Reaktionen auf SVV?

Huhu!

Was denken „normale“ Menschen, die nie mit dem Thema konfrontriert wurden über Selbstverletztendes Verhalten, wie z.B. schneiden?

Ich kenne inzwischen zu viele Menschen, die das machen/gemacht haben, um da noch groß geschockt zu reagieren.

Ich würd mich freuen, wenn einfach irgendwer seine Gedanken dazu aufschreibt.

Hintergrund ist, das ich da mit ein paar Freunden eine Diskussion drüber hatte, und die schätzen das anscheinend wesentlich krasser ein als ich.
(Schneidende sind auch nur Menschen - und keineswegs völlig wahnsinnige, sondern durchaus „normal“ und sozial aktiv wirkende. Finde ich zumindest. Meine Gesprächspartner hielten das für völlig durchgeknallt, und konnten das aber auch nicht so richtig begründen.)

Infos gibts z.B. hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Selbstverletzendes_Verh…
Oder hier:
http://www.rotetraenen.de/

Viele Grüße!
Ph aka aka.

Hi Scrabz,
ich bin Mutter von 2 Teenies.
Früher machte ich mir Gedanken, wie ich solch einer Person
helfen könnte.
Heute weiss ich, dass ich es nicht kann. Aus diesem Grund
bleibt mir im Prinzip nix anderes übrig, dass ich, wenn ich
gerade dazu komm, einfach nur noch nen Notarzt anruf.
Sorry, solche Leute gehören in dem Moment -m.M.n.- sofort
in Behandlung (eventl phys, aber meist eher psych).
LG
D

Hallo,

Was denken „normale“ Menschen,

weiß ich nicht, ob ich das bin.

die nie mit dem Thema
konfrontriert wurden

richtig (allerdings habe ich darüber gelesen
und z.B. im Fernsehen, ist ja sehr telegen, gesehen)

über Selbstverletztendes Verhalten, wie
z.B. schneiden?

Ich finde es krass und durchgeknallt.
IMHO sind die Menschen, die das tun, nur vordergründig
normal wirkend. Ich glaube, jemand, der sich selbst
verletzt, um ein Gegenstück zu seinen inneren Schmerzen
zu haben, auch um für eine Spannungslösung zu sorgen,
braucht Hilfe, die nur ein Spezialist geben kann. Glücklich
ist der Mensch mit Sicherheit nicht - ein Minimum an Glück,
und sei es nur die Abwesenheit von Schmerzen, gehört
zu meiner Definition des Normalseins dazu.*

Gruß
Elke

*das bezieht sich natürlich nur auf Menschen, die nicht in
von außen herangetragenen Extremsituationen leben, d.h.
ein Todesfall, in einer Kriegssituation usw.

Hallo

Ich habe einen Freund, der sich aus Liebeskummer/Trennungsschmerz mit einem Dolch einen langen Schnitt am Oberarm versetzt hatte. Er erzählte, dass das sehr entspannend gewesen sei. Es war, als würde mit dem Blut ein Überdruck abfließen, der ihn sonst zerrissen hätte. Es blieb, so weit ich weiß, bei diesem einen Mal.
Meine Reaktion: Interessiertes Zuhören. Keine Wertung geben.
Meine Gedanken: „Was es nicht alles gibt“, also erstaunte Zur-Kenntnis-Nahme. Ein klein wenig gruselig fand ich es aber auch.

Gruß, Tychi

Hi!
Das ist ja ein ziemliches Tabu-Thema. Ich habe es erst vor Kurzem kennengelernt, bzw. Menschen die sich das antun. Ich war ordentlich schokiert, muß ich zugeben. Wenn man so jemanden kennenlernt ist das schon krasser als nur darüber zu lesen.

Ich fand es schwer nachzufragen und habe diese Leute ein wenig wie rohe Eier behandelt. Nicht, dass ich da noch was schlimmer mache oder auslöse. Später wurde der Umgang dann lockerer und ich konnte auch mal ernsthaft sagen „Schönes Wochenende und: laß es sein“ und noch ein paar Ideen zum anderweitigen Spannungsabbau anbringen oder eine gemeinsame Unternehmung für den Fall der Fälle anbringen.

Ich frage mich inzwischen, wieviele Bekannte sich selbst verletzen und es aber so geschickt verstecken, dass es niemand merkt.

