der Hintergrund des Ausrasters
Hallo Lena,
eine Freundin von mir hatte auch so ein „Ausraster“-Kind (ist jetzt 10 Jahre alt), und hat sich deshalb mit diesem Thema eine Weile beschäftigen müssen. Sie hat mir folgendes erzählt:
Diese innerliche Resignation und der Gedanke „hoffentlich ist bald wieder Kindergarten“ kennt sie sehr gut. Und sie hat erfahren, dass kleine Kinder Phasen durchmachen, bei der sie kein Maß für ihre Gefühle finden können, sie werden also maßlos wütend. Auslöser können Kleinigkeiten sein (Legostein hält nicht auf dem Gebäude), und erscheinen uns Erwachsenen absurd, und sind unberechenbar. Die Kinder selber empfinden in ihrer Wut auch Verzweiflung, sprich sie suchen dann auch Halt „ich verstehe die Wut selber nicht, was ist denn das, hilf mir, lauf nicht weg, mach´dass die Wut wieder verschwindet“.
Bei so lautem Gebrüll möchte man am liebsten davonlaufen, kein Wunder, denn Lärm löst ja Fluchtgedanken bei uns Menschen aus. Wenn Du Dich da innerlich zuknöpfst, ist das absolut normal.
Ein Trost vorweg, diese Phase vergeht.
Die Idee mit dem Hunger morgens ist nicht schlecht, die kam mir bei meinen Zornpinkeln auch schon, so dass ich ihnen erlaubte sich sonntags selbst etwas zum Essen zu machen. Ich habe extra eine Schublade für den kindlichen Sonntagmorgenhunger eingerichtet (Knäckebrot, Kornflakes), der sie freute, und mir eine Stunde Schlaf mehr bescherte (das Chaos in der Küche nahm ich mit in Kauf).
Bei Deinem letzten Sonntagmorgen hätte ich ihn nicht ins Bett zum Kuscheln gelockt. Da darf man Kinder nicht unterschätzen, wahrscheinlich war er gekränkt und deshalb noch wütender „nimm´jetzt bitte meine Wut ernst, und behandle mich nicht wie ein Baby“. Ich hätte so reagiert: „entweder gehst Du in Dein Zimmer und tobst Dich dort aus, oder Du kommst zu mir, und läßt Dich beruhigen. Dein Geschrei will ich jetzt nicht ertragen. In 15 Minuten stehe ich auf, und dann gibt es Frühstück.“
- er hat die Alternative seine Wut zu pflegen oder unter Deiner Bedingung in Deiner Nähe zu sein
- er bekommt mit, dass Du Dich seiner Willkür nicht aussetzen willst, weil Du auch als Mama Rechte hast
- mit dem Zeitraum von 15 Min. stellst einen Zeitraum für einen Beginn für eine gemeinsamen Sonntag in Aussicht. Vielleicht braucht sein Verstand diese Information, damit sich sein Gemüt wieder beruhigt.
Sich seinem Kind immer wieder neu zu nähern (das hat hier auch jemand so schön beschrieben), dass kennen wir alle, weil Kinder ständigen Phasen unterliegen. Auch wenn seine schlechten Launen Dir vielleicht jetzt das Gefühl geben, dass Du so ein Kind auf die Dauer nicht ertragen kannst (mit den dazugehörigem Gefühl von Unbehagen und Versagensängsten), aber Blut ist dicker als Wasser, an sein Kind hängt man, egal wie schlimm es manchmal ist. Ich würde mir an Deiner Stelle Strategien entwickeln, wie Du an erster Stelle am besten mit seiner Schreierei klar kommst (meine Freundin hat einfach einen 3min. Spaziergang gemacht nachdem sie die Wohnung abschloß, Kissen verhauen, sich selbst ins Zimmer eingesperrt und ihre Zornliese toben lassen, mit Kopfhörer laute Musik gehört). Wenn Du das für Dich selbst tust, bekommst Du auch wieder die Zügel in die Hand. Heike schrieb von innerlich Abstand nehmen. Genau, das ist es nämlich. Wenn man ein Teil dieses Zorns wird, dann ist man dem Ganzen hilflos ausgesetzt. Und egal, was Du anbietest, es beruhigt ihn nicht, es ist ein Anbiedern und kein Halt geben.
Giesela schrieb vom Festhalten. Da habe ich davon gelesen, dass es umstritten sein soll, weil es die Kinder momentan beruhigt, aber sie lernen psychisch nicht ihre Gefühle unter Kontrolle zu bekommen, das hat Mama physisch übernommen.
Wie gesagt, unterschätze Deinen Sohn nicht. Nimm seine Wut wahr, das will er. Sag ihm, dass Du sie nicht ertragen willst, und dass er sich zum Beruhigen sich zurückziehen soll. Und stelle Dich ihm zur Verfügung, weil er dann auch Deine Nähe, Deine Ruhe und Deine innere Sicherheit braucht „wenn Du wieder ruhig bist, kannst mir ja beim Kaffee kochen helfen.“
Übrigens, im Alter zwischen 8 und 10 sollen theoretisch Kinder am nettesten sein. In den restlichen 10 Jahren Kindererziehung kann man sich also nur durchwurschtln.
)))
viele Grüße
Claudia