Ramadan beginnt (27.11.-27.12.)

Hallo www-Gemeinde :smile:

heute beginnt der Fastenmonat Ramadan. Ich grüße alle, die diese Zeit nutzen, in sich zu gehen und sich über ihr Leben und das Leben allgemein zu resumieren.

Ich schreibe dies nur, da ich es ganz schön finde, wenn Hochzeiten wie Ramadan und Chanukka auch ins Bewußtsein der deutschen Öffentlichkeit treten.

Zur Vervollständigung:
Chanukka (jüd. Lichterfest) 22.12.-29.12.
1.Advent (christl. Vorweihnachtszeit) 3.12.

Lieben Gruß an alle, Faten

Gruß zurück…
Hallo Faten,

die übliche Verfahrensweise (nicht vor Sonnenuntergang essen, etc.) ist mir zwar bekannt, aber welchen religösen/kulturellen Hintergrund hat eigentlich Ramadan?

Ich kann mir nicht vorstellen, daß es etwas mit der christlichen Fastenzeit vor Ostern (und in frühereren Zeiten während des Advents) zu tun hat. Die Christen fasten ja als Zeichen der Buße, aber warum tun es Moslems/Mohammedaner?

Für einige Infos aus erster Hand wäre ich Dir sehr dankbar.

Viele Grüße

Tessa

PS. Hast Du Dir schon die Channuka-Rezepte angesehen?

Hallo Tessa :smile:

Ja, ich habe mir schon die Rezeptseiten kurz angesehen. Ich habe noch nicht die Zeit gefunden, mich zu entscheiden. Das mache ich wahrscheinlich dieses Wochenende, da ich dann mehr Ruhe habe, auch die englischen Texte zu lesen. Danke nochmal für die guten Links :smile: Mirellas kleine Familie bekommt garantiert eine kleine Überraschung *freumichschon*

Zu deiner Frage zum Ramadan:
Da weiß ich vieles, was ich mir selbst angelesen oder in der Familie erklärt bekommen habe. Da meine Eltern aber geschieden sind und die Familie durch Kontinente getrennt, war es ab dieser Zeit eigenes Interesse und immer nur in Buch oder Webseitenform oder Gesprächen mit fremden Moslems.

Allgemein sollte ein Moslem sich nicht nur zum Ramadan an die 5 Säulen (Glaube, Gebet, Zakat/„Spende“, Saum/Fasten, Pilgerreise) des Islam erinnern und an die Richtlinien/Gebote zum Leben, die der Prophet Mohammed weitergegeben hat.

Ramadan ist der Monat, in dem der Koran übermittelt wurde. Es ist ein Monat der Übung/Selbstbeherrschung, der inneren Einkehr, der Buße, der Vergebung und des Erbarmens. Die Menschen suchen ihren Weg zu Gott in der Kombination innerer und äußerer Reinigung (fasten und beten).

"Ein Mensch mag technisch korrekt fasten, dennoch wird dieses Fasten bei Gott nicht belohnt, wenn es nicht um seiner Willen geschieht. Weltliche Gründe für das Fasten sind beispielsweise:

  • Fasten, weil alle anderen Muslime in der Umgebung es auch tun
  • Fasten, weil man dadurch sein Übergewicht bekämpft
  • Fasten, weil dies eine Kur vorschreibt.

Wie gesagt, vor allem die letzten beiden Gründe können natürlich für den Menschen so auch für den Muslim) von Nutzen sein, sind natürlich auch nicht islamisch verwerflich, haben aber keine religiöse Bedeutung."(Zentralrat der Muslime Deutschland)

Fasten sollten gesunde gläubige Moslems ab der Pubertät. Jeder Tag, der nicht gefastet oder mit beten und fasten verbracht wurde oder mit der ehrlichen Absicht, es für Gott zu tun, an dem die Frau ihre Periode hatte usw., kann nachgeholt werden. Kranke Menschen, Reisende oder harte Arbeiter, alte schwache Menschen und Kinder sind vom Fasten freigestellt.

Ich erinnere mich auch aus meiner Familie, daß immer zum allabendlichen Fastenbrechen zuerst ein Schluck Wasser ganz bewußt genommen wurde (alle). Alle Menschen, ob arm und reich, sind gleichgestellt, alle trinken zu diesem Zeitpunkt einen Schluck Wasser. So wurde es mir erklärt, daß alle Menschen vor Gott gleich sind und unsere Körperlichkeit und Sterblichkeit uns jedes Mal daran erinnern.

