Rat gefragt

Hallo, ich habe eine Freundin, die an SSV (selbstverletzendes Verhalten) leidet. Es ist ganz komisch, in ihrer Arbeit ist sie ganz normal und keiner scheint irgendetwas zu ahnen. Aber sobald sie Feierabend hat, ist sie komplett eine andere Person. Ich meine ihr ganzes Verhalten. In der Arbeit ist sie zu allen nett und hilfsbereit, aber sobald sie ihre Arbeitsstelle verlässt, zieht sich zurück. Ich meine mit 27 Jahren geht man doch mit Freunden weg, aber sie weigert sich bzw. zeigt keine Interesse. Sie verlässt am Wochenende nur im dringenden Notfall die Wohnung. In ihrer Familie scheint auch keiner etwas zu ahnen, dass wundert mich schon zumal sie noch bei ihren Eltern wohnt. Sie hat auch keine richtigen Freunde (außer mir) geschweige denn einen Freund. Sie ist die ganze Zeit allein und scheint auf eine Art zufrieden zu sein und auf der anderen wieder nicht. Sie sagt, dass was man nicht kennt kann man auch nicht vermissen. Ich weiß nicht wie ich es sagen soll, aber sie scheint keine Interesse an den Menschen zu haben (die Arbeit ist für sie nur eine Aufgabe). Selbst ihre Eltern sagen, dass sie die ganze Zeit in ihrem Zimmer sitzt. Das ist doch seltsam. Ich möchte ihr gerne helfen, aber mit ihr kann man nicht reden. Sie hört zwar zu, aber irgendwie scheinen die Worte nicht zu ihr zu dringen. Vielleicht habt ihr einen Rat…

Gruß Kami

Hallo Kami,
SSV (selbstverletzendes Verhalten) ist, wenn sich jemand absichtlich nicht-lebensbedrohliche Verletzungen oder Wunden zufügt. Du schreibt jedoch: „…scheint keine Interesse an den Menschen zu haben.“
Kein Interesse an Menschen ist eher soziale Phobie. Viele Menschen haben Angst davor, bei anderen in Ungnade zu fallen und nicht gemocht zu werden, trauen sie sich nicht, sich mit anderen zu unterhalten, ihre Meinung zu sagen, vor einer Gruppe zu sprechen, im Mittelpunkt zu stehen, usw.
Jedoch erst, wenn wir uns selbst ablehnen, haben wir Angst vor Ablehnung. Aus deiner Beschreibung geht hervor, dass deine Freundin offenbar nicht an anderen Menschen, also an zwischenmenschliche Magie interessiert ist, und das offenbar auch nicht vermisst. Es scheint demzufolge auch kein Leidensdruck vorhanden zu sein.
Beim Helfen, finde ich, ist es unerläßlich, erstmal zu klären, wer dir wichtiger ist, du oder deine Freundin, bevor du ihr ‚auf den Pelz rückst‘, denn gegen ihren Willen ihr Verhalten ändern zu wollen, ist nicht sehr sinnvoll. Auch die Frage, wie wichtig bist du ihr, solltest du stellen.
Mit dem nachfolgenden Link, hoffe ich, die Zeilen enthalten die Hälfte des Tagesbedarfs an guten Ratschlägen.
http://www.sozialphobie.de/Grundsatzliches/Die_4_Ges…
mit Gruß aus dem alltäglichen Leben

Hallo, aber ist das nicht widersprüchlich. Sie meinen, dass sie kein Leidensdruck verspürt, aber warum verletzt sie sich dann selber? Glauben Sie nicht, dass das damit etwas zu tun. Ich meine, dass sie ganz alleine ist? Vielleicht ist sie hin- und hergerissen zwischen dem Alleinsein und das was andere zwischenmenschliche Beziehung nennen. Nur weil sie soetwas nicht kennt, heißt das nicht, dass sie nichts davon versteht.
Und wenn sie eine soziale Phobie hat, wieso ist sie dann auf Arbeit von anderen „normalen“ Menschen nicht zu unterscheiden? Ich versteh, dass ganze nicht so recht. Ihr ganzes Verhalten ist so widersprüchlich für mich.
Ich glaube, weder ihre Familie noch ich oder ihr Leben ist ihr so wichtig.

VG
Kami

Hallo Kami,
bist du nicht nur der Freund, sondern auch ein Arbeitskollege, weil du das Verhalten deiner Freundin während der Arbeit kennst? Wenn deine Freundin in ihrem Verhalten innerhalb ihrer beruflichen Tätigkeit sozial unauffällig ‚normal‘ agiert, während sie im privaten Bereich SSV (selbstverletzendes Verhalten) an den Tag legt, ist das kein Widerspruch, Alkoholiker und andere Suchtkranke sind meist während ihrer Arbeit „unauffällig“ normal. Allerdings verstehe ich das mit der Selbstverletzung nicht, verletzt sie sich am eigenen Körper, ist sie eine Ritzerin, betreibt sie selbstverstümmelnde Praktiken, Selbstaggression usw.?
Für den Fall der Selbstverletzung, nachfolgender Link.
http://www.rotelinien.de/information.html oder http://www.verstecktescham.de/
oder http://www.svv–community.net/
Außerdem ist kaum vorstellbar, dass sie zwischenmenschliche Beziehung nicht kennt, außer sie ist Autistin. siehe dafür
http://de.wikipedia.org/wiki/Autismus
Auf jeden Fall solltest du über die genannten Links einen Therapeut bzw. Therapeutin finden oder besser noch, du suchst selbst eine SVV-Selbsthilfegruppe auf bzw. für soziale Phobie uä., und holst dir dort Hilfe und Kompetenz, denn die Kategorie Psychische Störung ist groß und umfasst von -Abhängige Persönlichkeitsstörung bis Zwangsstörung- hunderte von möglichen Verhaltensauffälligkeiten. Auf diese Weise kannst du auch ausschließen, daß du selbst kein Teil des Problems bist.
mit Gruß
Glück kann genauso krank (oder gesund) machen wie Unglück.

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Hallo Billerbong,

vielen Dank für die Links, das hilft ungemein.
Also sie hat so Art Schnittwunden an den Armen. Nicht viele, aber es fällt zumindestens auf. Ich nehme an sie ist eine Ritzerin. Sie reagiert gar nicht, wenn andere sie darauf ansprechen. Sie tut es weder verneinen noch bejahen.

VG Kami