Ramadan - wird der noch ernst genommen?

Ich habe vorhin einen Beitrag in SWR2 gehört, zu dem ich eine Frage habe. Es wird hier unter anderem der Tagesablauf im Ramadan geschildert. Nun würde ich gerne wissen, ob dieser Tagesablauf mit seinen Geboten und Verboten noch so ernst genommen und eingehalten wird? Wie sieht es in ländlichen Gegenden aus, wie in (Groß-)Städten?

Vielen Dank im voraus!

Gruß!
Chris

P.S.: Wer mag, kann sich den Beitrag hier anhören: http://www.swr2.de/aktuell/20001216_18/s7a00098.ram

Hi Christopher, ich habe 19 Jahre in islamischen Ländern gelebt und kann nur bestätigen, dass der Fastenmonat aber auch die anschl. Feiertage sehr ernst genommen werden, auf dem Lande noch mehr als in den großen Städten. Ramadan und auch andere Feiertage sind fester Bestandteil des Lebens und als guter Gast verhält man sich entsprechend. Gruss Klaus

Wie sieht es in ländlichen
Gegenden aus, wie in (Groß-)Städten?

Mein Kollege hält den Ramadan konsequent ein. Ich überlasse es jetzt Dir, ob Du Chemnitz eher als Großstadt oder als ländliche Gegend ansiehst.

Viele Grüße
Stefan

Ich habe vorhin einen Beitrag in SWR2 gehört, zu dem ich eine
Frage habe. Es wird hier unter anderem der Tagesablauf im
Ramadan geschildert. Nun würde ich gerne wissen, ob dieser
Tagesablauf mit seinen Geboten und Verboten noch so ernst
genommen und eingehalten wird? Wie sieht es in ländlichen
Gegenden aus, wie in (Groß-)Städten?

Vielen Dank im voraus!

Hallo Christoph
allgemein ja, meine türkischen Mitarbeiter essen erst ab Sonnenuntergang, so gegen 17 Uhr, oft bringen dann auch Kunden selbstgebackenes Brot oder Gebäck.
Aber ein Zigarettchen zwischendurch geht noch.
:wink:
Rainer

Aber ein Zigarettchen zwischendurch geht noch.
:wink:

Diese Mitarbeiter, die ein Zigaretchen rauchen fasten wahrscheinlich nur aus dem Grunde weil die Bekannten sonst über sie reden würden. Da während des Fastens keinerlei „Stoffe“ durch die Körperöffnungen eingenommen werden dürfen, hält sich dieser Mitarbeiter nicht an die Vorschriften. Daher denke ich auch, dass er gar nicht fastet.
Ich habe viele Bekannte die Moslems sind und habe mich genauestens über den Fastenmonat erkundigt. Mein Eindruck ist, dass die Moslems fast alle im Monat Ramadan fasten.

Diese Mitarbeiter, die ein Zigaretchen rauchen fasten
wahrscheinlich nur aus dem Grunde weil die Bekannten sonst
über sie reden würden. Da während des Fastens keinerlei
„Stoffe“ durch die Körperöffnungen eingenommen werden dürfen,
hält sich dieser Mitarbeiter nicht an die Vorschriften. Daher
denke ich auch, dass er gar nicht fastet.
Ich habe viele Bekannte die Moslems sind und habe mich
genauestens über den Fastenmonat erkundigt. Mein Eindruck ist,
dass die Moslems fast alle im Monat Ramadan fasten.

Na ja, wenn man das Fasten nennen will.
Es ist ja nicht wie beim christlichen Fasten, daß Fleisch oder Süssigkeiten verboten sind, sondern halt nur tagsüber nicht gegessen werden dürfen, dafür haut man Abends richtig rein.
Schminken ist eigentlich auch nicht erlaubt, viele tun es trotzdem, Ramazan (die Türken schreiben mit z) ist für viele mehr eine Tradition als Religionsausübung.

Hier ist eine ganz interessante Beschreibung:

  • Morgens um 4 Uhr gehen, wie von Geisterhand, in den meisten Wohnungen die
    Lichter an. Emsiges Treiben in der Küche. Volles Fernsehprogramm, meistens
    unterhaltende Filme oder Shows. Frühstück mit Blick auf die Uhr. Noch genügend
    trinken. Dann, ein lauter Knall, anschliessend der erste Ruf des Muezzins. Fertig
    Frühstück!!
    Viele legen sich nochmals hin, andere, je nach Job, machen sich bereits auf den Weg
    zur Arbeit. Ein langer Tag beginnt, während sich, gewollt oder ungewollt eine
    gewisse Spannung aufbaut. Ihren Höhepunkt erreicht sie kurz vor 16:30 Uhr. Die
    Geschäfte schliessen etwas früher, die Leute kehren nach Hause zurück. Dort
    erwartet man, je nach Gegend, den Knall, oder erneut den Ruf des Muezzins. Bei
    Vielen ist der Tisch bereits gedeckt, und das Essen und Trinken können wieder
    beginnen.

