Hallo,
wenn ich das richtig verstanden habe geht es darmu das wohl
jeder seine realität selbst schafft, d.h. wohl auch mit seinen
gedanken und einstellungen irgentwie einfluss darauf nimmt,
lieg ich da richtig?
Ja, im groben ist das o.k. so. Wichtig ist noch, daß für die Konstruktion der soziale Austausch wichtig ist.
was haltet ihr (besonders die psychologen unter euch) davon?
Der Konstruktivismus ist heute besonders in den Erziehungswissenschaften und der Pädagogischen Psychologie en vogue. Früher habe ich mich mit den Thesen von radikalen Konstruktivisten wie Heinz von Förster, Ernst von Glasersfeld und Humberto Maturana auseinandergesetzt. Einige Ideen sind ja ganz nett, aber nicht wirklich herausragend. Ich halte inzwischen vom Konstruktivismus nicht mehr viel. Als radikaler Konstruktivismus führt er sich nämlich selbst ad absurdum. Es gibt dazu einen schönen Artikel von Gerald Zuriff in der Zeitschrift „Behavior and Philosophy“: Against Metaphysical Social Constructionism in Psychology.
http://www.behavior.org/journals_BP/1998/zuriff.pdf (PDF-File)
Was versteht ihr darunter?
Der Konstruktivismus ist keine einheitliche philosophische Strömung, deshalb ist es schwierig, ihn kurz zusammenzufassen. Zuriff charakterisiert den Radikalen Konstruktivismus (er nennt ihn metaphysischen sozialen Konstruktionalismus MSC) u.a. durch folgende Positionen:
Der radikale Konstruktivismus besagt, daß unser Wissen über die Welt eine Konstruktion ist, die durch sozialen Austausch wesentlich beeinflußt ist. Wir Menschen können diese Konstruktionen nicht überwinden, nicht aus ihnen heraustreten und deshalb nicht direkt „die Wahrheit“ über die Welt, wie sie wirklich ist, erfahren. Alles ist Konstruktion. Daher sind auch unsere Wertmaßstäbe, die Logik, die Vernunft, wissenschaftliche Methodik und Sicherheit nur soziale Konstruktionen und ungeeignet, die „Wahrheit“ zu erfahren. Wissenschaftliche Methoden können keine Objektivität garantieren.
Zuriff zeigt in seinem Artikel, daß der Radikale Konstruktivismus letztendlich nur eine weitere Form von Skeptizismus und Solipsismus ist. Beide haben keine praktischen Konsequenzen für unser Leben. Ob sie nun existieren oder nicht - es folgt nichts daraus. Er zeigt auch, welche unsinnigen Behauptungen aus ihm folgen, wenn man ihn konsequent zu Ende denkt.
Kann so einstellung hilfreich sein oder macht sie eher
probleme, oder ist das am ende nur wieder „esogewäsch“?
Man kann Vortragsreisen machen, Bücher verkaufen und sich als tiefsinnigen Denker / Philosophen präsentieren. Das ist zumindest fürs Bankkonto hilfreich. 
Aber ich will damit nicht sagen, daß der Konstruktivismus vollkommen unsinnig ist. Ein paar Ideen sind schon gut.
Gruß,
Oliver Walter