Rat- und mutlos... (lang...)

Hallo liebe www-ler,

ich muß erstmal gestehen, daß ich ein Weilchen gebraucht habe, um mich zu überwinden, hier mein - hm… Problem zu schildern, aber die vielen aufrichtigen, konstruktiven Postings in diesem Brett haben es dann doch bewirkt…

Bis vor etwa 4 Jahren würde ich sagen, mein Leben war zwar oft sehr aufregend, herausfordernd und auch stressig, aber ich habe alles gemeistert. War optimistisch, tatkräftig und habe trotz aller Widrigkeiten, die das Leben so einem persönlich und individuell bereitet, alles angepackt und irgendwie immer
geschafft und bewältigt.
1998 kam ich in eine extreme Lebenskrise, Beziehung, Job, Privatleben allg. - ich habe es nicht mehr gepackt, fühlte mich mit allem überfordert, kam privat und beruflich nicht mehr klar, habe mich abgekapselt, war permanent am Heulen,hatte jeden Morgen nach dem Aufwachen Magenschmerzen und mit dem Gedanken gespielt, mir „irgendwas“ anzutun, am besten irgendwie so einen Autounfall machen, der mich außer Gefecht setzt, nicht so sehr verletzt, daß es sehr weh tut oder irreparable Schäden verursacht, aber mich „zwingt“, für mehrere Wochen zu Hause zu bleiben, um mich zur Ruhe kommen zu lasssen, am liebsten wochenlang nur schlafen, um dann hoffentlich erfrischt, gesund und munter wieder aufzuwachen.
Ich bin dann auf Drängen von Bekannten zu einem Neurologen/Psychologen gegangen, Diagnose: Depressionen, er hat mir Anti-Depressiva verschrieben, mir geraten, den Job zu kündigen und mich für 9 Wochen krankgeschrieben. Prinzipiell hat das geholfen, es war irgendwann nach 3 Wochen, daß ich eines Morgens endlich mal wieder aufwachte mit dem Gedanken: „Hm, ich freue mich auf diesen Tag, mal sehen, was er mir so bringt.“
Was danach kam, in Stichworten:

  • Job gekündigt
  • in der Zeit zwischen Kündigung (Sept.) und Arbeitslosigkeit (Ende Dez.) eigentlich nichts getan, einfach nur den Tag auf mich zukommen lassen
  • Ende Dez. Beziehungskrise, Trennung stand im Raum
  • Januar erstes Aufraffen, mir war klar, daß ich etwas tun mußte, Bewerbungen und tatsächlich ab 17.02.99 einen neuen Job gefunden
  • zeitgleich kam die Trennung, ziemlich übel, Trennung des Hausrates, viele schlimme Worte bis hin zu Prügel…
    In dieser Zeit kam ich trotz dieser schlimmen Situation immer besser mit mir klar, hatte neuen Mut, habe wieder alle angepackt, mein Leben neu eingerichtet und konnte die Anti-Depressiva schließlich absetzen.
    Das ging gut bis etwa Anfang/Mitte letzten Jahres. Auch in dieser Zeit (Anfang 1999 bis Mitte 2001) gab es unglaublich viele Hürden zu meistern, ich kann und möchte das hier jetzt erstmal so nicht alles erzählen, weil es den Rahmen sprengen würde, aber…
    schlimm ist, daß es mir jetzt wieder so geht, wie vor vier Jahren. Ich habe das Gefühl, mein Leben wiederholt sich, ich könnte jeden Tag heulen, ich habe so einen Horror vor der Arbeit, Magenschmerzen, sonstige Schmerzen in Arm und Schultern, wieder diese Gedanken mit dem Autounfall. Einzige Ausnahme ist die Partnerschaft, ohne ihn weiß ich nicht, wie ich überhaupt noch alles durchhalten könnte. Aber er weiß einfach nicht, wie er mir helfen kann, damit ich aus diesem so unglaublich tiefen Loch wieder herauskomme.
    Ich war heute wieder bei einem Neurologen/Psychologen, ein anderer als damals (bin zwischenzeitlich umgezogen), es war so schlimm, ich sitze da, kurz vorm Heulen, aber was für mich so ‚rüberkam, war, daß die Dinge, die mich persönlich so belasten, ja andere auch schaffen, so ist das nun mal, und vielleicht wäre
    eine Therapie ganz nett, ich geb‘ Ihnen mal 'ne Liste, Wartezeiten sind halt lang, müssen sie halt mal anrufen und fragen, 14 Tage krankschreiben… ich sagte, das ist doch eines meiner Probleme, es geht jetzt nicht, daß ich fehle, einerseits will ich die Firma nicht im Stich lassen, andererseits weiß ich nicht, wie ich das schaffen soll, ich habe außerdam Angst, meinem Chef in der momentan so stressigen Situation meine Krankmeldung hinzulegen. Er meinte nur: ja, was soll ich da machen, ich kann bei Ihrem Chef nicht anrufen, dann schreibe ich sie eben nicht krank.
    Ich brauche jetzt Hilfe, irgendeine, ich weiß nicht welche, ich dachte, der Arzt könnte mich in die richtige Richtung schubsen. Ich weiß, daß ich irgendwann wieder zu mir selbst finden muß, es kann niemand anders meine „Lebensprobleme“ lösen, ich muß meine eigene Stärke wiederfinden, aber genau
    dazu brauche ich Unterstützung, aber wo finde ich sie? Ich habe eine lange Liste mit Psychotherapeuten mitbekommen, die müßte ich jetzt alle anrufen und fragen, ob ich schnell einen Termin bekomme. Ich sitze davor wie der Ochs vor’m Berg. Frage die kassenärztliche Vereinigung, wo ich hingehen kann, die waren
    sehr nett und faxen mir auch Listen zu, fragen mich: eher Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologische Behandlung?

Ich weiß es doch nicht…

Ich möchte irgendwann… bald… wieder allein gehen können, ich möchte nur jemanden finden, der mir für die ersten Schritte die Hand gibt und mich ein bißchen führt und leitet.

Ich weiß nicht, was ich jetzt machen soll…

Eine mutlose Anja

hi Borja,

such nach einer Tagesklinik in deiner Gegend, anrufen, Vorstellungsgespräch und dann weitersehen.

gruss
winkel

Liebe Anja!

Dein Artikel hat mich sehr getroffen und auch wenn ich keine Psychologin bin, hört sich deine Situation sehr sehr schlimm an.

Ich möchte dir Mut zu sprechen, dass du es schaffen wirst eine gute Therapie zu bekommen.
Wenn die Liste der Therapeuten lang ist, dann hast du gute Chancen dabei die richtige zu finden.

