Radiaktiver Schnee ?

Hallo ,
Hier in Süddeutschland hat es die letzten Tage ordentlich geschneit.
Gestern Nacht hat nun in der Firma meines Vaters (Schrotthandel)
der Radioaktivitäsdetektor auf ein Kobaltisotop angeschlagen.
Die Bilder der Überwachungskamera zeigen nur Schneegestöber,
keine Terroristen o.ä :smile:
Nun fragen wir uns, wie sowas zustande kommt.
Klar, wenn da 20 cm Schnee rumliegen strahlen die sicher,
da in der Luft etliche radioaktive Isotope vorkommen und
in 10 km Entfernung ein Kohlekraftwerk ist und sicher etwas im
Schnee hängen bleibt.
Hat jemand schonmal ähnliches erlebt?
Oder doch eine einfache Funktionsstörung ( die bei einer 80k€-
Anlage wegen etwas Schnee ja eigentlich nicht auftreten sollte).

MfG

Kontext!?
Hallo

der Radioaktivitäsdetektor auf ein Kobaltisotop angeschlagen.

Üblicherweise meldet ein Radioaktivitätsdetektor irgendwas mit Radioaktivität. Dass dese Dinger gleich eine chem. Analyse der Quelle machen ist mir neu.
Wie heisst das Teil, wer ist der Hersteller?

Nun fragen wir uns, wie sowas zustande kommt.

Ich auch.

Klar, wenn da 20 cm Schnee rumliegen strahlen die sicher,
da in der Luft etliche radioaktive Isotope vorkommen und
in 10 km Entfernung ein Kohlekraftwerk ist und sicher etwas im
Schnee hängen bleibt.

Hm, mag sein, dass Kohlekraftwerke total super-böse sind, aber auch hier ist es mir neu, dass sie ihre Umgebung mit radioaktivem Kobalt verseuchen.

Oder doch eine einfache Funktionsstörung ( die bei einer 80k€-
Anlage wegen etwas Schnee ja eigentlich nicht auftreten
sollte).

Wieso befindet sich auf einem Schrottplatz ein Radioaktivitätsdetektor in dieser Preisklasse?
Wenn das Teil so teuer war, dann gbts sicher Service / Hotline wo man mal nachfragen kann.

Danke für weitere Hintergründe,

Stefan

Hallo,
Den genauen Typ kenne ich nicht, kann ich aber in
Erfahrung bringen.
Ist auf jedenfall ein Detektor, der
die Energie der einfallenden Strahlung messen kann
und so Rückschlüsse auf das strahlende isotop
zulässt.Kann dir auch neu sein, das Gerät ist ein
halbes Jahr alt, ich hab sowas davor auch erst in einer
Physik-Vorlesung gesehen, die ist allerdings schon Jahre her.
Auf jeden Fall sieht man auf dem zugehörigen Monitor verschiedene
„Kanäle“, denen Strahlungsquellen zugeordnet sind.

Ich schieb es nunmal auf das Kohlekraftwerk, da diese ja bekanntermaßen
einiges in die Atmossphäre pusten, eben alles was davor in der
Kohle war und nicht in den Filtern hängen bleibt.

Der Schrottplatz braucht den Detektor aufgrund der lieben EU.
Es handelt sich quasi um eine Durchfahrtsschleuse für LKW´s.

Und die Dinger sind eben teuer.

MfG

Üblicherweise meldet ein Radioaktivitätsdetektor irgendwas mit Radioaktivität. Dass dese Dinger gleich eine chem. Analyse der Quelle machen ist mir neu.
Wie heisst das Teil, wer ist der Hersteller?

Hallo Stefan, Füsigä!

Jede bessere Strahlungsüberwachung nutzt selbstverständlich Gammaspektroskopie, um das strahlende Nuklid zu identifizieren. Co-60 ist dabei eine der einfachsten Übungen, weil es eine sehr gute Signatur zeigt (2 Gamma-Linien bei 1,17 MeV und 1,33 Mev) - das hat eigentich jeder Physik-Student mal im Praktikum gemessen …
Gruß Kurt

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Hallo Diggi,
also Schnee mit Co-60 ist unwahrscheinlich, ebenso ein Kohlekraftwerk.
Aber es kommt immer wieder vor, dass C0-60 Quellen (z.B. aus der Medizin) irgendwo auf der Welt „versehentlich“ in einem Hochofen landen. Das ist genau der Grund, warum das im Schrotthandel überhaupt überwacht wird.
Der letzte Fall dieser Art ist erst ein paar Tage alt:
http://weser-ems.business-on.de/funde-von-radioaktiv…

