Rätselhafte Vornamen

Hallo.

Zufällig bin ich auf die Namen von zwei Generälen des 1. Weltkriegs gestoßen, die mir aufgefallen sind:

Der erste hieß Karl von Einem gen. von Rothmaler. Ich kann mir es nur so erklären, daß es „genannt von Rothmaler“ heißen soll. Wie kam man zu einem derartigen Namen?

Der andere hieß Graf Anatol von Bredow. In dem Fall war der unübliche Vorname auffällig. Es ist kaum wahrscheinlich, daß im 19. Jahrhundert ein Graf seinen Sohn so einfach Anatol genannt hat. Läßt das auf bestimmte besondere Umstände schließen?

Grüße
Ostlandreiter

Grüß Dich,

Der erste hieß Karl von Einem gen. von Rothmaler. Ich
kann mir es nur so erklären, daß es „genannt von Rothmaler“
heißen soll. Wie kam man zu einem derartigen Namen?

Diese „genannt“ gibt es im Adel und im Bauern-/Bürgertum. Das berühmteste Beispiel dürfte Erich von Lewinsky genannt von Manstein sein. Einfache Erklärung hier: Die Lewinskis haben den Jungen (ihr x-tes Kind) an die kinderlose Schwester der Mutter und deren Mann von Manstein zur Adaption gegeben, damit die Familie nicht ausstirbt.

Bei Bauern und Bürgern gibt es die Formulierung, die genauso in den Papieren steht, ebenfalls, ich kann aber keinen Grund nennen. Vielleicht war es einfach so, dass sie eben so genannt wurden :wink: Mein Ururgroßvater hieß Tiefenbach gen. Dickhut… Wie der wohl aussah…

Der andere hieß Graf Anatol von Bredow. In dem Fall war der
unübliche Vorname auffällig. Es ist kaum wahrscheinlich, daß
im 19. Jahrhundert ein Graf seinen Sohn so einfach Anatol
genannt hat. Läßt das auf bestimmte besondere Umstände
schließen?

Anatol. Das ist leicht zu erklären. Anatol ist der aus Anatolien, was wiederum das griechische Wort für Sonnenaufgang (also das Land im Osten) ist. Übers Griechische ist der Name in einigen slawischen Sprachen populär geworden. Und damit ist auch klar, warum gerade eine preußische Familie diesen Namen wählt. Entweder eine Freundschaft/Verwandtschaft mit Russen oder mit Polen.

Gruß,
Andreas

Hallo!

Der erste hieß Karl von Einem gen. von Rothmaler. Ich
kann mir es nur so erklären, daß es „genannt von Rothmaler“
heißen soll. Wie kam man zu einem derartigen Namen?

Das ist ganz einfach : Dieses genannt „von R.“ kann daher kommen, dass er irgendwo aufgewachsen ist, wo dieser Name zu einem Haus oder Gutshof gehörte.
Ich habe Verwandte, die heißen eigentlich „xxxxken“, genannt „xxxke“.

Der andere hieß Graf Anatol von Bredow. In dem Fall war der
unübliche Vorname auffällig. Es ist kaum wahrscheinlich, daß
im 19. Jahrhundert ein Graf seinen Sohn so einfach Anatol
genannt hat. Läßt das auf bestimmte besondere Umstände
schließen?

Warum das? Anatoli ist ein russischer Name. Und warum soll ein Adeliger, der vielleicht russ. Verwandte hat oder vielleicht dort lebte, seinen Sohn nicht Anatol nennen?

Wenn man an die heutigen Namen der Kinder denkt, kommt einem doch das kalte Grausen. Je nach Film oder Schauspieler oder Musiker, ändern sich auch die beliebtesten Vornamen.

mfgConrad

Hallo Ostlandreiter,

Der erste hieß Karl von Einem gen. von Rothmaler. Ich
kann mir es nur so erklären, daß es „genannt von Rothmaler“
heißen soll. Wie kam man zu einem derartigen Namen?

Wie Conrad schon schrieb, es dürfte ein sog. Haus-, Flur- oder Ortsname sein.

Im Dorf meiner Mutter gabs auch noch Hausnamen.
Die dortigen Bewohner wurden im Dorf und teilweise auch in den umliegenden Dörfern, ja selbst beim Amt mit dem Hausnamen angeredet, der mit dem ‚richtigen‘ Familiennamen meist nichts zu tun hatte.

Gandalf

hi,

Der andere hieß Graf Anatol von Bredow. In dem Fall war der
unübliche Vorname auffällig. Es ist kaum wahrscheinlich, daß
im 19. Jahrhundert ein Graf seinen Sohn so einfach Anatol
genannt hat. Läßt das auf bestimmte besondere Umstände
schließen?

der familienname
von bredow
läßt bereits den slawischen ursprung
erkennen. schau dir mal die dörfer-
namen östlich von berlin an. ich
schätze diese wurden von slawen vor-
nehmlich zur zeit friedrichs, mit den
guten kontakten zum zaren, gegründet.

ebenso sind in dieser region viele
familien mit namensendungen -ow,
was im deutschen ausgesprochen gerne
mit einem langgezogenen oooohh endet,
angesiedelt, die genau von diesen slaw.
siedlern abstammen, ob sies wahrhaben
wollen oder nicht.

so heißt z.b. der name gadow im russischen
übersetzt „sehr schlechter mensch“.

darum würde anatol (anatolij) gut zum
slaw. ursprung passen.

cu
alex

Hallo!

Der erste hieß Karl von Einem gen. von Rothmaler. Ich
kann mir es nur so erklären, daß es „genannt von Rothmaler“
heißen soll. Wie kam man zu einem derartigen Namen?

