Realistische Mittelalter-Romane?

Hallo ihr lieben :wink:

kann mir jemand Romane über das Mittelalter empfehlen,
die einen einigermassen realistischen Hintergrund haben?
Also die Hauptpersonen sollte es wirklich gegeben haben
und das ganze Drumrum sollte nicht total aus der
Luft gegriffen sein. Anscheinend haben ja so bekannte
Schinken wie „Der Medicus“ und „Die Päpstin“ historische
Schnitzer drin. Es kommt mir auch nicht so sehr auf
Spannung und Unterhaltung an, die Bücher können ruhig
auch etwas trocken sein.
Ich hab auch schon versucht, eine Seite im netz zu
finden, wie Geschichts-Studenten rezensieren historische
Romane oder so, hab aber nichts gefunden bisher.

Vielen Dank schonmal :smile:
Saskia

Hallo, Saskia!

kann mir jemand Romane über das Mittelalter empfehlen,
die einen einigermassen realistischen Hintergrund haben?

Wenn du sowas suchst, lass die Finger von den „historischen Romanen“!

Anscheinend haben ja so bekannte
Schinken wie „Der Medicus“ und „Die Päpstin“ historische
Schnitzer drin.

Schnitzer? Nenn´ es Verhauer! Das ist treffender. Im „Medicus“ setzt sich der Protagonist in der Hagia Sophia ins Kirchengestühl! Sapienti sat!

Es kommt mir auch nicht so sehr auf
Spannung und Unterhaltung an, die Bücher können ruhig
auch etwas trocken sein.

Wenn du Trockenheit ertragen kannst, hier eine kleine Liste:

Gerd Althoff, Spielregel der Politik im Mittelalter;
derselbe, Otto III.;
Wolfgang Stürner, Friedrich II, Teil 1 und 2;
Klaus von Eickels/Tania Brüsch, Kaiser Friedrich II.;
Ferdinand Opll, Friedrich Barbarossa;
Peter Csendes, Heinrich VI.;
Paolo Golinelli, Mathilde und der Gang nach Canossa;
Michael T. Clanchy, Abaelard;
Hans K. Schulze, Hegemonialses Kaisertum.

Alle, bis auf das letzte, sind bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt erschienen, nicht billig, aber gut ediert!

Und wenn es doch Romane sein müssen, schau mal da:

http://www.annjabusch.de/und_noch.htm

Hinweis auf Thomas R.P. Mielke!

Beste Grüße, Fritz

Hallo Saskia,

kennst du noch der Name der Rose:smile:?

immer noch mein Liebling.

Beste Grüße,

barbara

hallo saskia,

wie fritz netterweise schon anführte *dank&wink* sind die historischen romane von Thomas R.P. Mielke sehr gut recherchiert.

die romanbiographien attila , karl der große und karl martell sind oft bis zur speisenfolge historisch belegt, mehrfach ausgezeichnet und - nicht nur im deutsprachigen raum - schlichtweg standard.
gilgamesch ist die nacherzählung des gleichnamigen epos - akribisch genau aus den keilschriften übertragen.
beim „köln-roman“ coelln - stadt, dom, fluss (in der neuauflage trägt er den titel „colonia - roman einer stadt“) sind die beiden hauptfiguren rheinold und ursa zwar - zumindest in diesen zeitlichen zusammhängen - erfunden (real existieren sie erst im 20. und 21. jahrhundert), das ist aber nur ein kunstgriff, um 2000 jahre (authentischer!) kölner geschichte darstellen zu können.

näheres und noch viel mehr unter http://www.trpm.de und/oder http://www.amazon.de/exec/obidos/search-handle-url/i…

herzliche grüße
ann

Hallo Saskia,

ein Buch, das ich sehr gut fand ist „Der Mönch“ von Simon Taylor, ISBN: 3442425611 Buch anschauen . Ich glaube nicht, dass es eine reale Vorlage hat, aber es ist trotz mancher Längen gut zu lesen, gut recherchiert und leistet sich keine echten „Schnitzer“.