Es ist richtig, dass du SOFORT Hilfe brauchst.
Und die Reaktion der Psychologin, bei der du warst, finde ich ehrlich ziemlich DUMM, denn wenn sie etwas von ihrem Fach versteht, dann wird sie doch merken, dass du SOFORT Hilfe brauchst und nicht erst in ein paar Wochen.
Aber solche Psychologen gleich abhaken und zum nächsten.

Nicht aufgeben!!!
Und für ganz spontane Hilfe sind wir hier auch noch da!!

Viel Kraft und Energie für dich!

Berlind

Hallo Anja,

erst einmal möchte ich Dir sagen, daß ich es sehr sehr gut nachvollziehen kann, wie Du Dich fühlst und vor allem, was Du gerade durchmachst. Die Reaktion Deines Arztes finde ich - gelinde ausgedrückt - nicht sehr hilfreich. Ich denke, eine Empfehlung von zwei, drei Therapeuten wäre hilfreicher für Dich gewesen und es kostet auch nicht so viel Überwindung. Zu den anderen Bemerkungen dieses Fachmannes äußere ich mich jetzt lieber nicht!

Es gibt im Internet verschiedene Foren, in denen sich Betroffene austauschen können. Vielleicht findest Du dort jemanden aus Deinem PLZ-Gebiet, der Dir einen guten Therapeuten empfehlen kann.

http://www.medizin-forum.de
http://www.depression-diskussion.de
http://www.selbsthilfe-forum.de
http://www.verein-horizonte.de
http://depress.de
http://depri.net

Noch ein kleiner Hinweis: Krankenkassen dürfen - zumindest nach meinem Kenntnisstand - keinen Arzt oder Therapeuten empfehlen.

Und noch etwas: ich finde es bemerkenswert, wie Du an dieses Thema herangehst. Es zeigt, daß Du - auch wenn Du es momentan anders empfindest - trotz allem Kraft hast. Und zwar die Kraft, Dein Leben selber zu meistern. Alleine Deine Erkenntnis, daß du jetzt jemanden brauchst, der Dich in der nächsten Zeit ein Stück Deines Weges begleitet, bis Du dies wieder alleine bewältigst, finde ich bemerkenswert!

Ich wünsche Dir, daß Du schnell die erforderliche Hilfe erhältst und ich bin mir sicher, daß Du es schaffst!

Alles Liebe für Dich
Marlene

Hallo liebe Anja,

du hast recht: Du bist wieder genau da, wo Du vor vier Jahren warst. Aber Du bist einen wesentlichen Schritt weiter: Du hast jetzt begriffen, daß Du Hilfe brauchst, und dringend.

Schade, daß der Psychologe damals zwar auf Antidepressiva und Krankschreibung kam, nicht aber darauf, das problem mal anzupacken und Dir eine Therapie zu empfehlen.

Es ist gut, daß Dir die Medikamente damals weiterhelfen konnten, aber auf Dauer wird es Dir wahrscheinlich nur dann besser gehen, wenn Du den Schritt in eine Therapie gehst. Das sollte Dich nicht erschrecken oder entmutigen: Was Du bisher geschafft hast, und auch, daß Du hier postest, zeigt doch, daß Du eine starke Frau bist, die das meistern kann und wird.

Ob Du eine Verhaltenstherapie oder eine Psychoanalyse machen möchtest, darüber können sich sicher die geister scheiden (es führte hier im Brett immer wieder zu end- und teilweise leider fruchtlosen Diskussionen). Wichtig ist, daß Du einen Therapeuten findest, dem Du vertraust. Dann ist die Schule nicht so entscheidend.

Ich gebe Dir ein paar Links an die Hand, auf denen Du Dich informieren kannst.

Zu Depressionen:

http://www.kompetenznetz-depression.de/
http://www.depressions-sprechstunde.de/

Zur Therapiesuche:

http://www.beratung-therapie.de/
http://www.psychotherapiesuche.de/

Schau Dir außerdem noch die FAQ zur Therapiesuche an (FAQ:237), dort findest Du Hinweise, wie Du am besten Deinen Therapeuten findest.

Ich drücke Dir alle Daumen, daß Du es schaffst. Du hast den ersten Schritt jetzt schon getan, die anderen werden bestimmt leichter werden!

Liebe Grüße,
Nike

‚Danke‘ wäre zu lapidar…
… aber eigentlich auch nicht.Vielen Dank Nike, Marlene, Pia + winkel, für Eure lieben Reaktionen, vielleicht, nein, sogar wahrscheinlich könnte Ihr nachempfinden, wie das - auch gerade nach dem Erlebnis heute morgen - gut tut.
Ich hatte so lange überlegt, überhaupt erst irgendwo anzurufen, hier im Ort bei der einzigen Psychologin habe ich dann einen Termin bekommen für Januar 2003 (!!!), als ich sagte, ich könne nicht so lange warten, hat sie mir diesen Arzt von heute empfohlen, wieder Überwindung, und dann so ein Abfertigen.

Egal… nein, nicht egal, aber jetzt egal, ich wollte nur sagen, daß ich mir jetzt die vielen Links ansehe und durch Eure Antworten Mut gefaßt habe, weiter zu machen und weiter zu suchen, bis ich jemanden gefunden habe, dem ich vertrauen kann, daß er meine Hand bei den ersten Schritten ganz fest hält.

Vielen Dank
Eure Anja

Eine kleine Hilfe???

Egal… nein, nicht egal, aber jetzt egal, ich wollte
nur sagen, daß ich mir jetzt die vielen Links ansehe und durch
Eure Antworten Mut gefaßt habe, weiter zu machen und weiter zu
suchen, bis ich jemanden gefunden habe, dem ich vertrauen
kann, daß er meine Hand bei den ersten Schritten ganz fest
hält.

Vielen Dank
Eure Anja

Liebe Anja,

wie wäre es mit meiner Hand?
Ich möchte Sie Dir so gerne anbieten, dich nur ein wenig begleiten bei den ersten Schritten.

TQAMMQ

Peter Pan

Liebe Anja,

Du wirst denjenigen finden, der Deine Hand ganz fest hält und Dich begleitet, solange Du es für erforderlich hältst! Ich wünsche es Dir von ganzem Herzen und drücke Dir ganz fest die Daumen!

Und wenn Du magst - kannst mich gerne anmailen:smile:

Liebe Grüße
Marlene

Noch ein kleiner Hinweis: Krankenkassen dürfen - zumindest
nach meinem Kenntnisstand - keinen Arzt oder Therapeuten
empfehlen.