Das ist ganz einfach : Dieses genannt „von R.“ kann daher
kommen, dass er irgendwo aufgewachsen ist, wo dieser Name zu
einem Haus oder Gutshof gehörte.
Ich habe Verwandte, die heißen eigentlich „xxxxken“, genannt
„xxxke“.

Der andere hieß Graf Anatol von Bredow. In dem Fall war der
unübliche Vorname auffällig. Es ist kaum wahrscheinlich, daß
im 19. Jahrhundert ein Graf seinen Sohn so einfach Anatol
genannt hat. Läßt das auf bestimmte besondere Umstände
schließen?

Warum das? Anatoli ist ein russischer Name. Und warum soll ein
Adeliger, der vielleicht russ. Verwandte hat oder vielleicht
dort lebte, seinen Sohn nicht Anatol nennen?

Weil man nicht automatisch davon ausgehen kann, daß ein deutscher Adliger russische Verwandte hat. Daher fragte ich ja nach besonderen Umständen.

Wenn man an die heutigen Namen der Kinder denkt, kommt einem
doch das kalte Grausen. Je nach Film oder Schauspieler oder
Musiker, ändern sich auch die beliebtesten Vornamen.

Bekannte von mir haben 4 Töchter, deren Namen alle auf [-i] enden, und 3 davon haben angelsächsischen Vornamen (bei der einen ist es ein neutraler).

hi,

Der andere hieß Graf Anatol von Bredow. In dem Fall war der
unübliche Vorname auffällig. Es ist kaum wahrscheinlich, daß
im 19. Jahrhundert ein Graf seinen Sohn so einfach Anatol
genannt hat. Läßt das auf bestimmte besondere Umstände
schließen?

der familienname
von bredow
läßt bereits den slawischen ursprung
erkennen. schau dir mal die dörfer-
namen östlich von berlin an. ich
schätze diese wurden von slawen vor-
nehmlich zur zeit friedrichs, mit den
guten kontakten zum zaren, gegründet.

[…]

darum würde anatol (anatolij) gut zum
slaw. ursprung passen.

Aber die slawischen Nachnamen waren in Preußen ganz verbreitet, somit kann man daraus allein nicht mehr auf einen besonderen Bezug zu Polen oder Rußland schließen.
Wahrscheinlich stimmte das mit der Verwandtschaft (es stand leider nichts dabei).

Weil man nicht automatisch davon ausgehen kann, daß ein
deutscher Adliger russische Verwandte hat.

Muß man ja auch nicht
Aber, stell Dir die Zeit vor, als dieser Mann geboren wurde.
Drei Kaiserreiche in Europa, darunter fast alle verwandt durch die Coburger. Man holte sich überall die Patenonkel und dann bekamen die Kinder den Namen.

mfgConrad

Hallo Ostlandreiter,

Weil man nicht automatisch davon ausgehen kann, daß ein
deutscher Adliger russische Verwandte hat. Daher fragte ich ja
nach besonderen Umständen.

Der alte Adel war international. Deutsche Prinzessinen wurden nach GB, F, ES, Polen, Schweden und Russland verheiratet (und vice versa). Manch eine schenkte einer Thronfolgerin das Leben.
Schau Dir mal die stammbäume der Herrscherhäuser an !

Ciao maxet.

Slawen in Brandenburg
hi!

schau dir mal die dörfer-
namen östlich von berlin an. ich
schätze diese wurden von slawen vor-
nehmlich zur zeit friedrichs, mit den
guten kontakten zum zaren, gegründet.

ebenso sind in dieser region viele
familien mit namensendungen -ow,
was im deutschen ausgesprochen gerne
mit einem langgezogenen oooohh endet,
angesiedelt, die genau von diesen slaw.
siedlern abstammen, ob sies wahrhaben
wollen oder nicht.

Sorry, aber wenn sie´s nicht wahrhaben wollen, dann deshalb, weil´s nicht so ist! Die Slawen, die im Gebiet zwischen Elbe und Oder siedel(te)n, die waren da schon immer - jedenfalls solang du nicht vor die germanische Völkerwanderung zurückgehst.

Viele der heute existierenden Dörfer wurden erst im und nach dem 11./12.Jahrhundert gegründet, als die Ottonen und Salier es schafften, die Kontrolle über diese Gebiete zu gewinnen (zum Großteil eben durch die Neugründung von Dörfern und Städten, z.B. Berlin). Obwohl für diese Kolonialisierung auch viele deutsche Siedler geholt wurden, verschwanden die Slawen nicht einfach, sondern wurden - mehr oder weniger freiwillig - integriert. Daher auchheute noch die vielen slawisch klingenden Ortsnamen und Personennamen.
Der alte Fritz hat natürlich auch noch was dazu beigetragen, indem er Menschen aus den polnischen Gebieten seines Königreichs holte, z.B. in den Oderbruch, aber die Zahl dieser Siedler war so gering, dass es auf die Struktur der Orts- und Familiennamen im Gebiet des heutigen Brandenburg und MeckPom kaum Auswirkungen hatte - besonders wenn man bedenkt, wie viele von denen flugs wieder weiter wanderten: Ins Ruhrgebiet nämlich!

VG
Christian

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hi christian,

da sind wir ja schon 2 augsburger.
* für deine ausführung. wieder was
dazugelernt.

cu
alex

hi christian,

da sind wir ja schon 2 augsburger.

Servus!
Wir sind sogar noch mehr…Augsburger allüberall, wo´sd hischauga duesd…

Christian