Hallo allerseits!
nun bin ich wieder mal auf kulturgeschictliches angewiesen, da eine suchmaschiene mir nicht wirklich weiter hilft …
ich wage zu bezweifeln, dass russland im 19 jahrhundert mit ‚natürlichen‘ rauschgiften … handelte oder konsumierte, oder gibts dafür doch „handfeste beweise“?
ich wär sehr dankbar für tatsachen, weniger gerüchte
mfg
LC.S
Fliegenpilzsuppe ist eine seit mindestens dem 18. Jhdt. in Russland populäre Sache. Weil der Wirkstoff nicht unmittelbar metabolisiert wird, diente übrigens der Urin der Herren dafür, daß die Knechte sich auch noch ihren kleinen Trip leisten konnten.
Das im Sibirischen Raum verbreitete Schamanentum ist wie meistens Schamanenkulturen mit Fliegenpilz und anderen schönen Dingen (Datura, wohl auch Atropa, von beiden weiß ich aber nicht sicher) verbunden.
ich wage zu bezweifeln, dass russland im 19 jahrhundert mit
‚natürlichen‘ rauschgiften … handelte oder konsumierte, oder
gibts dafür doch „handfeste beweise“?
Hallo !
Gestern habe ich hier die Frage gestellt, ob es nicht heißen muß :
, „dass man in Russland“ mit Rauschgiften handelte. Statt „dass Russland mit Drogen handelte“.
Beide Fragen ergeben einen völlig anderen Sinn. Einmal wird der ganze Staat Russland des Drogenhandels verdächtigt, das anderemal nur Teile seiner Bewohner.
Die zuständige Modistin hat meine Frage gelöscht, weil dass eine Rechtschreibdiskussion war. In ihren Augen.
So langsam reicht es mir und man sollte sich doch fragen, ob das so weitergehen soll.
Sollte die betreffende Dame dies wieder löschen, kann ich auch in „Sonstiges“ gehen. Oder in das Brett Lob usw.
Ganz sicher wurde damals in Russland auch mit Rauschgift und Drogen gehandelt.
Nur waren Drogen damals überhaupt kein Problem und auch nicht kriminalisiert wie heute.
Laudanum, ein aus Opium gewonnenes Beruhigungsmittel, gehörte zum Standardmittel im 19. Jahrhundrt. In Westeuropa, wie auch in Russland.
Sämtliche Drogen waren noch Naturprodukte und keine chemischen Erzeugnisse, deshalb auch nicht geächtet. Wer wollte, konnte sich in ganz Europa mit Drogen versorgen und man tat es. Und wer wußte, aus welchem Pilz man welche Tinktur mit welcher Wirkung herstellen konnte, der tat es.
Lt. Brockhaus (1906) war Opium damals ein sehr wichtiges Arzneimittel. Wirkt beruhigend, schmerz- und krampfstillend, schlafbringend. Natürlich auch in Russland.
So, wie schon immer, ist eine erlaubte Droge kein großes Handelsobjekt. Erst mit dem Verbot, wurde der Handel interessant und lukrativ.
hallo zurück!
danke für deine ausführliche antwort
abr da dreht sich meist nur um die ‚rauschgiftee‘ überhaupt
es ist mir bewusset was die heutigen drogen für damalige zeiten waren.
und die sind nicht der mittelpunkt, sondern eher russland, da es mir vorkommt, dass russland im 19 jhdt (immer noch ?) eher abgeschiedener war von dem ganzem wesentlichem weltgeschehen, und ich daher nicht gleuben kann dass MAN IN russland viel mit Rauschgiften zutun hatte.
bzw … das mit den fliegenpilzen könnt schon ein argument sein
lg
LC.S
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und die sind nicht der mittelpunkt, sondern eher russland, da
es mir vorkommt, dass russland im 19 jhdt (immer noch ?) eher
abgeschiedener war von dem ganzem wesentlichem weltgeschehen,
und ich daher nicht gleuben kann dass MAN IN russland viel mit
Rauschgiften zutun hatte.
Drogen sind weder etwas „westliches“ noch etwas, wofür es eine starke Anbindung an andere Teile der Welt braucht. Drogen gab es immer und überall und das ist noch heute so. Das war auch in Rußland so, denke ich. Diese Geschichte ist wohl weit älter als das 19. Jhdt…
Bestenfalls die Art der Drogen variiert, aber allein Mutter Natur bietet da soviel - in allen Klimazonen, in denen Pflanzen gedeihen - daß ich nicht ganz verstehe, wieso gerade Rußland im 19. Jhdt. da eine Ausnahme darstellen sollte.