Zum Fasten selbst:
In islamischen Ländern werden die Muslime von den Muezzins, dem Gebetsrufer, über den Zeitpunkt des Fastenbrechens informiert oder auch wie in Kairo durch Kanonenschüsse von der Zitadelle. Es ist eine große mathematische Aufgabe, jedes Mal alles neu zu errechnen. Hier in Deutschland informiert der Zentralrat der Muslime über dieses schwere Rechenstück. Grob gesagt, sollte von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nicht gegessen, getrunken, man sexuell enthaltsam sein, keine Rauschmittel (auch Zigaretten) genommen werden (eigentlich jeglicher Genuß/Luxus, der in Körperöffnungen eindringen kann oder den Gedanken von Gott ablenkt).

Vielleicht habe ich noch was vergessen. Man möge es mir verzeihen.

Habe ich dir weiterhelfen können, Tessa?

Lieben Gruß, Faten

Super!!! Danke schön Faten, …
… da siehst Du, wie klug man/frau hier wird!

Ich sehe schon: ich kann mich mit meinen Fragen - und davon habe ich noch ein paar(tausend) - vertrauensvoll an Dich wenden. Falls Du etwas über den Katholizismus wissen möchtest - nur zu…

Mit den Fragen zum Ramadan melde ich mich, sobald ich sie mir durch den Kopf gehen lassen habe und mir die Gespräche mit meinen türkischen Ex-Kolleginnen ins Gedächtnis gerufen habe.

Liebe Grüße

Tessa

PS. Habe gerade festgestellt, daß ich Chanukka falsch geschrieben habe…*schäm*

  • Fasten, weil alle anderen Muslime in der Umgebung es auch
    tun
  • Fasten, weil man dadurch sein Übergewicht bekämpft
  • Fasten, weil dies eine Kur vorschreibt.

Hi Faten
ein befreundeter Ägypter hat mir erzählt, nach dem Ramadan hat er immer Übergewicht, man hat so einen Hunger, weil man tagsüber nichts isst, daß man Abends richtig reinhaut, manchmal stundenlang.
Stimmt das?

(eigentlich

jeglicher Genuß/Luxus, der in Körperöffnungen eindringen kann
oder den Gedanken von Gott ablenkt).

Das ist auch so eine Sache, ein zuckerkranker Kunde wollte sich kein Insulin mehr spritzen während des Ramadan, ist natürlich gefährlich, er hat sich dann auch überzeugen lassen.
Wo findet man solche Vorschriften?
Danke
Rainer

Hallo Rainer
Hi Rainer,

ich kenne den Ramadan so hautnah eben nur aus meiner Kinderzeit, wo ich selbst noch nicht oder nur 1-2 Tage gefastet habe.

Aber ich kann dir bestätigen, daß mein Papa immer zugenommen hatte. Er war auch ohnehin übergewichtig und hatte sicherlich Probleme dann auch langsam zu essen, wenn man Heißhunger hat und die Augen größer sind als der Magen oder auch im normalen Alltag kein gesundes Eßverhalten. Da war dann am Abend die Disziplin vorbei und nach dem Ramadan, kam dann der Abnehmmonat mit viel Frust.

Meine Mutter und meine Schwester hatten eher Probleme damit, bei einem heißen Klima den Tag über nichts zu trinken.

Also dem einen fällt das eine oder das andere leichter oder kann vernünftiger damit umgehen. Nicht jeder nimmt im Ramadan zu.

Allerdings ist zu erwähnen, daß die Verdauung ja in den Abendstunden langsamer wird und somit das Ansetzen von langsamer verdaulichen Gerichten eher begünstigt wird, denke ich mir. In der Regel wird kurz nach Sonnenuntergang gegessen (oft reichhaltig) und noch mal vor dem Sonnenaufgang (Frühstück schon mal um 4 Uhr morgens ist auch nicht jedermans Sache). Man ißt schon Dinge, die lange vorhalten.

Auf jeden Fall sind die Abendstunden im Ramadan immer gesellig, was ja auch zu vermehrten Essen verführen kann, wenn dann aufgetafelt wird. Gerade zum Wochenende laden sich Familien gegenseitig ein und essen mit Freunden und Verwandten.