Krass finde ich selbstverletzendes Verhalten nach wie vor und halte auch professionelle Hilfe in solchen Fällen für dringend angeraten.
Im Übrigen gibt es auch unauffälligere Formen der Selbstverletzung, schleichende: Drogenmißbrauch, zuviel Alkohol, Eßstörungen etc.

kernig

Hallo,

eigentlich war ich nicht gefragt (denn ich bin betroffen, daher nicht „normal“ im Sinne der Ausgangsfrage), aber da die Antworten bisher mich sehr überraschen, möchte ich trotzdem meinen Senf dazugeben.

SVV ist ein Symptom, keine Krankheit an sich. Es kann ein Symptom einer vorübergehenden, nicht wirklich gefährlichen gefühlsmäßigen Krise sein. In selteneren Fällen kann es ein Symptom einer ernstzunehmenden psychischen Störung sein.

In diesem Wissen würde ich, wenn ich dieses Verhalten bei jemand anderem bemerke, versuchen zu ersehen, ob derjenige mir psychisch gesund erscheint (kann ohne Hilfe eigenständig leben, Fähigkeit zur Konfliktbewältigung, zur Interaktion mit anderen, usw.). Wenn dem so ist, würde je nach Tiefe der persönlichen Beziehung ein Ignorieren bzw. ein unverbindliches Hilfs/Gesprächsangebot ausreichen. Wenn ich Signale für tiefergehende Störungen zu erkennen glaube, oder derjenige sich so sehr verletzt, dass bleibende Schäden zu befürchten sind, sollte man Dritte einschalten.

In den allermeisten Fällen ist SVV aber eine vorübergehende Sache, die sich von selbst wieder verläuft. Es handelt sich oft einfach um einen Mechanismus zur Bewältigung von negativen Gefühlen.

Ich habe es selbst ungefähr so empfunden, wie jemand der sehr wütend wird und laut schreit und Geschirr an die Wand wirft. Zu der betreffenden Zeit war ich sehr frustriert und voller Agressionen gegen mich selbst und andere. Wutausbrüche am Arbeitsplatz wären unangebracht gewesen. Um funktionieren zu können, habe ich SVV „betrieben“. Andere hätten sich beim Sport ausgetobt etc. Den ganzen Tag über musste ich alle Gefühlsregungen unterdrücken. Abends oder am Wochenende war ich allein zuhause, habe nette Depri-Mucke aufgelegt und mich zu entspannen versucht. Ich konnte jahrelang nicht weinen. SVV war ein Mittel für mich.

Warum ich mich über die bisherigen Antworten wundere: die Ergebnisse meiner SVV-Tätigkeit sind gut sichtbar und können eigentlich kaum für etwas anderes gehalten werden als das, was sie sind. Wer mich mal bei einem w-w-w Treffen gesehen hat, dem ist es evtl. sogar aufgefallen. Trotzdem werde ich nur äußerst selten darauf angesprochen, selbst von Verwandten oder Ärzten nicht. Ein Neurologe, der bei mir ein Gutachten wg. Bewilligung einer Gesprächstherapie machen sollte, hat es nicht als SVV erkannt. Meine Mutter hat die Erklärung „habe mich verbrannt“ kommentarlos hingenommen. Ein einziges Mal hat mich eine Ärztin darauf angesprochen und es eindeutig zuordnen können, es war nachts in der Notaufnahme eines Berliner Krankenhauses, und die Dame sollte eigentlich meinen Hexenschuss behandeln. Sie war Neurologin und kannte sich im Thema aus.

Lange Rede, kurzer Sinn: wenn man nachfragt „wie würdet Ihr reagieren?“ kommen Antworten wie „ist nicht normal“, „würde sofort zum Arzt schicken“, usw. Ich habe diese Erfahrung aber nicht gemacht. Woran liegt das? Erkennt man es nicht? Gibt es vielleicht in Eurem Bekanntenkreis Betroffene, aber Ihr könnt es nicht zuordnen? Oder fehlt doch der Mut? Ist es peinlich, Leute darauf anzusprechen?

Gruß,

Myriam

Huhu!

hallo,

Was denken „normale“ Menschen, die nie mit dem Thema
konfrontriert wurden über Selbstverletztendes Verhalten, wie
z.B. schneiden?

was soll man darüber denken? gewalt an sich selbst ist und bleibt gewalt - sie dient als ventil - ist und bleibt aber etwas, was
letztlich nicht hilft und von allein im übrigen nicht verschwindet.