Ganz im Gegensatz zu Ken Follets hochgepriesenem „Die Säulen der Erde“ (ISBN: 3404259882 Buch anschauen). Historische Fundierung gleich null. Finger weg davon!

Ein ganz passabler, schon älterer Roman ist von Hella S. Haasse, „Wald der Erwartung“ - Das Leben des Charles von Orléans (ISBN: 3499262134 Buch anschauen).

Und dann noch mein Lieblingsbuch zum Mittelalter: „Ich Wolkenstein“ von Dieter Kühn (ISBN: 3596133343 Buch anschauen). Das ist kein Roman, sondern eine Biographie über den „letzten Minnesänger“, aber wunderbar lebendig geschrieben, exzellent recherchiert und einfach ein großartiges Lesebuch über das Spätmittelalter!

Grüße
Wolfgang

Für den Wolkensteiner

Und dann noch mein Lieblingsbuch zum Mittelalter: „Ich
Wolkenstein“
von Dieter Kühn (ISBN: 3596133343 Buch anschauen).

einen *. Den hatte ich doch glatt vergessen.:wink:

Fritz

Liebe Saskia
Liest Du auch englisch? Ja? Here you are (VERY PLEASURABLE INDEED!)
alles sehr vergnügliche Krimis:
Candice Robb , alle Owen Archer Romane
etwa 8 bis jetzt, gut recherchiert, aber sehr auf York bezogen, natürlich. Ein Beispiel: The Crossleged Knight ISBN 0 09 927830 8
Weiter ALLE Krimis von Ellis Peters mit Brother Cadfael, einem sehr menschlichen,listigen und liebenswerten Benediktinermönch und früheren Kreuzfahrsöldner als Hauptperson resp. Detektiv z.B. A Morbid Taste for Bones ISBN 0 7088 2552 4

Bernard Knight: the Sanctuary Seeker ISBN 0 671 51673 6
Etwas vom Besten:Vision Of Light by Judith Merkle Riley VISION OF LIGHT ISBN0-450-51611-3
Have fun with the middle ages! Regards Susette

vielen Dank :smile: vielleicht…
vielen Dank erstmal für die vielen Vorschläge :smile:

vielleicht müssen es doch nicht unbedingt Romane sein,
ich fange gerade an, mich für das Mittelalter zu
interessieren und suche da noch einen guten Einstieg.
Und wie ich das so lese, kann ich die meisten
„historischen Romane“ wohl vergessen *seufz*

also wenn jemandem noch weitere gut recherchierte
und empfehlenswerte Bücher einfallen, freue ich mich
natürlich *allendankendzuwink*

Hi,
wenn schon, dann schon: ich würde Baudolino von Umberto Eco empfehlen. Es ist nicht nur perfekt recherchiert, sondern liefert neue Erkenntnisse zu unbekannten Aspekten der Forschung :smile:

(Nimm meine Aussage nicht zu ernst - im Roman wird einer erfundenen Person die Urheberschaft einiger historischer Tatsachen zugesprochen - und das auf sehr amüsanter Weise).

Gruß

J.

FAQ
Hallo Saskia,

spätestens an dieser Stelle ist natürlich der Hinweis auf die Leseliste FAQ:247 aus dem „Mittelalter“-Brett angebracht.

W.

ja, aber…
da stehen halt leider auch „Der Medicus“ und
„Die Säulen der Erde“ drauf und da habe ich jetzt
schon von allen Seiten gehört, bloss Finger weg
davon… was sind denn eigentlich die Kriterien
für die FAQs?

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo nochmal, Saskia,

da stehen halt leider auch „Der Medicus“ und
„Die Säulen der Erde“ drauf und da habe ich jetzt
schon von allen Seiten gehört, bloss Finger weg
davon… was sind denn eigentlich die Kriterien
für die FAQs?

Letztendlich natürlich die persönliche Meinung des jeweiligen Verfassers. Das ganze wer-weiss-was ist ja so aufgebaut, dass jeder Experte seine Informationen nach bestem Wissen und Gewissen preisgibt, aber das schließt nicht aus, dass man im Einzelfall auch mal zu unterschiedlichen Bewertungen kommt.

