Rasen um Obstbäume säen?!

Hallo,

wir wollen jetzt bald neuen Rasen säen. Wir haben in unserem Garten mehrere Zwerg-Obstbäume (Mirabelle,Pflaume) stehen. Daher stellt sich mir die Frage:

  • Kann ich den Rasen direkt bis an den Stamm des Baumes säen, oder sollte ich Abstand halten?
  • Was kann passieren wennich den Rasen direkt bis an den Baum säe?
  • Kann der Rasen dem Baum irgendwelche wichtigen Nährstoffe entzeihen, o.ä.?

Ich hoffe ihr könnt mir schnell helfen…

LG Robin

Hi,

ich kann mich daran erinnern, dass meine Eltern früher auch die bekannte „Baumscheibe“(rund um den Bum in Kronenbreite (?) freigelassenes Stück) um den Obstbaum freigelassen haben. Da wurde immer eifrig gejätet usw. Auch zum Aufbringen von Dünger eine ganz feine Sache. Das war wohl früher so normal

Ohne die Baumscheibe klappt das mit dem Baum aber auch super. Das einzige Problem was auftreten kann ist, dass man bei der Rasenpflege den Stamm schädigen kann. Das Gras wächst ja dann auch direkt an den Stamm. Mit dem Mäher, Kantenschneider o.ä. kann man hier nun den Stamm „schälen“. Daher wird das Gras immer mit der Hand gerupft. Da es sich aber eher um eine Wiese als um Rasen handelt, ist das auch egal wie e aussieht.

Gruß
Kuddenberg

Lieber nicht
Hallo!
Man kann natürlich Rasen bis an den Stamm säen. Das hat aber einige Nachteile:

  • Du kommst schlecht ran zum Mähen, piekst dir dabei die Zweige der Baumes ins Gesicht.
    -du läufst Gefahr, beim Mähen die Rinde zu beschädigen
  • Der Rasen wächst meist eh nicht gut direkt unterm Baum
    -Du nimmst dem Baum Wasser und Nährstoffe und zwar recht massiv.
    -Du nimmst Dir den Anblick eine bunt bepflanzten Baumscheibe, die dir sogar Schädlinge vom Hals halten kann. (z.B. Kapuzinerkresse)

Natürlich stehen z.B. auf Streuobstwiesen Bäume direkt im Gras. Diese Wiesen sind aber mit einem Hochleistungsrasen nicht zu vergleichen und werden extensiv genutzt, häufig auch beweidet.

Ich würde eine großzügige Baumscheibe einplanen, mulchen (den Mulch auch nicht bis an den Stamm packen, Fäulnisgefahr), evtl mit einem verträglichen Bodendecker oder (nur im Rahmen, damit man nicht jedes Jahr rumbuddeln muss) Einjährigen bepflanzen (oder säen).

Grüße
kernig

Servus,

ich sekundiere eher kernig als Kuddenberg. Zwergobstbäume sind Zwerge, weil sie auf sehr schwachwüchsige Unterlagen veredelt worden sind, daher wenig vital und mit einem Hochstamm von Jakob Fischer, Brettacher oder Geißhirtle auf einer Streuobstwiese kaum vergleichbar. An „natürlichen“ Maßstäben gemessen, sind Zwergobstbäume das, was man bei einem kakanischen Hund ein „Krepierl“ nennen täte: Sie brauchen alle Fürsorge, damit sie überhaupt überleben. Zu dieser Fürsorge gehört ein ausreichend humoser Boden, der gut durchlüftet ist, einen ausgeglichenen Wasserhaushalt aufweist und einen gleichmäßigen Zufluss an NPK gewährleistet; ferner über ausreichend Regenwurmaktivität verfügt, damit das, was man dem Baum zugedacht hat (oder was er unabhängig davon braucht) überhaupt an seine Wurzeln gelangt. Für diese Dinge ist Rasen - an und für sich ein ziemlich lebensfeindliches Biotop - ungeeignet. Daraus folgt:

  • Kann ich den Rasen direkt bis an den Stamm des Baumes säen,
    oder sollte ich Abstand halten?

Die Baumscheiben bei Zwergobstbäumen, deren Wurzelwerk ziemlich mickrig bleibt, müssen nicht riesengroß sein, aber sie sind dringend nötig. Etwa 60-80 cm Durchmesser dürften reichen.

  • Was kann passieren wennich den Rasen direkt bis an den Baum
    säe?

Passieren kann, dass der Baum, der da steht, sich noch einige Jahre mühselig am Leben hält und dann irgendwann das Zeitliche segnet.

  • Kann der Rasen dem Baum irgendwelche wichtigen Nährstoffe
    entziehen, o.ä.?

Verfügbare Nährstoffe: Ja. Da hilft alles Blaukorn nix, wenn keine ordentlich durchlüftete Baumscheibe da ist. Außerdem Wasser, Luft, Humus etc.: Halt alles, was Rasen so anrichtet und was Obstbäume so brauchen.

Baumscheiben müssen übrigens nicht unbedingt freigehalten werden. Wichtig ist, dass sie einmal im Jahr (sinnvoll im Herbst oder Frühjahr, wenn organischer Dünger eingearbeitet wird) bearbeitet werden können und dass sie nicht von Rasenfilz versiegelt sind. Gut geeignet für wenig arbeitsaufwändige Baumscheiben sind z.B. Kapuzinerkresse, Cosmea, Kornblumen, Sommernelken, Salpiglossis - und für Freunde des produktiven Gartenbaus Zwiebeln und Knoblauch.

Schöne Grüße

MM