Hi Marlene,

Die Pschothreapeuten brauchen eine Zulassung/Anerkennung durch die jeweilige KK. Deswegen geben die KK Listen heraus mit Namen von Therapeuten, die bereits gelistet sind. diese Liste kann ein Anhalt sein, damit nicht mit der Behandlung bis nach der Zulassung gewartet werden muss.

Eine Empfehlung für einen bestimmten Therapeuten ist das nicht.

gruss
winkel

1 „Gefällt mir“

Noch ein kleiner Hinweis: Krankenkassen dürfen - zumindest
nach meinem Kenntnisstand - keinen Arzt oder Therapeuten
empfehlen.

Hi Winkel,

Die Pschothreapeuten brauchen eine Zulassung/Anerkennung durch
die jeweilige KK. Deswegen geben die KK Listen heraus mit
Namen von Therapeuten, die bereits gelistet sind. diese Liste
kann ein Anhalt sein, damit nicht mit der Behandlung bis nach
der Zulassung gewartet werden muss.

Genau so ist es:smile: Danke für die Ergänzung, habe ich doch glatt nur die Hälfte mitgeteilt (meine ich wirklich ernst!!!)

Eine Empfehlung für einen bestimmten Therapeuten ist das
nicht.

Stimmt, KK müssen nämlich neutral sein!

gruss
winkel

Liebe Grüße
Marlene

Hallo Borja,

schön, dass Du den Mut gefunden hast hier Dein Problem zu schildern. Es zeigt dass Du in der Lage bist, Dir Hilfe zu holen. Das halte ich schon mal für ganz wichtig.

Von mir selbst weiß ich, dass bei psyschichen Problemen ein weiteres Problem hinzu kommt: Wo ist der Arzt, der Therapeut, der mich versteht und dem ich vertraue.

Ich habe jahrelang unter Angstzuständen gelitten und so ziemlich alle Psychologen und Therapeuten in meiner Umgebung abgeklappert. Mit mehr, oder weniger Erfolg. Der Wunsch nach einer schnellen Hilfe, jetzt und sofort ist sicherlich verständlich, in der Realität aber schwer zu erreichen.

Bei mir war es so, dass ich nichts von meinem gewohnten Leben aufgeben wollte. Die Arbeit „muss“ weitergehen, die Aufgaben die ich habe, die Anforderungen an mich. Das alles „muss“ bewältigt und erfüllt werden. Hab ich gedacht. Ist das so? Warum? Wer sagt mir das ich es „muss“?
Irgendwann, als nichts mehr ging, habe ich beschlossen, meine Arbeit, meine Aufgaben und Anforderungen „ruhen zu lassen“ und mich ausschließlich mit meinem Problem und dem richtigen Therapeuten, bzw der richtigen Klinik zu befassen. Ich habe Abstand genommen von all den Leuten um mich rum, die gute Ratschläge gaben und auf mich eingeredet haben, ich solle doch dieses und jenes mal probieren.
Überfordert war ich im Alltag ja sowieso. Zu der Überforderung kam dann auch noch die Suche nach einem geeigneten Therapeuten. Alles „muss“ weitergehen und dabei aber auch schnelle, erfolgreiche Hilfe.
Bei mir hat es so nicht funktioniert.

Mein Eindruck ist: die Anforderungen an Dich werden nicht weniger, sondern im Moment erst einmal mehr. Soll es denn so sein?
„Ich habe doch immer alles gemeistert und bewältigt, obwohl es stressig war. Ich hab es doch immer alles geschafft.“
Frage Dich doch mal, wie schön es sein könnte, nichts bewältigen und schaffen zu müssen.

Du hast, wie auch ich das Recht darauf, schwach zu sein, Dir Freiräume zu schaffen und Dir die Zeit zu nehmen, die Du brauchst!

Mein weiterer Eindruck ist, dass Du auch gar nicht so recht weißt, was Dir Gut tut.
Welche Art der Therapie ist die richtige? Ist überhaupt eine notwendig?
„Ich weiß es doch nicht“ ist Deine Antwort.

Um herauszufinden, wo ich damals eigentlich stand, war für mich wichtig, erst einmal Ruhe einkehren zu lassen. Keine Arbeit, EINE gute Freundin die mir zuhört, aber nicht unzählige Leute, die „gute Tipps“ geben.
Ich bin damals zu einer Psychosozialen Beratungsstelle gegangen, die bei Krankheit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern vermittelt und gleichzeitig auch therapeutisch geschultes Personal hat. Gibt es so was an Deinem Ort?
Jedenfalls hab ich mir erst mal Ruhe verschafft, mich von allem störenden befreit, dann zur Beratung und dann bin ich in einer sehr guten Klinik gelandet.
Seitdem geht es mir gut.
Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass Du Deinen Weg findest.
Meine Hand geb´ich Dir gerne, aber finden solltest Du den Weg alleine.

Vielleicht mit ein wenig mehr Ruhe?

Liebe Grüße

Frank

Hallo Borja,

Hallo Frank,
danke auch Dir für Deine Antwort.

schön, dass Du den Mut gefunden hast hier Dein Problem zu
schildern. Es zeigt dass Du in der Lage bist, Dir Hilfe zu
holen. Das halte ich schon mal für ganz wichtig.
Von mir selbst weiß ich, dass bei psyschichen Problemen ein
weiteres Problem hinzu kommt: Wo ist der Arzt, der Therapeut,
der mich versteht und dem ich vertraue.

Die Situation ist ziemlich schlimm: als allererstes möchte ich Hilfe, schnell, fast will ich sagen: egal, von wem, Hauptsache, mich versteht einer und kann mir irgendwie helfen. Aber dann, natürlich, muß auch gegenseitiges Vertrauen da sein, denn ich muß dem Therapeuten mein innerstes Wesen anvertrauen, denke ich, sonst hat er/sie keine Chance, mir zu helfen.
Gestern habe ich von der kassenärztlichen Vereinigung eine Liste aller zugelassenen Therapeuten in einem Umkreis von etwa 50-60 km von meinem Wohnort entfernt erhalten. Es waren 30 Seiten. Ich habe sie durchgeforstet und erstmal reduziert auf zwei Seiten, um einen Überblick zu behalten. Habe gestern noch einige angerufen und auf Band gesprochen. Heute Rückrufe: Wartezeiten ein halbes bis zu einem Jahr. Ich habe beim letzten Rückruf gesagt: „Tut mir leid, so lange warte ich nicht, bis dahin passiert etwas - so oder so.“ Aber es hat keiner gesagt: Okay, wir versuchen es, kommen Sie vorbei.
Ich habe heute nachmittag ein Orientierungsgespräch bei einer Allgemeinärztin mit - nehme ich an - psychologischer Zusatzausbildung, da ich ansonsten die Adresse nicht erhalten hätte. Ich habe solche Hoffnung in diesen Termin und gleichzeitig furchtbare Angst zu hören: Okay, Therapie ist nötig, ab März 2003 habe ich wieder Termine. Mit meiner Angst mache ich vielleicht jegliche letzte Hoffnung gleich kaputt, aber genau diese Angst und vieles andere mehr sind auch gleichzeitig die Ursache meiner Situation. Hamster im Laufrad…
Am 08.10. darf ich zu einem Infoabend in einer psychotherapeutischen Tagesklinik, aber auch schon mit dem Hinweis, daß es bis zu einer evtl. Einweisung ein halbes Jahr dauern kann. Nun ist die Hürde schon so schwer, überhaupt jemanden zu finden, und dann wartet die nächste, jemanden zu finden, dem man vertraut…