(selbst nicht betroffen, aber ich kenne so einige als kind sexuell missbrauchte menschen die schon 20 jahre lang unter svv leiden und
damit auch z.b ihr umfeld)

Ich kenne inzwischen zu viele Menschen, die das machen/gemacht
haben, um da noch groß geschockt zu reagieren.

darum gehts dir? für mich ist nicht wichtig ob jemand sich daran
gewöhnt hat oder total geschockt ist…

Ich würd mich freuen, wenn einfach irgendwer seine Gedanken
dazu aufschreibt.

wozu denn genau?

Hintergrund ist, das ich da mit ein paar Freunden eine
Diskussion drüber hatte, und die schätzen das anscheinend
wesentlich krasser ein als ich.

dann biste aber evtl auch nicht mehr sonderlich sensibel dem thema gegenüber - was ich genauso bedenklich finde wie jene, die geschockt sind und sich dennoch nicht mit dem thema befassen und aburteilen.
beide extreme umgangsweisen finde ich pers. bedenklich.

(Schneidende sind auch nur Menschen - und keineswegs völlig
wahnsinnige, sondern durchaus „normal“ und sozial aktiv
wirkende.

also mir gehts weniger darum wie jemand wirkt…wirken kann man sonstwie, je nach schauspielerischem talent z.b
es geht doch wohl eher darum, warum jemand sich verletzt und wohin das führen kann über die jahre und eben auch um die tatsache, das svv eben
auf dauer keine lösung ist - sonst könnte mans ja auch jedem lassen und keiner der betroffenen würde das bedrüfnis entwickeln sich mit den ursachen zu befassen.
jemand der kaum noch aus dem haus gehen kann, weil nunmal nicht überall eine dusche ist, unter die er oder sie sich stellen kann - so heiss es geht - und sich verbrüht dann natürlich - das ist keine bagatelle, das ist auch nicht harmlos und schon gar nicht hilfreich - wobei es sich für den moment für die person schon so anfühlt. meiner info nach aber leidet die person im anschluss wiederum doppelt - auch weil sie diesem drang nicht widerstehen kann und z.b auch wegen scham dem umfeld gegenüber und auch nicht zuletzt ob des bewusstseins, was sie sich da im grunde antut.
professionelle hilfe ist meiner ansicht nach immer angezeigt.
im übrigen steigern sich bei vielen menschen die selbstverletzungen über die jahre eher soweit ich informiert bin, denn die ursache - das seelische leid - verschwindet eben nicht einfach mal so eines tages.

Finde ich zumindest. Meine Gesprächspartner hielten

das für völlig durchgeknallt, und konnten das aber auch nicht
so richtig begründen.)

kannst du denn begründen warum du damit umgehst, als sei es einfach sowas wie eine marotte? für mich liest es sich so, als würdest du einfach sehr gegensätzlich reagieren - sozusagen die andere seite der medallie dessen was du hier erwähnst - ist das der richtige weg meinst du?

Viele Grüße!
Ph aka aka.

liebe grüsse

nina

PS: es gibt noch viele seiten im netz zum thema SVV bei denen mehr hintergründe berichtet und beschrieben werden.

Hallo Scrabz,

vor einiger Zeit war ich bei einem Vortrag zum Thema „Trauma“ und es wurde auch kurz über das SVV gesprochen.

Es wurde ungefähr gesagt, Menschen unter erhöhtem Spannungszustand würden das tun, um so ihre Spannungen zu vermindern. Obwohl man bisher nicht wisse warum, würden die Streßhormone tatsächlich innerhalb von Sekunden abnehmen, der Cortisol-Spiegel sinken. - Offenbar wird dann die mit dem SVV einhergehende Verunstaltung am Körper als das kleinere Übel empfunden im Vergleich mit dem Erleben der Spannung.

Vorher war mir dieses Phänomen schlechthin fremd, jetzt kann ich es zumindest irgendwie einordnen: eine Verhaltensweise mit Ventilfunktion, wie es genug andere gibt, die auch zum Teil problematisch oder schädlich sind, und bei denen einen das Gruseln deshalb nicht überkommt, weil man daran eher gewöhnt ist (oder es vielleicht gar selber macht).

Was mich aber interessiert, und das ist ein wenig off topic, warum Menschen sich Piercings und Tattoos antun - ein Rätsel! Vielleicht ist es etwas ganz anderes, aber dennoch muß ich bei SVV unwillkürlich auch daran denken. Und das ist wirklich etwas „schlechthin“ Fremdes für mich.

