Reallöhne und Arbeitslosigkeit

Hallo VWLer und VWL-Freunde,

wieso nimmt man an, dass mit sinkenden Reallöhnen die Arbeitslosigkeit sinkt bzw. was für Theorien und Ansätze gibt es dahinter?
Danke für eure Antworten.

Gruß

Hi,

wieso nimmt man an, dass mit sinkenden Reallöhnen die
Arbeitslosigkeit sinkt bzw. was für Theorien und Ansätze gibt
es dahinter?

Das ist eine einfache Folge eines sinkenden Angebotspreises. Der Preis der Arbeit sinkt, daher werden nun auch Stellen besetzt, die sich vorher nicht wirtschaftlich besetzen ließen:

  • Zusätzliche Servicekräfte im Vertrieb
  • Mehr Leute leisten sich eine Putzfrau
  • Die Produktion wird ausgeweitet, weil ein Betrieb nun durch niedrigere Produktionskosten international konkurrenzfähiger ist
    etc.
    Das ganze funktioniert natürlich nur so lange, wie der Lohn in den zu besetzenden Berfusgruppen nicht unter die Sozialleistungen fällt. Wenn das passiert wird es natürlich zu STEIGENDER Arbeitslosigkeit führen.

Grüße

Anwar

Das ist eine einfache Folge eines sinkenden Angebotspreises.
Der Preis der Arbeit sinkt, daher werden nun auch Stellen
besetzt, die sich vorher nicht wirtschaftlich besetzen ließen:

  • Zusätzliche Servicekräfte im Vertrieb
  • Mehr Leute leisten sich eine Putzfrau
  • Die Produktion wird ausgeweitet, weil ein Betrieb nun durch
    niedrigere Produktionskosten international konkurrenzfähiger
    ist
    etc.

Danke schon mal! Wenn ich das richtig verstanden habe, heißt das also, dass dadurch die realen Kosten für die Firmen sinken und diese dann mehr Leute einstellen können.
Aber das müsste nach der Fisher-Gleichung dann auch heißen, dass eine höhere Inflation die Arbeitslosigkeit senkt, stimmt das?

Gruß

Hi,

Aber das müsste nach der Fisher-Gleichung dann auch heißen,
dass eine höhere Inflation die Arbeitslosigkeit senkt, stimmt
das?

Das müsstest Du mir mal genauer erklären.

Nun ist eine Inflation aber auch immer nur eine Folge von bestimmten Entwicklungen, die ihrerseits meistens selbst Einfluss auf die Arbeitslosenquote haben, was das ganze recht schwer durchschaubar machen wird.

  • Anwar

oh sorry, Fisher-Gleichung war das falsche Stichwort.
Aber die Zentralbank könnte doch z.B. durch expansive Geldpolitik eine Inflation hervorrufen, wodurch sich die Reallöhne verringern und somit auch die Arbeitslosigkeit. (?)

Gruß

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diese theorie ist ein potemkimsches dorf, also augenwischerei.
soziologisch gesehen, haben die sinkenden löhne absolut gar nicht zur schaffung neuer arbeitsplätze geführt, sondern zu wesentlich mehr druckausübung auf die einzelnen arbeitnehmer, welche nunmehr für noch weniger lohn noch mehr arbeit leisten. (z.b. in form unbezahlter überstunden).
was du da fragst, klingt nach erstsemester bwl. und die möchten sicher gerne bequeme lehrbuchantworten hören?
liebe grüsse, wiff

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diese theorie ist ein potemkimsches dorf, also augenwischerei.
soziologisch gesehen, haben die sinkenden löhne absolut gar
nicht zur schaffung neuer arbeitsplätze geführt, sondern zu
wesentlich mehr druckausübung auf die einzelnen arbeitnehmer,
welche nunmehr für noch weniger lohn noch mehr arbeit leisten.
(z.b. in form unbezahlter überstunden).
was du da fragst, klingt nach erstsemester bwl. und die
möchten sicher gerne bequeme lehrbuchantworten hören?

Danke schon mal für die Antwort.
Leider ist das nicht mal BWL, sondern VWL Hauptstudiumsveranstaltung, und VWLer leben ja immer gerne in einer theoretischen Welt :smile:
Naja die Frage war auch ein wenig unprägnant gefasst.
Also, es geht darum, dass wir in einer Volkswirtschaft sind, in der die Wirtschaftssubjekte nominale Arbeitsverträge abschließen und die Preise sowie die Nominallöhne rigide sind.
Nun will die Zentralbank durch Geldmengenschübe eine für die Öffentlichkeit überraschende Inflation hervorrufen, die dann zu sinkenden Reallöhnen und zu sinkender Arbeitslosigkeit führen soll.
Wie das allerdings funktionieren soll, verstehe ich nicht ganz.

Viele Grüße

diese theorie ist ein potemkimsches dorf, also augenwischerei.
soziologisch gesehen, haben die sinkenden löhne absolut gar
nicht zur schaffung neuer arbeitsplätze geführt, sondern zu
wesentlich mehr druckausübung auf die einzelnen arbeitnehmer,
welche nunmehr für noch weniger lohn noch mehr arbeit leisten.
(z.b. in form unbezahlter überstunden).