Ich habe jahrelang unter Angstzuständen gelitten und so
ziemlich alle Psychologen und Therapeuten in meiner Umgebung
abgeklappert. Mit mehr, oder weniger Erfolg. Der Wunsch nach
einer schnellen Hilfe, jetzt und sofort ist sicherlich
verständlich, in der Realität aber schwer zu erreichen.
Bei mir war es so, dass ich nichts von meinem gewohnten Leben
aufgeben wollte. Die Arbeit „muss“ weitergehen, die Aufgaben
die ich habe, die Anforderungen an mich. Das alles „muss“
bewältigt und erfüllt werden. Hab ich gedacht. Ist das so?
Warum? Wer sagt mir das ich es „muss“?

Ja, da fehlen mir die Worte, ich kann nur sagen: genauso geht es mir. Ich muß morgen mittag 4-5 Std. mit dem Auto nach Holland fahren, Donnerstag ist großes Meeting, alles auf Englisch, abends wieder 4-5 Std. zurück. Heute morgen wäre ich am liebsten umgekehrt, wieder nach Hause gefahren und hätte allen hier gesagt: Vorbei, ich komme erstmal nicht mehr, geht nicht mehr, pack’s nicht mehr. Habe es nicht gemacht. Sage mir: kann das nicht tun, wichtige Phase momentan, wenn ich jetzt fehle, bin ich untendurch… habe den Chef + die Kollegen im Stich gelassen…

Irgendwann, als nichts mehr ging, habe ich beschlossen, meine
Arbeit, meine Aufgaben und Anforderungen „ruhen zu lassen“ und
mich ausschließlich mit meinem Problem und dem richtigen
Therapeuten, bzw der richtigen Klinik zu befassen. Ich habe
Abstand genommen von all den Leuten um mich rum, die gute
Ratschläge gaben und auf mich eingeredet haben, ich solle doch
dieses und jenes mal probieren.
Überfordert war ich im Alltag ja sowieso. Zu der Überforderung
kam dann auch noch die Suche nach einem geeigneten
Therapeuten. Alles „muss“ weitergehen und dabei aber auch
schnelle, erfolgreiche Hilfe.
Bei mir hat es so nicht funktioniert.
Mein Eindruck ist: die Anforderungen an Dich werden nicht
weniger, sondern im Moment erst einmal mehr. Soll es denn so
sein?

Nein, und ich habe jeden Tag Horror vor dem, was vor mir liegt…

„Ich habe doch immer alles gemeistert und bewältigt, obwohl es
stressig war. Ich hab es doch immer alles geschafft.“
Frage Dich doch mal, wie schön es sein könnte, nichts
bewältigen und schaffen zu müssen.
Du hast, wie auch ich das Recht darauf, schwach zu sein, Dir
Freiräume zu schaffen und Dir die Zeit zu nehmen, die Du
brauchst!
Mein weiterer Eindruck ist, dass Du auch gar nicht so recht
weißt, was Dir Gut tut.
Welche Art der Therapie ist die richtige? Ist überhaupt eine
notwendig?
„Ich weiß es doch nicht“ ist Deine Antwort.
Um herauszufinden, wo ich damals eigentlich stand, war für
mich wichtig, erst einmal Ruhe einkehren zu lassen. Keine
Arbeit, EINE gute Freundin die mir zuhört, aber nicht
unzählige Leute, die „gute Tipps“ geben.

Als ich vor vier Jahren beim Arzt war, steckte ich mitten in einer extrem stressigen beruflichen Phase: Softwareentwicklung, kurz vor der EURO-Umstellung, jede Minute war sozusagen kostbar, NIE hätte ich gedacht, daß es in dieser Situation „ohne mich gehen kann“. Es ging. Der Arzt hat mich krank geschrieben, und als ich ihm sagte: Das geht doch jetzt nicht, jetzt kommt die EURO-Umstellung (habe ich wirklich wörtlich so gesagt), meinte er: Genau wegen dieser Worte nimmt er mir jetzt erstmal die Entscheidung ab. Ich bleibe zu Hause. Punkt.
Aber schlimm ist: ich schäme mich heute, daß ich schon wieder vor dieser Situation stehe. Es ist wie eine Wiedeholung und ich kämpfe z.Z. noch dagegen an, will es nicht zulassen… nicht wahrhaben? Ein Teil von mir (der auch dieses Posting geschrieben hat) sagt: Es ist so. Der andere Teil (der soooo vernünftige, der denkt: „andere schaffen das doch auch“), der sagt: Nein, laß’ es nicht zu…

Ich bin damals zu einer Psychosozialen Beratungsstelle
gegangen, die bei Krankheit zwischen Arbeitgebern und
Arbeitnehmern vermittelt und gleichzeitig auch therapeutisch
geschultes Personal hat. Gibt es so was an Deinem Ort?

Ich weiß es nicht, wie hast Du diese Stelle gefunden? Ich kann versuchen, mich danach zu erkundigen.

Jedenfalls hab ich mir erst mal Ruhe verschafft, mich von
allem störenden befreit, dann zur Beratung und dann bin ich in
einer sehr guten Klinik gelandet.
Seitdem geht es mir gut.
Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass Du Deinen Weg findest.
Meine Hand geb´ich Dir gerne, aber finden solltest Du den Weg
alleine.

Vielleicht mit ein wenig mehr Ruhe?