Grüße,

I.

Hallo,

meine Meinung darüber hat sich in den letzten Jahren ein bißchen verändert.
Als junger Teenager fand ich das total faszinierend und regelrecht bewundernswert, seine „ich-tu-mir-selbst-nicht-weh“-Hemmschwelle komplett zu ignorieren. Naja, da war ich halt in der Pubertät.

Komplett geheilt wurde ich von dieser Einstellung, als ich eine Bekannte ein paar Jahre nicht gesehen hatte und sie irgendwann mit richtig krass zerschnittenen Armen wiedergetroffen habe. Die war ein paar Jaher älter als ich und hatte zumindest eine grobe Vorbild-Funktion, und da habe ich mir natürlich Gedanken gemacht, was ist los mit der, woher kommt das. Die dominierenden Empfindungen war da wohl Sprachlosigkeit und Mitleid.

Das ist jetzt ziemlich viele Jahre her und weitere „SVV-Menschen“ kenne ich nicht. Mit der betreffenden Person habe ich aber noch Kontakt und weiß, dass sie durchaus lebenstüchtig, verantwortungsbewusst, zuverlässig und sozial kompetent ist.

Das ist so mein Maßstab, und von daher habe ich keine riesengroßen negativen Vorurteile oder so.
Wäre es aber eine nahestehende Person (Partner), würde ich mir schon Gedanken machen und ganz bestimmt sehr viel versuchen um sie davon abzubringen…weil ganz normal gesundes Verhalten ist das ganz sicher nicht.

Grüße
Sonja

Schneidende sind auch nur Menschen - und keineswegs völlig
wahnsinnige, sondern durchaus „normal“ und sozial aktiv
wirkende. Finde ich zumindest. Meine Gesprächspartner hielten
das für völlig durchgeknallt, und konnten das aber auch nicht
so richtig begründen.)

Ich glaube Du schätzt die Grenze zwischen psychischer Gesundheit und „Wahnsinn“ falsch ein.
SVV schockiert mich auch nicht wirklich, weil ich mit der Zeit ein breites Spektrum erfahren habe, wie Menschen auf Lebensituationen reagieren.
Nur weil es vielleicht verbreitet ist und man von „normalen“ Bekannten erfährt, dass sie es tun, heißt das nicht, dass es eine harmlose Form der Selbsverwirklichung ist.
Die wenigsten psychisch Kranken laufen als solche erkenntlich durch die Gegend, ziehen Grimassen und erstechen nachts unter der Dusche Frauen. Wer sich selbst verletzt ist zwar nicht „völlig wahnsinnig“ aber er hat ein ernsthaftes Problem, das behandelt werden muss. So gesehen ist es tatsächlich völlig durchgeknallt.

Weggucken ist einfacher
Guten Morgen!
Ich wundere mich, wie unbekümmert Du von Deiner SVV-Karriere berichtest. Das soll keine Wertung sein, sondern ist so gemeint wie es da steht.

Trotzdem werde ich nur
äußerst selten darauf angesprochen, selbst von Verwandten oder
Ärzten nicht. Ein Neurologe, der bei mir ein Gutachten wg.
Bewilligung einer Gesprächstherapie machen sollte, hat es
nicht als SVV erkannt. Meine Mutter hat die Erklärung „habe
mich verbrannt“ kommentarlos hingenommen.

Das läßt sich glaube ich auf fast alle psychischen Störungen / Krankheiten verallgemeinern. Auch bei Depressionen traut sich niemand nachzufragen. Selbst wenn man offen damit umgeht und frei heraus erzählt, dass man deswegen in Behandlung ist, sind die Reaktionen ähnlich: allgemeines Weggucken, leichthin drüber weg gehen, ja nicht nachfragen. Alles andere ist ja auch zu anstrengend :wink:

Oder fehlt doch der Mut? Ist es peinlich,
Leute darauf anzusprechen?

Ja, das auch. Es ist ja auch ein sehr intimes Thema, man möchte ja auch niemandem zu nahe treten.

kernig

Huhu!

Mir fehlt die Zeit, ernsthaft auf alle zu antworten, darum hier so ne allgemeine Antwort:

Ich denke nicht, das ich das Thema bagatellisiere.
Dazu kenne ich (wie gesagt) zuviele Menschen, die an SVV oder ähnlich schockierenden Dingen leiden.