Drogen sind weder etwas „westliches“ noch etwas, wofür es eine
starke Anbindung an andere Teile der Welt braucht. Drogen gab
es immer und überall und das ist noch heute so. Das war auch
in Rußland so, denke ich. Diese Geschichte ist wohl weit älter
als das 19. Jhdt…
Bestenfalls die Art der Drogen variiert, aber allein Mutter
Natur bietet da soviel - in allen Klimazonen, in denen
Pflanzen gedeihen - daß ich nicht ganz verstehe, wieso gerade
Rußland im 19. Jhdt. da eine Ausnahme darstellen sollte.
Es gibt sicher Literatur darüber, aber nicht bei mir!
Rauschgifte waren eben kein Problem, man lebte damit und deshalb kaum erwähnenswert.
Alkohol wird in der russischen Literatur viel beschrieben, aber Rauschgifte? Drogen nannte man ja damals Heilmittel.
Tut mir leid, ich weiß nicht mehr!
Aber, warte ab, heute ist Montag und die Firmenschädlinge sind wieder im Netz. die wissen fast alles.
Weil der Wirkstoff nicht unmittelbar
metabolisiert wird, diente übrigens der Urin der Herren dafür,
daß die Knechte sich auch noch ihren kleinen Trip leisten
konnten.
soweit mir bekannt, wird das muscimol gar nicht metabolisiert und genau so wieder ausgeschieden. bei den sibirischen schamanen war es üblich, den urin mehrfach „wiederzuverwenden“. überliefert ist zwei- bis dreimal. allerdings hat dann der schamane selbst seinen urin getrunken und nicht die anderen. unter anderem, weil in einigen gegenden keine fliegenpilze wuchsen und man sie teuer einhandeln musste. (überliefert sind preise von einem rentier für einen pilz…) die herren ließen übrigens den bitteren pilz von ihren frauen vorkauen.
standardmenge waren drei pilze, überliefert sind aber bis zu maximal 21 pilzen…
Das im Sibirischen Raum verbreitete Schamanentum ist wie
meistens Schamanenkulturen mit Fliegenpilz und anderen schönen
Dingen (Datura, wohl auch Atropa, von beiden weiß ich aber
nicht sicher) verbunden.
datura ist mir aus meiner beschäftigung mit sibirischen schamanen nicht bekannt. soweit ich weiß, ist das eine ursprünglich südamerikanische pflanze und wurde vielleicht deswegen nicht benutzt.
tollkirsche (atropin) wird auch nicht erwähnt. ich weiß nur von fliegenpilzen und nicht pflanzlich herbei geführten trance-zuständen.
Deine Namensvetterin Anna Karenina nahm Morphin, nach allem zu urteilen,
ziemlich regelmäßig.
Übrigens, im Roman gibts auch eine Episode (irgendwo am Ende des Buches), in der ein gewisser Levin versucht in einer Apotheke Opium zu kaufen.
Zuerst lehnt der Apotheker ab, dann aber verkauft es.
Aber hauptsächlich geht es da um Morphium.
Ich glaub in jedem zweitem russischen Roman (aus der Zeit) wird entweder
Opium oder Morphium erwähnt. Darüber schrieben Gogol („Njewskij Prospekt“ - Opium), Tschechow (z.B. „Onkel Wanja“ - Morphin), Gorkij (Briefe, Erzählungen - Morphin) und viele andere. Tschechow und Gorkij, beide nahmen Morphin, als Arzneimittel, weil sie beide an Tuberkulose litten.
Ich hab nochmals das Buch durchgeblättert und bin zu dem Schluss gekommen, dass
es nicht Morphin, sondern Opium war:
„…sie goß sich eine übliche Dosis Opium ein…“
Aber auch Morphin wird im Buch wenigstens zwei mal erwähnt.
Schönen Abend noch
nach allem zu
urteilen,
ziemlich regelmäßig.
Übrigens, im Roman gibts auch eine Episode (irgendwo am Ende
des Buches), in der ein gewisser Levin versucht in einer
Apotheke Opium zu kaufen.
Zuerst lehnt der Apotheker ab, dann aber verkauft es.
Aber hauptsächlich geht es da um Morphium.