  • Tagsüber erkennt man Veränderungen: Viele Lokale haben gar nicht geöffnet und
    wenn, morgens zwischen fünf und sechs, vielleicht abends nochmals 1 Stunde…
    Tagsüber wird auffällig wenig geraucht und man kriegt praktisch keine Zigarretten
    angeboten. Am Augenfälligsten erlebt man dies auf den Wochenmärkten. Das Leben
    läuft irgendwie auf Sparflamme.

  • Ab 16 Uhr beginnen die Bäcker das köstliche Brot auszuliefern, welches nur
    während des Ramazans erhältlich ist. Es ist mit dem Brot, welches üblicherweise
    verkauft wird, geschmacklich nicht zu vergleichen und hält länger.

  • Geradezu gemein (ironisch gemeint) sind all die Kochsendungen, welche von den
    meisten Fernsehstationen zwischen 15 und 17 Uhr ausgestrahlt werden. Da sitzen
    Moderatoren und Köche schon eine halbe Stunde vor der Essenszeit am übervoll
    gedeckten Tisch, auf welchem gleich das gesamte viergängige Menü dekorativ
    platziert wurde und unterhalten sich scheinbar völlig entspannt übers Essen…

  • Nach dem Essen die Besuche. Wer nicht schon zum Essen Besuch eingeladen hatte,
    wird spätestens zwei Stunden später von Freunden oder Nachbarn besucht werden.
    Man trinkt Tee, nascht Süssigkeiten, isst vielleicht nochmals was, bevor man
    frühzeitig schlafen geht, schliesslich will man ja keinesfalls das Frühstück um 04:30
    verpassen und einen ganzen Tag lang hungern…

:wink:
Rainer

Na ja, wenn man das Fasten nennen will.
Es ist ja nicht wie beim christlichen Fasten, daß Fleisch oder
Süssigkeiten verboten sind, sondern halt nur tagsüber nicht
gegessen werden dürfen, dafür haut man Abends richtig rein.
Schminken ist eigentlich auch nicht erlaubt, viele tun es
trotzdem, Ramazan (die Türken schreiben mit z) ist für viele
mehr eine Tradition als Religionsausübung.

Wieso schmeisst du alle Muslims(hier Türken) in einen Topf, 5 finger sind nicht gleich, ich als Pakistani kann nur bestätigen das viele Pakistanis(Muslims) Ramazan als Religionbestandteil ausüben, es wird viel gebetet, Koran gelesen, gespendet usw. aber ich bin mir sicher irgendwann wird es in Muslims(jetzt auch) das nur als Tradition oder gar nicht gemacht wird.
Wenn man fastet verzichtet man auf „körperliche Nahrung“ aber dann sollte man die „spirituelle Nahrung“(gebet) erhöhen, und das ist was Gott(Allah) von uns verlangt, eine der fastet, und den ganzen Tag nur flucht, schlechten sachen tut, ist sein Hunger bei Gott nichts wert, weil er die Bedeutung von fasten nicht achtet.
Hoffe ich könnte mit mein schlechten Deutsch Gramatik es erklären.
Bis dann
Muzafar

Hi Christopher,
Nun würde ich gerne wissen, ob dieser

Tagesablauf mit seinen Geboten und Verboten noch so ernst
genommen und eingehalten wird? Wie sieht es in ländlichen
Gegenden aus, wie in (Groß-)Städten?

#Meine Erfahrungen aus den 80er Jahren im Südjemen: In ländlichen Regionen ist der Ramadan so tief verwurzelt, dass er als etwas völlig Selbstverständliches und nicht in Frage zu Stellendes angesehen und daher ernst genommen wird. In den größeren Städten (außer Hadramaut, wo der Islam sehr stark das Alltagsleben bestimmt) sehen es speziell die Menschen, die einige Zeit im Auslandverbracht haben, nicht ganz so streng (zumindest in Bezug auf das Rauchverbot), wahren aber in der Öffentlichkeit den Schein. Einer unserer arabischen Dozenten an der Uni sagte bezüglich des Trinkverbots am Tage: ‚Man darf sich den Mund spülen, und wenn dabei ein bisschen Flüssigkeit geschluckt wird, ist es nicht weiter schlimm.‘ Er kommt aus Syrien, lebt aber schon seit Anfang der 60er Jahre in Deutschland. Ein hoher palästinensischer Funktionär, der zu Ramadanzeiten in Deutschland mit seiner Familie Urlaub machte, löste das Problem so, dass die Familienangehärigen reihum jeweils einen Tag fasteten und ansonsten wie gewöhnlich aßen. Er erzählte uns, dass er sich sonst im Büro einschloss und heimlich was naschte. Ein echter Pragmatiker eben (leider ist er vor einigen Jahren ermordet worden.)
Inwieweit das Verbot des Geschlechtsverkehrs eingehalten wird, kann ich nicht sagen, doch fiel mir auf, dass gerade die Frauen die Ramadan-Forderungen sehr streng einhalten und sich wohl ihren Männern verweigern werden, falls diese doch mal …
Alles Gute im Neuen Jahr

Gruß!

Helmut