Liebe Grüße

Frank

Ich werde über Deine Worte noch mal ganz intensiv nachdenken. Mein Gefühl sagt mir, daß Du recht hast.
Ich danke Dir
Anja

Hallo Marlene, winkel,

ja, genau diese Liste von zugelassenen Psychotherapeuten habe ich gestern per Fax bekommen (siehe oben, mein Posting an Frank)

Es ist schon eine Hilfe, ich erspare mir das wüste Suchen in den gelben Seiten, und ich weiß zumindest, daß ich mit diesen Therapeuten keine Probleme mit der KK bekomme.

Dank Euer aller Postings bisher habe ich wieder Mut gefaßt, diese nach und nach abzuklappern und zu hoffen, bald Hilfe zu bekommen. Habe schon Antworten bekommen (siehe auch oben), aber ich bleibe dran… ich will und muß, das ist mein Ziel. Aber es ist verdammt schwer…

Aber ich bleibe dran.

Anja

Liebe Anja,

wie wäre es mit meiner Hand?
Ich möchte Sie Dir so gerne anbieten, dich nur ein wenig
begleiten bei den ersten Schritten.

TQAMMQ

Peter Pan

Lieber Peterle,

Du weißt, daß mich Deine Hand bereits ganz, ganz fest hält.

Ich danke Dir dafür.

YT
Anja

Hallo Anja,

Ja, da fehlen mir die Worte, ich kann nur sagen: genauso geht
es mir. Ich muß morgen mittag 4-5 Std. mit dem Auto nach
Holland fahren, Donnerstag ist großes Meeting, alles auf
Englisch, abends wieder 4-5 Std. zurück. Heute morgen wäre ich
am liebsten umgekehrt, wieder nach Hause gefahren und hätte
allen hier gesagt: Vorbei, ich komme erstmal nicht mehr, geht
nicht mehr, pack’s nicht mehr. Habe es nicht gemacht. Sage
mir: kann das nicht tun, wichtige Phase momentan, wenn ich
jetzt fehle, bin ich untendurch… habe den Chef + die
Kollegen im Stich gelassen…

Das macht mich sehr betroffen. Wenn Du mal in meine Vika geschaut hast, was ich so mache…Ich komme jedenfalls mit einer ganzen Menge Leute zusammen, die Psyschiche Probleme haben, dann aber auch noch in der Sucht landen.

Das was Du schilderst ist mir sehr bekannt, von mir selber und von vielen anderen. Ich finde es heute sehr, sehr schade, wenn Menschen sich vor lauter Arbeit nicht mehr die Zeit für sich selbst nehmen WOLLEN (ich habe extra nicht geschrieben KÖNNEN)
Die Firma kann nicht Ohne mich leben. Ich bin unentbehrlich. Ich lasse die Kollegen im Stich. Wie gemein. Was ist untendurch?
Liebe Anja, bitte wo leben wir denn??
Der wichtigste Mensch auf der Welt bin ich. Dann kommt lange Zeit gar nichts. Meine Gesundheit ist mir wichtig. Meine Zufriedenheit ist mir wichtig. Ich möchte ein schönes, zufriedenes Leben führen. Darum bin ich auf der Welt.

Ich bin definitiv nicht auf der Welt, um die ERWARTUNGEN anderer Menschen zu erfüllen!!

Was andere von mir erwarten ist mir völlig wurst. Heute. Es war lange Zeit nicht so. Ich kann Dich schon verstehen.
Stark sein, allen Anforderungen gewachsen sein, die Aufgaben erfüllen, den Pflichten nachkommen, nie fehlen, immer pünktlich.
So einen Schwachsinn hab ich geglaubt und auch noch gelebt.

Dieses „muss“ kommt aber weder von Deinem Chef, noch von irgendjemand anderem. Niemand hat das Recht Dir etwas zu befehlen. Du legst Dir dieses „muss“ selber auf. Es ist DEIN EIGENGEWÄCHS.

Es gibt sicherlich Gründe (Ursachen), warum Du die „Starke Frau“ spielen musst. Das sollte ein Experte klären.
Ich möchte Dich mit meinen Zeilen nur ein wenig zum Denken anregen, ob die Rolle, die Du spielst (Starke Frau) auch wirklich zu Dir passt. Wo sind Deine Grenzen?? Wie weit willst Du gehen? Morgen Holland, übermorgen Amerika?
Warum kannst Du nicht NEIN sagen, STOPP. Dein Körper sendet Dir doch eindeutige Signale und Du ignorierst sie ME, wenn Du nach schneller Hilfe rufst, Dir aber nicht die Zeit nimmst der Ursache gründlich auf die Spur zu kommen.

Das geht sicherlich nicht, wenn Du den Beruf VOR Deiner Person stellst. Es geht um Dich. Wer ist wichtig? Beruf oder Ich??
An dieser Stelle bekomme ich sonst immer die Antwort, die so anfängt: „Aber ich kann doch nicht…“ Auch das ist etwas, was wir uns selbst auferlegen. Natürlich können wir.

Es macht mich deshalb so traurig, weil ich heute weiß, wie viel schöner das Leben ist, seitdem ich mich von diesen selbst auferlegten Zwängen befreit habe. Ich „muss“ heute nichts mehr machen. Ich kann frei entscheiden. Ich kann, ich darf.
Bei Deiner Schilderung, kommt es mir bald so vor, wie in einem Gefängnis. Eingebunden in PFLICHT. Du alleine hast die Möglichkeit Dich davon frei zu machen.
IMMER wann Du willst. Einmal im Jahr, zwei mal, zehn mal, für immer. Du bestimmst doch die Regeln!

Ich wünsche Dir, dass Du die Zeit und die Ruhe finden kannst, Deine Gefühle und Empfindungen zu deuten, ernst zu nehmen. Die Signale die Dir Dein Körper gibt, ernst zu nehmen.

Mit Arbeit verdienen einige Leute Geld, anderen ist es wichtig zu arbeiten, um bloß nicht groß nachdenken zu müssen.

Wir leben in einer Zeit, in der ein Großteil der Menschheit ohne Zeit durch Leben rennt. NUR mit dem Kopf, der Hauptzentrale, die völlig losgelöst vom Rest des Körpers ist. Die Signale, die uns der Körper sendet, werden ignoriert. Keine Zeit.
Das können Medikamente oder Ärzte wegbügeln, am Besten schnell und es muss sofort helfen, damit ich so weitermachen kann wie bisher.
Ist es das, was Du willst? Ich glaube nicht.

Aber schlimm ist: ich schäme mich heute, daß ich schon
wieder
vor dieser Situation stehe. Es ist wie eine
Wiedeholung und ich kämpfe z.Z. noch dagegen an, will es nicht
zulassen… nicht wahrhaben? Ein Teil von mir (der auch dieses
Posting geschrieben hat) sagt: Es ist so. Der andere Teil (der
soooo vernünftige, der denkt: „andere schaffen das doch
auch“), der sagt: Nein, laß’ es nicht zu…

Nach vier Jahren? Du schämst Dich? Wofür?
Wer ist andere?

