Auf den zahlreichen Monatsbildern, die sich seit dem 13. Jh. in verschiedenster Form (Skulptur, Buchmalerei, Schnitzerei, später Druck) finden, sieht man häufig für den Mai jemanden säen und im August jemanden dreschen. Ist das für die Aussaat nicht zu spät? Oder hat die Kleine Eiszeit zu so einem späten Saattermin geführt? Hat man nicht im Winter gedroschen?
Oder spiegeln die Bilder die Realität nur sehr bedingt wieder, das sie auf einen festen Typus zurückgehen?
Vermutung:
Hallo Stefan,
ich spreche hier mal eine Vermutung aus.
Könnte es sein, dass sich die Jahreszeitenverschiebung durch die Nochnichteinführung des gregorianischen Kalenders (erst 1582), sondern durch die Anwendung des julianischen Kalenders (seit 46 v. Chr. in Anwendung) in dieser Bildgestaltung ergeben hat?
Deine Vermutung mit der kleinen Eiszeit halte ich aber auch für möglich. Mal sehen, was die echten Experten äußern.
So long
MainBrain
Hallo Stefan,
bist Du sicher, dass Du Dich mit Mai und Ausaat nicht täuscht?
Ich kenne diese Tätigkeit eher für April. März wäre Pflügen.
Was das Dreschen angeht, hängt das mit der Aufbewahrung des Getreides zusammen. Körner ließen sich genau wie Mehl leicht in Truhen einigermaßen Mäusesicher verwahren. Für Getreide am Halm galt das wegen des Volumens nicht. Dafür hätte man auch wesentlich größere Getreidespeichertypen bauen müssen. Außerdem brauchte der Bauer die Halme (Streu) für den Stall oder zum Strohseilwinden. für Strohschuhe usw.
viele Grüße
Angelika
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bist Du sicher, dass Du Dich mit Mai und Ausaat nicht täuscht?
Ich kenne diese Tätigkeit eher für April. März wäre Pflügen.
Hallo Stefan,
Angelika hat recht. Kannst Du konkrete Beispiele anführen? Das sicher bekannteste Buch dieser Art ist „Les Tres Riches Heures du Duc de Berry“ - und da wird im März gesät (bzw. das Wintergetreide im Oktober):
http://humanities.uchicago.edu/images/heures/march.jpg
und
http://humanities.uchicago.edu/images/heures/october…
Die Getreideernte hatte ihren Schwerpunkt im Juli
http://humanities.uchicago.edu/images/heures/july.jpg
und wie Angelika schreibt, machte es wenig Sinn, das Korn lange auf dem Halm zu lassen.
Was das Dreschen angeht, hängt das mit der Aufbewahrung des
Getreides zusammen. Körner ließen sich genau wie Mehl leicht
in Truhen einigermaßen Mäusesicher verwahren. Für Getreide am
Halm galt das wegen des Volumens nicht. Dafür hätte man auch
wesentlich größere Getreidespeichertypen bauen müssen.
Außerdem brauchte der Bauer die Halme (Streu) für den Stall
oder zum Strohseilwinden. für Strohschuhe usw.
Die gregorianische Kalenderreform übrigens bewirkte nur eine Datumsverschiebung von 10 Tagen, auf Donnerstag den 04.10.1582 folgte Freitag der 15.10.1582. Demnach hatten sich die Aussaat- und Erntetermine der folgenden Jahre scheinbar auf einen späteren Zeitpunkt verlagert, keinesfalls auf einen früheren.
Freundliche Grüße,
Ralf
Oder hat die Kleine Eiszeit zu so einem späten
Saattermin geführt?
Das Ende der ‚kleinen Eiszeit‘ mit extrem kalten Wintern (im Schnitt 1,5 bis 2 Grad kälter als heute) und feuchten Sommern wird ziemlich einheitlich auf 1850 datiert. Glaziologen datieren die größte Ausdehnung des Eises (also den Höhepunkt der ‚kleinen Eiszeit‘) um 1700 und setzen den Beginn der ‚kleinen Eiszeit‘ auf etwa 1540.
Der Beginn wird unterschiedlich angesetzt; extrem frühe Datierungen wollen einen Beginn schon Anfang des 14. Jahrhunderts feststellen (die vorangegangene Warmzeit wird mit ca. 950-1250 angesetzt). Mit Sicherheit aber waren die klimatischen Auswirkungen nicht extrem genug für eine Verschiebung des Aussaattermins um ganze zwei Monate - schon gar nicht bereits im Spätmittelalter.
Freundliche Grüße,
Ralf