Es ist nur so, das ich in meinem Bekanntenkreis schon relativ viele mit solchen oder ähnlichen Problematiken kenne, und selber ähnlich kranke Verhaltensmuster zeigte/zeige, darum weiss ich inzwischen, das es

  1. nichts bringt, völlig geschockt zu reagieren,
  2. die Leute auch nicht unbedingt einen Notarzt brauchen oder wollen,
  3. relativ stabil mit dem Syndrom leben,
  4. das viel, viel normaler ist, als der Normalsterbliche sich das vorstellt,
  5. es auch nichts bringt, die Leute wie rohe Eier zu behandeln, weil sie sich dann eher ausgegrenzt fühlen - und man sowieso nicht weiss, an welchen Stellen man vorsichtig sein muss, das kann man nur im Gespräch erfahren,
  6. es eh am erholsamsten ist, wenn man über solche Themen lacht, als wenn man direkt ernste Krisengespräche führt. Ich bin schließlich kein Therapeut.

Wie geht man sensibel mit dem Thema um?
Egal wie man sich dazu stellt, kann man es falsch machen.
Darum stelle ich meist einfach sehr direkte Fragen, und wenn mein Gegenüber nicht damit klarkommt, wird er mir das mitteilen.

Den Eindruck, den ich aus der Diskussion gewonnen habe, ist das die meisten hier sich nicht vorstellen können, wie man in eine Situation kommt, in der man das Tabu/die Hemmung sich selbst zu verletzten brechen kann, und halten Menschen, die genau das tun für sehr krank.

Genau den Punkt kann ich aber sehr gut nachvollziehen, darum bin ich da entspannter. Denke ich.

Berichtigt mich, wenn ich falsch liege.

Viele Grüße!
Scrabz aka Philipp (aka Drache).

Huhu!

Mir fehlt die Zeit, ernsthaft auf alle zu antworten, darum
hier so ne allgemeine Antwort:

Mir fehlt die Zeit, ernsthaft alle Antworten zu lesen.

Ich denke nicht, das ich das Thema bagatellisiere.
Dazu kenne ich (wie gesagt) zuviele Menschen, die an SVV oder
ähnlich schockierenden Dingen leiden.

Ja, genau: L E I D E N!! Schockierend? Ansichtssache… Was ich schockierend finde, dass es so viele Betroffene gibt! Spricht für mich dafür, dass zu viele Menschen einsam sind, sich ungeliebt, ausgeschlossen fühlen, oder aus anderen Gründen sehr unglücklich sind! (und wenn es „nur“ tief im Inneren ist - und nach aussen so „normal“, aktiv, kontaktfreudig…)

Schockierend finde ich, wie ein Arzt (Hausarzt, der auch Psychotherapie betreibt!!) einer Mutter sagen kann, „es wäre schon okay, dass die 14jährige Tochter sich selbst verletzt - solang es so bleibt und nicht schlimmer wird. Machen ja eh fast alle!“
Hallo?

Schockierend finde ich, dass diese Menschen, zumindest an bestimmten Körperstellen, auf Grund der enormen und nie ganz verheilenden Vernarbungen, ihre Haut verdecken und ihnen so viel Schönes verwehrt bleibt (Strand, Schwimmbad - vom entspannten Sex gar nicht zu reden) und trotzdem behaupten, dass Selbstverletzung ganz normal ist!

Ausserdem, du schreibst ja selbst:

  1. das viel, viel normaler ist, als der Normalsterbliche sich
    das vorstellt,

??? viel viel NORMALER, als der NORMALsterbliche? Das widerspricht sich!

Ich unterstelle nicht, dass SVV irgendwas mit Wahnsinn oder so 'nem Sch… zu tun hat. Ich kann mir nur gut vorstellen, dass Betroffene (ob die, die es tun, oder die, die es mit bekommen) das deshalb am liebsten als „normal“ anerkannt sehen wollen, weil die Ursachen soooo unwahrscheinlich individuell sind und auch schwierig zu diagnostizieren sein können. Ist ja schließlich einfacher: ab heute ist das „normal“ - einen Weg herauszufinden ist ja so schwierig…
Vielleicht wird es ja noch richtig „chic“, sich selbst zu verletzen, so wie Magersucht! Nimm es bitte nicht persönlich, aber normal ist das nicht! Auch nicht wahnsinnig oder durchgeknallt, sondern ein Zeichen von Unglücklichsein und ein verdammt ernstzunehmender Hilfeschrei!!!