Andere sind egal. Du bist der wichtigste Mensch in Deinem Leben. Sonst Niemand.

Ich kann es sehr gut nachempfinden. Ich habe mich lange Zeit auch geschämt, dass andere ihre Aufgaben ernsthaft erledigen und ich schwacher Mensch bin schon wieder krank. Es gibt halt verschiedene Menschen auf der Welt. Ich gehöre zur Gattung: „öfter krank“ Na und? Es hat aber lange gedauert bis ich das so sehen konnte. Aber ich versichere Dir, wenn Du es möchtest, kannst Du auch dorthin. Nur schnell geht es nicht.

Ich bin damals zu einer Psychosozialen Beratungsstelle
gegangen, die bei Krankheit zwischen Arbeitgebern und
Arbeitnehmern vermittelt und gleichzeitig auch therapeutisch
geschultes Personal hat. Gibt es so was an Deinem Ort?

Ich weiß es nicht, wie hast Du diese Stelle gefunden? Ich kann
versuchen, mich danach zu erkundigen.

Meine Krankenkasse AOK hat mir die Adresse gegeben
Hier in Baden- Württemberg gibt es sogenannte Integrationsfachdienste mit Psychosozialer Beratung. Sie haben die Aufgabe, die Interessen der krank geschriebenen Arbeitnehmer zu vertreten. Sie sind auch Vermittler zwischen Arbeitgeber- und nehmer. Sie können z.B. helfen, wie man sich in solchen Situationen, wie in Deiner, gegenüber dem Arbeitgeber verhält. Man „muss“ (da haben wir das Wort schon wieder) seine Beschwerden ja nicht unbedingt outen.
In BW gehören diese Anlaufstellen zur SRH- Gruppe.

Ich werde über Deine Worte noch mal ganz intensiv nachdenken.
Mein Gefühl sagt mir, daß Du recht hast.
Ich danke Dir
Anja

So fänd ich es schön, nicht der Kopf, sondern das Gefühl…

Liebe Grüße

Frank

2 „Gefällt mir“

Anja, fasse Mut.
Kurz meine Geschichte, damit Du siehst, daß es auch wieder hoch gehen kann…
89 Unfall; Job gekündigt. Gejobbt, wo ich konnte, 93 selbstständig gemacht (Computer), 96 Pleite (300.000 Schulden). Frau mit Kindern ausgezogen - Scheidung.
Leben schleifen gelassen, Bude verkommen, Wohnung gekündigt, saß auf der Straße, „moralische“ Prügel von Mutter, Sozialamt.
Das alles innerhalb eines Jahres!

Aufgerafft, Freundin (Russin) gefunden, neue Wohnung gefunden, Job im Westen gefunden, Freundin geheiratet. Job weben Mobbing gekündigt, kurzzeitig Arbeitslos.
Wegen ständiger Meckerei ausgezogen - von Frau getrennt (sind aber noch Freunde!), nicht aufgegeben, 2000 erste Firma aufgemacht, letztes Jahr 650.000 Umsatz, 2. Firma gegründet ( derzeit im Aufbau ), Kreditzusage bekommen, Vorverträge für die nächsten 18 Monate über derzeit 9,5 Mio. Euro Umsatz.

Freundin gefunden, Fronten geklärt (getrennte Kassen und Wohnungen), derzeit super Beziehung. Äh, na ja, etwas zu viel Sex am Wochenende, aber das verklicker ich ihr noch :wink:

Du siehst also, man kann auch, wenn man ganz unten war (fast „unter der Brücke“), wieder hochkommen. Man darf sich nur nicht sagen: das geht nicht. Erst als ich sagte: DEN AR***LÖCHERN ZEIG ICHS! (ich meinte da Gläubiger, Banken und falsche Freunde) ging es mit mir aufwärts.

Ach ja, eh ich’s vergesse: in MEINER Firma (bis Mitte 2003 werden es 20 Mann sein) ist Mobbing ein Grund für eine Fristlose Kündigung. Steht in den Arbeitsverträgen…

Liebe Marlene,

vielleicht komme ich darauf zurück. Vielen lieben Dank für Dein Angebot.

Anja

Hallo Frank

Das was Du schilderst ist mir sehr bekannt, von mir selber und
von vielen anderen. Ich finde es heute sehr, sehr schade, wenn
Menschen sich vor lauter Arbeit nicht mehr die Zeit für sich
selbst nehmen WOLLEN (ich habe extra nicht geschrieben KÖNNEN)
Die Firma kann nicht Ohne mich leben. Ich bin unentbehrlich.
Ich lasse die Kollegen im Stich. Wie gemein. Was ist
untendurch?
Liebe Anja, bitte wo leben wir denn??

Wir leben u.a. in einer Welt, in der ein Chef freitags um 17:30 Uhr sagt: „Was, Kollege xyz geht schon???“ In der erwartet wird, sich für die Firma aufzuopfern, und dann, wenn man völlig ausgepowert ist, zu sagen: „Weißt Du, Du hältst Dich ja momentan ganz schön 'raus.“ Das ist mir jedenfalls passiert, jetzt schon in drei Firmen. Versteh’ mich nicht falsch, ich finde das ehrlich gesagt pervers, ich möchte mich dem nicht unterwerfen, möchte genau das, was Du schreibst:

Der wichtigste Mensch auf der Welt bin ich. Dann kommt lange
Zeit gar nichts. Meine Gesundheit ist mir wichtig. Meine
Zufriedenheit ist mir wichtig. Ich möchte ein schönes,
zufriedenes Leben führen. Darum bin ich auf der Welt.
Ich bin definitiv nicht auf der Welt, um die ERWARTUNGEN
anderer Menschen zu erfüllen!!

Ich habe viele Vorstellungen, wie ich mir mein glückliches Leben vorstelle, das sind Dinge wie „glückliche Partnerschaft“, „mit mir selbst zufrieden sein“, „meinen Humor nie verlieren“, „gesund sein“ usw. (keine Rangfolge). Irgendwo darin kommt auch vor „eine Arbeit haben, die mir Spaß macht“. Es kommt nicht vor: „ich möchte immer die Erwartungen anderer erfüllen“. Und doch lebe ich so. Und genau hier muß etwas passieren, denn der „Perfektionismus“, mit dem ich versuche, diesen Anforderungen gerecht zu werden, macht mich krank. Deshalb habe ich hier geschrieben, um ein bißchen Hilfe zu bekommen bei dem Sprung aus dem Hamsterlaufrad… und Deine Antworten sind ein Schritt in die richtige Richtung, meine Gedanken, die sich seit langem im Kreis drehen, zu durchbohren.

