann also sein, dass es Schwaerme gibt, die das tun und andere die das nie tun wuerden.

Andererseits erkennen auch Tiere oft viel schneller ob ein anderes Tier eine Macke hat oder krank ist. Solche Tiere werden meistens ausselektiert bzw Beute von anderen.

vg jima

Hallo Jima

Zweifen ist durchaus erlaubt und Du bist nicht die erste Person, die das nicht glauben konnte. Auch ich war lange Zeit skeptisch, wußte aber über meine Mutter schon recht viel über die Intelligenz von Rabenvögeln (sie hatte u.a. über 20 Jahre eine zahme Dohle).
Beruflich: Ich studiere im achten Semester Biologie (Zoo, Botanik, Palaeontologie), arbeite seit 11 Jahren aber nebenbei für ein Forstamt. Zudem bin ich seit Mai ´99 im Besitz eines Jagdscheines.
Um etwahigen Vorurteilen vorwegzugreifen: Ich habe keine Probleme damit, daß es in Deutschland viele Tiere gibt, die andere Tiere fressen. Ich bin für eine Wiedereinbürgerung von Luchs und Wolf und gönne Wildkatzen, Uhus und Füchsen durchaus das ein oder andere Reh (auch das kommt immer wieder vor und ist kein Ammenmärchen).

Zum Ansitz wurde ich gebeten, dader Förster einen Zeugen haben wollte. Und mich hatte das auch interessiert. Dabei sitzt man nicht auf einem Hochsitz sondern in einem getarnten Unterstand.

Das Lamm machte auf mich keinen schwachen Eindruck. Allerdings sind Lämmer, insbesondere die jungen im März immer schwach und wehrlos.

Das Argument, daß sich einige Rabenkrähenschwärme so verhalten, andere nicht, leuchtet ein. Das gibt es auch bei anderen Tiergruppen (z.B. Schwertwale, Walrosse).

Interessant wäre es herauszufinden, ob die zuständigen Landesumweltschutzbehörden Ausgleichszahlungen in derartigen Fällen leisten (bei Luchsen tuen sie es). Immerhin hat die Landesregierung Rheinland-Pfalz Rabenkrähen und Elstern mit definierten Schonzeiten zum Abschuß freigegeben. Der Grund war hier eine drastische Abnahme des Singvogelbestandes in Gegenden mit hohen Elstern- und Rabenkrähenpopulationen. Das soll aber nicht heißen, daß jede Elster oder Krähe abgeschossen werden müßte, was praktisch auch nicht möglich ist.

Grüße
Andreas

Hallo Andreas,

Immerhin hat die
Landesregierung Rheinland-Pfalz Rabenkrähen und Elstern mit
definierten Schonzeiten zum Abschuß freigegeben. Der Grund war
hier eine drastische Abnahme des Singvogelbestandes in
Gegenden mit hohen Elstern- und Rabenkrähenpopulationen.

hm, das ist wieder ein anderes Thema, bei dem ich auch schon ganz andere Argumente gelesen habe. Untersuchungen zufolge sind Kraehen und Elstern nicht schuld am Rueckgang (anderer) Singvoegel. Sondern die Kultivierung der Landschaft durch den Menschen. Voegeln werden die Nistmoeglichkeiten knapp und sie finden immer weniger gute Plaetze fuer ihre Brut.

Ich habe hier ein paar Quellen, auf die ich mich berufe:

http://www.ijon.de/elster/bestand.html
http://www.oejv.de/positionen/rabenvoegel.htm (unter Singvoegel)
http://www.nabu.de/m05/m05_03/00520.html

Das
soll aber nicht heißen, daß jede Elster oder Krähe
abgeschossen werden müßte, was praktisch auch nicht möglich
ist.

der Quelle des Nabu zufolge ist es auch sinnlos.

viele Gruesse, jima

Hallo Jima

Danke für die Links. Das sind halt Themen, da kann man mit begeisterung Stunden lang drüber diskutieren und kommt doch zu keinen Ergebnissen, bzw. die Untersuchungen wiedersprechen sich zum Teil gewaltig. Dazu trifft man oft auf gegenseitige Grundsätze, die schwer zu überbrücken sind.
So, jetzt muß ich aber weiter umziehen.

viele Grüße

Andreas

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