Kann es sein, dass Ihr einen Teil dieser Charge abbekommen habt ? Wo ist denn der Schrottplatz ? (Kannst mir ja per Mail antworten)

Gruß Kurt

Nunja, das Problem ist eben dass der Alarm um 3 Uhr nachts auftrat
und nach dem Sichten der Überwachungsbänder war klar, dass zu dieser
Uhrzeit niemand an der Messeinrichtung vorbeiging :smile:

Hallo,

das finde ich ja spannend und hochinteressant! Man hat einfach ein falsches Bild, wenn man an „Schrottplatz“ denkt.
Wenn man nachdenkt, Logisch, es werden ja täglich hunderte von Lastwagenladungen von Altmetall aus Osteuropa und Russland angeliefert. Da könnte man leicht Radionuklide oder spaltbares Material schmuggeln. Daß Schrottplätze einen Gammaspektrografen haben müssen, wußte ich nicht.

Jedenfalls mangelt es einem altmetall-verarbeitenden Betrieb nicht an Geld. Das sind moderne Goldgruben. Da sind so ein paar Zehntausend wahrscheinlich Peanuts.

Um auf die eigentliche Frage zurückzukehren: Vielleicht wurde ja irgendwo Kobalt im Schrott freigesetzt? Vielleicht ist der Schnee (Feuchtigkeit, Korrosion, Abkühlung) nur der Auslöser? Vielleicht ist da irgendwo altes medizinisches Gerät verborgen, oder Teile davon?

Hats ja alles schon gegeben…
Ich würde dem nachgehen. Mal mit dem Geigerzähler über den Platz gehen.

Gruß
Moriarty

Hallo Diggi,
ohne das Gamma-Spektrum gesehen zu haben kann man natürlich nichts Genaues sagen. Es könnte ja auch einfach „falscher Alarm“ gewesen sein, also z.B. eine Fluktuation des Nulleffekts, die eben zufällig gerade im Co-60 - Bereich ein paar Counts mehr gemacht hat. Ich könnte mir vorstellen, dass die LKW-Überw.-Anlage sehr empfindlich eingestellt ist. Bei Alarm kann man dann immer noch mal genauer nachmessen. Ist besser als wenn man ein einziges Mal eine kontaminierte Fuhre übersieht.

Eine andere Möglichkeit wäre natürlich, irgendwo auf dem Platz liegt wirklich etwas rum, was Spuren von Co-60 enthält. Vielleicht wurde das kürzlich bearbeitet, oder es rostet so vor sich hin und irgendwie hat der Wind den Staub zufällig Richtung Messanlage geblasen.

Sprich: Man müsste sich die Gammaspektren ansehen!

Wenn’s nur einmal ein statistisch nicht wirklich signifikanter Peak war : vergiss es, Fehlalarm!
Wenn sich aber über längere Zeit die 2 Co-60-Peaks zeigen, dann sollte man der Sache nachgehen!

Gruß Kurt

Also ob jetzt wirklich ein solches Gerät Pflicht ist weiß ich nicht,
es wurde eben eins angeschafft. Eventuell hätte es ein einfacher
Geigerzähler auch getan.
Moderne Goldgruben sind es übrigens nicht. Bzw manchmal schon, im
Moment eher schwarze Löcher :frowning:
Aber, bei allen Kosten die so ein Gerät verursacht: Man muss sich mal
vor Augen halten was EINE Kontamination ausrichten kann. Da liegt z.b.
ein Haufen des schon angesprochenen Edelstahls , gerne mal
mal hundert Tonnen. Rechne mal 2 Euro das Kilo (Gerade eher
weniger …), dann sind es 200k€ , die da rumliegen. Und jetzt lass
das kontaminierte Material mal kleine Späne enthalten, dann ist der
ganze Haufen u.u. wertlos und Entsorgungskosten gibbet auch noch,
von den strafrechtlichen Konsequenzen mal abgesehen. Und wenn dann
auch noch der so beladene LKW einen Unfall verursacht, dann gut Nacht.
So ein Gerät ist bereits mit dem ersten berechtigten Alarm,
den es auslöst, abbezahlt!

Ja, ich werd mir mal die Daten besorgen, interpretieren kann ich
sie glaub ich. Vorrausgesetzt man kommt dran…
Das Analysegerät für Metalle bsp. gibt nur die Bestandteile an ,
die wirklich interessanten (für mich zumindest) Spektrogramme gibt
es aber nur mit Spezial-USB-Dongle.

Ich hätt jetzt halt gedacht solche Vorfälle sind bekannt…

Gerade bei Spiegel-Online gelesen:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,607…