Was andere von mir erwarten ist mir völlig wurst. Heute. Es
war lange Zeit nicht so. Ich kann Dich schon verstehen.
Stark sein, allen Anforderungen gewachsen sein, die Aufgaben
erfüllen, den Pflichten nachkommen, nie fehlen, immer
pünktlich.
So einen Schwachsinn hab ich geglaubt und auch noch gelebt.
Dieses „muss“ kommt aber weder von Deinem Chef, noch von
irgendjemand anderem. Niemand hat das Recht Dir etwas zu
befehlen. Du legst Dir dieses „muss“ selber auf. Es ist DEIN
EIGENGEWÄCHS.

Das ist absolut richtig. Ich weiß das und verdränge es wieder, wenn die nächste „Anforderung“ kommt… Es gibt Momente, da sind mir auch viele Ursachen meiner Situation klar. Mir wurde immer wieder vorgeworfen, schon als Kind, ich wäre so egoistisch. Also bemühe ich mich, es nicht zu sein. Ich war vor vier Jahren mit einem Mann zusammen, der sein Leben derart in den Mittelpunkt gestellt hat, daß er andere, unter anderem mich, damit extrem verletzt hat (auch körperlich). Das finde ich auch nicht richtig. Gesunder „Egoismus“ ist gut und wichtig, denn es ist und bleibt mein Leben, ich habe nur das eine und das möchte ich so schön haben, wie es geht, aber nicht auf Kosten anderer. Und hier möchte ich die richtige Waage halten können. Oder bin ich da zu blauäuig??

Es gibt sicherlich Gründe (Ursachen), warum Du die „Starke
Frau“ spielen musst. Das sollte ein Experte klären.
Ich möchte Dich mit meinen Zeilen nur ein wenig zum Denken
anregen, ob die Rolle, die Du spielst (Starke Frau) auch
wirklich zu Dir passt. Wo sind Deine Grenzen?? Wie weit willst
Du gehen? Morgen Holland, übermorgen Amerika?
Warum kannst Du nicht NEIN sagen, STOPP. Dein Körper sendet
Dir doch eindeutige Signale und Du ignorierst sie ME, wenn Du
nach schneller Hilfe rufst, Dir aber nicht die Zeit nimmst der
Ursache gründlich auf die Spur zu kommen.

Ich habe mir vor einiger Zeit Bücher gekauft über das Thema „Nein sagen“, es ist ein verdammt wichtiges Thema, ich kann nicht gut „Nein“ sagen, meine Mutter auch nicht, mir wurde das jahrelang vorgelebt, soll keine Entschuldigung sein, nur ein Erklärungsversuch, ist ein weiteres Thema, das durchleuchtet werden muß. Vor vier Jahren habe ich zugelassen (?), daß meine persönlichen Grenzen, die ich bis dahin durchaus kannte, überschritten wurden. Ich habe danach die Grenzen wieder neu gesteckt, doch jetzt sind sie erneut aufgebrochen. Ich möchte meine eigenen Grenzen wiederfinden.

Das geht sicherlich nicht, wenn Du den Beruf VOR Deiner Person
stellst. Es geht um Dich. Wer ist wichtig? Beruf oder Ich??
An dieser Stelle bekomme ich sonst immer die Antwort, die so
anfängt: „Aber ich kann doch nicht…“ Auch das ist etwas,
was wir uns selbst auferlegen. Natürlich können wir.

Es macht mich deshalb so traurig, weil ich heute weiß, wie
viel schöner das Leben ist, seitdem ich mich von diesen selbst
auferlegten Zwängen befreit habe. Ich „muss“ heute nichts mehr
machen. Ich kann frei entscheiden. Ich kann, ich darf.
Bei Deiner Schilderung, kommt es mir bald so vor, wie in einem
Gefängnis. Eingebunden in PFLICHT. Du alleine hast die
Möglichkeit Dich davon frei zu machen.
IMMER wann Du willst. Einmal im Jahr, zwei mal, zehn mal, für
immer. Du bestimmst doch die Regeln!

Gefängnis ist ein sehr treffendes Wort. Ich glaube, ich habe mich selbst darin eingesperrt und finde jetzt den Schlüssel nicht mehr…

Ich wünsche Dir, dass Du die Zeit und die Ruhe finden kannst,
Deine Gefühle und Empfindungen zu deuten, ernst zu nehmen. Die
Signale die Dir Dein Körper gibt, ernst zu nehmen.
Mit Arbeit verdienen einige Leute Geld, anderen ist es wichtig
zu arbeiten, um bloß nicht groß nachdenken zu müssen.
Wir leben in einer Zeit, in der ein Großteil der Menschheit
ohne Zeit durch Leben rennt. NUR mit dem Kopf, der
Hauptzentrale, die völlig losgelöst vom Rest des Körpers ist.
Die Signale, die uns der Körper sendet, werden ignoriert.
Keine Zeit.
Das können Medikamente oder Ärzte wegbügeln, am Besten schnell
und es muss sofort helfen, damit ich so weitermachen kann wie
bisher.
Ist es das, was Du willst? Ich glaube nicht.

Nein, siehe oben. Ganz bestimmt nicht.

Nach vier Jahren? Du schämst Dich? Wofür?
Wer ist andere?
Andere sind egal. Du bist der wichtigste Mensch in Deinem
Leben. Sonst Niemand.
Ich kann es sehr gut nachempfinden. Ich habe mich lange Zeit
auch geschämt, dass andere ihre Aufgaben ernsthaft erledigen
und ich schwacher Mensch bin schon wieder krank. Es gibt halt
verschiedene Menschen auf der Welt. Ich gehöre zur Gattung:
„öfter krank“ Na und? Es hat aber lange gedauert bis ich das
so sehen konnte. Aber ich versichere Dir, wenn Du es möchtest,
kannst Du auch dorthin. Nur schnell geht es nicht.

Nach allem, was ich hier gelesen habe, was mir auch mein Verstand und mein Gefühl sagen, ist mir das jetzt klar. Ich hatte gestern ein wunderbares Gespräch mit meinem Partner, ich fühlte mich danach so gut aufgehoben, geliebt und unterstützt, heute bin ich ein großes Stück weiter, ich traue mich schon, den Fuß mal aus dem Laufrad zu stecken. Bis zum Sprung ist es nicht mehr weit, daß haben er gestern und auch Deine und die anderen Postings hier schon bewirkt. Ich schäme mich nicht mehr so, fange an, es zu akzeptieren und nach Lösungen zu suchen. Es wird noch eine Weile dauern, aber ich fange einfach an. Das ist der erste Schritt.