Das ist auch so eine Sache, ein zuckerkranker Kunde wollte
sich kein Insulin mehr spritzen während des Ramadan, ist
natürlich gefährlich, er hat sich dann auch überzeugen lassen.
Wo findet man solche Vorschriften?

Das ist schon schlimm, wenn jemand sich selbst aus Unwissen schadet, weil er gläubig ist. Und das soll natürlich nicht so sein! Gute Infos aus erster Hand - auch mal zum Nachfragen per Email - findest du z.B. beim Zentralrat der Muslime in Deutschland http://www.islam.de/ Manches wird dir schon in den FAQ erklärt, anderes eben Spezielleres kannst du auch nachfragen.

Gruß, Faten

Diabetes und Ramadan
Hi Rainer,

ich habe eben in den FAQ bei Islam Online (Zentralrat der Muslime) http://www.islam.de nachgesehen und Folgendes gefunden:

"Diabetes und Ramadan

Eine an Diabetes leidender Mensch leidet im Ramadan doppelt. Zum einen hat er mit der eigentlichen Krankheit zu kämpfen. Hinzu kommt während des Monats Ramadan der psychische Druck, da man ständig von anderen Muslimen, die von der Krankheit nichts wissen, fragend und kritisch angesehen wird, wenn man das Fasten bricht. Hinzu kommt natürlich, daß man selbst gerne fasten möchte, es aber nicht kann.

Man sollte sich vor Augen halten, daß Gott das Fasten in solchen Fällen nicht vorschreibt, es sogar verbietet, wenn die Gesundheit des Muslims ernsthaft gefährdet ist. Man braucht also gegenüber sich selbst kein schlechtes Gewissen zu haben.

Wenn man der Konfrontation mit Muslimen vermeiden möchte, die von der Krankheit nichts wissen, sollte man versuchen, das Medikament nicht in aller Öffentlichkeit einzunehmen.

Während es den akut Kranken möglich ist, das Fasten zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen, hat ein chronisch Kranker (Diabetes) diese Möglichkeit nicht. Ihm bleibt nur noch die vom Islam vorgeschriebene Möglichkeit, täglich einen Armen zu speisen, wenn man finanziell dazu in der Lage ist. Da dies in der Regel in Deutschland unüblich ist, ist es auch möglich, hierfür einen entsprechenden Geldbetrag zu spenden (ca. 8 DM pro Tag). Dieses Geld muß aber unbedingt an arme Menschen weitergeleitet werden und darf nicht für andere Zwecke benutzt werden. Diesbezüglich kann man sich an eine örtliche Moschee wenden."(Zentralrat der Muslime, FAQ)

Habe ich dir weiterhelfen können? :smile:

Lieben Gruß, Faten

Prima, Faten, das hilft mir weiter.
Gruß
Rainer

Super damit hast du meine Frage beantwortet, bevor ich sie stellen konnte. Heute nacht haben unsere Nachbarn über uns gefeiert. Ich hoffe nur, dass es Tradition ist jeden Abend in einem anderen Haus zu verbringen, sonst wird das für mich ein harter Monat.

Aber ansonsten erbauende Zeit an alle, die ihn „begehen“

Grüße Jutta

Empfehlung zu Fragen Islam/christentum
In Ergänzung zum hier gesagten empfehle ich allen, die am Dialog von Islam und Christentum interessiert sind die Seite http://f1.parsimony.net/forum1257/ „Christlich-Islamisches Dialogforum“!

Hallo Faten,

heute beginnt der Fastenmonat Ramadan. Ich grüße alle, die
diese Zeit nutzen, in sich zu gehen und sich über ihr Leben
und das Leben allgemein zu resumieren.

Ich schreibe dies nur, da ich es ganz schön finde, wenn
Hochzeiten wie Ramadan und Chanukka auch ins Bewußtsein der
deutschen Öffentlichkeit treten.

Das schöne an der pluralistischen gesellschaft ist, dass immer irgendwo irgendwas gefeiert wird. Für die, die sich nicht alle Feste merken können:
Bei Blue Mountain Cards sind die jeweils aktuellen weltlichen und geistlichen Feste angegeben.
Segensreichen Ramadan, Faten,
lg,
bb