Die Tatsache, dass es offenbar so viele Betroffene gibt, spricht nur dafür, dass es immer mehr und immer traurigere (Gesellschafts-)Probleme gibt.
Wer dafür ist, Probleme nicht zu lösen und dazu beizutragen, aus Bequemlichkeit irgendwann einmal in einer dunklen, depressiven Menschheit zu leben, kann das gerne als normal bezeichnen.

  1. es auch nichts bringt, die Leute wie rohe Eier zu
    behandeln, weil sie sich dann eher ausgegrenzt fühlen - und
    man sowieso nicht weiss, an welchen Stellen man vorsichtig
    sein muss, das kann man nur im Gespräch erfahren,

Und genau deswegen mußte ich das jetzt auch mal so äußern!

  1. es eh am erholsamsten ist, wenn man über solche Themen
    lacht, als wenn man direkt ernste Krisengespräche führt. Ich
    bin schließlich kein Therapeut.

Ich auch nicht, aber zum Lachen ist mir dabei nicht. Wenn ich natürlich im Alltag mit einem sich selbstverletzenden Menschen zu tun habe, geht mir auch nicht der Humor verloren! Auch nicht in dessen Gesellschaft! Nur halte ich es für gefährlich, in einem Forum, in dem man um Rat fragt, zu behaupten, das es das beste wäre, darüber zu lachen! Denk mal darüber nach!

Wie geht man sensibel mit dem Thema um?
Egal wie man sich dazu stellt, kann man es falsch machen.
Darum stelle ich meist einfach sehr direkte Fragen, und wenn
mein Gegenüber nicht damit klarkommt, wird er mir das
mitteilen.

So sehe ich das auch!

Den Eindruck, den ich aus der Diskussion gewonnen habe, ist
das die meisten hier sich nicht vorstellen können, wie man in
eine Situation kommt, in der man das Tabu/die Hemmung sich
selbst zu verletzten brechen kann,

Also ich persönlich habe schon vor Jahren festgestellt, dass man nie und überhaupt niemals über Situationen urteilen sollte, in denen man selbst noch nicht gewesen ist. Man KANN gar nicht wissen, wie sich sowas anfühlt. Woher auch? Ich denke, wenn ein Betroffener um Rat oder Hilfe bittet, sollte er sich nicht an Menschen wenden, die das selbe Problem noch leben (welche, die geschafft haben, damit aufzuhören - wäre wahrscheinlich optimal. Aber da fehlt ja meist leider die vorgeschriebene fachliche Ausbildung.) Also muß man sich ja irgendwie in die Lage hereinversetzen. Da ich auch selbst in meinem Umfeld betroffen bin, habe ich sehr intensiv über das Thema nachgedacht und recherchiert. Nachvollziehen kann ich es sicherlich bei weitem nicht - will ich aber auch gar nicht! Ich bemühe mich aber, viel Verständnis aufzubringen und gleichzeitig nicht aufzugeben,den Menschen darauf aufmerksam zu machen, was er da tut! Weil mir dieser Mensch sehr viel bedeutet und ich weder zusehen kann noch will! Glaubst du, dass das leicht für mich ist? Aber ich mache dir ja auch nicht zum Vorwurf nicht zu wissen, wie das für die Mitmenschen, die helfen wollen, ist. So ist es halt nun mal im Leben! Ständig braucht man Geduld und Verständnis - sowohl von der einen als auch von der anderen Seite. Manchmal macht man Fehler, manche sind schwerwiegender als andere. Aber das bleibt nicht aus, solange man noch Interesse an anderen Menschen hat!

und halten Menschen, die genau das tun für sehr krank.

Krank ist natürlich ein Wort, dass sich in dieser Beziehung sehr hart anhört. Wenn man es jedoch so sieht, dass da jemand leidet (ob er dies zugibt oder nicht), und zwar so sehr, dass die seelischen Leiden bereits selbst auf den eigenen Körper projeziert werden, dann kann man durchaus sagen, dass die Seele dieses Menschen nicht gesund ist!

Berichtigt mich, wenn ich falsch liege.

Das weiß ich nicht, da mußt du schon einen Matratzen-Fachverkäufer fragen!

Viele Grüße!
Scrabz aka Philipp (aka Drache).

Viele Grüße zurück,
sorgloseSusi