Ich werde über Deine Worte noch mal ganz intensiv nachdenken.
Mein Gefühl sagt mir, daß Du recht hast.
Ich danke Dir
Anja

So fänd ich es schön, nicht der Kopf, sondern das Gefühl…

Liebe Grüße

Frank

Ich war gestern auch noch bei einer Allgemeinärztin mit dem Zusatzbereich Psychotherapie, die hat sich fast eine Dreiviertelstunde Zeit für mich genommen und mir zugehört, es war so unglaublich erleichternd, allein nur das Reden erstmal. Sie hat mir einen Psychotherapeuten empfohlen, von dem sie bei meiner Geschichte denkt, daß ich dort gut aufgehoben bin. Ich habe ihm noch auf den Anrufbeantworter gesprochen und warte auf einen Rückruf. Aber nicht mehr ganz so mutlos, es gibt Hilfe, das Gefühl habe ich jetzt.

Vielen Dank für Deine ehrlichen und hilfreichen Worte.

Anja

Hallo Anja,

es gefällt mir, wie Du die Dinge mittlerweile siehst.

Ich wünsche Dir, dass sich Deine Wünsche erfüllen.
Abschließend möchte ich dennoch dazu Stellung nehmen (weil ich glaube, dass nicht nur Du, sondern leider eine erschreckend hohe Anzahl an Menschen es so sieht)

Wir leben u.a. in einer Welt, in der ein Chef freitags um
17:30 Uhr sagt: „Was, Kollege xyz geht schon???“ In der
erwartet wird, sich für die Firma aufzuopfern, und dann, wenn
man völlig ausgepowert ist, zu sagen: „Weißt Du, Du hältst
Dich ja momentan ganz schön 'raus.“ Das ist mir jedenfalls
passiert, jetzt schon in drei Firmen. Versteh’ mich nicht
falsch, ich finde das ehrlich gesagt pervers, ich möchte mich
dem nicht unterwerfen, möchte genau das, was Du schreibst:

Auch ich habe in so einem Laden gearbeitet. Das ging so weit, dass ich mich nur einmal am Tag zur Toilette getraut habe. Wenn Du länger als 5 Min. verschwunden warst, dann wurde schon getuschelt. Es war unerträglich. Alle gegen jeden. Gegeneinander ausspielen, Mobbing, verletzend und beleidigend.
Ich habe das tatsächlich ein ganzes Jahr lang mitgemacht. Erst als mein Körper sich meldete (kein Schlaf mehr, nervös, Rückenschmerzen, Depression) habe ich es beendet.
Wer sagt mir, dass ich es „muss“

Das es so viele Läden auf diesem Niveau gibt, liegt an so vielen Leuten, die sich auf dieses Niveau begeben. An den Arbeitern und Angestelleten, die solche Spiele mitspielen, aus Geldgeilheit und Freude, andere hinter sich zu lassen. Aber auch aus ANGST, dass sie ihren Job verlieren, wenn sie nicht STÄRKER sind als die anderen.

Ich bin ein Mensch, der sich für eine solche Rolle zu schade ist. Ich bin ich und lege wert darauf, dass ich wegen meiner Eigenschaften einen Job gut mache.
Ich erfülle weder die Erwartungen anderer, noch opfere ich mich auf. Ich bestimme die Regeln. Ich bestimme die Grenzen. Ich sage Nein.

Weißt Du, es kommt bei mir ein wenig so an, dass Du sagen willst: Eigentlich will ich ja, ich kann aber nicht, weil mein Chef und die anderen alle so böse sind, die wollen das ich mich „aufopfere“ und ich „muss“ das tun, sonst verlier ich „schon wieder“ einen „guten“ Job.

Realistisch wäre vielleicht zu sagen: Was ist an einem Job gut, an dem solches von mir gefordert wird. Welcher Idiot kann von mir fordern, dass ich mich „aufopfere“ Dieses „Recht“ hat ja noch nicht mal mein Bester Freund.

Solange ich nicht nein sage, wird es immer so bleiben. Aus meinem Chef wird nicht über Nacht ein anderer Mensch, aus meinen Kollegen auch nicht. Ich kann keine anderen Menschen ändern, aber ich kann durch MEIN Verhalten gegenüber diesen Menschen etwas bewirken. Wenn ich mich ihnen gegenüber anders verhalte als bisher, gibt es die Möglichkeit, dass sich etwas ändert.

Im Übrigen habe ich später einen Chef kennengelernt, der Wert darauf legte, dass ich genau wußte wo meine Grenzen sind und das ich NEIN sagen konnte. Er hat mich wegen dieser Eigenschaften beschäftigt. Die gibt es auch. Ich wollte (nicht „musste“) nur eine Weile danach suchen.

Solange ich die Rolle des „Alleskönner“ (bei Dir ersatzweise „die Starke Frau“)im Vorstellungsgespräch gespielt habe, haben die sich die Hände gerieben, der ist uns willkommen, kann alles, macht alles, sagt niemals nein. Ein guter Fang.

IMHO glaube ich, dass wir unsere guten Eigenschaften, die wir alle besitzen und das unsere Gefühle und Empfindungen auf diese Art verloren gehen. Ich spiele nur noch eine Rolle, die den Erwartungen meines Chefs und meiner Kollegen entspricht und das teilweise länger als acht Std. am Tag, manchmal jahrelang.
Ja wen wundert es denn dann wenn es Menschen gibt die deswegen psyschiche Probleme haben, oder psychosomatisch reagieren??Wissen wir überhaupt noch wer wir sind?
Ich war glücklich, in der Lage zu sein, die Warnsignale meines Körpers zu empfangen und zu handeln. Bei Dir ist es auch so.
Viele andere haben sich selbst schon ganz „verloren“
Insofern hat das ganze etwas sehr positives, auch für Dich, Du hast die Chance, Dich selbst neu zu entdecken.

Ich wünsch Dir alles Gute

Frank

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Hallo Frank,

ich habe diesen Artikel in den letzten Tagen sehr aufmerksam verfolgt. Ich wollte mich einfach mal afür bedanken, daß Du Dich dieser sache so angenommen hast und genau DAS geschrieben hast WAS Du geschrieben hast…

Ich laß das einfach mal so stehen

-)

Grüsse
PP