Und deine Theorie ist mehr als ein potemkinsches Dorf?

was du da fragst, klingt nach erstsemester bwl. und die
möchten sicher gerne bequeme lehrbuchantworten hören?

Oder auch einfach die Meinung einiger Menschen, die diese Auffassung vertreten.

Grüße
JCK

Leider ist das nicht mal BWL, sondern VWL Hauptstudiumsveranstaltung, und VWLer leben ja immer gerne in einer theoretischen Welt :smile:

Genau!
Das Problem bei dieser Aussage ist das „tertium non datur“.
Das bedeutet konkret:

  1. Die Zentralbank ist allmächtig, d.h. der bestimmte Leitzins beeinflußt das ganze System
    Real ist dies nicht gegeben, da die deutsche, selbst die europäische Zentralbank wenig Einfluß auf globale Märkte hat und jeglicher Effekt auf die kontrollierten Ökonomie durch globale Effekte kompensiert wird.
    Das heißt: Hohe heimische Inflationsraten senken den Bedarf an heimischen Devisen, was natürlich ausländische Investoren abschreckt.
    Hohe Inflationsraten benötigen hohe Zinssätze zur Kompensierung der Real-Arbeitskraft des Kapitals, und hohe Zinssätze schrecken Arbeitgeber, Investitionen zu tätigen.

  2. Es gibt keine Lohnverhandlungen
    Real mischen sich Gewerkschaften ständig ein und versuchen, das Realeinkommen ihrer „Schutzbefohlenen“ zumindest gleich zu halten. Das wiederum heißt: wer Arbeit hat, dessen Realeinkommen bleibt und am Schluß sind nur die gekniffen, die keine Arbeit haben - denn ihre Realkaufkraft fällt noch weiter (Ausweitung der Armut!)

  3. Bürger sind „an die Scholle gebunden“
    Gerade bei Experten sind die Märkte mittlerweile globalisiert und die Einkommen international einigermaßen vergleichbar: wem’s im heimischen Markt nicht paßt, der holt sich eine Greencard und siedelt um.
    Wenn das Realeinkommen dieser Leute fällt, steigt die Abwanderungsrate an Leistungsträgern, wodurch das BIP sinkt und auch das Realeinkommen der gesamten Wirtschaft sinkt. Na schmerzlichen Glühstrumpf - wir machen unser eigenes Land kaputt!

  4. Es gibt keine Sozialgesetze
    Wenn das Realeinkommen unter das sozialgesetzlich festgelegte Existenzminimum fällt, sinkt der Anreiz zur Arbeit gegen Null. Selbst wenn die Arbeitgeber bereit wären, zu einem Lohn X einen Arbeitnehmer einzustellen, ist der Arbeitsplatz unattraktiv und wird nicht besetzt.
    Die Schere zwischen potentiell belegbaren und tatsächlich belegten Arbeitsplätzen klafft immer weiter!

Und so weiter…

Nun will die Zentralbank durch Geldmengenschübe eine für die Öffentlichkeit überraschende Inflation hervorrufen, die dann zu sinkenden Reallöhnen und zu sinkender Arbeitslosigkeit führen soll.
Wie das allerdings funktionieren soll, verstehe ich nicht ganz.

Das ist ganz einfach eigentlich:
Plötzlich haben die Leute mehr Geld, also setzen sie mehr um.
Das ist gleichbedeutend mit höherer Nachfrage, die gedeckt werden will. Das geschieht (besonders im Dienstleistungssektor) natürlich durch bezahlte Arbeitskräfte.
Die müssen natürlich irgend wo her kommen. Also werden sie eingestellt.

Real ist das allerdings schon wieder hahnebüchen, da ein Geldschub eine exakt einmalige Wirkung auf die Ökonomie hat und sofort nach der Kompensation des Erstbedarfs auch die Realkaufkraft der Währung sich automatisch mindert, wodurch der mittelfristige Bedarf auf das ursprüngliche Niveau zurückfällt, denn die Geldmenge bestimmt nicht die Kaufkraft einer Ökonomie, sondern die Kaufkraft den Wert des Geldes.
Wenn wir jetzt noch Supply Chain Management hinzupacken, kommt dadurch der „Bullwhip Effect“ zum Tragen und, langer Rede kurzer Sinn, gehen dadurch kleinere Unternehmen en masse platt.
Die einzige Chance, welche die Zentralbank hat, um diesen Effekt zu verhindern sind immer neue, immer größere Geldschübe, kurzum: galoppierende Inflation.

Aber auch das ist nur eine akademische Lösung, da spätestens nach dem zweiten Geldschub in kurzer Zeit die Glaubwürdigkeit der Währung am Boden ist und kein Mensch mehr diese Währung halten will.
Und dann hat die Zentralbank ihr einziges und mächtigstes Steuerungsinstrument verloren.

Gruß,
Michael

Also ich hab’s so gelernt(!), dass die Geldmengenerhöhung (bzw. Zinssenkung) zu mehr Investitionen führt und die Unternehmen somit mehr Leute einstellen.
Gruß
Matthias

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