Dass die genannten Romane auf dieser Leseliste auftauchen macht mich auch nicht ganz glücklich, aber das müsste man mal mit Nike besprechen.
Zum Thema „Historische Romane“ allgemein hat Fritz ja schon das entscheidende gesagt. Die Sachbuchtipps von der Leseliste sind (soweit ich die Bücher kenne) allemal empfehlenswert.

Grüße
Wolfgang

Hallo !

Muß es unbedingt Mittelalter sein?

Es gibt keine „realistischen“ Mittelalterromane.
Es gibt welche, in denen sich der Autor so ungefähr an das hält, was bis heute über das Mittelalter bekannt ist. Aber - es ist sehr wenig bekannt. Sehr viel „Bekanntes“ stellt sich immer mehr als Märchen und Gerücht heraus.
Diese augenblickliche Invasion von „mittelalterlicher“ Lektüre und Nachfrage ist schon merkwürdig.
Man sollte also nur das lesen, was damals geschrieben wurde oder sich damit abfinden, dass das meiste heute geschriebene Blödsinn ist. Zumindest, wenn es ein „Roman“ sein soll.

Vielleicht : „Gargantua und Pantagruel“ von Rabelais. Ein „Roman“ , im 16. Jahrhundert geschrieben, aber mittelalterliche Zustände behandelnd.

Oder, im 20. Jahrhundert geschrieben von Ricarda Huch, die dreibändige Reihe „Deutsche Geschichte“. Spannend, wie ein Roman. Mit echten Darstellern.

Oder „Leben und Schicksale“ von Friedrich Christian Laukhard. Die Lebensgeschichte eines Magisters und Musketiers im 18.Jahrhundert.

Oder „Merkwürdige Verbrechen“ von Anselm von Feuerbach aus dem 18. jahrhundert.

Oder „Das memorial“ von Jose Saramago. Portugal Anfang des 18. Jahrhunderts.

Gruß max

hallo saskia,

da du ja offensichtlich mit romane nicht so viel am hut hast, möchte ich dir ein sachbuch empfehlen, das sich mit einer realen familie im 14. jahrhundert befaßt hat.
das besondere an diesem buch ist, dass es eben nicht die üblichen geschichtsbuch-daten wiederholt (schlachten, kriege, geburts- und sterbedaten von kaiser und königen, erbauung irgendwelcher klöster usw.), sondern das relativ unspektakuläre leben des unteren adels im frankenreich rekonstruiert hat.

das buch heißt der ferne spiegel und wurde geschrieben von einer barbara tuchmann , einer der, wenn nicht sogar der bedeutendsten amerikanischen historikerin. (achso: ISBN 3-423-30081-7 Buch anschauen)

wer dieses buch gelesen und begriffen hat, dass wir heute von „der geschichte“ nur wissen, was damals als bemerkenswert niedergeschrieben oder sonstwie berichtet wurde (natürlich immer verzerrt durch die jeweils herrschenden politischen oder auch ethisch und moralischen maßstäbe), der ist auch in der lage, aus guten historischen romanen wissen zu ziehen.

viele grüße
ann

ich bin überhäuft :wink:
also ich bin vom Geschichtsunterricht in der Schule
leider sehr abgeschreckt worden und nähere mich
Sachbüchern nur sehr vorsichtig :wink:
Aber eure Vorschläge klingen echt gut und ich werde
mich da mal durchlesen *inSesselversink*

Hallo Saskia!

Ich bin auch Fan historischer Romane.
Ich kann Dir Romane aus dem EMONS-Verlag (köln) empfehlen.
Sind sehr authentisch!
z.B. der Bastard vom Berg oder Tod und Teufel

Viel Spass beim Lesen

alle Wälzer von Peter Berling!
…die sind nicht nur peinlich genau recherchiert, sondern auch noch witzig und spannend!

Grüße, Dörte

Hallo,

wenn es lesbare Werke sein sollen, käme neben der Anales-Schule Johan Huizinga: Herbst des Mittelalters in Frage